Problem mit Balancieren/Drift der DEYE RW-F10.2 bei Ladeschluss

Hallo zusammen,

ich würde gerne einmal eure technische Einschätzung zu meinem LiFePO₄-System hören, weil ich aktuell versuche einzuordnen, ob das Verhalten noch als normal angesehen werden kann oder eher auf ein unzureichendes Balancing hindeutet.

Es handelt sich um drei parallel betriebene Deye RW-F10.2 Packs (16S LiFePO₄).
Ausgelesen werden die Daten direkt über CAN vom BMS.

Was mir auffällt:

  • Im mittleren SOC-Bereich wirken die Zellen relativ unauffällig.

  • Unter Last bzw. Ladung im flachen Bereich sehe ich oft nur wenige mV Delta.

  • Im oberen Ladebereich laufen die Zellen aber massiv auseinander.

Typischer Ablauf:

  • Einzelne Zellen erreichen ~3,63–3,66 V

  • Andere Zellen liegen gleichzeitig noch deutlich tiefer

  • Das Delta steigt dabei auf ~200–240 mV

  • Balancing ist laut BMS aktiv

  • Der Ladevorgang wird anschließend beendet bzw. einzelne Packs gehen auf Idle / Charge MOS Open

  • Auch nach 5–10 Minuten Relaxation bleiben noch ~160–170 mV Delta bestehen

Auffällig ist außerdem:

  • Pack 3 zeigt wiederholt dieselbe führende Zelle (Zelle 03)

  • Die Balancing-Funktion scheint teilweise nicht die höchste Zelle zu adressieren

  • Die drei Packs laufen beim Ladeende teilweise auseinander (unterschiedliche Packspannungen / MOS-Zustände)

Der Hersteller gibt an:

  • passives Balancing mit ca. 110 mA

  • max. 4 Zellen gleichzeitig

  • Balancing nur während Charging

Ich versuche gerade technisch sauber einzuordnen:

  • Sind solche Werte im oberen Ladebereich für LiFePO₄ im Parallelbetrieb aus eurer Sicht noch normal?

  • Wie würdet ihr ~200–240 mV direkt am Ladeende bewerten?

  • Und wie würdet ihr ~160–170 mV nach ~10 Minuten Relaxation bewerten?

  • Würdet ihr sagen, dass das noch unter „typische Top-Balance-Dynamik“ fällt oder eher nach unzureichender Angleichung aussieht?

Ich hänge ein paar Screenshots vom Ladeende und der Relaxation an.

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, irgendetwas schlechtzureden, sondern ich möchte das Verhalten technisch korrekt verstehen und einordnen.

Danke euch.

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Zur Info, ich werde deine Post gleich abtrennen und einen eigenen Faden draus machen.
Die Neue Überschrift kannst du nach deinem Wunsch ändern, indem du den Beitrag editierst, was du ohne Zeitbegrenzung machen kannst.

Super, Danke fürs Abtrennen.:smiling_face:

Das ist immer so.

Das ist sehr schlecht balanciert.

Ausdrücklich nein. Das ist sehr schlecht balanciert, und einzelne Akkus gehen möglicherweise in OVP.

Vollkommen unzureichende Angleichung.
Es kommt noch auf die Spannung der tiefsten zellen an: ist die dabei unter 3,4 V (Was bei 240 mV eigentlich der Fall sein müsste) müsste man das "desaströs" nennen.

Das macht es nicht besser.

Einmal jeden akku einzeln gründlich balancieren.

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Warum lädst so hoch?

Katastrophe… vermutlich den ganzen Winter hindurch bei 20% SOC rumgegurkt…

Batterien trennen, an jede ein Netzteil mit 56?V (3.5V pro Zelle) dranhängen und eine Woche lang in Ruhe lassen.

Danke dir für die Einschätzung.

Das Verhalten ist mir grundsätzlich schon länger bekannt, ich beobachte und logge die Packs bereits seit längerer Zeit direkt über CAN. Interessant war für mich vor allem die fachliche Einordnung, ob solche Werte im oberen Ladebereich von anderen noch als „typisch“ angesehen werden oder nicht.

Auffällig ist außerdem, dass bei einem Pack immer wieder dieselbe Zelle führend wird und den Ladeabschluss dominiert.

Hintergrund ist, dass sich das Thema aktuell bereits in einem laufenden Gewährleistungsfall befindet und voraussichtlich auf eine gerichtliche Auseinandersetzung hinauslaufen wird. Deshalb versuche ich das Verhalten technisch möglichst sauber und neutral einzuordnen und dazu auch Einschätzungen von Leuten einzuholen, die sich intensiv mit LiFePO₄ und Top-Balancing beschäftigen.

Das Thema beschäftigt mich inzwischen seit etwa anderthalb Jahren. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit dem Verhalten der Packs, dem Ladeablauf, der LiFePO₄-Kennlinie sowie dem Thema passives Balancing auseinandergesetzt. Entsprechend helfen mir solche fachlichen Rückmeldungen auch dabei einzuordnen, ob meine bisherigen Recherchen und mein technisches Verständnis des Systems eher bestätigt werden oder ob ich bestimmte Dinge möglicherweise falsch interpretiere.

Der Hersteller bzw. Verkäufer vertreten dabei im Wesentlichen die Auffassung, dass solche Spannungsdifferenzen im oberen Ladebereich grundsätzlich normal seien und das BMS die Packs durch Schutzfunktionen entsprechend absichert.

Genau deshalb interessiert mich die Einschätzung von Leuten, die praktische Erfahrung mit LiFePO₄-Systemen und insbesondere mit Top-Balancing im Parallelbetrieb haben: Ob solche Werte im realen Betrieb tatsächlich noch als üblich angesehen werden oder ob das bereits deutlich außerhalb dessen liegt, was man von einem sauber arbeitenden System erwarten würde.

Ich versuche aktuell vor allem technisch sauber zu verstehen, ob hier „nur“ ein extrem schwaches/passives Balancing an seine Grenzen kommt oder ob das Verhalten bereits außerhalb dessen liegt, was man bei einem solchen System noch erwarten würde.

Dazu nochmal: warum lädst du so hoch, warum brungst du den akku nicht durch gründliches Bakancieren in Form?

Da ins editieren gehen.

Die hohe Ladespannung kommt nicht daher, dass ich die Packs absichtlich „quäle“, sondern weil das BMS bzw. der Hersteller selbst diesen oberen Bereich benötigt, damit das passive Top-Balancing überhaupt arbeiten kann. Laut Hersteller beginnt der passive Balanciervorgang erst, wenn die Zellen oberhalb von ca. 3,4 V liegen und gleichzeitig eine Zellspannungsdifferenz von mindestens etwa 30 mV besteht. Zudem arbeitet das System ausschließlich während des aktiven Ladevorgangs mit passivem Balancing.

Die Ladeparameter selbst werden dabei nicht manuell von mir „hochgedreht“, sondern im Zusammenspiel zwischen Wechselrichter und BMS automatisch vorgegeben bzw. ausgehandelt. Ich kann dort keine beliebigen Spannungen auswählen oder die Batterie manuell in problematische Bereiche zwingen.

Genau deshalb wurde mir auch empfohlen, die Packs regelmäßig vollständig zu laden bzw. im oberen Bereich zu halten, damit überhaupt eine Angleichung stattfinden kann. Das Problem aus meiner Sicht ist aber gerade, dass trotz dieser vollständigen Ladungen und trotz laufendem passivem Balancing weiterhin sehr große Deltas bestehen bleiben bzw. bestimmte führende Zellen bei den Ladeabschlüssen in auffallend hoher Häufigkeit immer wieder dominieren.

Deshalb interessiert mich eben die fachliche Einschätzung, ob das noch als „typisches Verhalten eines schwachen passiven Balancers“ eingeordnet wird oder ob solche dauerhaft hohen Unterschiede eher auf eine unzureichende Angleichung bzw. problematische Zellabweichungen hindeuten.

Das trifft den tatsächlichen Betrieb so nicht ganz.

Auch im Winter wurden die Packs regelmäßig gezielt auf 100 % geladen, teilweise bewusst per AC-Ladung aus dem Netz, damit überhaupt eine längere obere Ladephase und damit passives Top-Balancing stattfinden kann.

Der Vorschlag mit „auf 56 V einstellen, dranhängen und eine Woche stehen lassen“ erscheint mir in diesem Zusammenhang auch nicht schlüssig. Wenn der passive Balancer laut Hersteller nur unter bestimmten Bedingungen während des aktiven Ladevorgangs arbeitet, passiert bei einem lediglich gehaltenen Pack bei 56 V im Zweifel kein wirksames Balancing mehr. Dann wird der Pack nur auf Spannung gehalten, aber nicht aktiv bzw. gezielt angeglichen.

Mir geht es daher weniger darum, ob man die Packs durch manuelle Sondermaßnahmen irgendwann wieder besser angleichen kann. Klar kann man mit Netzteil, Einzelbetrieb oder sehr langen Haltezeiten vielleicht bestimmte Zustände beeinflussen. Die eigentliche Frage ist aber: Sollte ein fertiges Batteriesystem mit integriertem BMS und passivem Balancing nicht im normalen vorgesehenen Betrieb bei regelmäßigen Vollladungen in der Lage sein, die Packs ausreichend anzugleichen?

Ein Balanciervorgang sollte aus meiner Sicht kein Zufallsprodukt sein, sondern reproduzierbar dazu führen, dass die Zellen bei vollständiger Ladung nicht dauerhaft mit 150–240 mV auseinanderliegen.

Hinzu kommt, dass Hersteller bzw. Verkäufer solche Zellspannungsunterschiede im oberen Ladebereich im Wesentlichen als normal bzw. systemtypisch einordnen. Genau diese Einordnung versuche ich hier fachlich besser zu bewerten.

Vielen Dank auf jeden Fall für die Einschätzungen.:innocent:

Mir ging es hier vor allem darum, meine bisherigen technischen Beobachtungen und Recherchen einmal mit Reaktionen und Einschätzungen anderer Leute abzugleichen, die sich mit LiFePO₄-Systemen beschäftigen. Durch die Art, wie hier auf meinen Beitrag reagiert wurde, fühle ich mich in meiner bisherigen Annahme jedenfalls deutlich bestätigt, dass das beobachtete Verhalten in dieser Form nicht als normal bzw. nicht als technisch unauffällig einzuordnen ist.:blush:

Genau deshalb werde ich den bereits laufenden Gewährleistungsfall nun auch weiter rechtlich verfolgen und die technische Dokumentation entsprechend fortführen.

Falls noch jemand ähnliche Erfahrungen mit Speichern der Firma Deye gemacht hat – egal ob RW-F10.2, RW-F10.6, RW-F16 oder andere Modelle – würde mich das ebenfalls interessieren. Gerne auch, wie sich eure Zellspannungen und das Verhalten im oberen Ladebereich bei euch darstellen.

VG Boldface

Da ein passiver Balancer nur entladen kann wird bei einem 16S System bei 56V im perfekt balancierten Zustand 3.5V pro Zelle sein, bei einem nicht balancierten Zustand werden Zellen zwangsläufig über 3.5V und unter 3.5 V sein.

Aber Du kannst auch 56.8V fahren, es sind deine Batterien.

Das Grundprinzip dahinter verstehe ich schon. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass der passive Balancer laut Hersteller ausschließlich während des aktiven Ladevorgangs arbeitet und zusätzlich mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein müssen: Zellspannungen oberhalb von ca. 3,4 V sowie mindestens etwa 30 mV Zellspannungsdifferenz.

Genau deshalb ist der Hinweis „du kannst auch einfach 56,8 V fahren“ aus meiner Sicht etwas zu pauschal formuliert. Auf die einzelnen Ladeparameter habe ich im realen Betrieb KEINEN Einfluss, da diese zwischen Wechselrichter und BMS automatisch vorgegeben bzw. ausgehandelt werden.

Genau das ist für mich auch Teil der eigentlichen Fragestellung: Wenn ein Hersteller ein geschlossenes System mit integriertem BMS und passivem Balancing anbietet, sollte dieses System im vorgesehenen Automatikbetrieb aus meiner Sicht grundsätzlich in der Lage sein, die Zellen ausreichend anzugleichen, ohne dass der Nutzer anfangen muss, mit externen Netzteilen, Einzelbetrieb oder stark veränderten Ladeparametern manuell nachzukorrigieren.

Natürlich könnte man anfangen, per Zusatzsoftware massiv in die Systemparameter einzugreifen und Ladegrenzen manuell zu verändern. Damit würde man sich aus meiner Sicht aber sehr schnell außerhalb des vorgesehenen Betriebs bewegen und im Zweifel auch Gewährleistungs- bzw. Garantieansprüche gefährden. Genau das möchte ich bewusst vermeiden.

Das bedeutet, dass einen Ladespannug 3,45 V mal 16 vollkommen ausreicht. 3,42 V mal 16 auch noch.
Willst du beim Balancing von Hand nachhelfen oder den Balancer arbeiten lassen? Kann pro akku mehrere Stunden dauern.

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Leider ist das bezüglich der Balancierung unscharf, du kannst Bei zu seltenem Laden den Balancerbedarf nicht decken.

Die entscheidende Betonung lag dabei auf den drei Bedingungen gleichzeitig, insbesondere darauf, dass der passive Balancer laut Hersteller ausschließlich während eines aktiven Ladevorgangs arbeitet. Genau deshalb sehe ich Aussagen wie „einfach auf 56 V stellen und stehen lassen“ etwas kritisch, weil damit nicht automatisch gesagt ist, dass überhaupt noch ein wirksamer Balanciervorgang stattfindet.

Mir ist auch bewusst, dass bei einer passiven Balancierleistung von nur ca. 110 mA, max 4 nicht benachbarte Zellen gleichzeitig und solchen Deltas ein vollständiger Angleichungsvorgang sehr lange dauern kann – je nach Ausgangslage durchaus viele zig Stunden.

Wie gesagt, mir ging es mit dem Beitrag in erster Linie einfach darum, einmal Reaktionen und Einschätzungen aus der Community einzuholen und das Verhalten technisch besser einzuordnen.

Grundsätzlich gebe ich dir bei dem Punkt Recht: Wenn LiFePO₄-Systeme dauerhaft nur im unteren oder mittleren SOC-Bereich betrieben und zu selten vollständig geladen werden, kann ein passiver Balancer den notwendigen Angleichungsbedarf irgendwann nicht mehr ausreichend aufholen.

Genau dieser Umstand liegt bei meinem System allerdings eher nicht vor. Die Batterien wurden auch im Winter regelmäßig gezielt auf 100 % geladen, unter anderem weil ich durch einen dynamischen Stromtarif nachts häufig günstiger aus dem Netz laden konnte als tagsüber Strom zu beziehen. Es gab also durchaus regelmäßig vollständige Ladezyklen mit oberem Ladebereich und Balancing-Möglichkeit.

Zumindest würde ich erwarten, dass sich ein solcher Zustand nach mehreren vollständigen Ladezyklen mit ausreichend oberem Ladebereich und laufendem passivem Balancing schrittweise verbessert oder stabilisiert. In meinem Fall ist jedoch eher das Gegenteil zu beobachten: Die auffälligen Zellabweichungen treten nicht nur erneut auf, sondern haben sich über die Zeit eher verstärkt statt reduziert.

Gegen dieses Prinzip und diesen Glauben habe ich eine ganze Streitschrift geschrieben. Was davon für deinen Fall zutrifft kann ich nicht sagen, weil ich das System nicht kenne.

Du kannst nicht nur, du solltest auch.
Und zwar nicht 56,8 , dass nenne ich zellen rösten. Alle Spannungen über 3,37 V pro Zelle ( bei strom null) gelten als Lebensdauerschädlich. 3,37 ist voll gleich 100 % SOC.
Was du nun in feinem System machen kannst , weiss ich nicht.

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