Brauchwasserwärmepumpe inkl. Zirkulationsleitung - Paar Fragen

Hallo zusammen,

ich habe in meinem Keller eine Brauchwasserwärmepumpe (178L, Viessmann Vitocal 060-A) stehen. Die Wasserleitungen mit Zirkulationsleitung (inkl. Pumpe) verlaufen bei mir unterhalb der Decke und gehen dann in zwei unterschiedlichen Räumen nach oben ins EG zur Küche und ins EG/OG zum Gäste-WC/Bad.

Zur besseren Vorstellung habe ich euch das mal aufgemalt:

Noch ein paar weitere Eckdaten:

  • 2 Personen Haushalt
  • Duschzeit meistens abends
  • Aufgrund eines Balkonkraftwerkes habe ich die Brauchwasserwärmepumpe so eingestellt, dass sie nur zwischen 10:00 Uhr und 18:00 Uhr laufen darf
  • Solltemperatur BWWP: 55 Grad
  • Zirkulationspumpe läuft jeden Abend um 18:30 Uhr für eine Zeit von 30 Minuten (eher zur Spülung)
  • Wasserhärte: 13,7° dH
  • Kellertemperatur: Hochsommer ca. 20 Grad; Winter ca. 15 Grad bis 11 Grad bei langer Kälte
  • Wasserohre sind Mehrschichtverbundrohr (Geberit Mepla), Zikulation 16mm, Warmwasser 22mm

Zu der gesamten Anlage hätte ich folgende Fragen:

1. Legionellen
Ich stelle mir nun die Frage, was die richtige Einstellung ist um das Legionellenproblem zu vermeiden. Reichen hier meine 55 Grad in der BWWP aus? Ich habe versucht hier einen Mittelweg zwischen ausreichender Temperatur für Legionellen und hohe Kalkauslösung zu vermeiden.

Wie oben geschrieben sind wir zwei Personen im Haushalt. Meistens duschen wir jeden Abend. Nach dem Duschen hat das Wasser in der BWWP noch so etwa 45 Grad. Das steht dann da so drin bis am nächsten Morgen um 10 Uhr. In dieser Zeit kühl es um weitere 4-5 Grad ab. Wenn man jemand Baden geht fällt die Temperatur auch schon auf 35 Grad oder darunter. Am nächsten Morgen wird es dann wieder auf 55 Grad erwärmt. Diese Temperatur ist dann etwa so um 13 Uhr erreicht.

Die Zirkulationspumpe lasse ich abends eigentlich nur laufen, damit die Leitungen durchgespült werden. Wenn ich warmes Wasser brauche ist es schon wieder abgekühlt.

Ich habe nun Bedenken, dass sich hier in meinem System Legionellen bilden könnten. Ist das so? In der Küche z. B. brauchen wir fast kein warmes Wasser. Das meiste geht in die Spülmaschine.

Es gibt bei der BWWP auch noch so eine thermische Desinfektion, die man einschalten und wähle kann alle wie viel Tage die einsetzen soll. Ich möchte halt vermeiden, dass sich in meinen Leitungen und im Speicher Legionellen bilden. Ich habe im Keller auch noch ein Waschbecken mit Warmwasseranschluss. Ich kann da aber doch nicht jeden Tag hingehen und Wasser laufen lassen.

Wie würdet ihr das umsetzen?

2. Dämmung der Rohre
Bisher habe ich die Rohre noch nicht gedämmt. Für die Thematik zu Punkt 1 ist das sicherlich gut, da das Wasser schnell abkühlt und sich dann keine Legionellen bilden. Aus energetischer Sicht, macht das nicht so viel Sinn, da es im Keller doch eher kühl ist.

Wie schätzt ihr das ein?

3. Zirkulationsleitung
Ich habe jetzt festgestellt wenn die Zirkulationspumpe abends läuft, kühlt mein Speicher innerhalb weniger Minuten um ca. 5 Grad ab. Im Nachhinein würde ich keine Zirkulationsleitung mehr einbauen. Wie würdet ihr das steuern?

Habe auch mal gelesen, die Pumpe darf max. 6 Stunden aus sein.

Ich hatte jetzt schon überlegt den Teil der Zirkulationsleitung, der von der BWWP Richtung Küche geht zu entfernen, da wir hier sowieso nicht oft warmes Wasser brauchen. An die Leitung, die hoch ins Bad geht komme ich nicht mehr dran. Auf der anderen Seite werden die Leitungen dadurch ja auch immer gut gespült. Bin echt etwas ratlos was hier am meisten Sinn macht.

4. Verbrauch BWWP
Ich tracke den Verbrauch meiner BWWP jetzt seit Juni 2025 und kann folgende Werte mitteilen:

Juni: 39,89 kWh
Juli: 35,77 kWh
August: 34,95 kWh
September: 36,50 kWh
Oktober: 42,08 kWh
November: 37,03 kWh

Was die Verbrauchswerte angeht habe ich keine Ahnung ob das viel oder wenig ist. Kann dazu jemand etwas sagen?

Ich hoffe ich habe alle Angeben die wichtig sind notiert.

Ich danke euch sehr für die Hilfe!

Wir sind auch zwei Personen. Es wird ein 100l Speicher per Heizstab mit solar Überschuss auf 60°C geheizt. Der Verbrauch ist etwa 3 mal so hoch. Zirkulation ist zurückgebaut

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Ich kann dir nur sagen, dass wir mit vier Personen (2 Erwachsene, 2 jüngere Kinder) im November laut meiner Vaillant-Gasheizung knapp 166 kWh an Gas für Warmwasser verbraucht haben. Wir haben zwar noch ein Solarthermiemodul auf dem Dach, aber das wird im November eher nicht so die Rolle gespielt haben.

Nein, reicht (theoretisch) nicht. Es gab mal eine Reihenuntersuchung in EFHs bezüglich Legionellen. (Diskussion dazu im HTD-Forum). Problematische Konzentrationen gab es wohl selten, und wenn, dann ausschliesslich in Installationen mit Zirkulation. Wenn möglich, würde ich sie zurückbauen.

Wir haben eine Vaillant BWWP mit 260l Speicher.
Verbrauch in den Sommermonaten so um die 40kWh pro Monat.
In den Wintermonaten so um die 45kWh pro Monat, da dann der Keller etwas auskühlt und das Frischwasser auch kälter aus der Leitung kommt.
Zu deinen anderen Fragen:
1. Legionellen
Ich habe die Temperatur auf 50°C stehen und bisher kein Problem.
Die 50°C hatte ich schon über 25Jahre lang vorher mit der Gasheizung und dem zugehörigen Warmwasserspeicher und nie irgendein Problem.
Zur Sicherheit heize ich ca. einmal im Monat auf 60°C hoch, dann braucht die Anlage an dem Tag statt 1,5kWh dann 3kWh, dafür an den beiden Folgetagen jeweils etwas weniger.
Ich habe aber durchgehend Kupferleitungen in der Wasserinstallation, ob das mit deinen Kunsstoffrohren anders ist, kann ich leider nicht beurteilen.
2. Dämmung der Rohre
Ich kann nur empfehlen die Rohre zu dämmen wegen der Heizung des Kellers und der Wände.
Zusätzlich kann ich empfehlen auch den Warmwasserspeicher noch zu dämmen, um die Wärmeverluste des Speichers zu begrenzen. Ich habe dazu 70mm Rockwool um den Speicher gewickelt und mit breitem Aluband die Ritzen verklebt. Oben habe ich ein Spannband gezogen, damit ich den WP-Aufsatzdeckel zu Wartungszwecken abnehmen kann.
3. Zirkulationsleitung
Meine Zirkulation läuft während der Erwärmungsphase 2h nach dem Start der Aufheizung.
Dann ist die Speichertemperatur meist schon nahe an den 50°C und am Ende der Aufheizung sicher auf Zieltemperatur. Wenn du noch keinen Wärmesyphon am Warmwasserausgang hast, empfehle ich, diesen nachzurüsten um Autozirkulation zu vermeiden.
Meine Zirkualtionspumpe ist eine "intelligente" Wilo Pumpe (Star-Z Nova-T), die läuft zu der programmierten Zeit und geht am Rest vom Tag immer mal für eine Minute an, damit das Wasser in der Zirkulationsleitung in Bewegung bleibt.
Wenn die Zirkulation im Haus verbaut ist, muss das Wasser darin auch bewegt werden.
Die Alternative ist alle Zirkulationsleitungen zurückzubauen (von den anderen Leitungen trennen).
Für das Auskühlproblem vor dem Duschen kannst du auch einen Taster im Bad installieren, der bei Betätigung die Zirkulation für 1-2 Minuten laufen lässt. Wenn die Leitungen gut isoliert sind, ist der Wärmeverlust gering. Mit der Länge und Querschnitt der Leitung kannst du die Wassermenge berechnen das mutlipliziert du mit der spezifischen Wärmekapazität des Wassers und der Abkühlung in Kelvin. Bei 5l Leitungsinhalt, einer Leitungstemperatur von 10°C bei 55°C Temperatur im Warmwasserspeicher und einem COP von 3 für deine WP, benötigt die einmalige Zirkulation ca. 0,1kWh pro Tag.
Die beobachtete Differenz von 5K vor und nach der Zirkulation erscheint mir sehr hoch. Bei mir sind es "nur" 1-2K Abkühlung und meine Rohre in der Wand bis in den 1.Stock sind leider nicht isoliert, nur die im Keller sind eingepackt.

Herzliche Grüße
Eclipse

Wir brauchen zu zweit so etwa 1.3 kWh Strom am Tag für die BWWP, da sind Deine Werte auf jeden Fall besser. Für die Zirkulation hab ich zwei Shelly Taster im Bad und der Küche, die die Zirkulation jeweils ne Minute an machen. Spart Wasser, das egal wie bei uns teurer ist als die Energie fürs WW. Name fällt mir gerade nicht ein vom energie & hobby YT Kanal macht es auch nur nach Bedarf und fährt geringe Temperatur und läßt regelmäßig mal testen, ohne jeden Befund.

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zu 1:
Viel Wasseraustausch. Die Zirkulationsleitung ist doch quasi auch nur tot. Besser: Am Ende der Wasserleitung ein el. Ablaufventil mit ner Zeitschaltuhr. Alle 24h wird nicht per Zirkulation das Wasser wieder in den Tank gespült sondern kommt in den Gully.

Ich habe nun Bedenken, dass sich hier in meinem System Legionellen bilden könnten. Ist das so?

Die Frage ist tricky. Wenn wir dir nun sagen: Da bilden sich keine, dann lügen wird. Die Legionellen können auch über die Leitung der Stadtwerke etc. kommen. Und dann? Wenn du ANGST hast vor Legionellen, schmeiß die Zirkulation raus. Dann installierst du eine UV-Lampe mit dem für dich passenden Durchfluss zwischen die BWWP und dem WW-Rohr. So hast du in jedem Fall alles was VON der BWWP kommt soweit abgetötet. Das beinhaltet nicht das, was sich in den Rohren ansammelt, an den Armaturen etc. pp.

Um das jedoch zu verhindern müsstest du das Legionellenprogramm mit der thermischen Desinfektion einschalten bei der BWWP und dann JEDE Armatur für ne Minute mit extrem heißen Wasser (60-70°C aufwärts) durchspülen.

Ich habe im Keller auch noch ein Waschbecken mit Warmwasseranschluss. Ich kann da aber doch nicht jeden Tag hingehen und Wasser laufen lassen.

Aber genau mit sowas erzeugst du erst die Gefahr. Lösung wie oben:

Zeitschaltuhr dran. Alle 24h so lange öffnen bis Warmwasser kommt.

Damit zum letzten Punkt, das ist die Speichertemperatur. Das kannst du natürlich so machen wie du willst. Die Essenz aus vielen Fachforen lautet: Am schlimmsten ist die Ausbreitung von Legionellen, wenn eine Zirkulationsleitung vorhanden war. Bei anderen Installationen waren keine Legionellen festzustellen! Das nur als direkten Dämpfen. Danach war relevant, wie hoch die Temperatur ist. Aber wo nichts ist… Also ist das am Wichtigsten, was vorne schon steht: Je schneller das Wasser getauscht wird, umso besser.

Und das bedeutet: Je niedriger du die Speichertemperatur stellst, umso eher ist das alte Wasser ausgetauscht.

@eclipse

Zur Sicherheit heize ich ca. einmal im Monat auf 60°C hoch, dann braucht die Anlage an dem Tag statt 1,5kWh dann 3kWh, dafür an den beiden Folgetagen jeweils etwas weniger.

Es hatte sich erwiesen, dass das alles nur noch schlimmer macht. Die Legionellen, sollten denn welche da sein, können auch in einen Ruhemodus gehen. Fällt dann die Temperatur breiten sie sich erst recht aus. Und da man eine höhere Temperatur hatte, dauert es auch länger bis man das Wasser ausgetauscht hat.

PS:

Ich habe die Studie nicht gefunden. Aber das. Man sollte sich das durchlesen und sich dann folgende Frage stellen. Das RKI hat KEINEN Zusammenhang mit der Temperatur gefunden, aber man soll nun doch die Temperatur hoch stellen…. Und weiter unten die Praxistipps: Die Leitungen spülen. Stagnation ist der Feind.

Um das noch einmal zu verdeutlichen, durch die Stagnation entsteht auch der Biofilm. Der kann sich schlechter bilden, wenn öfter gespült wird. Die Lösung ist also keine höhere Temperatur, es ist das durchspülen.

Es wäre schon gut, wenn du die Quelle für diese Aussage noch findest. So pauschal dürfte das nämlich falsch sein.

Den gibt es nicht.

Das Thema Legionellen lässt sich nicht ausdiskutieren. Der persönliche Angstfaktor ist eben ein persönlicher Angstfaktor. Was nutzt es dir, wenn du bei für dich zu niedriger Warmwassertemperatur vor lauter Sorge nachts nicht mehr schlafen kannst.

Ansonsten passiert in hunderttausenden EFH-Warmwasseranlagen nichts, und in ein paar wenigen allerdings doch. Wie du das einschätzt, ist deine Entscheidung.

Wenn das Thema allerdings schon bei der Planung bekannt war, hätte man das durch eine Frischwasserstation o.ä. entschärfen können.

Oliver

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Habs gefunden:

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Ah, ok. Danach reichen schon 50 Grad aus, es braucht keine 60 Grad.

Oliver

Unter Anderem.

@roterfuchs Danke für die Studie.

Was lerne ich daraus:

  • Mein Speicher ist mit 50°C ausreichend heiß.
  • Die Anti Legionellen Orgie 1x im Monat kann ich mir sparen.
  • Der Thermosyphon war eine sinnvolle Investition.
  • Wenn ich irgendwann mal die Leitungen im Haus erneuern sollte, fliegt die Zirkulation raus.
    Das bedeutet zwar mehr Wasserverbrauch beim Duschen dafür spült es die Leitungen besser.

Herzliche Grüße
Eclipse

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Das sind auch meine Erkenntnisse.

Das hätte ich im letzten Jahr auch machen sollen :frowning:

Ich nehme an, du meinst mehr Warmwasserverbrauch? Wie machst du das? Schaltest du den Durchfluss der Zirkulationsleitung immer beim Duschen mit ein? Macht das überhaupt Sinn. Es wäre recht einfach zu realisieren.

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Ich denke mal, er meint die paar Liter Wasser die in der Leitung sind, kalt, die man ablässt vor dem duschen.

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Ok, das macht ja nur Sinn, wenn die Zirkulationsleitung offen ist.

Mal ne andere Frage, habe schon rumgesucht, aber nichts gefunden: wie kann man den Eintrag von Legionellen in die Leitungen vermeiden, sie müssen ja einen Ursprung haben ? UV Bestrahlung ist ja nur eine Gegenmassnahme.

Wir haben z.B. eine eigene Wasserversorgung mit Hausbrunnen. Jedes Jahr wird das Wasser kontrolliert (Kaltwasserleitung). Wir haben NULL Bakterienkontamination, also sollte wir eigentlich auf der sicheren Seite sein. Andererseits sagte mir das Gesundheitsamt, dass die Entstehung eines Biofilmes in den Rohren unvermeidlich sei. Gegenmassnahme sei häufige Nutzung oder auch Spülen der Leitungen. Auch hier gilt: der Biofilm muss ja irgendwoher kommen,

Gar nicht. Die kommen wie geschrieben über das Trinkwassersystem zu dir.

PS:

Ich meinte, wenn die Zirkulationsleitung rausfliegt, muss ich halt mehr Wasser weglaufen lassen, bis warmes Wasser kommt, als mit Zirkulation.

Herzliche Grüße
Eclipse

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Aha, ja klar, das ist dann so.

Kritisch wirds vor allem bei längeren Standzeiten, also nach dem Urlaub aufpassen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Im normalen Alltag bei regelmäßig Warmwasser scheinen Legionellen im Einfamilienhaus kein Problem zu sein.

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