@mischa
Bei vielen der kritisierten Regeln geht es ausdrücklich um Bürokratie und nicht um Sicherheit. Für den Rest Europas waren 800W kein Problem, in D sind 600W sicherheitskritisch? Dass Leute ohne Fachkenntis (und Verständnis) an Anlagen rum schrauben, bekommt man mit weiteren gesetzlichen Regeln nicht in den Griff. Eher im Gegenteil, je komplizierter die Regeln und je größer der Druck, desto mehr wird so nebenbei gemacht. Die Hürden für fachlich korrekte Anlagen müssen möglichst niedrig sein. Das geht schon bei den Normen los - wenn man diese frei lesen könnte, wäre es einfacher, sich daran zu halten. Ich frage mich, wie viele der verunfallten Elektriker sich nicht (vollständig) an die fünf Sicherheitsregeln gehalten haben und bei wie vielen der Unfall daran lag, dass andere getan haben was sie wollen (Gerät ohne Zertifizierung,...). Wenn zu strenge Sicherheitseinrichtungen die Arbeit unmöglich machen, werden diese in der Praxis gebrückt. Niemand stellt ernsthaft die Sinnhaftigkeit des NA Schutzes in Frage.
Auf den ersten Blick stimmt das, aber auch hier - wer ist schuld? Wenn man einfach unter Einhaltung der Sicherheitsregeln (Sicherungen, VDE-AR-N 4105, Schieflast...) einspeisen dürfte, würden vermutlich einige selbst ohne Vergütung den Aufwand der Limitierung auf 800W nicht betreiben. Von mir aus eine andere Sicherheitsregel: >800W nur mit eigenem Stromkreis. Einer Leitung ist egal, in welche Richtung der Strom fließt. 3600W (kurzfristig entsprechend LSS Kennlinie sogar mehr) auf einem Kreis sind für den VDE akzeptabel, woher also die 2kWp Grenze? Für die menschliche Sicherheit (verunfallte Elektriker) ist die verfügbare Leistung nahezu egal, da zählen nach meinem Schulungsstand Spannung und Frequenz. 230V (50Hz) auf einem 6A Stromkreis können genauso tödlich sein wie auf einem mit 32A abgesicherten Kreis. Die 35V der 10kWp Anlage (parallel) könnte man gefahrlos anfassen, 70V von einer 600W Anlage (seriell) würde ich lieber lassen.
Auf den zweiten Blick relativiert sich die Verschwendung, denn mit EEG muss man zweifellos überdimensionieren, um die Grundlast abzudecken. Solange der Netzbetreiber bei Peakleistung im Zweifel (bei EEG Vergütung) dafür bezahlen muss, ist es ev. sogar ökonomisch sinnvoller für ihn, wenn die Energie erst gar nicht ins Netz eingespeist wird. Spätestens beim weiteren Hochskalieren, wenn z.B. auf jedem Hausdach eine PV Anlage ist. Im lokalen Ortsnetz sind die Erzeugungsbedingungen vermutlich oft ähnlich.
Da wäre ich nicht so sicher. Je nach Speicherauslegung zählt im Winter die diffuse Strahlung, die ist bei Nordausrichtung nicht viel geringer als in Südausrichtung. 10kWp - 5% (500W) schafft man auch ohne direkte Sonne, bei 4h = 2kWh/d. Um bei 5% 800W zu erreichen, braucht man schon 16kWp. Neben Amortisation zählt auch die Versorgungssicherheit. Kosten relativieren sich in Zeiten von Lieferkettenproblemen.
Wenn aus Netzsicht die Einspeiseleistung interessant ist, dann bitte auch nur diese regulieren. Den Rest soll der Markt regeln. Die Menschen (sicherheitstechnisch) vor sich selbst zu schützen, klappt nur eingeschränkt.