Vielen Dank erstmal an alle für die zahlreichen und teilweise wirklich sehr interessanten technischen Rückmeldungen. Insbesondere auch an @nimbus4 für die sehr ausführlichen und fachlich tiefgehenden Erklärungen rund um Relaxationsverhalten, Balancingstrategie und mögliche Firmware-/Algorithmus-Themen.
Ich bin heute leider kaum dazu gekommen mitzulesen bzw. ausführlicher zu antworten und werde mich vermutlich auch erst übermorgen wieder ausführlicher melden können.
Zum Thema verbautes BMS kann ich selbst leider nicht viel beitragen, da ich meinen Speicher bislang bewusst nicht geöffnet habe und das innerhalb des laufenden Gewährleistungs- und Rechtsstreits auch nicht tun werde. @Akkulader kann dazu vermutlich deutlich mehr sagen, da er meines Wissens sowohl eine RW-M6.1 als auch eine RW-F16 bereits geöffnet hatte und eventuell einschätzen kann, ob dort ähnliche BMS-/Balancingkonzepte verwendet werden.
Die Diskussion rund um mögliche Firmware-, Algorithmus- oder Relax-/Balancing-Themen finde ich auf jeden Fall sehr spannend und ehrlich gesagt deutlich hilfreicher als die üblichen pauschalen Aussagen „alles normal“ oder „einfach anders laden“.
Zum Thema Home Assistant bzw. CAN-Auslesung vielleicht noch als Ergänzung:
Ich lese über CAN ausschließlich passiv mit bzw. sniffe nur die vorhandene Kommunikation zwischen Batterie und Wechselrichter. Es werden dabei keinerlei Konfigurationswerte, Steuerbefehle oder sonstige Änderungen an das BMS gesendet. Im Prinzip wird lediglich dieselbe Kommunikation sichtbar gemacht, die auch die originale Herstellerlösung intern nutzt.
@deff
Ja, es kursieren offenbar verschiedene Datenblätter bzw. unterschiedliche Angaben. Für meinen konkreten Fall gilt allerdings das deutsche Datenblatt bzw. die deutschsprachige Produktbeschreibung, auf deren Grundlage das System auch verkauft wurde. Dort sind die relevanten technischen Daten aus meiner Sicht eigentlich eindeutig beschrieben, unter anderem 10,2 kWh Nennenergie bzw. 9,2 kWh nutzbare Energie innerhalb des vorgesehenen Betriebsfensters.
Falls Interesse besteht, könnte ich bei Gelegenheit auch einige anonymisierte Auszüge bzw. Zitate aus den bisherigen Chats mit Hersteller und Verkäufer veröffentlichen. Dort finden sich teilweise wirklich interessante Aussagen zur Arbeitsweise des BMS, zu Balancing, Zellabweichungen, Schutzfunktionen sowie zur Einordnung bestimmter Spannungswerte und Betriebszustände. Insgesamt umfasst die Kommunikation inzwischen weit über 20 Seiten WhatsApp- und Chatverlauf. Selbstverständlich würde ich daraus nur ausgewählte und aus meiner Sicht relevante Passagen anonymisiert veröffentlichen.
Für mich persönlich ist das Thema allerdings inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem der Zug ehrlich gesagt abgefahren ist. Ich habe über lange Zeit versucht, kooperativ Lösungen zu finden, habe Hardwarelösungen wie zusätzliche aktive Balancer angesprochen, Firmware-/Softwarelösungen angefragt und mehrere Möglichkeiten zur Nachbesserung gegeben. Letztlich wurde das jedoch sowohl vom Hersteller als auch vom Verkäufer im Ergebnis zurückgewiesen bzw. als „normal“ eingeordnet.
Die Sache befindet sich inzwischen anwaltlich in Prüfung. Aus meiner Sicht ist der Punkt für weitere technische Nachbesserungsversuche oder Experimente inzwischen überschritten. Der Rücktritt wurde erklärt und wenn der Verkäufer den Speicher nicht zurücknimmt, wird sich der Rechtsstreit letztlich nicht mehr vermeiden lassen.
Letztlich war einer der Gründe für den Thread auch, das Thema einmal öffentlich sichtbar zu machen. Ich glaube, viele Nutzer schauen bei solchen Speichern nie gezielt auf die tatsächlichen Zellverläufe am Ladeende – oft schlicht deshalb, weil die Standardportale diese Details gar nicht oder nur sehr grob anzeigen. Vielleicht hilft die Diskussion hier dem einen oder anderen dabei, künftig etwas genauer hinzusehen und die eigenen Systeme einmal bewusster zu beobachten.
@nimbus4
Vielleicht noch eine Frage: Gibt es aus deiner Sicht irgendwelche Werte oder Verläufe, die ich zusätzlich unbedingt tracken bzw. dokumentieren sollte – gerade auch im Hinblick auf das vermutlich anstehende Gerichtsverfahren?
Mir ist natürlich klar, dass am Ende vermutlich ein Sachverständiger bzw. Gutachter die Bewertung vornehmen müsste. Trotzdem stammen die von mir aufgezeichneten Daten direkt aus dem BMS bzw. der CAN-Kommunikation selbst und nicht aus irgendwelchen extern gemessenen, geschätzten oder indirekt berechneten Messwerten. Deshalb halte ich die Daten grundsätzlich schon für recht aussagekräftig.
Ich zeichne aktuell unter anderem Zellspannungen, Packspannungen, Deltas, Balancingstatus, Lade-/Entladeströme, SOC-Verläufe sowie die Verläufe rund um den Ladeabschluss und die Relaxationsphase auf.
Zusätzlich hätte ich über die originale Software auch die Möglichkeit, sämtliche aktuell im BMS hinterlegten Parameter und Grenzwerte auszulesen, ohne dabei irgendetwas zu verändern oder in das System einzugreifen. Falls das aus deiner Sicht sinnvoll oder interessant wäre, könnte ich diese Werte ebenfalls noch dokumentieren bzw. anonymisiert veröffentlichen.
Mich würde einfach interessieren, ob dir spontan noch irgendetwas einfällt, was man zusätzlich sinnvoll dokumentieren sollte oder ob die aktuell vorhandenen Daten und Verläufe aus deiner Sicht grundsätzlich bereits aussagekräftig genug sind.