Ist R32 wirklich so schlimm? - ein Gedankenexperiment

ja, der Motor ist im Kältekreislauf. Strom kommt über eine Durchführung im Gehäuse zum Motor.

Aber auch da wird doch eine Dichtung zwischen Zuleitung und Kältemittelkreislauf benötigt? Gibt´s da Bilder von? Irgendwie geht mir die Vorstellungskraft ab.

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Schau dir einen Kompressor aus einer LLWP oder einer LWWP an, Verdichter und Antrieb sind vollständig eingehaust, nur die elektr. Leitung wird herausgeführt. Im Vergleich dazu ist die veraltete Variante in der Automotive ein vom Keilrippenriemen angetriebener Kompressor mit elektromagnetischer Kupplung. Schwachstelle ist hier, wie weiter oben schon jemand erwähnt hat, u.A. der Wellendichtring der die Welle der die mechanische Kraft vom Riementrieb zum Verdichter überträgt und zusätzlich die Gummischläuche die die Verbindung vom Verdichter zum Verflüssiger herstellen. Die elektr. Leitung hingegen ist statisch, nicht in Bewegung und daher m.E. deutlich leichter/standfester abzudichten.

Wird ein elektr. angetriebener Verdichter eingesetzt der nicht von der mechanischen Energie des Hauptaggregats abhängig ist, muss der Verdichter auch nicht auf der schwingenden Einheit montiert werden sondern kann an beinahe beliebiger Position angebracht- und starr mit dem Verflüssiger verrohrt werden - ohne Gummischläuche.

Aber die technische Lösung an sich ist eigentlich auch nebensächlich, es ging mir mehr darum, dass es gewisse Kreise gibt in denen durch geschickte Arbeit Verluste geduldet werden, und dann gibt es Breiche wo das Kältemittel ein ganz ganz böses Treibhaus-Equivalent hat und auch ja keiner dran rum werkeln darf nicht mit ein Hauch von Kältemittel ins Freie gelangt.

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Hier meine Gedanken und Anregungen zum Thema

Grundsätzlich halte ich die F‑Gase‑Verordnung für sinnvoll. Wie bei vielen Gesetzen und Regelwerken gibt es jedoch immer Interessengruppen, denen einzelne Punkte mehr oder weniger zusagen. Würde man überall Sonderregelungen einführen, wäre das Ganze vermutlich noch unübersichtlicher und bürokratischer. Leider haben Gruppen mit viel Geld oft einen größeren Einfluss. Doch am Kapitalismus wird sich so schnell wohl nichts ändern.

Wenn künftig jeder R32‑Anlagen installieren und das Kältemittel frei beziehen kann, gehe ich davon aus, dass die Zahl der Leckagen steigen wird.

Wir, die in Foren nach DIY‑Lösungen suchen, bewegen uns vermutlich in einer Art Blase. Umgeben von Menschen, die Wert auf fachgerechte, oft sogar perfekte Arbeit legen. Ich kenne beide Seiten und weiß, dass vieles, was man in DIY‑Foren liest, oft das Fachwissen der Installateure übersteigt- zumindest in einzelnen Themen.

Aber wenn es zur Normalität wird, dass jeder seine Anlage selbst montiert, wird im Schnitt vermutlich weniger genau darauf geachtet, alles korrekt zu machen. Einfach weil es “normal wird” und es immer mehr Leute gibt, die sich nur halbherzig damit befassen. Frei nach dem Motto: Warum lange nach einer Undichtigkeit suchen, wenn ich ohnehin noch ein paar Kilo Kältemittel im Keller habe? Dann wird eben jede Saison nachgefüllt. Warum ein ordentliches Vakuum ziehen, wenn man „einfach mit Kältemittel durchspülen“ kann – so wie es früher teilweise tatsächlich gemacht wurde.

Ich bin der Meinung, dass die Inbetriebnahme weiterhin von zertifizierten Betrieben durchgeführt werden sollte. Eine solche Zertifizierung sollte jedoch nicht ausschließlich Meistern o.ä. vorbehalten sein. Jeder, der die theoretischen und praktischen Fachkenntnisse nachweisen kann, sollte sie erwerben dürfen. Gleichzeitig sollte diese Zertifizierung klar auf Inbetriebnahmen und Außerbetriebnahmen beschränkt sein – denn die fachgerechte Demontage und Entsorgung von Splitanlagen ist auch zu beachten gerade Anlagen die mit älteren Kältemitteln gefüllt sind.

Das Abpumpen und fachgerechte Entsorgen ist in der Regel teurer als die Inbetriebnahme!

Ich könnte mir vorstellen, dass sich so der eine oder andere selbstständige Allrounder diese Zertifizierung holt. Dadurch würden die Kosten für eine Inbetriebnahme vielleicht wieder auf ein Niveau um die 200 € sinken.

Für ein klassischen Kältefachbetrieb lohnt sich das nicht zu diesem Preis.

Ich war gestern auf dem "Science Slam" in Mannheim in der Feuerwache

Der Dennis Gref hat über seine Forschungen zum Entstehen von Methan und Lachgas in der Landwirtschaft erzählt.
Er untersucht, wie Methan und Lachgas im Boden entsteht durch Anbau von Stickstoff unter "anearoben" Bedingungen.
Der Vortrag war wirklich sehr informativ aber auch so klar: Lachgas entsteht und die Entstehung lässt sich nicht oder kaum verhindern beim Einsatz von stickstoffhaltigen Düngemitteln.
Wir können natürlich auf Stickstoff-Dünger verzichten aber dann ...

Und dann lese ich die Seite vom Umweltbundesamt, dass 3/4 der Lachgas und Methan Emissionen aus der Landwirtschaft kommen.

(Lachgas und Methan | Umweltbundesamt)

Die landwirtschaftliche Bearbeitung des Bodens, Stickstoffdüngemittel und die Tierhaltung sind entscheidende Emissionsquellen für die Treibhausgase Lachgas und Methan. 2022 stammten 67 Prozent der Lachgas- und 76 Prozent der gesamten Methan-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Effiziente Minderungsmaßnahmen sind daher dringend erforderlich.

Und dann schaue ich mir das Schaubild zu den Treibhaus-Emissionen an.

Und dann denke ich mir als Ingenieur:
F-Gase sind nicht signifikant. Das sind "technische Gase", deren Ersatz teuer ist. Die F-Gase Verordnung ist Augenwischerei, Gewissens-Beruhigung und Ablenkung von der Agrar-Lobby.

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Ein Langstreckenflug (hin-zurück) ist meißt signifikanter und schädlicher als das Gas in einer Wärmepumpe.

Ist aber nicht "verboten".
Ist "Subventioniert", wird "künstlich" günstig gemacht.

Es gibt, soweit ich weiß, immer noch keine Steuer auf Flugkerosin.

Nachtrag:

Da war aber noch was mit der Langzeitauswirkung als Treibhausgas :thinking:

Nachtrag2

Mistral AI ( Ki-Chat Bot) behauptet:

  • 5kg R32:
    wie 2-7 Tonnen

(Nochmal nachgefragt behauptet es : 5 kg R32 entsprechen also ~3.375 kg . Ca. 4kg wären in einer 20kW Wärmepumpe)

  • Flug Frankfurt–New York, hin/zurück:
    wie 3-10 Tonnen ( pro Person)

Aber:

R32 abgeblich nach 10 Jahren abgebaut.
Co2 angeblich nach 1000 Jahren

Na, da brat mir doch einer ein Flugzeug!

Ich hör bei uns nichts entsprechendes.

Das haut schon hin. Aber die Wirkung von R32 und anderen fluorierten Kältemitteln wird hier nur aus Klimaschutz-Gesichtspunkten gesehen. Das reicht nicht. Die Abbauprodukte muss man auch im Hinterkopf befahren. Siehe dazu Ist R32 wirklich so schlimm? - ein Gedankenexperiment - #56 von Gnomie

Und ohne F-Gas-Verordnung wären wir heute noch bei R134a mit einem GWP von grob 1400 und anderen anderen F-Gasen.

Im Prinzip hast Du recht. Wenn ich aber die Wahl habe, verzichte ich lieber auf eine Klimananlage als auf Lebensmittel. Zwar habe ich mal gelesen, dass man durch die Futterwahl bei Kühen beeinflussen kann wie viel Methan die ausstoßen. Wenn man -wie Du geschrieben hast- auf Stickstoffdünger verzichtet, werden VIELLEICHT die Ernten geringer und die Lebensmittel würden VIELLEICHT teurer. Die Agrar Lobby betrachte ich als eine Lobby, die sich gegenüber Veränderungen sehr starkt wehrt, besonders wenn die Kosten für sie verursacht. In dem Punkt stimme ich Dir also zu. Aber ich stimme Dir nicht zu, dass die F-Gase-Verordnung Augenwischerei ist. Der Anteil der F-Gase an den Treibhausemissionen war von 1990 bis 2020 (siehe deine verlinkte Grafik vom Umweltbundesamt) sehr gering, weil es nur relativ wenige Wärmepumpen gab. Das steigt jetzt ja immer mehr. Wenn wir mit den neuen Wärmepumpen weiterhin z.B: R134 genommen hätten, wäre der Anteil der F-Gase wahrscheinlich langsam gestiegen. Die F-Gas-Verordnung war nach meiner Meinung nach eine weitsichtige, proaktive Maßnahme, die mitgeholfen hat, dass die Klimawirkung der F-Gase auf einem nicht-signifikanten Niveau bleibt.

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Ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit: Ist es ok, wenn ein Bereich, der vielleicht nur 0,0001% der jährlichen Emissionen ausmacht, so hart limitiert wird? Da werden als eine Menge Hürden aufgebaut und Kosten produziert, wo man durchaus fragen kann, ob das noch verhältnismäßig ist.

Man stelle sich vor, dass man problemlos mit dem Auto fahren darf mit Benzin und auf der anderen Seite würde es unter Strafe gestellt, wenn jemand privat mit 10ml Waschbenzin eine kleine Fläche reinigt. Das kann irgendwo dann keiner mehr nachvollziehen und es macht dann auch keinen Sinn mehr.

Maßnahmen, um Emissionen im Bereich Kältemittel zu reduzieren, finde ich grundsätzlich gut. Es hatte bisher ja auch nur wenig Nachteile, R32 funktioniert technisch gut und ist noch relativ sicher. Mittlerweile sind wir aber in einem Bereich, wo bald nur noch Kältemittel zulässig sind, die echte technische Schwierigkeiten mit sich bringen. R290 ist in vielen Konstellationen zu gefährlich.

Umgedreht: Das schon vor vielen Jahren sämtliche Kühlschränke auf Propan/Butan umgestellt werden mussten, war sehr sinnig. Funktioniert technisch einwandfrei und brachte auch keine Einschränkungen.

Das die Industrie oft Druck braucht, um sich in Richtung Umweltfreundlichkeit weiterzuentwickeln, sehe ich bei dem Thema auch noch. Von alleine tut sich da nichts, es braucht rechtliche Vorgaben. Sieht man derzeit schön an den R290 Split-Klimas. Selbst im Wissen, dass 2029 Schluss ist mit R32, haben die meisten Hersteller immer noch keine R290 Anlagen auf den Markt gebracht.

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Die giebts doch längst massenhaft, halt nicht in EU-Land. Man kann hoffen daß sich das durch die gelockerte Füllmengenverordnung auch sehr schnell ändert.

Wüsste nicht, dass die großen Marken da was haben. Beispiel Daikin, noch nichts von gehört. Mitsubishi Electric hat vor wenigen Monaten das erste Gerät vorgestellt. Von Panasonic hab ich auch noch nichts gesehen und gehört. Mitsubishi Heavy auch noch nicht. Bei den Chinesen siehts wohl etwas anders aus, da gibts wohl schon einiges.

Es geht mir hier aber vor allem um Entwicklungen, die auch auf den europäischen Markt passen, was gesetzliche Vorgaben und Sicherheitsniveau angeht. Da traue ich vielen chinesischen Produkten nicht.

Der Teil, der Kältemittel mit hohem GWP mittelfristig verschwinden lässt –> weitsichtig und höchst sinnvoll

Sich von Lobbyisten einreden zu lassen, dass man eine Bördelverbindung nur dann festschrauben kann wenn man eine Woche Theoriekurs über Treibhausgase und einen Gesellenbrief in Gas-Wasser-Scheiße hat –> Unfug

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Ich denke auch, ein Tag reicht. duck