Der Streetscooter B14 (Post / RWTH Aachen / Prof. Schuh) Reverse-Engineering-Thread

Du solltest zeitnah in den Akku hineinschauen. Laden unter Aufsicht kannst du auch ohne BMS.

Bei NMC: Retten von einzelnen Zellen nahe am Abgrund sowieso. Die erste Stolperstufe ist 1,5 V. Der Abgrund ist bei 0,5 V. Pro Zelle.

Sodala, ich hatte mal wieder etwas Zeit, nach der Postkutsche zu gucken.

In den Weiten des WWW habe ich mal was gelesen, dass in der Ladebuchse eine Platine sein soll, bei deren Defekt die ganze Kiste nicht mehr fährt. So wirklich laden tut sie ja auch nicht, also könnte man da mal schauen.

Um an die Ladebuchse zu kommen, muss erst mal der linke Vorderkotflügel ab. Nun ja, an sich ist die Karosserie beim Streetscooter ja schon eine ganz nette Konstruktion. Das ist im Wesentlichen ein Konstrukt aus Vierkantrohren, das außen mit Kunststoff-Bodypanels beplankt ist. Entsprechend sind auch die Kotflügel aus Kunststoff. Die haben innen Stehbolzen, mit denen sie verschraubt sind. Soweit eigentlich recht wartungsfreundlich - wenn die Schrauben nur nicht so aussehen würden…

Manche sehen besser aus…

…was aber nichts daran ändert, dass die Stehbolzen beim Versuch des Lösens mitdrehen und man die Mutter nicht herunterbekommt. Dreht der Bolzen erst mal mit, passiert nach etwas Ziehen das hier:

Irgendwie sieht das aus, als ob da schon mal jemand die Dinger wieder hätte ankleben müssen. Es sind einfache Senkkopfschrauben mit Schlitz. Nun ja, werde ich auch irgendwann mal wieder festkleben müssen.

Auf jeden Fall ist nun die Ladebuchse freigelegt:

Die ist von Mennekes:

An der Seite gibt es einen Verriegelungsmotor für den Ladestecker, der mit an der Zentralverrigelung hängt. Auto zugesperrt, Ladestecker verriegelt.

Wenn man die Gummitülle abmacht, sieht es von hinten so aus:

Eine Troxschraube herausdrehen und den Haltesteg abnehmen, dann kann man schauen, was weiter hinten ist. Und schau an: Eine Platine gibt es wirklich:

So schaut ‘se von der anderen Seite aus:

Offenbar ist sie von Mennekes, also keine Streetscooter-Eigenentwicklung. Die Komplexität der Schaltung hält sich, nun ja, jetzt eher in Grenzen. Ein Haufen 470 Ohm-Widerstände, und einer mit 4,7 kOhm. Die meisten davon wahrscheinlich Vorwiderstände für die LEDs am Rand der Platine. Sonst nichts wirklich Nennenswertes.

Jedenfalls schaut die Platine jetzt nicht so aus, als ob sie nass geworden wäre und irgendwas korrodiert wäre. In dem Sinne kein offensichtlicher Fehler.

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Und jetzt die Spannungen zwischen den Anschluss Drähten messen.

Das riecht nach BMS irgendwas.

Update: wenn das weisse LED sind, dann sind das Vorwiderstände.

Ich würde auf eine Platine tippen, die der Wallbox ein ladebereites Fahrzeug simuliert.
Das eingebaute Ladegerät lädt offensichtlich mit konstanter Leistung und kümmert sich vermutlich gar nicht selbst um das Controlpilot-Signal zur Wallbox.
Allerdings vermisse ich dafür eine Diode auf der Platine:

Du hattest geschrieben, dass das 12V-Ladegerät funktioniert?
Also schaltet die Wallbox das eigene Schütz nach Anstecken des Fahrzeugs durch und das Fahrzeug bekommt seine 230V über die Wallbox? Dann funktioniert die Signalisierung der Ladebereitschaft über das CP-Signal ja offensichtlich

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Was mich an dieser Stelle interessieren würde, wie kann ich diese Platine ändern um einen Ladevorgang zu einer bestimmten Uhrzeit zu starten. Bis jetzt habe ich es nur versucht mit der Wallbox den Ladevorgang zu starten, das will der Streetscooter aber nicht, wenn ich das Fahrzeug zuerst verbinde und der Wallbox später Strom gebe, will die Wallbox nicht mehr mitspielen.

Vielleicht gibt es da ja einen kleinen Kunstgriff um auch dieses Fahrzeug etwas smarter zu machen.

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Oh Mann, jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Manchmal schadet es nicht, am Tag danach nochmal auf die Bilder zu schauen. Lest mal, was auf dem vorletzten Foto auf der Platine steht:

(C) MENNEKES

609541

RGB GII A01 r758

Der entscheidende Begriff ist: RGB! Rot-Grün-Blau! Die LEDs am Rand der Platine sind 3-farbige RGB-LEDs, so dass dort über PWM der 3 Einzelfarben jede beliebige Farbe des Regenbogens zusammengemischt werden kann. Und das Ganze eben zweimal. Dann ist jetzt auch klar, warum zu einer LED 3 Vorwiderstände gehören: Einer für Rot, einer für Grün, einer für Blau! Deswegen sitzen da 2 RBG-LEDs und 6 Widerstände mit 470 Ohm.

Und wegen dem 4,7kOhm-Widerstand: Ich hatte ganz vergessen zu schreiben, dass da ein Temperatursensor mit dranhängt, der in einem der (beim Streetscooter unbenutzten) Löcher für L2 und L3 steckt und offenbar die Steckertemperatur überwacht. Auf den Bildern kann man ihn erahnen - Kabelfarben blau und schwarz. Der 4,7k-Widerstand dürfte der zugehörige Messwiderstand sein.

Danke für den Schaltplan! Das ist sehr interessant!

Die Diode habe ich vermutlich gefunden, die dürfte in der grauen AC-Anschlussbox unter der Motorhaube sitzen. Vergleiche das Foto in diesem Beitrag von mir. Es gibt da auf der Platine mit dem Relais genau eine erkennbare Diode. Das wird sie wohl sein.

EDIT: Hier noch eine Nahaufnahme der Platine. Vermutlich ist es Diode D1.

@holgi4711:

Hast du schon mal probiert, den CP per Relais zu unterbrechen und bei gewünschter Ladung wieder zu verbinden?

Ach, heute bin ich gerade mal wieder in Auseinanderschraub- und Reinschau-Laune. Da musste ich erst mal den Curtis rausholen:

Der hat ein Aufkleberchen von Streetscooter…

…und ein viel aussagekräftigeres vom Hersteller:

Es ist also wirklich ein Curtis 1239E-8521, wie früher schon mal spekuliert, und er kann wirklich maximal 144V ab. Von Euch hat nicht zufällig jemand einen Curtis-Programmer herumliegen, damit mal man ein bisserl damit spielen könnte?

Der Kühlkörper, auf dem Curtis und OBC hocken, ist schon ein ganz schön fettes Teil:

Hier hätten wir dann den OnBoard-Charger:

Auch der hat ein Typenschild:

Soso, von Valeo ist der. Funzt offenbar auch bei 110V 60 Hz AC, falls mal jemand damit in Nordamerika Urlaub machen will. Maximal kann er 180V auf der DC-Seite raushauen, das passt zum erwarteten Spannungsbereich (144V) der Traktionsbakterie.

Hier ist übrigens das Lüfterchen, das unterm OBC hockt:

Ja schau an, der läuft ja mit 12 Volt. Hätt’ ich nicht gedacht. Und kommt von ElektroBau Mulfingen (EBM) Papst.

Ja, ich weiß, ihr wartet alle sehnsüchtig darauf, dass ich endlich die Traktionsbakterie ziehe und reinschaue. Das steht durchaus auf meiner Agenda. Aber erst mal die schnellen und einfachen Sachen. Bin am Überlegen, ob ich den Motor ziehen und zerlegen soll. Da ranken sich ja auch diverse Gerüchte, von Permanentmagnet-Synchronmotor bis Asynchronmotor. Ich habe hier gerade noch einen Artikel aus dem Jahr 2018 ausgegraben, laut dem Greiffenberger/ABM Drives einen E-Fahrzeug Motor mit 15 kW Dauerleistung entwickelt hat. Die 15 kW passen nicht nur perfekt zu dem, was bei der Postkutsche im Fahrzeugschein steht, sondern das Bild vom Motor in dem Artikel sieht auch dem ziemlich ähnlich, was ich unter der Haube der Postkutsche gefunden habe.

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ich würd mich drauf konzentrieren, die kutsche fahrbereit zu machen

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Bei Instagram gibt es den User / Account
Solarmodule Gladbeck Der hat auch einen streetscooter und wohl eine andere Batterie drin und Solarmodule auf dem Dach. Also ziemlich viel dran gebastelt, vielleicht bekommst du da ja noch weitere Informationen.

Der hat sich Heim-Speicher in den Koffer gebaut, nen Inselwechselrichter dran geklemmt und aus dem Koffer über das Notladekabel dann nachgeladen. Vielleicht ist er ja auch noch weiter gegangen, das habe ich aber nicht mehr gesehen.

Ja das habe ich auch gesehen, aber vielleicht hat er ja die Traktionsbatterie ausgebaut und sich diese genauer angeschaut.

Hallo, hier ist der Neue und hat ne Frage zur “Postkutsche”

kann ich aus dem 230V-Kästle oben links noch ein zusätzliches Ladegerät für eine Zusatzbatterie im Koffer abgreifen?

Wird die Zusatzbatterie dann genau so geladen wie die 12V “Fahrzeugbatterie”?

Beste Grüße

Chris

Herzlich willkommen im Forum!

Das ist ja nett, dass dieser Thread schon erste neue Mitglieder anzieht :slight_smile: Ich hoffe, dass dies hier einst die transparenteste frei zugängliche technische Doku zu der Postkutsche sein wird.

Das liest sich so, als hättest du ‘ne fahrbereite Postkutsche. Meine ist das nicht, die hat im Moment eher den Funktionsumfang eines Ziegelsteins :slight_smile: Ich habe noch nie einen Ladevorgang bei dem Ding erlebt und kenne die genaue Schaltsequenz daher nicht, gehe aber sehr davon aus, dass das Laden einer Zusatzbatterie auf die geschilderte Weise funktionieren sollte.

Das wäre an sich schon eine ganz sinnvolle Vorgehensweise. Wenn ich mir halbwegs sicher sein könnte, dass die Kiste nur "den einen Fehler" hat, wegen dem sie nicht läuft, dann würde ich das auch so angehen. Kann ich aber nicht. Das Ding ging schon durch mehrere Hände, mindestens einer ist daran verzweifelt, und im Zuge etwaiger Reparaturversuche kann durchaus noch zusätzlich etwas vermurkst worden sein. Zuzüglich längerer Standzeit.
Deswegen gehe ich das anders an. Erst mal auseinanderschrauben und die wesentlichen Teile anschauen und testen. Abhängig davon, was noch funktioniert und was nicht, kann man dann entscheiden, ob man Zeit und Geld in eine Reparatur steckt, oder das Ding lieber schlachtet.

Nun will ich aber mal wissen, was da für ein Motörle drin ist, und ob selbiges noch tut, oder ob's da z.B. eine Wicklung weggebrutzelt hat. Ausschließen kann man da erst mal gar nichts. Na denn - bau'n wir das Dingens mal aus.
Zum Motorausbau reicht es nicht, das Motorlager wegzuschrauben und den Motor vom Getriebe abzuschrauben. Das geht sich gerade um ein paar Zentimeter nicht aus, weil da ein Längsträger vom Rahmen im Weg ist. Es geht aber, wenn man die 3 Getriebelager löst, dann kann man die ganze Antriebseinheit innerhalb des Spiels der Antriebswellengelenke ein paar cm Richtung Fahrerseite bewegen/kippen. Muss man natürlich mit Wagenheber etc. abstützen. Dann kriegt man den Motor vom Getriebe getrennt und kann ihn schräg nach unten ausbauen.

So schaut's dann aus, wenn’s Motörle raus ist:

Mir scheint, E-Autos haben gegenüber Benzinern und Dieseln tatsächlich mal ‘nen echten Vorteil: Wenn man den Motor rausmacht, muss man sich nicht mit festgerosteten Auspuffschrauben rumärgern, keine Benzinleitungen abmachen, und in dem Fall nicht mal Kühlwasser ablassen, weil sowas hat die Postkutsche gar nicht - alles rein luftgekühlt. Da geht des Motörle recht straight-forward raus. Und extrem schwer isses auch nicht. So 40 kg, würde ich mal schätzen. Kann man alleine tragen, auch wenn’s der Rücken vielleicht nicht toll findet. Schleifen wir das Dingens mal unterm Auto hervor:

Damit sich’s etwas leichter schleppt, machen wir doch gleich mal vorne das Deckelchen ab:

Hinten hat er ‘nen magnetischen Drehwinkelgeber, hinterm Loch zu sehen das Geberrad:

Von VS Sensorik, ja schau an - ist wohl doch recht viel Made in Germany an dem Ding.

So, aber jetzt ist mal die Frage, was das überhaupt für ein Motor ist. Die Online-Enzyklopädie sagt in ihrer aktuellen Fassung:

Der Artikel unterscheidet irgendwie nicht zwischen B14 und B16. Demnach hätten alle Postkutschen einen Permanentmagnet-Synchronmotor. Tja, hier passt aber schon die Leistung nicht - bei der Kiste, die ich da vor mir habe, sind 15 kW Dauerleistung eingetragen. Und die Motorbauart…, ach ja, mache mir mal auf:

Ja nu…wenn das ein Permanentmagnet-Motor ist, dann bin ich aber der Weihnachtsmann!

Das rafft doch schon ein E-Technik-Studi im 2. Semester, dass das ganz offensichtlich ein Asynchronmotor ist, so wie der Rotor aufgebaut ist.

So viel mal für den Moment, ich muss noch ein bisserl mit dem Ding rumspielen…

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Hallo Alex,

danke für deine Antwort. Das bestätigt meine Messungen.

Ja, wir (Luftsportverein) haben eine fahrbare Postkutsche. Diese wird nun zu unserem Flugleiter-Tower umgebaut. D.h., oben aufgesägt, Plexiglas Kuppel mit aufstellbaren Fenstern drauf gesetzt und der Koffer innen ausgebaut (Schreibtisch, Regale usw.)

Mein Part besteht darin, die Elektrik für die Technik (Funkgeräte, Laptop usw.) im Koffer zu konzipieren. Da ich keine Ahnung von E-Auto Elektrik habe, aber auch auf keinen Fall an die HV-Technik ran will, habe ich meine Frage an die Fachleute gestellt.

Insofern werde ich vermutlich keine große Hillfe sein, eine frei zugängliche technische Doku zur Postkutsche zu schaffen.

Alle fahrzeugtechnische, mechanische Dinge sind für uns relativ uninteressant, weil die Postkutsche keine Zulassung und TÜV hat und braucht, da sie ja nur auf einem Privatgelände bewegt wird.

Soweit mal, und herzliche Grüße

Chris

Die drei Anschlussdrähte .. ups, -kabel sind schon aussagekräftig genug, da braucht es den Anblick fes Rotors nicht mehr.

lt.

Leistung Nenn / Peak [kW] 15,0 / 27,0
Max. Drehmoment [Nm] 100
Max. Drehzahl [min-1] 8.000
Länge [mm] 336
Durchmesser [mm] 220
Gewicht [kg] 43

Die 27kW peak könnten aber (bei der Postkutsche) durch einen leistungsstarken Inverter etwas “übertaktet” werden - sprich einen höheren Phasenstrom als nominal vorgesehen.

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