Da es ja hier um die Erfahrungen mit den Daikin Perferas geht, will ich mal meinen Teil beitragen.
Wenn Euch das alles zu viel Text ist, lest nur die fetten Zeilen.
Unsere Ausgangssituation war eine Öl-Brennwerttherme Vaillant icoVit mit 24kW (völlig überdimmensioniert).
Das Haus ist ein Reihenendhaus aus dem 1960ern, 2010 teilsaniert (Dach neu mit 18er Dämmung, 2-fach verglaste Fenster, neue Haustür, Elektrik und Rohre neu, Heizung + Heizkörper + Pumpen neu).
Da ich u.A. das Heizsystem (Heizung, Heizkörperthermostate, Raumthermostate, Außentemperatur usw) seit Jahren im FHEM tracke, habe ich eine ganz gute Datenbasis als Referenz.
Die Klimaanlagen habe ich als Heizsystem installiert. Kühlen ist nur ein positiver Nebeneffekt. Sie sollen als Alleinheizsystem fungieren. Der Öl-Brenner fliegt also raus. Nix Hybrid oder so.
Installiert sind
- 1x Daikin RXM50R mit Perfera FTXM50R (EG; Das EG ist offen mit Wohn-,Esszimmer und Küche)
- 1x Daikin 2MXM40A mit 2x Perfera FTXM20R (1. OG; Kind1 und Büro)
- 1x Daikin 4MXM68A mit 3x Perfera FTXM20R und 1x FVM25A (Truhe) (1.OG Kind2 und Bad, DG Schlazimmer und Bad)
- Im Gästeklo noch ein kleines 300W IR-Panel mit Thermostat. (Das versuche ich aber am Anspringen zu hindern.)
Zur Überwachung hängen die Geräte auch im FHEM über die Cloud. Die Stromaufnahme messe ich mit Eltakos mit S0. Der S0 wird über eine NodeMCU mit ESP32 ausgewertet und ist auch in FHEM verfügbar. - Eine Brauchwasserwärmepumpe ist in der Umsetzung. Das soll eine Austria Explorer Evo2 mit 270l werden.
Bei der Umrüstung gab es 2 Fragen, die mir keine Beantworten konnte:
1. Lässt sich das Haus auch bei kaltem Wetter komfortabel heizen? (Temperatur, Geräusche, etc.)
2. Wie sind die Kosten für das Heizen mit Klimaanlage?
Die möchte ich hier mal Beantworten.
Zu meinen Erfahrungen:
Unser Heizsystem war nie ein Selbstläufer. Der Ölbrenner hat sich auch totgetaktet.
Durch einige Kniffe konnte ich den Ölverbrauch um ca. 20-30% senken, ohne großartig an Komfort zu verlieren. Unser Verbrauch inkl. Warmwassser lag bei ca. 1500-1600l/Jahr. Insgesamt ist die Anlage also relativ effizient gelaufen.
Die Klimas sind (bisher) auch kein Selbstläufer. Die Familie hat aber verstanden, dass da keiner an den Fernbedienungen rumspielt (so wie vorher an den Raumthermostaten auch), sondern zum Papa geht, wenn was nicht passt. Ich lerne noch viel (siehe auch die Posts der letzten Tage). Ich habe auch noch keine Automatisierung im FHEM umgesetzt, sondern verstelle alles händisch, um zu lernen.
Über die Temperaturen der letzten Tage (bis -9°C laut Wetterapp) habe ich mich gefreut, weil ich das System so ganz gut testen konnte.
Fragestellung: Ist das Haus komfortabel warm auch bei tiefen Minusgraden?
Antwort: Definitiv kein Problem!
Mit dem halten der Temperaturen waren die Anlagen längst nicht am Limit. Die Bedarfssteuerung habe ich nie über 60% gehabt und es war immer noch "Platz" für die Anlage, zum runterregeln. Raumtemperaturen von >22°C waren jederzeit drin. Auch die Tatsache, dass an der 6,8kW 4MX Innengeräte mit eigentlich 8,5kW hingen, war unkritisch.
Ich stelle fest:
In den meisten Räumen und wenn alles so läuft, wie es soll, ist der Komfort eher höher als vorher und die Klimas stören nicht. Auch nicht beim schlafen.
Es gibt aber 2 Ausnahmen:
- An der Außenwand, wo die 4MX hängt, hat man ein hochfrequentes Geräusch vom Kompressor bei höheren Leistungsaufnahmen (>600W, sag ich mal aus der Hüfte), was man aber nur innen und nah an der Wand hört. Es ist im Alltag egal. Würde jemand an der Wand schlafen, wäre es aber ein Problem! Die anderen Geräte haben den Effekt nicht oder leiser.
- Die FTXM50R hängt ungünstig an der Längsseite und tut sich schwer mit der Verteilung der warmen Luft im Raum. Swing hilft, aber die entfernten Ecken sind schon kühler und vor der Anlage ist ein "Wärmespot". Der Raum hat auch eine relativ hohe Heizlast, viele Fensterflächen und eine fast immer offene Tür zum Flur/Treppenhaus. Folglich pustet sie bei den Temperaturen der letzten Tage ganz ordentlich. War aber kein Problem bisher. Außerdem will ich die Kellerdecke, Treppe und Kellertür noch dämmen. Dadurch sollte die Heizlast ein ganzes Stück besser werden.
Die Hunde freuen sich übrigens über die warme Fläche am Boden direkt vor der Anlage.
Seit gestern habe ich die Anlage mal im 3D-Swing laufen gehabt (sonst nach unten und im horizontalen Swing). Hat bei der Luftverteilung geholfen, aber nicht beim Komfort.
Insgesamt wären wahrscheinlich 2 Truhengeräte die besser Wahl gewesen.
Zu den Kosten:
Ich habe, wie gesagt ganz gute Referenzwerte.
- Ich weiß, wie warm meine Räume vorher waren und wie warm sie mit den Klimas sind.
- Ich kennen meine Brennerlaufzeit und die Außentemperaturen.
- Ich kenne die Verbrauchswerte meine Ölheizung
- Ich kenne meine Energieflüsse (Hausverbrauch, PV-Produktion, Einspeisung, Netzbezug etc.) und die Leistungsaufnahme der Wärmepumpen/Klimas (übrigens stimmen meine Werte aus den Eltakos ganz gut mit denen der Onecta App überein).
Mit den Informationen kann ich also bewerten, ob die Klimas günstiger, gleich oder teurer sind als die Ölheizung.
Die Werte unterliegen zwar gewissen Schwankungen und es gibt unbekannte Größen, wie z.B. solare Gewinne bei strahlendem Sonnenschein oder Übernahmeeffekte vom Vortag.
Bitte beachten: Das hat keinen wissenschaftlichen Anspruch. Als Größenordnung reicht es mir. Und das Ganze trifft nur auf mein Haus, meine Anlage und meine Lebenssituation zu.
Beispiel: Ich habe mir eine Tabelle extrahiert mit den Brennerlaufzeiten sowie den Tageshöchst- und -tiesfsttemperaturen aus ca. 3 Jahren.
Achtung: Es sind von mir gemessene Werte. An der ungedämmten Hauswand. Besonders bei tiefen Außentemperaturen hat das einen nicht unerhablichen Einfluss.
Tiefste von mir gemessene Temp. ist übrigens -11,94°C (Offizell -15 bis -17°C).
Aus der Brennerlaufzeit kann ich mir die Kosten für den Ölverbrauch errechnen.
z.B. Mein Brenner braucht 1,6l/h, ein Liter kostet 1,02€ im Moment. 5 Stunden Brennerlaufzeit kosten also 5h1,6l/h1,02€/l=8,16€
Mein Strompreis bei Netzbezug liegt bei 0,269€/kWh (natürlich Ökostrom)
Ich kann für 8,16€ also 8,16€/0,269€/kWh=33,34kWh für die Klimaanlagen verbauchen und wäre dann Kosten-Pari.
Was stimmt daran nicht? So Einiges, wenn man es genau nimmt.
- PV-Ertrag ist nicht eingerechnet. Stimmt, der macht es aber nur besser und im Worst Case gibts keinen relevanten Ertrag wegen starker Bewölkung und ich heize mit 100% Netzbezug (heute zum Beispiel)
- Mein Ölbrenner macht auch Warmwasser. Stimmt, das muss ich abziehen. Es unterliegt natürlich auch Schwankungen, aber 0,5h Bennerlaufzeit sind ein guter Pauschalwert
- Öl kostet nicht 1,02€/l. Doch, ungefähr. Ich rechne eher mit einer Verteuerung in den nächsten Jahren, meine Aussagen werden somit eher besser. In meiner Tabelle nutze ich 1,10€/l
- Strompreis. Ich rechne mit niedrigeren Preisen in der Zukunft. Ich plane aber auch noch mehr PV und vielleicht einen Akku. Vielleicht auch Tobber. Mal sehen. Ist aber gepokert.
- Die Investitionskosten. Stimmt, die vernachlässige ich. Ich mache das für meine Kinder und will weg von den Fossilen. Die Investitionskosten gehen auf mich. Ich will wissen, wie sich der tägliche Betrieb so darstellt.
Die Liste ist nicht vollständig.
Machen wir ein erstes Beispiel: Der Tag heute.
Heute hat es Werte um 0°C. Es soll auch so bleiben. Keine Sonne. Trübe Suppe.
In der Tabelle sieht das so aus:
Man sieht: Brennerlaufzeit, AT Min, AT Max und die errechneten kWh für die Klimas.
Man sieht auch die starken Schankungen. Das ist einfach ein Export und sicherlich auch mal ne Zeile Quatsch dazuwischen. Wie gesagt: Größenordnung. Ich picke nicht die Beste oder die Schlechteste.
Für heute habe ich also ein kWh-Budget von ca. 40kWh.
Reicht das? Ich sage Ja!
Es ist jetzt 12:30 Uhr und auf dem Zettel stehen 16,9kWh. Edit: Es sind am Ende 32,4kWh geworden.

Zweites Beispiel: Der Tag gestern.
Temperaturspanne -6,94 bis -0,44°C
Die Tabelle sagt das: (Die Anzahl der Tage mit so tiefen Temperaturen ist nicht hoch gewesen...)
Es wäre also ein Budget von 45-50kWh drin.
Hat's gepasst? Ja! Verbrauch gestern 47,6kWh
Der Tag hat ein dickes "Aber"!
Von ca. 10-14 Uhr (vielleicht auch länger) sind die Klimas komplett auf PV-Strom gelaufen. Außerdem hab ich rumexperimentiert und die Räume ziemlich hochgeheizt. Die Anlagen sind in der Zeit also recht ineffizient aber viel billiger gelaufen. Der Verbrauch könnte also niedriger sein. Ist aber "egal". Allerdings habe ich gleichzeitig das Auto geladen. Und der Wärmepumpen (Mehr-)Verbrauch ist somit nicht im Auto gelandet und muss ggf. aus dem Netz bezogen (oder auf Arbeit geladen) werden. Ist also nicht so eindimensional, das Thema.
Fazit:
Die Beobachtungen bisher sind, dass wir mit den Klima-Splits im Tagesvergleich ca. 10-30% günstiger laufen, als mit Öl.
Auf die ganze Heizperiode gesehen dürfte die Statistik noch besser sein, da bis Mitte November und ab Mitte Februar der PV-Anteil signifikant höher ist.
Fragen?


















