Problem mit Balancieren/Drift der DEYE RW-F10.2 bei Ladeschluss

@carolus

Das macht aber Deye BMS LVESS wenn die Batterie warum auch immer tief entladen ist.

Zum Beispiel wenn SOC plötzlich von 10 % auf null springt, weil eben eine Zelle Untergrenze erreicht hat.

Dann läuft der Balancer?

@carolus

Ja, Der Passive Balancer wird immer dann aktiviert, zu denn Kriterien wie ich bereits oben geschrieben hab und abgeschaltet wenn mindestens ein Kriterium nicht erfüllt wird.

Sorry aber ich verstehe nicht ganz...
Du beschäftigst dich bereits seit anderthalb Jahren intensiv mit dem Thema und erwähnst Fachbegriffe wie Relaxation, kannst aber nicht einordnen ob Spannungsdifferenzen zum Ladeschluss von über 200mv normal sind? Das sind doch Dinge welche du dir innerhalb von 10 Minuten erlesen kannst. Und da das ganze bereits ein Gewährleistungsfall ist und du deshalb nicht eingreifen kannst, lässt sich daran auch erstmal nichts ändern.

Und deine vorgegebene Ladeschlussspannung vom BMS ist 56,8V (so sehe ich das laut den PDFs)? Dann hast du doch schon einen guten Einwand gegen den Hersteller/Verkäufer. Denn wenn die vorgegebene Ladeschlussspannung bei 3,55V/Zelle liegt (stimmt das?) und das BMS laut deinen PDFs auf 3,65V/Zelle OVP eingestellt ist (was gleichzeitig die maximal zulässige Ladeschlussspannung für Lifepo Zellen ist), hast du ganze 100mv Luft bis das BMS dicht macht. Ergo ist die vorgegebene Ladeschlussspannung zu hoch weil deine Zellen mit über 200mv Spannungsdifferenz mal eben ganz locker in die OVP laufen. Die über 200mv Spannungsdifferenz können also eben schonmal garnicht normal sein wie de Hersteller/Verkäufer behauptet, weil diese Spannungsdifferenzen immer die OVP vom BMS auslösen würden. Selbst mit 3,45V/Zelle als Ladeschlussspannung wären "nur" 200mv Luft zur OVP vom BMS. Auch das würde in deinem Fall nicht ausreichen um sicher voll laden zu können. Das Balancing deiner Akkus ist einfach für den Ar.....

@u-f-o

Ja, genau dieser Punkt ist aus meiner Sicht einer der zentralen Einwände.

Mir geht es nicht darum, dass ich nach anderthalb Jahren keinerlei technische Einschätzung hätte. Ich wollte bewusst auch externe Meinungen und Erfahrungen dazu hören, weil Hersteller und Verkäufer die beobachteten Zellspannungsdifferenzen im Ergebnis als normal darstellen.

Die eigentliche Ladeschlussspannung des Systems liegt laut Unterlagen bei 57,6 V. Gleichzeitig werden über das BMS bzw. die CAN-Kommunikation aber Ladespannungen von bis zu 58,4 V vorgegeben. Der Verkäufer argumentiert im Prinzip damit, dass das BMS bei etwa 3,65 V Zellspannung ohnehin eingreift und dadurch „alles geschützt“ sei. Diese Schutzfunktion als solche stelle ich auch überhaupt nicht infrage – genau dafür existiert sie ja.

Mein Punkt ist vielmehr, dass einzelne Zellen regelmäßig zuerst das Spannungsmaximum erreichen und dadurch den Ladeabschluss dominieren bzw. begrenzen. Und genau dieses wiederkehrende Erreichen der Maximalspannung einzelner Zellen halte ich langfristig eben nicht für unkritisch, insbesondere wenn gleichzeitig andere Zellen noch deutlich zurückliegen.

Die Problematik bestand dabei nicht erst seit gestern. Bereits relativ kurz nach dem Kauf lagen die Zellspannungsdifferenzen bei mir im Bereich von rund 150 mV, was ich persönlich schon damals für auffällig gehalten habe. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur Zugriff auf die sehr grob aufgelösten Herstellerdaten bzw. Portalwerte, mit denen sich solche kurzen Spitzen und Verläufe praktisch kaum sauber analysieren lassen.

Erst nachdem ich später Home Assistant aufgebaut, eine eigene CAN-Auslesung implementiert und die Zellspannungen mit hoher zeitlicher Auflösung überwacht habe, wurde für mich überhaupt sichtbar, wie stark die Zustände am Ladeende tatsächlich auseinanderlaufen. Und genau dabei sind dann die deutlich höheren Spannungsdifferenzen sowie das wiederkehrende Verhalten einzelner führender Zellen sichtbar geworden.

Zwischen dem ersten Kontakt zum Hersteller wegen dieser Auffälligkeiten und der späteren detaillierten Analyse lag deshalb auch eine längere Zeitspanne, weil ich zunächst davon ausgegangen bin, dass sich das Verhalten eventuell noch stabilisiert oder innerhalb der normalen Kalibrierung bewegt. Mit zunehmender Zeit wurden die Zellabweichungen allerdings eher größer statt kleiner.

Vielleicht war der Begriff „Einordnung“ von mir daher nicht ganz glücklich gewählt. Mir geht es auch darum, andere Nutzer für solche Verläufe zu sensibilisieren. Ich vermute ehrlich gesagt, dass viele Anwender diese Zustände aufgrund der geringen Datenauflösung der Herstellerportale überhaupt nie zu Gesicht bekommen. Vielleicht schauen künftig noch andere Nutzer gezielt auf ihre Zellspannungen am Ladeende und teilen ihre Erfahrungen dazu.

Vielleicht kommt noch hinzu, dass es im Bereich LiFePO₄-Speicher aus Anwendersicht eben keine klar verständliche „Normdefinition“ dafür gibt, ab wann bestimmte Zellabweichungen noch als normal gelten und ab wann nicht mehr. Natürlich existiert ein technisches Grundverständnis und Erfahrungswerte innerhalb der Community, aber genau dieses Verständnis muss man sich als Laie überhaupt erst einmal über längere Zeit erarbeiten und unterschiedliche Aussagen auch kritisch einordnen können.

Man kann sich zwar vieles innerhalb kurzer Zeit anlesen, gleichzeitig findet man zu dem Thema aber auch sehr viele widersprüchliche Aussagen, Halbwissen oder stark subjektive Meinungen. Genau deshalb war mir der Austausch mit anderen Nutzern überhaupt wichtig.

Und wenn Hersteller und Verkäufer gleichzeitig erklären, dass solche Zustände „normal“ seien, muss man sich als Endkunde eben erst einmal überhaupt das technische Wissen aneignen, um diese Aussagen vernünftig hinterfragen und bewerten zu können.

Und damit meine ich ausdrücklich nicht nur meine eigene Situation rückblickend, sondern auch andere Nutzer, die künftig möglicherweise mit ähnlichen Auffälligkeiten konfrontiert werden. Viele verlassen sich verständlicherweise zunächst auf die Aussagen von Hersteller oder Verkäufer und bekommen dann eventuell ebenfalls vermittelt, dass solche Spannungsunterschiede „normal“ seien.

Mir persönlich ist völlig klar, dass man bei einem passiven Balancer keinen perfekten Idealzustand mit 0 mV oder wenigen Millivolt jederzeit erwarten kann. Für mich persönlich beginnt aber spätestens alles oberhalb von etwa 50 mV im oberen Ladebereich zumindest beobachtungswürdig zu werden. Und wenn Zellspannungsdifferenzen reproduzierbar in Bereiche von über 100 mV laufen, deutet das aus meiner Sicht sehr deutlich darauf hin, dass das System bzw. das Balancing nicht mehr vernünftig arbeitet oder zumindest nicht mehr ausreichend stabil funktioniert.

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Ich gebe dir meine gerne.
In den letzten 5 oder so posts sind jetzt klopper drin, für die ich den Deye Konstrukteuren das Zeugnis "keine Ahnung, aber davon besonders viel" ausstellen muss.
Einer davon, die maximale Ladespannung, ist für mich klar grob fahrlässig. Wenn nicht schlimmeres.
Ich stelle dir das nachher zusammen. Das sind eine Menge Punkte, gegen die ich seit Jahren wettere.... Und hier alle beieinander.
Das ganze sieht so aus, als ob jemand mit geringen NMC Kenntnissen das für LiFePO zusammen geklöppelt hat. Und nichtmal das richtig.

Wegen der Ladespannung habe ich auch für dich einen Tip: nicht weiter so betreiben. Entweder stillegen und dem Händler vor die Tür fahren, oder selbst eingreifen und korrigieren.

PS: für mich ist das ein Fall für einen Produkt-Rückruf: ein Verkaufsverbot.

Für die technische Sicht: musst du auch nicht. Der Idealzustand ist nicht 0 mV. Und auch die Einstellung 5 mV ist nicht die beste. Ich plädiere für 20 bis 30 mV aus folgendem Grund: Zellspannungen werden durch Strom wegen des Innenwiderstand verändert. Ist der I. einer Zelle (auch durch Übergangswiderstände) etwas höher als der der anderen, so ist auch die Ladespannung der Zelle höher. Uberschreitet das die eingestellte Differenz,vso beginnt der Balancer.... Aus dem Falschen grund. Das kann sogar beim Entladen noch passieren.... Da kümmert sich nichts darum, vdie Ströme klein zu halten.
Darauf fallen also gerade die stromregelungs- Junkies herein, die den Akku mit höherer spannung vollprugeln. ( Nordkyn Thema)

Es steht so viel Unsinn zu dem Thema im Netz, dass man sich vorzugsweise bei entsprechender Vorbildung selbst ein Bild macht - technologieoffen und frei von Ideologie :wink:

Die gibt es deswegen nicht, weil die Differenz als solche vollkommen wurst ist. Möglichst kleine Differenz stammt von den YT Fachleuten.
Fange ich so an: balancieren dient dem Zweck, alle Zellen gleichzeitig voll werden zu lassen. Mit dem Ziel, keine entladbare Kapazität zu verlieren durch eine Zelle, die zuerst leer wird, weil sie beim laden garnicht voll war.

Da nun aber Die SOC Differenz zwischen 3,4 V und 3,65 V gerade 0,3 % ist, nehmen wir das alles als voll. Damit wären 250 mV die größtmögliche "erlaubte" Differenz. Nicht besonders praxisgerecht, das ist wie vorne überm Abgrund und hinten vor der Panzermine.
Außerdem möchte man aus den höheren Spannungen uber ...3,45 V aus Lebensdauergründen heraus. Das sind die beiden Gründe, die Differenz nicht zu gross zu wählen.
Dazwischen kannst du eigentlich massvoll wählen. Für einen Hochstromakku eher 30 bis 50 mV, sonst herunter bis 20. Man kann ja prüfen, ob der Strom den Balancer schon startet.

Wenn du lust hast: lies den Bericht uber meinen Frankenstein Akku. Das wird dein Weltbild "Differenz" nachdrücklich verändern.

Hach, hier ein screen meines Frankenstein: perfekt in balance übrigens.
Das ist natürlich leer, nicht voll, und somit bedeutet die Differenz garnichts.
(PS, natürlich bedeutet sie doch was, und zwar was ?)

Hallo in die Runde,
wie wird wohl das Gericht entscheiden? Der Richter ist kein LFP Spezialist. Im Zweifel wird ein Gutachten von einem anerkannten Sachverständigen eingeholt. Da wird dann erstmal ein Kostenvorschuss vom Kläger angefordert. Nach meinen Erfahrungen sind Gutachter teuer - ob sie gut sind, liegt dann im Auge des Betrachters. Sagt das Gutachten: ja, dies sei ein Mangel, dann ist es gut für dich. Wenn nicht, dann ist es schlecht um den Erfolg der Gewährleistungsklage bestellt.

Daher rate ich, das Prozessrisiko zu berechnen. Das ist mit im Netz verfügbaren Mitteln einfach, wenn man den Streitwert kennt (Kaufpreis der Anlage). Für den Gutachter würde ich 2 bis 3 T€ einplanen.

Vor Gericht ist es wie auf hoher See: ob du sicher an das andere Ufer kommst, weißt du erst, wenn du angekommen bist. Du bist in Gottes Hand.

Da ich viele Jahrzehnte als Jurist für eine öffentliche Verwaltung tätig war, kann ich den Spruch nur bestätigen. Natürlich gibt es eindeutige Fälle, bei denen keine Überraschung kommen wird. Das ist bei dir aber nicht der Fall, denn nach deinen Beschreibungen bisher funktioniert die Anlage. Du meinst nun, einen Mangel erkannt zu haben. Doch was nützt es dir in einem Gerichtsverfahren, wenn hier im Forum jemand schreibt: ja das sei ein Mangel? Nichts, das wird das Gericht kaum interessieren.

Daher wäre mein menschlicher Rat: reduziere die Ladeentspannung, pro Zelle sind 3,5V mehr als ausreichend. Dann dürfte der "Mangel" nicht auftreten und du wirst dein Problem los, ohne das Prozesskosten Risiko eingehen zu müssen.

Selbstverständlich kannst du auch den Rechtweg gehen. Sprich mit deinem Anwalt, da man den mangelhaften Zustand auch vorzeitig im sog. Beweissicherungsverfahren gerichtsfest dokumentieren lassen kann.

L.G.

Gerade nochmal gesehen.... Siehe meine Kommentare und die Erläuterungen.

Danke dir für die sachliche Einschätzung. Dass ein solcher Fall am Ende sehr stark von einem Gutachten und der technischen Bewertung abhängen wird, ist mir bewusst. Genau deshalb dokumentiere ich das Verhalten inzwischen auch sehr umfangreich und mit deutlich höherer zeitlicher Auflösung als über die normalen Herstellerportale möglich wäre. Sämtliche Daten stammen dabei direkt aus der Kommunikation des BMS bzw. aus der CAN-Auslesung und nicht aus irgendwelchen geschätzten oder extern berechneten Werten.

Zusätzlich habe ich inzwischen auch umfangreiche Kommunikation mit Hersteller und Verkäufer dokumentiert, darunter zahlreiche Seiten aus Chats und E-Mails mit teilweise widersprüchlichen Aussagen zu Balancing, Zellabweichungen und dem vorgesehenen Systemverhalten.

Und natürlich ist mir auch klar, dass man das Verhalten durch geänderte Ladeparameter oder zusätzliche technische Maßnahmen möglicherweise entschärfen könnte. Genau das ist aber aus meiner Sicht nicht der eigentliche Punkt des Gewährleistungsfalls.

Mir geht es nicht darum, einen perfekten Laborzustand zu erreichen, sondern darum, dass ein geschlossenes Herstellersystem innerhalb der vorgesehenen Betriebsparameter technisch stabil und alltagstauglich funktionieren sollte, ohne dass der Nutzer anfangen muss, tief in Ladeparameter, Balancingstrategien oder Zusatzhardware einzugreifen.

Gerade weil Hersteller und Verkäufer ausdrücklich den vorgesehenen Automatikbetrieb empfehlen und alternative Betriebsarten nicht für den regulären Dauerbetrieb vorgesehen seien, habe ich bewusst darauf verzichtet, eigenmächtig an den Parametern herumzuspielen oder zusätzliche Hardware nachzurüsten.

Und ja, mir ist auch bewusst, dass ein solches Verfahren mit entsprechenden Kosten und Risiken verbunden ist. Trotzdem bin ich grundsätzlich bereit, diese Kosten gegebenenfalls auch vorzustrecken, um die technische Frage einmal sauber und unabhängig klären zu lassen.

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Dem möchte ich energisch widersprechen.

Ich habe inzwischen eigene praktische Erfahrung mit 96 LFP Zellen der 280/300 AH Klasse und 176 Zellen der 100 Ah Klasse.

Bei den großen Zellen habe ich zum Teil refurbished Zellen die schon deutliche Degradation aufweisen. Jeweils innnerhalb der 6 16s Packs liegt die maximale Differenz der Selbstentladung ( welche dann dominierend für den Balancingbedarf ist bei ~ 2.4 mA ). Für die meisten Zellen reden wir eher über < 0.3 mA.

Die kleineren Zellen sind alle noch ziemlich neu. Da habe ich im Moment überhaupt keine erkennbaren Ausreißer bei der Selbstentladung, so dass das Balancing-Verhalten noch von dem leicht unterschielichen SEI-Wachstum ( → Coulomb-Effizienz ) bei j́ungen Zellen dominiert wird.

In all diesen Fällen gibt es überhaupt keine technische Notwendigkeit für Balancing-Ströme >> 100 mA, wenn der Balancing-Algorithmus vernünftig ist.

Ganz im Gegenteil: Selbst junge Zellen zeigen zum Teil merkliche Unterschiede im Relaxationsverhalten, so dass man auch hier mindestens ~ 30 min nach Erreichen von 100% warten sollte bevor man aufgrund der Zellspannung minimale SOC-Unterschiede abschließend beurteilen kann. Innerhalb dieser Relaxationsphase mit einem 10A Balancer auf die Zellen “einzuschlagen” führt nur zu unnötigem Hin- und Herladen.

Diesbezüglich zeige ich immer wieder gerne dieses Bild von Zellen mit massiver Degradation.

( Dabei gibt es keinerlei Balancer-Eingriff. Das ist alles “natürliches” Relaxationsverhalten der Zellen)

Ein starker aber naiver Balancer würde hier möglicherweise >> 1 Ah erst aus den Zellen 8 und 16 entnehmen um das dann später wieder nachzuladen. Ein ganz naiver Balancer, der nur bei Ladeströmen größer z.B. 100 mA balanced, würde den zweiten Schritt auslassen, so dass die nutzbare Kapazität des Packs massiv reduziert würde

Wenn ein Ladevorgang z.B. als I_bat > 0.1 A definiert wäre, wäre das fatal.

Ich würde einiges darauf tippen, dass da ein BMS IC von TI verbaut wird. Die haben nämlich genau solche Einstellungen ( inkl. der Einstellung von “charge and/or relax” für die fest eingebaute Balancing-Rountine )

Wenn diese “Überspannung” nur gegen Ladeende und auch bei eher kleinen Ladeströmen auftritt, könnte das auf Auffälligkeiten im Relaxationsverhalten dieser Zellen hindeuten. Wie sieht deren Spannung 1h nach Erreichen (Halten ) von 100% SOC aus?

Wenn man das “jederzeit” mal ignoriert, sehr wohl: Das ist das Verhalten nach einem Vollzyklus ( 100 % → 0 % → 100 % ) innerhalb von ~ 48 Stunden. Wenn ein BMS so etwas nicht hinbekommt, gibt es ein grundsätzliches Problem. Wegen der nahezu idealen Coulomb-Effizienz von gesunden LFP Zellen kann es nach 48h keinen nennenswerten Balancingbedarf geben ( hier 32 mAh, wovon der größe Teil auch “Fehlbalancing” durch unterschiedliches Relaxationsverhalten und sonstige Nichtidealitäten ist ).

Danke dir für die wirklich ausführliche und technisch differenzierte Erklärung. Genau solche Beiträge hatte ich mir mit dem Thread eigentlich erhofft.

Besonders interessant finde ich deinen Punkt, dass nicht die reine Balancierleistung von 110 mA zwangsläufig das Hauptproblem sein muss, sondern möglicherweise eher die Kombination aus Balancingstrategie, Triggerbedingungen und dem tatsächlichen Verhalten des Systems im oberen Ladebereich.

Bei meinem System ist es nach Herstellerangabe bzw. BMS-Daten so:

  • passives Balancing mit ca. 110 mA
  • maximal vier nicht benachbarte Zellen gleichzeitig
  • Balancing nur während aktivem Ladevorgang
  • Start erst ab etwa 3,4 V Zellspannung und mindestens ca. 30 mV Differenz

Was ich in der Praxis sehe:

  • Am Ladeende liegen die Zellspannungsdifferenzen bei allen drei Packs regelmäßig deutlich über 100 mV.
  • In einzelnen dokumentierten Ladeabschlüssen lagen die Deltas bei ca. 190–240 mV.
  • Ein konkreter 3-Pack-Snapshot direkt am Ladeende zeigte z. B. etwa 190 mV, 192 mV und 240 mV.
  • Wenige Sekunden später lagen die Werte weiterhin bei ca. 223–233 mV.
  • Rund 10 Minuten nach Ladeende und nach sichtbarer Relaxation lagen die Deltas immer noch bei ca. 166–170 mV.
  • Auch nach längerer Zeit im Idle-Zustand bei 100 % SOC verschwinden diese Unterschiede nicht einfach, sondern bleiben teilweise weiterhin deutlich über 100 mV bestehen.

Das ist für mich der Punkt, warum ich das nicht mehr nur als kurzfristigen Peak oder normales Relaxationsverhalten einordne. Die Spannungen fallen nach Ladeende zwar sichtbar zurück, aber die Zellspreizung bleibt in relevanter Größenordnung bestehen.

Auffällig ist außerdem, dass einzelne Zellen sehr häufig wieder als führende Zellen auftreten. Bei einem Pack ist es z. B. fast immer dieselbe Zelle, die im oberen Ladebereich zuerst deutlich nach oben läuft und den Ladeabschluss dominiert.

Genau deshalb finde ich deinen Hinweis zum Thema Algorithmus und „charge and/or relax“ sehr spannend. Nach meinem aktuellen Verständnis scheint das BMS tatsächlich nur während aktivem Laden zu balancieren. Wenn der Pack dann nach Ladeende in Idle bzw. Float geht, findet trotz weiterhin deutlicher Zellunterschiede offenbar kein weiterer passiver Balanciervorgang mehr statt.

Vor diesem Hintergrund wirkt es auf mich weniger wie ein reines Problem „110 mA sind grundsätzlich zu wenig“, sondern eher wie eine ungünstige Kombination aus spätem Balance-Start, begrenzter Zellanzahl, nur Balancing während Charging und zu kurzer effektiver Balancierzeit vor dem Ladeende.

Und genau deshalb fand ich deine Aussage wichtig, dass bei gesunden LFP-Zellen nach vollständigen Vollzyklen eigentlich kein dauerhaft großer Balancingbedarf bestehen sollte. Genau das scheint mein System langfristig eben nicht zu erreichen.

Wenn ich später dazu komme, lade ich dazu auch noch einmal einen Ausschnitt aus meiner Grafana-Aufzeichnung hoch, wie sich die Zellspannungen und die Deltas mehrere Stunden nach Ladeende bzw. nach der Relaxationsphase verhalten.

ich dachte du wolltest das Batterieproblem lösen…

Netzteil mit 56V schon dran?

wie meinst du das?

mir leuchten die von dir genannten Herstellerangaben nicht ein. Ein passiver Top Balancer kennt keine "nicht benachbarten Zellen gleichzeitig". Nicht benachbarte Zellen werden bei passiven Balancern nicht tangiert.

Bei passiven wird die jeweils betroffene Zelle mittels Widerstand und Transisor etwas entladen. Bei 110 mA und 3,6 V entsteht eine Wärme von gerade mal 0,4 W. Selbst wenn ein Dutzend von denen zur gleichen Zeit aktiv sind, entsteht gerade 5 W Wärme. Das ist kein Problem und geht bei entsprechender Fläche ganz ohne Überhitzung in die Umgebungsluft.

Und warum soll es dabei auf "nicht benachbarte " Zellen ankommen. Ob es vielleicht doch ein aktiver Balancer ist? Bei diesen wird die Energie von einer Zelle zur anderen um geladen. Und je nach Typ geht das nur zwischen beachbarten oder auch über alle. Die Sorte, die auch zwischen nicht beachbarten Zellen Energie transferiert ist technisch aufwendiger (und teurer).

Im deuschsprachigen Prospekt ist die Spannung von 43,2 bis 57,6 V angegeben. Pro Zelle sind das dann 2,7V bis 3,6V. Das dürfte 100% SOC sein. Wenn man das mit den weiteren Angaben vergleicht, soll die garantierte Lebensdauer aber nur bei 90% erreicht werden.

Im englischen User Guide steht 44,8V bis 57,6 V, also beim Entladeschluss schon 0,1V pro Zelle mehr (2,8V)- was mir auch schon sehr tief erscheint. Dort ist die nominal Kapazität mit 10,1 kWh angegeben, von denen auch 10,1 KWh genutzt werden können.

Zitat: "[1] DC Usable Energy, test conditions: 100% DOD, 0.5C charge & discharge at 25°C. System usable energy may vary due to system configuration parameters." (Ende Zitat).

Frage beim Verkäufer und beim Hersteller nach, welche Spannungen einzutragen sind, damit 90% DoD eingehalten werden. Die Herstellergarantie von 6000 Ladezyklen und 10 Jahren setzt ja 90% DoD voraus und das ist (offensichtlich) in der Werkseinstellung nicht eingehalten. Da möge man doch bitte sehr konkrete Angaben machen. Ich wage mal eine spekulative Aussage: in der Werkseinstellung werden 100% DOD genutzt und die scheint bei dir noch vorhanden zu sein.

Im LVSS Monitor ist eine Möglichkeit "Settings" (S. 29 des User Guide). Da würde ich jetzt erstmal nachschauen wollen, welche Grenzen dort eingestellt sind. Dieser User Guide behandelt leider nicht die "Settings".

Ohne Fachexpertiese, nur aus meinen Erfahrungen mit DIY Akkus, sind 3V und 3,52V vollständig ausreichend. Bei meinen ersten Versuchen LFP Zellen (vor Jahren) liefen gegen Ende des Ladevorganges die Zellen schon um 100mV und mehr auseinander (hab ich nicht dokumentiert). Kann mich @carolus Abhandlung nur anschließen. Diese hohe Endspannung braucht man nicht.

Dagegen kann ich die Aussage 110mA Balancer Strom sei für 200Ah Zellen zu gering, kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Bei mir werkeln preiswerte Daly BMS und die können nur 50mA. Das reicht sogar bei meinen 280Ah Akku aus. Aber wer weiß schon? Ausnahmen bestätigen die Regel.

Deye ist ein großer Hersteller, der schon mal gezeigt hat, dass er seinen Namen (und Börsenwert) nicht risikieren will. Deutsche Tüftler hatten herausgefunden, dass ein MirkoWR (600W) nicht die in Deutschland vorgeschriebenen Relais enthielt. Die haben dann an alle Kunden ein Gerät zum Nachrüsten versendet. Das hat mich beeindruckt, denn ich hatte das betroffene Gerät und hab das Zusatzgerät kostenfrei zugeschick bekommen. Alles ging übers Netz und nur der Geräte Code sowie Adressdaten mussten übermittelt werden.

Aufgrund dieser Erfahrungen kann ich es mir nicht so recht vorstellen, dass diese Akkus grob fehlerhaft konstruiert sind.

Für Revers Engeneering müsste der Akku geöffnet werden und damit ist der Verlust der Garantie verbunden. Ohne Blick auf das BMS und die Balancer, ohne Messung der Spannungen direkt an den Zellen, wird man kaum klüger werden können. Daher rate ich dazu dem Hersteller und Verkäufer um exakte Angaben zu den Settings zu bitten, um die 90% DoD einhalten zu können.

Sorry für den langen Text (es fehlte die Zeit, ihn zu kürzen).

L.G.

Das spricht meiner Ansicht ganz stark dafür, dass Deye im Balancer-IC das Balancing nur im “Charging” Zustand aktiviert hat. Bei den TI ICs ( die ich auch für mein BMS nutze ) kann man eine Stromschwelle konfigurieren, die über den Zustand “Charging” entscheidet. Wenn man da z.B 100 mA konfiguiert heißt das, dass alle Ströme < 100 mA ( Ladestrom ) nicht mehr als “Charging” definiert werden und dann im Zweifelsfall auch kein Balancing mehr stafffindet. Das wäre bei LFP Zellen fatal und meiner Ansicht nach ein schwerer Auslegungsfehler seitens Deye. ( Der aber vermutlich mit einer Zeile Code behoben werde könnte. Im Grunde müßte nur ein zusätzliches Konfigurationsbit im BMS IC gesetzt werden )

Es gibt zu einem Batteriepack von Deye auch im Netz ein Dokument, dass ein TI BMS IC ( BQ..) explizit erwähnt.

Das ist extrem wichtig, um das sauber anlysieren zu können. Bitte dabei unbedingt den Strom mitanzeigen