Ich habe ja schon in anderen Threads einige Infos beigesteuert, aber nach meinem brandaktuellen Test macht es Sinn, die Erfahrung hier zu teilen, denn der Titel passt perfekt:
Wie wohnen wir?
Wir heizen seit Feb 23 alleinig mit Klimaanlagen, unsere 5 Jahre alte Brennwertgasheizung läuft seit dem nur noch im Warmwasserbetrieb.
Das Haus steht in NRW, die beheizte Fläche bemisst 180 qm. Auf das langjährige Mittel hat sich die Gastherme inkl. WW 16.200 kWh genehmigt - sagen wir mal es waren 14.000 für das Beheizen. Wir sind zu dritt und dank überwiegend Homeoffice ist immer jemand zu Hause, so dass die Heizung von früh bis spät ackern muss.
Wie war's denn mit Klimas bei den eisigen Temperaturen?
Bei den aktuell niedrigen Außentemperaturen kamen die Klimaanlagen gestern total ins Schwitzen.
Die Leistungsaufnahme war schon drastig - am Ende des Tages standen 30 kWh auf der Uhr. Im warmen Dezember waren wir noch Tageswerte um die 10-15 kWh gewohnt.
Zieltemperaturen wurden gestern nur sehr langsam erreicht. Lüfter liefen deutlich lauter als die Tage zuvor.
Ich betreibe die Klimas (7 Innengeräte mit 4 Außengeräten) ähnlich wie vorher die Gasheizung. D.h. morgens früh an, abends aus. Natürlich in einem anderen ein-/aus-Rhythmus, da die wassergeführte Gasheizung (11 Radiatoren plus 1 FBH im Bad) viel träger ist als die Klima.
Macht das überhaupt noch Sinn bei diesen Temperaturen oder soll ich nicht lieber die Gastherme wieder anschmeißen?
Jetzt wollte ich unbedingt mal wissen, was die Gastherme verschlingt, wenn ich sie für 24 Stunden wieder in Betrieb nehme und die Klimas in den Schlaf schicke.
Ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen - ich war echt erstaunt über das Ergebnis.
Sind denn die Tage überhaupt vergleichbar?
Ja, sind sie. Erst mal ein Blick auf die Außentemperaturen 8./9./10. Januar im Vergleich.
Fett in rot ist der Temperaturverlauf von gestern Abend 22 bis jetzt - also unter Gasbetrieb.
In grün "Vortag" der Zeitraum 24h davor - mit den 30 kWh Verbrauch per Klimas.
Und lila vor 48h, da war es zwar auch frostig, aber deutlich angenehmer (Verbrauch mit den Klimas waren da 22 kWh).
Und wie warm wurde es denn so Innen?
Ich nehme mal beispielhaft 3 Räume raus und kommentiere die Zahlen der Raumthermostate (Homematic, in 1 m Höhe installiert). Aber aber auch das Empfinden von uns 3 Bewohnern.
Vorwegschicken möchte ich, dass wir die Gasheizung vor 1,5 Jahren per Parameter so kastriert haben, dass sie "nur" noch auf Vorlauf 55 °C bei Norm-AT von -7°C heizt. Hei0t, sie lief bei den aktuellen Außentemperaturen im Bereich 52-56 °C Vorlauf.
Also nochmals zur Einleitung: Temperaturen von gestern = mit Klima. Temperaturen von heute = mit Gas.
Los geht's:
Wohnzimmer
Wir lieben es warm. Da wir uns auch tagsüber zeitweise hier aufhalten, sollte es nicht nur abends kuschelig sein. Mit den Klimas startet der Heiztag in diesem Raum um 8 Uhr morgens und endet gegen 21:30. Mit Gas muss ich natürlich früher loslegen: Um 5 Uhr ist das Ventil des 33er Radiators geöffnet, um 21 Uhr wieder zu.
In rot wieder der Temperaturverlauf von heute mit Gas, grün von gestern mit 35er Klima.
Empfinden im direkten Vergleich: Zugegeben, der Ventilator der Klima hat für ein hörbares Hintergrundgeräusch gesorgt, das ist mit der Gasheizung natürlich anders. Während die Klima gestern von 8 bis 9:30, also 90 Minuten brauchte, um von 16,5 °C auf 19,5 °C zu kommen, war der Raum heute mit Gas bereits um 8 Uhr bei 19,5 °C. Ist ja klar - die Therme befeuerte ja auch seit 5 Uhr den Raum mit heißem Heizungswasser. Danach ist der weitere Heizkurvenverlauf für beide Betriebsarten sehr vergleichbar.
Fazit: 1:0 für Gas - Gas und Klima erwärmten wie gewünscht, Gas macht aber keine Geräusche.
Badezimmer
Ja, auch im Badezimmer werkelt eine Klima (25er für 26 qm). Wenn nicht wie heute eine FBH plus Handtuchheizkörper versucht, Temperatur in den Raum zu kriegen. "Versucht" ist der richtige Ausdruck, denn wie man an dem Diagramm erkennen kann, hat sie sich merklich schwer getan. Um 4:30 öffnen die Ventile für das Heizungswasser, während die Klima erst um 7 Uhr loslegt. Danke der Trägheit schalten die Heizungsventile bereits um 19 Uhr wieder ab, wo die Klima noch bis 20:30 arbeiten muss.
Rot: das warme Heizungswasser müht sich merklich ab. Sie startet mit einem auf 17,3 °C ausgekühlten Bad und ist erst kurz vor Mittag bei 19 °C. Viel höher als 20 °C schafft sie mit dem Vorlauf nicht. Die Klima wiederum schießt von 17,2 °C am Vortag um 7 Uhr auf 20 °C hoch und braucht dafür knappe 90 Minuten. Ist sie am Abend aus, geht die Temperatur aber auch schnell wieder runter.
Da wir im Badezimmer nicht meditieren, stört auch das Lüftergeräusch nicht. Mit dem Aberglauben "eine Klima im Bad ist ja total unangenehm wegen dem Luftzug" können wir nach 1 Jahr Erfahrung übrigens überhaupt nichts anfangen.
Zwischenstand: 1:1. Die Klima möchten wir gerade hier nicht missen.
Flur
Ist denn der Flur überhaupt wichtig? Für uns schon, denn der ist bei uns a) flächenmäßig mit 21 qm sehr groß und b) nach oben zum Obergeschoss sowie zur Küche im EG hin offen. Viele Räume schließen sich her an, Türen gehen auf und zu.
Eine 25er Klima sorgt für eine Grundtemperierung. Für's alternative Heizen mit Gas befinden sich 2 wassergeführte Heizkörper im Flur. Um 5:30 Uhr legen beide los - die Klima üblicherweise 1 Stunde später. Um 19 Uhr drehen die Thermostate den Heizkörpern den Saft ab, während die Klima noch bis 20:30 läuft.
Rot: ähnlich wie bei Bad. Eigentlich möchten wir 18 °C erreichen, die schaffen beide Heizkörper - von 15,5 °C startend - aber auch nach 12 Stunden nicht, sondern bleiben bei 17 °C hängen. Das enttäuscht. Die Klima schafft die 18 °C, aber auch diese braucht dafür lange 5 Stunden.
Ist alles jetzt kein Hals-und-Beinbruch. Aber ich hätte gedacht, dass an dieser Stelle die Gasheizung ganz locker an der Klima vorbeizieht.
1:2. Die Klima auf der Überholspur. Denn der Lüfter stört hier keinesfalls.
Aber was sagt denn jetzt der Gaszähler?
Hat da jemand an der Uhr gedreht?
Hier die Gaszählerstände von gestern Abend 21:30 Uhr und heute 21:30 Uhr untereinander.
15 m³? Wow, damit hätte ich nicht gerechnet. Ok, ich ziehe mal 1 m³ für's Warmwasser ab. Sagen wir 1,5. Bleiben immer noch 13,5 m³ für die Heizung. Oder umgerechnet rund 135 kWh.
Gastag heute 16,70 € versus Stromtag gestern 8,30 €.
1:3 Endstand.
Ok - einen Aspekt nicht bedacht: wenn am Vortag die Gasheizung gelaufen wäre, hätten sich die Räume bis heute früh nicht so stark ausgekühlt wie mit der Klima. Richtig oder falsch? Um das herauszufinden, ziehe ich morgen Abend nochmal Temperaturdiagramme.
So, der Gasheizung habe ich bis auf weiteres die Lizenz zum Heizen entzogen. Die Zeitpläne in den Klimas sind wieder aktiviert.
Ab morgen wird' wieder etwas lauter, aber in Summe nicht unangenehmer.
Und günstiger.