Ich würde es zunächst etwas schwächer formulieren:
Zumindest bei einigen Zellen aus Pack3/4 sind die elektrochemischen Eigenschaften, die zu auffälligen Relaxieren und potentiell auch einem Memory Effekt führen, besonders ausgeprägt.
Ich würde aber erwarten, dass du ein solches Relaxationsverhalten auch sehen würdest, wenn du immer Vollzyklen fahren würdest, es also kein reiner Memory-Effekt im strengen Sinne des Wortes ist.
Zu dem, was elektrochemisch zu solchen Hysterese-Effekten führt, hatte ich hier übrigens schon mal etwas geschrieben und auch auf eine Veröffentlichung verwiesen, die das im Detail ausführt.
Bei mir tritt solches Verhalten besonder stark bei einigen meiner 32 “refurbished” Zellen ( mit unklarer Vergangenheit ) auf. Allerdings zeigen auch völlig neue LFP Zellen unterschiedlich starkes Relaxationsverhalten.
Es liegt der Verdacht nahe, dass Zellen, die im Neuzustand geringe Auffälligkeiten zeigen, damit eine Prädisposition für Alterungsphänomene offenbaren, die zu einer zunehmend auffälligen Relaxtionsverhalten führen.
Mir wäre nicht bekannt, wie man das unterbinden könnte.
Ich nutze den Pack “A” mit zwei Zellen mit massiv auffälliger Relaxation bereits seit fast 4 Jahren.
Die einzige ( für mich nicht relevante Einschränkung ) ist, dass man, wenn der Pack stark entladen oder lange nicht mehr ganz vollgeladen wurde, zum Laden der finalen ~20 Ah > 5h benötigt. Da ich jährlich praktisch nur jeweils einmal nach dem Winter und im Herbst balance und ansonsten die Packs sowieso eher unter 90 % halte, stört mich das nur marginal.
Bei meinem Pack “A” ist das sehr nah an dem, was ich mache:
- Balancer deaktivieren
- Langsames Volladen ergibt sich ganz automatisch. Wegen des massiven Widerwillens dieser beiden Zellen, die letzten 20 Ah aufzunehmen, erlaube ich dabei sogar eine zeitweise Ladespannung von bis zu 3.6 V für diese beiden Zellen, bei aber nur ~ 54.8 V für den Gesamtpack. Dabei verlasse ich mich dann natürlich auf die Überspannungabschaltung des BMS, was vorraussetzt, dass man dieser bedingungslos vertraut. Wenn das nicht der Fall wäre, müßte ich die Ladespannung zunächst niedriger z.B. 54.6 V ansetzen und später dann erhöhen.
- Das Relaxationsverhalten kann man sich dann sehr schön anschauen. Wenn der Restladestrom für > 1 h bei << 1 A liegt ist klar wohin die Reise geht und ich erlaube wieder Balancing.
Nach meiner Erfahrung ist eine 280 Ah Zelle, wenn bei einem Restladestrom von < 1 A für >1h eine Spannung im Bereich von ~ 3.420 V gehalten wird, also keinesfalls mehr fällt, voll und alle relevanten Relaxationsvorgänge sind abgeschlossen, sowie ein möglicherweise vorhandener Memory Effekt zurückgesetzt. Im Grunde benötigt das einfach nur Geduld aber kein wirklich spezielles Vorgehen.
Das ist wirklich essentiell, um es sauber beurteilen zu können.
