Problem mit Balancieren/Drift der DEYE RW-F10.2 bei Ladeschluss

Doch! Bei vielen TI BMS ICs kann man prinzipbedingt benachbarte Zellen nicht gleichzeitig balancen. Deswegen hat mein BMS zwar einen maximalen Balancing-Strom von ~ 180 mA, aber im worst-case nur ~90 mA effektiv, da im Zeitmultiplex gearbeitet werden muss.

Ich habe bei mir ~4 W als Gesamtlimit gesetzt. Damit erreichen 2510er SMD Widerstände dann ~ 70 degC. Da würde zwar mehr gehen, man riskiert dann aber zunehmend, dass einem Offsetspannungen und sonstiger Drift die Genauigkeit ( z.B. fürs Coulomb-Counting ) beeinträchtigen, weil die Balancing-Widerstände typischerweise relativ nahe zum BMS IC liegen. Das Begrenzen halte ich also für grundsätzlich sinnvoll.

Hallo @nimbus4

vielleicht bist du der geeignete Sachverständige für den Rechtsstreit?
Das von dir verlinkte Dokument ist ein Prüftestat. Angaben zum BMS hab ich dort nicht gefunden, wo steht das?

Danke für deine tiefen Kenntnisse mit dem TI Chip. Da gibt es gewiss viele verschiedene IC´s und gewiss eine Weiterentwicklung. Hat das TI BMS für jede Zelle einen eigenen AD Wandler zur Spannungsmessung oder wird nur ein AD Wandler "gemuxt"? Wie oft kommt dann jede Zelle zur Messung an den Eingang der Spannungsmessung. Kann es durch die HA Steuerung (Abfrage der Zellspannung im Minutentakt) zu Fehlern kommen?

  • Nun das ist ja jetzt der Weg des theoretischen reverse engeneering.

Als Jurist frag ich mich: wo ist der Mangel? Jedenfalls ist die (mir zugängliche) Doku nicht gerade mangelfrei. Mal liest man von 10 kWh wären 9 nutzbar. In dem anderen Dokument steht, dass die ganzen 10kWh nutzbar wären. Die Garantie soll aber nur gelten, wenn DoD nur 90% und 0,5 C Entlade und Ladestrom verwendet werden. Was werksseitig eingestellt ist, ob der Kunde was ändern soll, um die Garantie Bedingungen zu erfüllen, wird nicht erklärt. Daher dient gezieltes Fragen m.A. dazu, den Rechtsstreit zu umgehen.

Der kann sich über Jahre hinziehen. Wenn die 3 Akkus dann schon 3 oder 5 Jahre störungsfrei laufen, wo ist dann der Mangel? Käme das Gericht zum Ergebnis eines Mangels, so würde der TE sich den Nutzungsvorteil anrechnen lassen müssen. Bei der zu erwartenen Nutzungsdauer (Lebensdauer) von 10 Jahren, bekäme er dann nur noch den halben Kaufpreis erstattet und trägt dann auch die Kosten des Verfahrens (inkl. Gutachten) zur Hälfte. Da könnte ein "Null Summen" Ergebnis heraus kommen. Das, was der TE als Erstattung erhält, deckt dann gerade mal seine Kosten des Rechtsstreites.

Als Elektroingenieur, der selber an BMS Technologie entwickelt, wären fachliche Voraussetzungen vermutlich gegeben. Ich habe aber keinerlei praktische Erfahrung als Sachverständiger vor Gericht.

Hier werden die für “safety” relevanten Komponenten gelistet. der BQ76… ist das BMS IC

Hier ist BMS gezeigt:

Im oberen Bild ist das große IC unten links das BMS IC. Die Balancing-Widerstände sind die 17 oben links.

Das ist allerdings ein anderer Pack-Typ als beim TE. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass DEYE in verschiedenen Packs ähnliche BMS Technologie verwendet.

Sicher. Aber selbst wenn in dem Pack des TE ein IC von NXP, ST, Infineon, MPS … verwendet würde, würde sich an der grundsätzlichen Einschätzung nichts ändern.

Bei den meisten ICs für reine 48 V Packs wird gemuxt, wie auch bei diesem IC von TI

mit ~ 30 Hz

Das halte ich für ausgeschlossen. Das Timing wird im BMS IC erzeugt und ist extern ( solange man das IC nicht resetet … ) nicht beeinflußbar.

Das erscheint mir eine plausible Einschätzung.

Ich würde eher probieren, bei Deye Einsicht zu erreichen ( z.B. durch öffentlichen Druck wie in diesem Forum ), die dann zu einem FW Update führen könnte.

Selbst Firmen wie BYD, die eigentlich über LFP Zellen alles Wissen haben müßten, was es gibt, mußten bei ihren HV-Packs ja schon mit FW Updates grobe Schnitzer rund ums Balancing beheben.

Wenn in dem Pack wirklich das TI IC verbaut ist, sind die HW-Grundlagen für ein sehr ordentliches BMS definitiv vorhanden.

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Vielen Dank erstmal an alle für die zahlreichen und teilweise wirklich sehr interessanten technischen Rückmeldungen. Insbesondere auch an @nimbus4 für die sehr ausführlichen und fachlich tiefgehenden Erklärungen rund um Relaxationsverhalten, Balancingstrategie und mögliche Firmware-/Algorithmus-Themen.

Ich bin heute leider kaum dazu gekommen mitzulesen bzw. ausführlicher zu antworten und werde mich vermutlich auch erst übermorgen wieder ausführlicher melden können.

Zum Thema verbautes BMS kann ich selbst leider nicht viel beitragen, da ich meinen Speicher bislang bewusst nicht geöffnet habe und das innerhalb des laufenden Gewährleistungs- und Rechtsstreits auch nicht tun werde. @Akkulader kann dazu vermutlich deutlich mehr sagen, da er meines Wissens sowohl eine RW-M6.1 als auch eine RW-F16 bereits geöffnet hatte und eventuell einschätzen kann, ob dort ähnliche BMS-/Balancingkonzepte verwendet werden.

Die Diskussion rund um mögliche Firmware-, Algorithmus- oder Relax-/Balancing-Themen finde ich auf jeden Fall sehr spannend und ehrlich gesagt deutlich hilfreicher als die üblichen pauschalen Aussagen „alles normal“ oder „einfach anders laden“.

Zum Thema Home Assistant bzw. CAN-Auslesung vielleicht noch als Ergänzung:
Ich lese über CAN ausschließlich passiv mit bzw. sniffe nur die vorhandene Kommunikation zwischen Batterie und Wechselrichter. Es werden dabei keinerlei Konfigurationswerte, Steuerbefehle oder sonstige Änderungen an das BMS gesendet. Im Prinzip wird lediglich dieselbe Kommunikation sichtbar gemacht, die auch die originale Herstellerlösung intern nutzt.

@deff
Ja, es kursieren offenbar verschiedene Datenblätter bzw. unterschiedliche Angaben. Für meinen konkreten Fall gilt allerdings das deutsche Datenblatt bzw. die deutschsprachige Produktbeschreibung, auf deren Grundlage das System auch verkauft wurde. Dort sind die relevanten technischen Daten aus meiner Sicht eigentlich eindeutig beschrieben, unter anderem 10,2 kWh Nennenergie bzw. 9,2 kWh nutzbare Energie innerhalb des vorgesehenen Betriebsfensters.

Falls Interesse besteht, könnte ich bei Gelegenheit auch einige anonymisierte Auszüge bzw. Zitate aus den bisherigen Chats mit Hersteller und Verkäufer veröffentlichen. Dort finden sich teilweise wirklich interessante Aussagen zur Arbeitsweise des BMS, zu Balancing, Zellabweichungen, Schutzfunktionen sowie zur Einordnung bestimmter Spannungswerte und Betriebszustände. Insgesamt umfasst die Kommunikation inzwischen weit über 20 Seiten WhatsApp- und Chatverlauf. Selbstverständlich würde ich daraus nur ausgewählte und aus meiner Sicht relevante Passagen anonymisiert veröffentlichen.

Für mich persönlich ist das Thema allerdings inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem der Zug ehrlich gesagt abgefahren ist. Ich habe über lange Zeit versucht, kooperativ Lösungen zu finden, habe Hardwarelösungen wie zusätzliche aktive Balancer angesprochen, Firmware-/Softwarelösungen angefragt und mehrere Möglichkeiten zur Nachbesserung gegeben. Letztlich wurde das jedoch sowohl vom Hersteller als auch vom Verkäufer im Ergebnis zurückgewiesen bzw. als „normal“ eingeordnet.

Die Sache befindet sich inzwischen anwaltlich in Prüfung. Aus meiner Sicht ist der Punkt für weitere technische Nachbesserungsversuche oder Experimente inzwischen überschritten. Der Rücktritt wurde erklärt und wenn der Verkäufer den Speicher nicht zurücknimmt, wird sich der Rechtsstreit letztlich nicht mehr vermeiden lassen.

Letztlich war einer der Gründe für den Thread auch, das Thema einmal öffentlich sichtbar zu machen. Ich glaube, viele Nutzer schauen bei solchen Speichern nie gezielt auf die tatsächlichen Zellverläufe am Ladeende – oft schlicht deshalb, weil die Standardportale diese Details gar nicht oder nur sehr grob anzeigen. Vielleicht hilft die Diskussion hier dem einen oder anderen dabei, künftig etwas genauer hinzusehen und die eigenen Systeme einmal bewusster zu beobachten.

@nimbus4
Vielleicht noch eine Frage: Gibt es aus deiner Sicht irgendwelche Werte oder Verläufe, die ich zusätzlich unbedingt tracken bzw. dokumentieren sollte – gerade auch im Hinblick auf das vermutlich anstehende Gerichtsverfahren?

Mir ist natürlich klar, dass am Ende vermutlich ein Sachverständiger bzw. Gutachter die Bewertung vornehmen müsste. Trotzdem stammen die von mir aufgezeichneten Daten direkt aus dem BMS bzw. der CAN-Kommunikation selbst und nicht aus irgendwelchen extern gemessenen, geschätzten oder indirekt berechneten Messwerten. Deshalb halte ich die Daten grundsätzlich schon für recht aussagekräftig.

Ich zeichne aktuell unter anderem Zellspannungen, Packspannungen, Deltas, Balancingstatus, Lade-/Entladeströme, SOC-Verläufe sowie die Verläufe rund um den Ladeabschluss und die Relaxationsphase auf.

Zusätzlich hätte ich über die originale Software auch die Möglichkeit, sämtliche aktuell im BMS hinterlegten Parameter und Grenzwerte auszulesen, ohne dabei irgendetwas zu verändern oder in das System einzugreifen. Falls das aus deiner Sicht sinnvoll oder interessant wäre, könnte ich diese Werte ebenfalls noch dokumentieren bzw. anonymisiert veröffentlichen.

Mich würde einfach interessieren, ob dir spontan noch irgendetwas einfällt, was man zusätzlich sinnvoll dokumentieren sollte oder ob die aktuell vorhandenen Daten und Verläufe aus deiner Sicht grundsätzlich bereits aussagekräftig genug sind.

Den Hinweis mit dem Strom kann ich direkt abhaken – der wird bei meinen Aufzeichnungen bereits mit erfasst und dargestellt. Ohne den jeweiligen Lade-/Entladestrom lassen sich die Zellspannungen ja kaum sauber einordnen.

Gerade die Frage, ob sich der Speicher noch im aktiven Ladevorgang, bereits in der Relaxation oder praktisch im Idle-Zustand befindet, hängt direkt mit dem Stromfluss zusammen. Auch die Höhe und Dynamik der Zellspannungen selbst ist natürlich stark vom jeweiligen Strom abhängig.

Falls du irgendwann Zeit und Lust hast, kannst du dir gerne auch einmal die von mir bereitgestellten Aufzeichnungen bzw. HTML-/Grafana-Auszüge ansehen. Vielleicht fällt dir dabei ja spontan noch irgendetwas auf oder du siehst Werte bzw. Verläufe, die zusätzlich sinnvoll wären zu dokumentieren.

Meiner Einschätzung nach wirst Du vor Gericht nur dann eien Chance haben, wenn Du einen objektiv relevanten Mangel glaubhaft machen kannst.

Etwas provokant formuliert dürfte dazu nicht zählen, dass die Spannungskurven der Einzelzellen alle schön homogen aussehen.

Soweit ich Dich verstanden habe kommt es ja nicht dazu, dass die Zellen ihr zulässiges Spannungsfenster verlassen.

Wirklich greifbare Auswirkungen hätte das miese Balancing ja erst dann, wenn du dadurch nutzbare Kapazität verlieren würdest. Das wäre dann der Fall, wenn die Zellen, die beim Volladen hinterherlaufen und durch das Balancing nicht hochgezogen werden, auch alle nahe 0% SOC als erstes das untere Limit reißen und sich dieses Verhalten mit der Zeit verstärkt, also die Spannung dieser Zellen bei 100% SOC über Wochen und Monate immer weiter fällt und die Spreizung bei 0% SOC auch zunimmt. Dann wäre klar, dass das Balancing nicht nur sub-optimal läuft, sondern schlicht garnicht funktioniert.

Davon abgesehen, wenn Du irgendwo Spannungskurven wie etwas weiter oben zeigst, bitte unbedingt immer den Strom mit anzeigen ( vorzugsweise so, dass man auch im Bereich < 1 A noch etwas abschätzen kann ) . Ansonsten ist das Interpretieren solcher Kurven Kaffeesatzleserei.

Da sehe ich hier zwar keine akute Relevanz, ich habe aber für alle meine BMS, die ich selber nutze oder die andere von mir bekommen haben, eine Datei in der alle Einstellungen gesichert sind. z.B schon deswegen, damit ich nachvollziehen könnte, falls durch ein FW-Update unbeabsichtigt Einstellungen verändert worden wären. Insofern finde ich es grundsätzlich sinnvoll so etwas zu sichern.

Meinst Du diese. Da fehlt aber der Strom!?

Das Thema war doch "im System von Inverter und Speicher" soll alles passen. Die im BMS hinterlegten Werte werden (vermutlich) den Werten aus den Datenblättern entsprechen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also mache es. Doch mindestens ebenso wichtig sind die Lade- und Entladegrenzen im Ladegerät bzw WR als Entladegerät. Die sollten aus den benannten Gründen "konserrativer" eingestellt sein. Das BMS ist die 2te Sicherungsebene und soll im Normalbetrieb keine Ab- oder Anschaltvorgänge auslösen. Die erste Ebene ist das Lade- bzw. Entladegerät. Die dort hinterlegten Grenzen lies bitte aus und teile sie mit.

Ciao

Guten Morgen,

Nein, diese aus dem ersten Beitrag:

https://akkudoktor.net/uploads/short-url/uOIMeIM61pHtHtFUO8vVo1ISxKw.pdf

oder diese:

ist eine selfcontained HTML mit über tausend Frames zwischen SOC 95% und 10 min nach Erreichen von SOC 100%. Abspielbar und spulbar Frame für Frame.

Genau das wird am Ende vermutlich die entscheidende Frage sein: Ob sich das System insgesamt innerhalb des vorgesehenen Betriebs so verhält, wie es bei einem geschlossenen und entsprechend beworbenen Speichersystem objektiv erwartbar ist.

Dabei wird aus meiner Sicht insbesondere zu bewerten sein:

  • die dauerhaft auftretenden hohen Zellspannungsdifferenzen

  • die regelmäßige Begrenzung des Ladeabschlusses durch einzelne führende Zellen

  • die fehlende nachhaltige Stabilisierung trotz regelmäßiger Vollzyklen

  • die weiterhin deutlichen Deltas auch nach Relaxation und längeren Idle-Phasen

  • das Verhalten des integrierten Balancings im vorgesehenen Automatikbetrieb

  • die langfristige Belastung einzelner Zellen durch wiederkehrendes Erreichen der Maximalspannung

  • sowie die Frage, ob die angegebene nutzbare Kapazität und die beworbenen Systemeigenschaften im praktischen Betrieb tatsächlich erreicht bzw. eingehalten werden

    Hinweis auf mögliche Abweichung bei nutzbarer Energie/Kapazität

    Die aus den vom BMS gemeldeten Lade-/Entladeenergien und Ladezyklen rechnerisch ableitbare nutzbare Energie liegt unter der erwarteten nutzbaren Kapazität.

    Die rechtliche Relevanz ergibt sich dabei voraussichtlich nicht aus jedem einzelnen Punkt isoliert betrachtet, sondern aus der Gesamtheit und dem langfristig reproduzierbaren Gesamtverhalten des Systems.

Moinsen,
die Daten zeigen, dass bei 2 von 3 Akkus die Entladung durch das BMS gestoppt wurde: " Charge MOS
Open". Dass die Balancer trotzdem arbeiten, sieht man auch. Das widerspricht den Angaben, die dir über das BMS bekannt sind und es widerspricht der Aufgabe eines BMS. Es soll nur im Notfall ansprechen, wenn die Regelung des Ladegerätes versagt.

Bitte verzeih mir, aber ich erinner nicht, was du uns über dieses mitgeteilt hast. Ist das ein HybridWR von Deye? Welche Entladeschluss Spannng ist dort hinterlegt?

L.G.

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Sehr gut.

Siehe auch hier:

Moin, ja es handelt sich um einen Deye SUN-12K-SG04LP3. Die Ladeparameter bzw. Ladeschlussspannungen werden dabei vollständig automatisch über die Kommunikation zwischen Wechselrichter und BMS ausgehandelt. Ich arbeite also im vorgesehenen Automatikbetrieb und stelle dort selbst keine festen Spannungswerte ein.

Charge MOSFET „Open“ bedeutet bei meinem System Ladefreigabe bzw. Laden erlaubt, während „Closed“ eine Sperrung bzw. Trennung des Ladepfads bedeutet.

Grundsätzlich teile ich deine Ansicht dazu sogar. Für mich ist ein BMS in erster Linie eine Schutzvorrichtung, die im Grenz- bzw. Fehlerfall eingreifen soll und nicht dafür gedacht sein sollte, den normalen Ladeabschluss regelmäßig dominant über einzelne Zellgrenzen zu steuern.

Das heißt:

Idealerweise regelt:

Ladegerät / Wechselrichter / CC-CV-Regelung
den normalen Ladeabschluss sauber.

Das BMS greift:

bei Grenzfällen,

Sicherheitsverletzungen,

Fehlzuständen,

oder Ausreißern
ein.

Darf ich noch eine jur. Bewertung abgeben?
Mit deiner Dokumentation legt nahe, dass die Speicher mit 100% DoD betrieben werden. Wenn das nun schon seit 1,5 Jahren so ist, dann wären die Garantie Bedingungen nicht erfüllt. Da @Nimbus4 aus "gutachterlicher Sicht" die Daten als wenig aussagekräftig bewertet hat, ist diese Doku für ein erfolgreiches Gerichtsverfahren eher schädlich als nützlich.

Der systemische Fehler ist vordergründig im Ladegerät, bzw. dessen Einstellungen zum Ladeschluss.

Daher: @boldface suche mal die Mails heraus, in der dir deine Vertragspartner die Einstellungen des Ladegerätes beschreiben haben. Wenn dort stehen sollte, dieses System würde automatisch auf 90% DoD justiert, dann ist das dein Vorteil.

L.G.

Wie kommst du zu dieser Bewertung?

Bis jetzt hat nimbus4 lediglich eine Bewertung zu meinen Spannungskurven abgegeben. Diese Einschätzung teile ich.

Ich glaube, da liegt eventuell ein Missverständnis bezüglich DoD bzw. des vorgesehenen Nutzungsbereichs vor. Die Speicher sind laut Hersteller ausdrücklich für einen Betrieb im Bereich 10–100 % SOC vorgesehen. Das entspricht aus meiner Sicht einem nutzbaren Fenster von 90 % DoD und gerade nicht einem dauerhaften 100 % DoD-Betrieb.

Die RW-F10.2 ist zudem offiziell als kompatibler Speicher für den Deye SUN-12K-SG04LP3 vorgesehen und wird über das entsprechende CAN-/BMS-Protokoll automatisch eingebunden. Genau deshalb gehe ich davon aus, dass die automatisch zwischen BMS und Wechselrichter ausgehandelten Ladeparameter grundsätzlich für einen stabilen Betrieb ausgelegt sein sollten. Grundlage dafür sind die Kompatibilitätslisten sowie die vom Hersteller vorgegebenen Batterie-/Protokolleinstellungen des Systems.

Vielleicht habe ich diese Bewertung missverstanden?

Kannst du das dokumentieren?

Wo wurde das mitgeteilt? Du interpretierst 100% SOC als Ladeschluss Spannung von 3,65 V bei jeder Zelle, richtig? Wenn ja, dann frage ich in die Runde, ob das richtig ist?

Solchen einzelnen Datenpunkte wie im pdf lassen leider nur sehr schwer Aussagen zu. Für mein BMS habe ich mir extra die SW geschrieben, die die Screenshots erzeugt, die ich oben gezeigt habe, um dass Verhalten von Zellen vernünftig anlysieren zu können.

Allerdings scheint da ja für Pack2 trotz Richtung “Idle” Balancing stattzufinden. Also hast Du entweder gerade den Übergang von Charge nach Idle erwischt oder das BMS balanced doch auch außerhalb Charge. Auch hier wäre ein Anzeigen des Verhalten über die Zeit viel aussagekräftiger als ein einzelner Datenpunkt

Das ist natürlich schon einmal ein Schritt nach vorne, allerdings immer noch um ein vielfaches schwieriger /langwieriger in der Auswerten als Kurven. Ich würde da eine csv-datei bevorzugen, die ich mir selber plotten könnte.

Auf jeden Fall klärt das die Frage von oben: Das Balancing endet wirklich, sobald der Pack von Charging auf IDLE geht. In Kombination mit dem ziemlich “gewaltsamen” Laden ( Ladespannung ~ 56.9 V, nur ~ 4 min vom Überschreiten von 3.4 V bis zur OV Abschaltung ) ist dass natürlich eher ein schlechter Scherz. Da kann man nicht ernsthaft erwarten, dass ein Balancing bei LFP Zellen vernünftig funktioniert. Für die worst-case Situation von nur einer hinterherlaufenden Zelle kann der Balancer in den 4 min gerade mal ~ 1.95 mAh in jeder der 15 dann vorauseilenden Zellen entnehmen.

Da fragt man sich wirklich, ob bei Deye die Praktikanten die Balancing-Auslegung vorgenommen haben. Da wäre ich in der Tat neugierig, womit sich Deye da versucht rauszureden.

Solange man nur die Spannungskurven für sich betrachtet würde ich das weiter so sehen.

Dass es routinemäßig zu OV-bedingten Abschaltungen der Ladung kommt, würde ich zwar für ein ESS, wo es nicht auf Schnelladung in 90 min ankommt, als unschön bewerten. Deye würde aber wohl entgegnen, dass ein hartes Abschalten bei 3.65 V und ~ 0.05C sogar dem Prüfzyklus der Hersteller entspricht.

Dass das Balancing, so wie es ist, nicht funktionieren kann, erscheint mir nun aber ziemlich gewiss.

Wenn z.B eine Zelle eine gegenüber den anderen Zellen um 1 mA erhöhte Selbstentladung hätte/ entwicklen würde, würde diese Zellen gegenüber den anderen pro Tag 24 mAh verlieren. Das könnte der Balancer so nicht ausgleichen und diese Zelle würde pro Tag ~ 20 mAh hinter die anderen zurückfallen, so dass nach einem Jahr ~ 7.3 Ah nutzbare Kapazität verloren würden. Jemand der einen Balancer so auslegt, versteht schlicht nicht, was er tut.

Ob es juristisch allerdings bereits ausreicht, dass dadurch ein zukünftiger Schaden/Beinträchtigung droht, oder ob dieser bereits vorliegen muss, kann ich nicht bewerten.

PS: Warum taucht dieser Thread eigentlich in der Themenübersicht nicht mehr auf?

Bei mir schon.

Dank an den Sachverständigen. :grinning_face:

Im Prozeß hat der die Rolle, dem Gericht, welches das Fachwissen nicht hat, nachvollziehbar zu erklären, was da geschieht. Das Gericht wird dann die Gedankengänge nachvollziehen und in "freier Beweiswürdigung" bewerten. Die Aussage des SV lautet: mit den derzeitigen (Vor-) Einstellungen der Balancer kann es zu Kapazitätsverlusten von bis zu 7,3 Ah p.a. kommen, die zu dem "natürlichen" Kapazitätsverlust kommen. Ob es so ist, wäre zu beweisen. Dazu sollte es reichen, wenn bei einem der 3 Speicher mittels geeichtem Messgerät die Kapazität ermittelt wird.

@boldface
hast du ein Kapazitätsmessgerät oder kennst einen, der es dir ausleiht? Als Vorversuch ohne Beweisqualität würde es nur das bisherige Bild abrunden. Sind signifikante Kapa Verluste eingetreten? Dann macht ein vorgeschaltetes Beweissichernungsverfahren gewiss Sinn, der Akku kommt ins Messlabor und am Ende hast du das Ergebnis gerichtsfest. Bitte schau noch mal in den Garantie Bedingungen nach, was dort zur verbleibenden Restkapazität nach 10 Jahren steht. Wenn dort 70% versprochen wird (oder 80%), dann darf die Kapazität um 2-3 % p.a. sinken. Kämen die Verluste durch fehlerhaftes Balancing mit 3,5 % p.a. hinzu, dann hätte dieser Fehler zur Folge, dass der Akku nach 10 Jahren nur noch 40% oder noch weniger haben würde. Das wäre m.A. eine Beweiskette, die (hoffentlich) deine Richterin oder deinen Richter überzeugen könnte. Da die Werbung anderes verspricht (nach 10 Jahren noch X Restkapa), wäre ein Mangel zu bejahen und dem Anspruch auf Wandlung (Geld kommt - und Ware gehen - zurück). Da dieser Anspruch nur gegenüber dem Händler besteht, wird sich die Klage nur gegen ihn richten. Da er sich gewiss auch anwaltlich beraten lassen wird, kann es sein, das der Händler bzw. sein Anwalt der Fa. Deye den Streit verkündet, damit die tatbestandlichen Feststellungen deines Verfahrens auch als Beweis im Regress zwischen Händler und Deye wirken können.

Dass ein solcher Fall am Ende sehr wahrscheinlich über ein technisches Gutachten bewertet werden wird, sehe ich inzwischen ähnlich. Genau deshalb dokumentiere ich das Verhalten auch möglichst umfassend und direkt aus den BMS-/CAN-Daten heraus. Genau deshalb habe ich zusätzlich eine self-contained HTML-Aufzeichnung aufgebaut, die den gesamten Verlauf rund um den Ladeabschluss inklusive Relaxationsphase zeitlich zusammenhängend dokumentiert. Dadurch wird nicht nur ein einzelner Peak oder Zufallsmoment gezeigt, sondern der komplette Ablauf des Ladeendes mit dem Verhalten der Zellspannungen über die Zeit hinweg nachvollziehbar dargestellt.

Die eigentliche Schwierigkeit ist aus meiner Sicht dabei weniger, ob einzelne Zellabweichungen technisch grundsätzlich möglich sind – das bestreitet ja niemand –, sondern ob das Gesamtsystem innerhalb des vorgesehenen Automatikbetriebs langfristig stabil und innerhalb der beworbenen Eigenschaften arbeitet.

Bezüglich der Kapazität ist die Situation bei mir etwas speziell: Rein rechnerisch ergeben sich aus entladener Energie und den vom BMS gemeldeten Ladezyklen eher Größenordnungen von etwa 8–8,2 kWh statt der beworbenen nutzbaren Kapazität von 9,2kWh. Gleichzeitig habe ich aber bislang keinen gerichtsfesten Einzelkapazitätstest unter Laborbedingungen durchgeführt, weshalb ich diesen Punkt aktuell eher als ergänzenden Hinweis und nicht als alleinigen Hauptangriffspunkt sehe.

Mein Hauptpunkt bleibt weiterhin das reproduzierbare Verhalten im oberen Ladebereich:

  • wiederkehrend hohe Zellabweichungen
  • regelmäßige Begrenzung des Ladeabschlusses durch einzelne führende Zellen
  • fehlende nachhaltige Stabilisierung trotz regelmäßiger Vollzyklen
  • und die Frage, ob ein geschlossenes Herstellersystem im vorgesehenen Automatikbetrieb dauerhaft so arbeiten sollte.

Hinzu kommt aus meiner Sicht auch die Frage der langfristigen Belastung einzelner Zellen. Wenn bestimmte Zellen regelmäßig zuerst in den oberen Spannungsbereich laufen und dadurch wiederkehrend stärker belastet werden als andere Zellen im Pack, dann sehe ich ehrlich gesagt nicht, warum ich als Endkunde dieses Risiko tragen oder durch eigene Umbauten bzw. manuelle Eingriffe kompensieren sollte, obwohl das System ausdrücklich für genau diesen vorgesehenen Automatikbetrieb beworben und freigegeben wurde.

Gerade darin liegt für mich auch ein wesentlicher Punkt der Gewährleistungsfrage. Nach § 434 BGB ist eine Sache unter anderem dann frei von Sachmängeln, wenn sie sich „für die gewöhnliche Verwendung eignet“ und eine Beschaffenheit aufweist, „die bei Sachen derselben Art üblich ist und die der Käufer erwarten kann“. Ist in meinem System meiner Meinung nach nicht der Fall.

Und unabhängig davon danke ich euch auf jeden Fall für die vielen sachlichen Einschätzungen und technischen Hinweise.