Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Atomenergie, da ich teilweise an Studien mitgearbeitet habe oder selbst geforscht habe (ja ich bin schon so alt, dass zu der Zeit Atomenergie noch als die Lösung aller Probleme angesehen wurde und im Gegensatz zu Kernfusion, die immer mal wieder in 5 Jahren verfügbar ist, auch funktioniert). Ich war ein starker Beführworter von Atomenergie WENN man sie vernünftig betreibt. Ich fand schnelle Brüter IMMER keine Alternative, da die Belastung der Materialien einfach zu groß ist und es den Aufwand nicht lohnt. Ich sehe derzeit ein großes Problem in der Abhängigkeit der Uranbeschaffung, welches nur in bestimmten Ländern verfügbar ist.
Was mich heute zu einem Gegner der Atomenergie gemacht hat ist, daß sie aus meiner Sicht nur sinnvoll zu betreiben ist, wenn ich eine Lösung für den entstehenden Abfall habe. Egal in welcher Form. Beton, Brennstäbe, Wartungsteile u.v.m. Dieses Problem ist aus politischen Gründen bis heute nicht gelöst. Brennstäbe über einen langen Zeitraum in Abklingbecken zu lagern, weil man keinen Endlagerort hat ist für mich ein Verbrechen. Dinge einfach ins Meer zu kippen, wie das andere Länder, allen voran Russland tun genauso.
Das viel diskutierte Risiko ist für mich ein Schattenkampf. Mit dem Argument müsste ich den Straßenverkehr verbieten. Es gibt viele Tote weltweit und Unmassen für ihr Leben verstümmelte und gehandicapte Menschen. Für mich ist es rein technisch gesehen kein Unterschied ob jemand an einer überhöhten Strahlendosis verstirbt oder durch einen Genickbruch beim Unfall. Oder sein Leben durch Krebs versaut wird oder durch Querschnittslähmung.
WENN man Atomkraftwerke auf höchstem Sicherheitsniveau betreibt und die Abfälle so sicher es irgend geht lagert, DANN wäre für mich Atomenergie eine Lösung bis es andere gibt.
Dazu müssten aber die Kraftwerke von Stellen betrieben werden, die keinen Profit damit erwirtschaften müssen. Denn damit werden die Rahmenbedingungen immer wieder in Richtung Profit und weg von Sicherheit verschoben.
Über Gas und Kohle brauchen wir uns, WENN wir uns für Erderwärmung interessieren, nicht zu unterhalten. Diese wird durch erhöhten CO2 Ausstoß kommen. Die Frage ist nur wie man damit umgehen will. Die derzeitige Strategie sieht für mich wenig erfolgsversprechend aus. Insofern wäre ich eher für die Idee wie leben wir damit. Denn solange es Kriege und einfach viel zu viele Menschen gibt, wird sich der CO2 Ausstoß nicht ohne massive Einschränkungen vieler Menschen (und ich meine nicht hier in Europa) oder massenhafte Vernichtung (Umweltkatastrophen ungeahnten Aussmasses, neue Virusvariante, Kriege) senken lassen. Und ich glaube das will keiner wirklich.
Insofern wäre für mich die Frage: Wie leben wir mit dem unvermeidlichen. Das bedeutet, es werden immer mehr Menschen zu Flüchtlingen und die Katastrophen nehmen zu.
Aus meiner Sicht brauchen wir dafür schneller Lösungen, als sich der CO2 Gehalt begrenzen lässt um es zu verhindern.
Stefan