Problem mit Balancieren/Drift der DEYE RW-F10.2 bei Ladeschluss

Ich habe mich inzwischen auch etwas tiefer mit technischen Unterlagen von Texas Instruments sowie verschiedenen LiFePO₄-Dokumentationen beschäftigt, weil hier mehrfach diskutiert wurde, welche Spannungen technisch sinnvoll, notwendig oder zellschonend sind.

Dabei finde ich interessant, dass die Dokumente sowohl einige Aussagen von @nimbus4 und @deff stützen, gleichzeitig aber auch meine grundsätzliche Problematik durchaus nachvollziehbar erscheinen lassen.

Zum Beispiel beschreiben mehrere TI-Unterlagen ausdrücklich, dass LiFePO₄-Systeme häufig bewusst mit niedrigeren Spannungen im Bereich etwa 3.45–3.50 V/Zelle betrieben werden, um Zellstress, Drift und lange Aufenthalte im oberen Spannungsbereich zu reduzieren. Gleichzeitig sind Spannungen bis etwa 3.6–3.65 V technisch grundsätzlich möglich und liegen innerhalb typischer LiFePO₄-Ladeverfahren.

Der für mich interessante Punkt ist aber ein anderer:

Der Hersteller meines Systems hat sich selbst bewusst entschieden für:

  • ca. 58.4 V Ladespannung,
  • passives Balancing mit ca. 110 mA,
  • Balancing ausschließlich während aktivem Laden,
  • maximal vier gleichzeitig balancierende, nicht benachbarte Zellen,
  • und einen Balancing-Start bereits ab etwa 30 mV Zellabweichung.

Gerade letzteres finde ich wichtig:
Wenn bereits ab ca. 30 mV aktiv balanciert werden soll, zeigt das aus meiner Sicht ja bereits, dass deutlich kleinere Zellabweichungen als erstrebenswerter bzw. normaler Zielbereich angesehen werden und nicht mehrere hundert Millivolt.

Und genau hier finde ich wiederum die TI-Unterlagen interessant:
Dort werden bei vergleichbaren BMS-/Balancing-Architekturen typische Balancing-Schwellen ebenfalls im Bereich von wenigen zig Millivolt beschrieben, beispielsweise etwa:

  • Start des Balancings bei ca. 40 mV Zellabweichung,
  • Stop des Balancings bei ca. 20 mV.

Wichtig ist dabei aus meiner Sicht:
Diese Werte stellen natürlich keine starre Defektgrenze dar. Aber sie zeigen durchaus die grundsätzliche Zielrichtung solcher Balancing-Algorithmen.

Denn die Idee dahinter ist ja gerade:

  • Drift frühzeitig zu erkennen,
  • aktiv gegenzuregeln,
  • die Zellen wieder aneinander anzunähern,
  • und eben zu verhindern, dass die Zellspannungen immer weiter auseinanderlaufen.

Und genau deshalb finde ich die Situation bei meinem System interessant:
Der Hersteller selbst gibt an, dass das Balancing bereits ab etwa 30 mV Zellabweichung aktiv wird. Das entspricht also grundsätzlich genau derselben Größenordnung, die auch in den TI-Unterlagen beschrieben wird.

Gleichzeitig werden aber später Spannungsdifferenzen von 150–300 mV noch als „normal“ bzw. „akzeptabel“ eingeordnet, obwohl gleichzeitig:

  • einzelne Zellen regelmäßig zuerst 3.65 V erreichen,
  • dadurch der Ladeabschluss dominiert bzw. begrenzt wird,
  • der Ladeschluss teilweise deutlich unausgeglichen erfolgt,
  • keine saubere kontrollierte CV-/Ladeendphase mehr stattfindet,
  • und trotz vieler Vollzyklen keine nachhaltige Konvergenz eintritt.

Genau daraus ergibt sich für mich die eigentliche Fragestellung:
Wenn das System bereits ab ca. 30–40 mV aktiv gegen Drift arbeiten soll, warum wachsen die Spannungsdifferenzen dann trotzdem regelmäßig bis deutlich über 100–200 mV an, bevor einzelne Zellen die Maximalspannung erreichen?

Für mich wirkt das zumindest so, als ob:

  • Balancierstrom,
  • verfügbare Balancingzeit,
  • Ladeendeverhalten,
  • oder die konkrete Gesamtparametrierung
    praktisch nicht ausreichend hinterherkommen.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum zu behaupten, dass eine Zelle niemals kurzzeitig hohe Spannungen erreichen dürfe oder dass 3.65 V grundsätzlich ein „falscher“ Wert seien. Solche Spannungen liegen technisch grundsätzlich innerhalb typischer LiFePO₄-Ladeverfahren.

Die eigentliche Frage ist für mich vielmehr, ob ein geschlossenes Herstellersystem im vorgesehenen Automatikbetrieb dauerhaft so arbeiten sollte, dass regelmäßig einzelne Zellen zuerst an die Spannungsgrenze laufen und dadurch den Ladeabschluss dominieren, obwohl das Balancing genau solche Driftzustände eigentlich frühzeitig begrenzen soll.

Und ja, ich weiß, dass ich manche Punkte inzwischen mehrfach wiederhole oder sehr ausführlich formuliere. Das mache ich teilweise auch bewusst, weil ich meine Gedanken möglichst sauber und vollständig ausformulieren möchte und mir gerade bei diesem Thema keine missverständlichen oder verkürzten Aussagen „in den Mund legen“ lassen möchte — insbesondere falls Hersteller oder Verkäufer hier mitlesen sollten.

Natürlich werde ich auch weiterhin über den weiteren Verlauf berichten und euch auf dem Laufenden halten — unabhängig davon, wie die Sache am Ende ausgeht.

Ein Nebenziel dieses Threads ist für mich inzwischen auch, andere Nutzer für dieses Thema zu sensibilisieren. Vielleicht schauen dadurch andere Besitzer ähnlicher Systeme genauer hin, teilen ihre Erfahrungen oder erkennen vergleichbare Auffälligkeiten bei ihren eigenen Speichern.

Quellen / technische Unterlagen:

  • Texas Instruments – LiFePO4 Design Considerations (SLUAAR1)
  • Texas Instruments – Using the bq24650 to Charge a LiFePO4 Battery (SLUA565)
  • Texas Instruments – Cell Balancing With BQ769x0 Battery Monitors (SLUA749)
  • Texas Instruments – BQ76952 Technical Reference Manual

Was in deinen sehr ausführlichen Ausführungen völlig fehlt, ist, was du eigentlich möchtest: die Akkus zurückgeben? Den Kaufpreis zurückbekommen? Eine jahrelange Gutachterschlacht vor Gericht genießen? Ein neues BMS in die Akkus gebaut bekommen, welches sich anders verhält?

Oliver

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Ein Softwareupdate für die Akkus, das diesen unsäglichen “Balanciere nur beim Laden” Modus abschaltet und stattdessen “Balanciere immer, solange einzelne Zellen über 3,45V sind” (oder sowas) und gleichzeitig Ladeschlußspannug bei 3,5V. Und das dann an alle bisherigen Kunden verteilen.

Ach so. Na dann, viel Erfolg.

Oliver

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Doch, das habe ich eigentlich bereits mehrfach geschrieben:Ich habe den Rücktritt erklärt und möchte die Speicher zurückgeben bzw. den Kaufpreis erstattet bekommen.

genau solche Lösungen wurden von mir gegenüber Hersteller und Verkäufer bereits angesprochen bzw. diskutiert und letztlich nicht umgesetzt.

Ich kanns auch immer noch nicht ganz nachvollziehen.
Entweder die Gerichtssache durchziehen und den Akku nicht anrühren, oder aber den verbauten Balancer deaktivieren, nen vernünftigen Balancer einbauen wie zb. den Neey Balancer. BMS Verbindung zum Wechselrichter trennen, passende Parameter manuell einstellen... Problem gelöst (vorausgesetzt die Zellen sind iO). Oder gleich nach Möglichkeit ein anderes BMS rein. Auch die Diskussionen über die Mikro Balancerströme kann ich nicht nachvollziehen. Jeder höherwertige Modellbaulader hat nen Balancer verbaut der das 20 fache leistet, und weit mehr Einstellungen zum Balancing bietet als es jedes China BMS derzeit zu bieten hat. Und da gehts um Gößen im 5Ah Bereich. Ich persönlich hab noch nichts besser und schneller Balancen gesehen als es ein Junsi 4010DUO macht (passiv), und zwar bei Bedarf alle Zellen gleichzeitig und vollautomatisch, ja sogar einen 300Ah 8s Block. Und das Ding gibts schon über 1 Jahrzehnt auf dem Markt. Ich sags ja immer wieder da steckt man im PV Bereich noch in den Kinderschuhen.

Genau das habe ich im Thread eigentlich mehrfach geschrieben:

Mir ist völlig klar, dass man das technisch vermutlich irgendwie lösen oder verbessern könnte:

  • anderer Balancer,
  • anderes BMS,
  • geänderte Ladeparameter,
  • externe Steuerung,
  • zusätzliche Hardware,
  • usw.

Der Punkt ist nur:
Genau so ein DIY-/Umbau-/Optimierungsprojekt wollte ich ursprünglich gerade nicht haben.

Ich habe mich bewusst für ein geschlossenes Fertigsystem entschieden und nicht für einen Eigenbau mit Victron, JK-/Neey-Balancern oder frei konfigurierbaren Einzelkomponenten.

Und ich habe ja durchaus versucht, gemeinsam mit Hersteller und Verkäufer eine Lösung zu finden:

  • aktive Balancer angesprochen,
  • Firmware-/Balancing-Themen diskutiert,
  • Hardwarelösungen vorgeschlagen,
  • mich kooperativ gezeigt.

Der Hersteller und der Verkäufer haben sich dazu aber letztlich klar positioniert und das Verhalten im Wesentlichen als normal eingeordnet bzw. keine entsprechende Lösung umgesetzt.

Und genau deshalb ist für mich der Punkt inzwischen überschritten, an dem ich anfangen möchte:

  • das System zu öffnen,
  • das BMS zu tauschen,
  • Fremdhardware einzubauen,
  • Balancer nachzurüsten,
  • CAN-/BMS-Verbindungen zu verändern,
  • oder mit Zusatzsoftware in die Herstellerparameter einzugreifen.

Denn dann bewege ich mich aus meiner Sicht nicht mehr innerhalb des ursprünglich gekauften Fertigsystems, sondern baue das Produkt faktisch zu einem eigenen DIY-System um.

Und genau das wollte ich ursprünglich bewusst vermeiden.

Und ja:
Falls der Verkäufer die Speicher nicht zurücknimmt, wird das Verfahren entsprechend weitergeführt. Das habe ich ebenfalls mehrfach offen genau so gesagt.

Ich habe Dir ja hier ein Beispiel gegeben, dass man mit solchen TI ICs problemlos auf < 5 mV balancen kann ( das wird im wesentlichen durch die Genauigkeit/ das Rauschen der Spannungsmessung limitiert) . Dass das möglich ist steht völlig außer Frage. Allerdings hat es per se relativ wenig Relevanz, ob man 5 mV, 100 mV oder 150 mV erreicht. Wirklich wichtig ist nur, dass man einen Wert halten kann und man nicht irgendwann in einer Zelle 3.35 V und in einer anderen 3.65 V hat.

Nur wenn das der Fall ist und damit massiv nutzbare Kapazität verloren geht, würde ich das als erheblichen Mangel bewerten.

Ich hatte gehofft bereits verdeutlicht zu haben, dass bei der Auslegung von Deye das Strom-Zeit-Produkt also die erreichbare entnommene Ladungsmenge beim Balancing schlicht zu kurz ist.

Noch einmal der Hinweis: Mit etwas reduzierter Ladespannung könnte die Situation völlig anders aussehen!

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@boldface
bei mir ist es zufälliges Erfahrungswissen, bei @nimbus4 ist es der pure Sachverstand.

Ansonsten habe ich eher ein Judiz (Rechtsgefühl) wie der Streit etwas preiswerter und vor Allem schneller abgewickelt werden kann. Wie er ausgehen wird, steht in den Sternen. Was du machst ist deine Sache. Wichtig ist, dass du aus den Hersteller- und Händleraussagen beweisen kannst, es sei ein Plug and Play System, bei dem der Kunde keine Parameter ändern dürfe. Uns hast du bisher keine Belege vorgelegt, die diese Aussage stützen, brauchst du aber auch hier nicht, die wirst du vor Gericht brauchen. Wenn der WR ans Netz angeschlossen wurde, dann darf das ja nur eine versierte Elektrofachkraft machen. Die wird im Zweifel die korrekte Parametrierung zu überprüfen haben. Für mich sind Deye Hybrid WR in Kombination mit deren Akku´s keine Plug and Play Geräte. Solch eine Bezeichnung passt nur zu steckerfertigen Solargeräten (Balkonkraftwerk).

Andere Forsiten, die keinen Rechtsstreit führen wollen, stellen ihre Parameter hier ein und bekommen dann die entsprechenden Hinweise, wie diese optimiert werden können. Das könntest du auch machen und fertig ist´s. Kostet kein Geld und hilft dir dann in einen sicheren und guten Betriebsmodus zu kommen.

Du kannst statt dessen den Rechtsstreit führen, lässt alle Einstellungen und betreibst weiter bis zum bitteren Ende. Entweder raucht ein Akku ab oder auch nicht. Dein Gebrauchsvorteil steigt mit jedem Jahr, d.h. du bekommst den vollen Kaufpreis nicht erstattet, musst dein System (WR+Akku) zurück geben und vielleicht auch noch einen Teil der Verfahrenskosten zahlen.

Die Deye Akkus sind noch im Handel, Hinweise auf Betriebsstörungen sind nicht bekannt, es ist nicht offensichtlich, dass es bei dem Typ massenhaft zu Problemen kam. Will damit sagen, dass dein Wandlungsanspruch jedenfalls auf der Kippe steht. Nicht die BMS Einstellungen sondern die Einstellungen im Laderegler werden die Ursache für die hohe Drift sein.

Damit ist doch alles gesagt.

Ich rate dringend davon ab es so zu handhaben wie von dir vorgeschlagen.

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Genau das ist für mich ja der entscheidende Punkt:

Wenn die eigentliche Lösung tatsächlich darin bestehen würde,

  • die Ladeparameter zu verändern,
  • Spannungen anzupassen,
  • die Ladestrategie umzubauen,
  • andere Modi zu verwenden
  • oder das System generell anders zu parametrieren,

dann hätte ich genau solche Hinweise oder Vorgaben eigentlich vom Hersteller erwartet.

Das ist aber gerade nicht passiert.

Im Gegenteil:
Der Hersteller hat sich im Wesentlichen immer darauf berufen, dass die beobachteten Zellabweichungen bzw. Spannungsdifferenzen am Ladeende normal oder akzeptabel seien.

Ich habe dazu sogar dokumentierte Aussagen, sinngemäß, ich solle hinsichtlich der Spannungsunterschiede „nicht so überempfindlich sein“.

Gleichzeitig liegt mir vom Hersteller ausdrücklich die Aussage vor, dass der Speicher im vorgesehenen Lithium-Modus betrieben werden soll.

Und genau deshalb sehe ich mich als Endkunde ehrlich gesagt nicht in der Rolle, jetzt eigenmächtig:

  • andere Ladeparameter zu testen,
  • Spannungen umzubauen,
  • Spezialmodi zu verwenden,
  • Fremdhardware nachzurüsten,
  • oder mich vom vorgesehenen Betriebsmodus zu entfernen.

Denn wenn genau das notwendig wäre, um das Verhalten sauber in den Griff zu bekommen, dann hätte ich erwartet, dass:

  • der Hersteller diese Einstellungen selbst empfiehlt,
  • eine entsprechende Firmware bereitstellt,
  • oder eine offizielle technische Lösung anbietet.

Genau das ist aber trotz vieler Gespräche, Vorschläge und meiner kooperativen Mitwirkung nicht passiert.

Stattdessen wurde mir im Wesentlichen erklärt, dass das Verhalten normal sei.

Und genau das ist letztlich auch der Grund, weshalb ich den Rücktritt erklärt habe.

Denn ich möchte jetzt nicht anfangen, eigenmächtig an einem geschlossenen Herstellersystem herumzuverändern und dadurch am Ende möglicherweise selbst meine Gewährleistungs- oder Garantieansprüche zu gefährden.

PS: Die Screenshots der aktuell verfügbaren Batterie-/Ladeeinstellungen habe ich übrigens ebenfalls in den Dropbox-Ordner mit den Aufzeichnungen hochgeladen. Kannst du dir bei Gelegenheit gerne einmal anschauen.
Wichtig dabei ist allerdings: Laut Hersteller soll der Wechselrichter ausdrücklich im Lithium-Modus mit Einstellung „00“ betrieben werden. Andere Modi wie „Battery V“, „Battery %“ sind laut Vorgabe gerade nicht vorgesehen. „NoBat“ ist logischerweise auch der falsche Modus

Dass die CV-/Balancingphase bei meinem System aus meiner Sicht praktisch zu kurz ist bzw. das Strom-Zeit-Produkt des Balancings für die vorhandenen Deltas nicht ausreicht, war mir tatsächlich schon relativ früh bewusst. Genau das habe ich gegenüber Hersteller und Verkäufer auch mehrfach angesprochen.

Für deinen Beitrag bin ich deshalb auch dankbar, insbesondere für den Hinweis auf die möglichen TI-BMS-/AFE-ICs. Das war mir in dieser Form vorher nicht bekannt und genau deshalb habe ich angefangen, mich in die entsprechenden TI-Unterlagen einzulesen.

Mir ist dabei aber auch wichtig zu sagen:
Ich kann mich am Ende natürlich nicht einfach auf einzelne Forenbeiträge berufen, sondern versuche gerade, eine möglichst nachvollziehbare technische und dokumentierte Argumentationskette aufzubauen.

Und selbst wenn in meinem konkreten Speicher am Ende gar kein TI-BMS verbaut sein sollte, finde ich die Unterlagen trotzdem interessant, weil sie zumindest zeigen, wie vergleichbare Balancing- und Ladestrategien grundsätzlich arbeiten bzw. ausgelegt werden.

Dass eine reduzierte Ladespannung die Situation möglicherweise deutlich entschärfen könnte, bestreite ich technisch überhaupt nicht. Genau solche Überlegungen oder Lösungsansätze hätte ich allerdings vom Hersteller erwartet.

Stattdessen wurde mir über lange Zeit im Wesentlichen erklärt, dass die beobachteten Spannungsdifferenzen normal bzw. akzeptabel seien und ich hinsichtlich der Zellabweichungen „nicht so überempfindlich“ sein solle. Auch diese Aussagen habe ich dokumentiert.

Genau darum geht es mir letztlich auch:
Nicht um einen theoretischen Idealzustand oder darum, ob man das System technisch irgendwie optimieren könnte, sondern um die Frage, ob ein geschlossenes Fertigsystem im vorgesehenen Automatikbetrieb so arbeitet, wie ein Endkunde es vernünftigerweise erwarten darf.

Dann nochmal die Frage: warum?

So, wie es aussieht, funktioniert die Anlage doch wie beworben. Es wird Strom gespeichert, und wieder abgegeben, in der versprochenen Menge. Für einen Gewährleistungsfall muss ein Mangel vorliegen, der hier schwierig nachzuweisen ist. Es funktioniert ja alles. Dito für Garantieansprüche.

Ja, irgendwelche internen Spezialparameter könnten anders eingestellt sein, das ist für den Anwender (und damit auch für jeden Gutachter) aber völlig uninteressant.

Oliver

Ist letzteres bestätigt? Gibt es Meßwerte, die die entnehmbare Energiemenge belegen?

Regelmäßiges Laden bis zur Überspannungsabschaltung ist jedenfalls weder Stand der Technik noch gut für die Langlebigkeit des Akkus.

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Das ist hier in Nerdistan so. Im realen Leben spielt das keine Rolle.

Oliver

@OliverSo

Die Frage „warum?“ lässt sich eigentlich schon aus meinem allerersten Beitrag ableiten.

Ich habe den Thread ausdrücklich eröffnet, um eine technische Einschätzung zum Ist-Zustand meines Systems zu bekommen. Mir ging es dabei nicht darum, sofort Umbau-, Optimierungs- oder Parametervorschläge zu sammeln, sondern zunächst darum, einzuordnen, ob das beobachtete Verhalten noch als normal angesehen werden kann oder eher auf ein unzureichendes Balancing bzw. ein auffälliges Ladeendeverhalten hindeutet.

Genau das habe ich dort auch beschrieben:

  • drei parallel betriebene Deye RW-F10.2 Packs,

  • Daten direkt über CAN aus dem BMS,

  • im mittleren SOC-Bereich eher unauffällige Zellspannungen,

  • im oberen Ladebereich dagegen stark auseinanderlaufende Zellen,

  • einzelne Zellen bei etwa 3.63–3.66 V,

  • gleichzeitig andere Zellen deutlich tiefer,

  • Deltas bis etwa 200–240 mV am Ladeende,

  • nach 5–10 Minuten Relaxation teilweise immer noch etwa 160–170 mV,

  • passives Balancing laut Hersteller mit ca. 110 mA,

  • max. vier Zellen gleichzeitig,

  • und Balancing nur während Charging.

Die zentrale Frage war also von Anfang an:
Ist dieses Verhalten bei einem solchen System noch normal oder eher auffällig?

Wenn man die Diskussion rein technisch betrachtet, kann man das aus meiner Sicht tatsächlich so zusammenfassen:

Die Unterschiede liegen hier im Thread hauptsächlich:

  • bei den vorgeschlagenen Lösungsansätzen,

  • bei der Frage, wie man praktisch damit umgehen würde,

  • und teilweise bei der Einschätzung der juristischen Erfolgsaussichten.

Die technische Grundtendenz ist aus meiner Sicht dagegen relativ eindeutig:
Das beobachtete Verhalten wird von den meisten Beteiligten eben gerade nicht als völlig unauffälliger oder idealer Zustand angesehen.

Denn sonst würden Themen wie:

  • zu kurze CV-/Balancingphase,

  • unzureichendes Strom-Zeit-Produkt,

  • reduzierte Ladespannung,

  • andere Balancingstrategien,

  • aktive Equalizer,

  • externe Balancer,

  • geänderte Ladeparameter,

  • oder alternative Firmware-/Regelstrategien
    überhaupt nicht erst diskutiert werden.

Und genau daraus ergibt sich für mich persönlich auch die Einschätzung, dass das System im vorgesehenen Automatikbetrieb eben nicht so arbeitet, wie ein Endkunde es vernünftigerweise erwarten darf.

Mein Punkt ist vielmehr:
Das Gesamtsystem sollte im vorgesehenen Automatikbetrieb so arbeiten, wie ein Endkunde es vernünftigerweise erwarten darf und wie es im Rahmen der beworbenen Eigenschaften vermittelt wird.

Dazu gehört aus meiner Sicht insbesondere, dass:

  • der Ladeabschluss kontrolliert erfolgt,

  • die Ladung nicht regelmäßig dominant durch einzelne führende 3.65-V-Zellen begrenzt wird,

  • und der Speicher den Ladeschluss nicht dauerhaft in deutlich unausgeglichenem Zustand erreicht.

Genau deshalb sehe ich hier auch einen relevanten Mangel und habe den Rücktritt erklärt.

Dazu kommt aus meiner Sicht auch, dass ich Hersteller und Verkäufer über einen längeren Zeitraum mehrfach Gelegenheit gegeben habe, zu den Auffälligkeiten Stellung zu beziehen bzw. mögliche Lösungen oder Nachbesserungen vorzunehmen.

Die Reaktion bestand im Wesentlichen jedoch durchgehend darin, mir mitzuteilen, dass das beobachtete Verhalten normal bzw. „Stand der Technik“ sei.

Vom Hersteller wurden dabei unter anderem Aussagen getroffen, wonach Spannungsdifferenzen bis etwa 300 mV als normal angesehen würden und ich auf die Spannungsunterschiede „nicht so überempfindlich reagieren“ solle.

Der Rücktritt war aus meiner Sicht letztlich die logische Konsequenz daraus, nachdem ich meine Möglichkeiten zur außergerichtlichen Klärung und zur Einräumung von Stellungnahme- bzw. Nachbesserungsmöglichkeiten ausgeschöpft hatte und eine Nachbesserung faktisch durch Hersteller und Verkäufer abgelehnt bzw. ausgeschlossen wurde.

Denn aus meiner Sicht kann von einem Endkunden nicht erwartet werden, ein geschlossenes Fertigsystem eigenständig technisch umzubauen oder vom vorgesehenen Betriebsmodus abzuweichen, während Hersteller und Verkäufer gleichzeitig erklären, das beobachtete Verhalten entspreche dem normalen bzw. vorgesehenen Betrieb.

Sollte der Verkäufer den erklärten Rücktritt nicht anerkennen oder entsprechend umsetzen, bleibt aus meiner Sicht als nächste logische Konsequenz nur die gerichtliche Durchsetzung des Rücktritts.

Dass viele Endkunden solche Vorgänge im Alltag vermutlich nie bemerken oder technisch analysieren würden, sehe ich durchaus genauso.

Der Punkt ist für mich aber:
Nur weil etwas vom typischen Nutzer nicht erkannt oder nicht überwacht wird, bedeutet das aus meiner Sicht nicht automatisch, dass es technisch oder im Hinblick auf das beworbene Systemverhalten irrelevant ist.

Ich arbeite das Ganze inzwischen deshalb möglichst sauber technisch und dokumentiert auf, weil es aus meiner Sicht eben nicht nur um die Frage geht:
„Kann das System grundsätzlich irgendwie Energie speichern und wieder abgeben?“

Sondern auch darum,

  • wie der Ladeabschluss erreicht wird,

  • wie stark die Zellen dabei auseinanderlaufen,

  • ob regelmäßig einzelne Zellen zuerst die Spannungsgrenze erreichen,

  • und ob das Verhalten innerhalb des vorgesehenen Automatikbetriebs noch als normal anzusehen ist oder nicht.

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht um einen theoretischen Millivolt-Idealzustand oder perfekte Zellgleichheit. Mein Punkt ist vielmehr, dass das Gesamtsystem im vorgesehenen Automatikbetrieb so arbeiten sollte, wie ein Endkunde es vernünftigerweise erwarten darf und wie es im Rahmen der beworbenen Eigenschaften vermittelt wird.

Dazu gehört aus meiner Sicht insbesondere, dass der Ladeabschluss kontrolliert erfolgt, die Ladung nicht regelmäßig dominant durch einzelne führende 3.65-V-Zellen begrenzt wird und der Speicher den Ladeschluss nicht dauerhaft in deutlich unausgeglichenem Zustand erreicht.

Dass das System grundsätzlich Energie speichern und wieder abgeben kann, stelle ich dabei nicht infrage. Nach meiner persönlichen Einschätzung liegt hier trotzdem ein relevanter Mangel vor, weil das System aus meiner Sicht nicht so arbeitet, wie ein Endkunde es vernünftigerweise erwarten darf und bestimmte beworbene Eigenschaften bzw. zugesicherte Werte entweder nicht erreicht werden oder zumindest nach meinem Eindruck nicht so erreicht werden, wie man es erwarten würde.

@Ekkehard_F

Aus den bisherigen BMS-/Zyklusdaten ergeben sich außerdem Hinweise darauf, dass die real entnehmbare Energie unter den beworbenen Werten liegen könnte. Einen gerichtsfesten Einzelkapazitätstest unter Laborbedingungen habe ich bislang aber nicht durchgeführt. Deshalb sehe ich diesen Punkt aktuell eher als ergänzenden Hinweis und nicht als meinen alleinigen Hauptangriffspunkt.

Den Hinweis zur regelmäßigen Begrenzung durch einzelne führende Zellen sehe ich genauso: Für mich ist gerade das einer der zentralen Punkte, weil der Speicher im vorgesehenen Automatikbetrieb nicht dauerhaft so arbeiten sollte, dass der Ladeabschluss regelmäßig durch einzelne Zellen an der oberen Spannungsgrenze dominiert wird.

Vielleicht meldet sich ja jemand, der ähnliche Auffälligkeiten oder exakt das gleiche Verhalten beobachtet hat. (@OliverSo auch eine Antwort auf “warum?”)

Eine weitere Auffälligkeit, die sich aus meinen Aufzeichnungen ergibt, ist übrigens auch, dass teilweise offenbar gerade die führende bzw. spannungshöchste Zelle gar nicht in den passiven Balancingprozess einbezogen wird, während gleichzeitig andere Zellen passiv balanciert werden.

Ich kann technisch nicht beurteilen, warum das so ist oder welcher internen Logik das folgt. Aus meiner Sicht wirkt dieses Verhalten aber zumindest ebenfalls erklärungsbedürftig und entspricht nicht dem Zustand, den man bei einem kontrollierten und erwartbaren Ladeende eines solchen Systems erwarten würde.

Vielleicht hat @nimbus4 dafür ja sogar eine technische Erklärung oder kennt eine plausible Logik, warum genau die jeweils führende Zelle teilweise offenbar nicht passiv balanciert wird.

Das Problem ist nur das die Zellhersteller gerade das Laden bis 3.65 V mit harter Abschaltung bei 0.05 C als ihren Standard-Zyklus definieren. Wenn die Gegenseite vor Gericht die Datenblätter der Zellen zeigt, wird die Argumentation, dass das hier nicht akzeptabel sei, auf sehr weichen Füßen stehen. Dass eine Zelle mal 3.65 V erreicht, ist somit ganz offensichtlich überhaupt kein Problem. Gute Zellen erreichen dabei > 8k Zyklen. Typischerweise erfolgt aber nach ~ 30 min wieder das Entladen, so dass die Zellen nicht den halben Tag bei 3.65 V rumstehen. Deswegen ist meines Erachtens das Erreichen von 3.65 V bei einzelnen Zellen per se nicht wirklich angreifbar, wenn dann dass das bereits mittags erfolgt und die Zellen dann bis zum Sonnenuntergang auf dieser Spannung gehalten werden. Da könnte Deye dann aber einfach behaupten, ihre Zellen können das ab.

Kannst Du das an einem Beispiel zeigen? Wenn zwei Zellen eine ähnliche Spannung haben könnte ich mir vorstellen, dass es durch Rauschen bei der Messung und die Beschränkung mit “nicht gleichzeitig benachbarte Zellen” zeitweise zu dem Eindruck führt, dass nicht die “richtigen” Zellen gebalanced werden.

Dazu ist bei dem TI BQ… das Default-Auswertintervall fürs Balancing 20 s.

Ja, ein konkretes Beispiel dafür ist in der HTML-Aufzeichnung im Dropbox-Link zu sehen.

Wenn du dort ungefähr auf den Bereich um 11:14 Uhr gehst und die Frames bzw. Einzelzeitpunkte durchklickst, kann man recht gut nachvollziehen, welche Zellen gerade passiv balanciert werden und welche Zellspannungen gleichzeitig anliegen.

Was die 3.65-V-Thematik angeht, verstehe ich deinen Punkt aber genau deshalb ebenfalls nicht ganz.

Denn aus meiner Sicht geht es dabei ja nicht darum, ob eine einzelne LiFePO₄-Zelle technisch grundsätzlich kurzzeitig 3.65 V erreichen kann oder sofort beschädigt wird.

Die eigentliche Frage ist für mich vielmehr:
Warum erreicht im normalen vorgesehenen Automatikbetrieb regelmäßig eine einzelne führende Zelle zuerst diese Spannungsgrenze, obwohl das System laut Hersteller bereits deutlich früher mit passivem Balancing gegen Zellabweichungen arbeiten soll?

Gerade wenn laut Hersteller bzw. laut typischen TI-Referenzstrategien bereits bei relativ kleinen Deltas aktiv/passiv gegen Drift gearbeitet wird, hätte ich persönlich eher erwartet, dass die Spannungsdifferenzen zum Ladeende hin stabilisiert bzw. reduziert werden — und nicht regelmäßig weiter anwachsen, bis einzelne Zellen die obere Spannungsgrenze dominieren.

Genau das ist für mich der eigentliche Punkt der Diskussion und nicht die isolierte Frage, ob 3.65 V als Einzelwert technisch „aushaltbar“ sind.
Wenn der Hersteller selbst eine Ladeschlussspannung von 57.6 V vorgibt, würde ich persönlich — auch unter Bezug auf die diskutierten TI-Referenzstrategien bzw. typische Balancing-Schwellen — eher erwarten, dass sich die Zellspannungen am Ladeende in einem vergleichsweise engen Bereich bewegen.

Wenn man beispielsweise von etwa 40 mV Drift am Ladeende ausgeht, würde man eher Spannungen ungefähr im Bereich 3.58–3.62 V erwarten und nicht, dass regelmäßig einzelne Zellen alleine bis an etwa 3.65 V laufen, während andere Zellen gleichzeitig deutlich tiefer liegen.

Vor allem wirkt es auf mich auffällig, wenn wiederholt dieselbe Zelle innerhalb eines Packs die Maximalspannung zuerst erreicht und damit den Ladeabschluss dominiert.

Denn das steht für mich zumindest nicht völlig widerspruchsfrei zu Aussagen wie:
„BMS can balance cells to extend life“.

Mir geht es dabei ausdrücklich nicht darum zu behaupten, dass eine einzelne LiFePO₄-Zelle bei 3.65 V sofort beschädigt wird. Aber aus meiner Sicht steht außer Frage, dass das regelmäßige Erreichen von Maximal- bzw. OVP-nahen Spannungen auf Einzelzellebene die betroffenen Zellen stärker belastet als ein sauber angeglichener Ladeabschluss.

Und genau dieses Risiko muss ich aus meiner Sicht als Endkunde bei einem geschlossenen Fertigsystem nicht dauerhaft akzeptieren oder selbst durch Umbauten bzw. geänderte Ladeparameter kompensieren.