Ist R32 wirklich so schlimm? - ein Gedankenexperiment
Ich heize jetzt mit zwei Klimaanlagen.
Einer 5kW Anlage mit R32 und einer 3,5kW Anlage mit R290.
Die R290-Anlage habe ich selber eingebaut: Kosten ca. 1000€
Der Einbau ist für DIYler gut machbar.
Die R32 Klimaanlagen kosten nur die Hälfte der R290-Anlagen und bieten Vorteile, wie z.B. die größere Leitungslänge und geringeres "Explosion"-Risiko.
Jetzt frage ich mich, ob wir uns beim "DIY-Verbot" für R32 nicht selber ein Bein stellen.
Ja, es kann vorkommen, dass R32-Kältemittel austritt. Das Risiko ist aber eher gering. Die Technik mit Börderung/Verschraubung und vorgefüllten Anlagen ist ja erprobt und bei richtiger Anwendung zuverlässig.
Der Fall, dass eine Anlage nach Einbau undicht ist und R32 entweicht ist ja die Ausnahme.
Daher mal ein Gedankenexperiment:
R32 ist ein eher kurzlebiges Kältemittel und von daher verwende ich konservativ den GWP20-Wert von 2500.
Eine kleine Split-Klimaanlage enthält ca. 1kg R32
Diese Menge R32 hat ein äquivalentes Schädigungspotential von 1 x 2500 = 2500kg CO2
Meine Klimaanlage verbraucht ca. 10kWh / Tag elektrisch.
Das entspricht ca. 30kWh thermisch (COP=3).
Wenn ich mit Gas heizen würde, dann würde ich 250 x 30 = 7500g CO2/Tag ausstoßen (Erdgas hat ca. 250g CO2 / kWh).
Durch das Heizen mit Klimaanlage spare ich also ca. 7,5kg CO2 / Tag ein.
Schon nach 300 Tagen Heizen hab ich also die möglich R32 Schädigung "eingespart".
Jetzt ist bei uns ca. 50% regenerativ Energie im Netz.
50% meines Stroms sind fossil und die müsste ich jetzt gegenrechnen.
Dadurch wird der Zeitraum dann länger...
Worauf ich aber hinauswill:
Kein DIYler legt es ja darauf an eine undichte Anlage zu haben.
DIYler arbeiten in der Regel sehr sorgfältig.
Der Anteil an undichten R32-Anlagen ist also gering.
Bei 100 installierten Anlagen sind vielleicht 5 undicht.
Das heißt 100 Anlagen sparen 750kg CO2 / Tag ein (100 x 7,5). Demgegenüber steht dann eine Schädigung durch Undichtigkeit von 12500 kg CO2 ( 5 x 2500).
Oder andersrum: Nach 16 Tagen ist die Schädigung durch R32 Leckagen eingespielt.
Ab dann "sparen" die Anlagen CO2 ein.
Wir sind in Deutschland eine DIY-Nation aus Tüftlern und Heimwerkern.
Wenn wir jetzt einfach kleine R32-Anlagen im Baumarkt verkaufen würden und "alle" würden sich so eine Anlage parallel zur Gasheizung einbauen, dann könnten wir doch eine Riesenmenge CO2 einsparen zu minimalen Kosten, oder?
In der ganzen Heizungs-Übergangszeit könnte mit LLWP geheizt werden.
Das würde uns doch einen Riesen-Schritt weiterbringen bei der CO2 Reduktion im Gebäudesektor.
Und das Ganze zu sehr geringen Kosten (DIY = weniger als 1000€/Gerät) .
Und jetzt frage ich mich, warum gehen wir nicht diesen ganz pragmatischen Weg?
warum muss es immer die teure und "perfekte" Lösung sein?
Wir Deutsche können wahrscheinlich nur "große Lösungen" und die kleine "Bastellösung" ist uns suspekt.
Oder ist hier eine Lobby beteiligt an den Gesetzen?
Ja, der Einbau von Klimageräten zum Heizen ist sicher nur eine "Übergangslösung", aber mit der großen Lösung kommen wir nicht voran und die ist auch zu teuer.
Einfach mal mit einer kleinen und pragmatischen Lösung anfangen!
Und im weltweiten Maßstab macht das alles ja auch keinen Sinn.
In asiatischen Ländern hängen Abermillionen R32 Anlagen an den Häusern. Und da ist das R32-Schädigungspotential wahrscheinlich überhaupt kein Thema.
Das alles nervt mich!
Aber vielleicht sehe ich die Sache ja falsch?