Quetschen oder Löten?

Dilletanten-Quetschverbindungen auch?

Seit gestern ahne ich, dass man im DIY-Bereich nur selten anständige Crimpungen vorfinden wird.

Bis gestern hatte ich meine Crimpungen in der Kategorie "passt schon" eingereiht.

Insbesondere seit ich mir eine "bessere" Crimpzange gegönnt habe, wähnte ich mich auf der sicheren Seite.

Und ich hatte auch noch nie Probleme mit meinen Crimpungen.

Aber wenn ich das Widerstandsergebnis von 0.6mOhm mit meiner früheren Crimpzange anschaue und

die von mir geplante Absicherung von 40A ins Spiel bringe, ergibt sich eine Verlustleistung von ca. 1W im Kontaktbereich.

Das ist für den Kontaktbereich schon recht viel. Auch wenn die Wärme dort durchaus

halbwegs abtransportiert wird, muss man trotzdem eine unschöne Temperaturüberhöhung erwarten.

Und genau nebendran ensteht ja auch zusätzliche Wärme am Schraubkontakt zur Zelle und in der Zelle selbst.

Zusätzlich wird die Sache im Laufe der Zeit sicher nicht besser.

Fazit: Dilletantencrimpung kommt für mich hier nicht in Frage.

Ob ich mir Werkzeuge + Crimpösen für 300-400 EUR kaufen will, weiß ich noch nicht.

Jedenfalls nicht blind aus Neugier. Vielleicht aber wenn die Crimpungsergebnisse bei 6qmm von Win ähnlich

anständig sind wie die von und-mehr .

Hm - sooo teuer scheint das ja doch nicht zu sein. Sogar beim großen teuren C wäre das fast noch nen Versuch wert...

Wäre dieses Werkzeug + Ringkabelschuh aus Sicht der mitlesenden Installateure OK?

Oder besser Klauke K05 für Sechskantpressung und Rohrkabelschuh?

So ausm hohlen Bauch würde ich bei der großflächigen 6-Kant-Pressung die niedrigeren Übergangswiderstände erwarten.

Wie ist in dem Bereich eigentlich die Messgenauigkeit? Da machen ja klein Unterschiede beim Aufdrücken der Messspitzen, Oxydschichten, etc... schon was aus. Ich wäre da spontan nicht so Messwert-gläubig, lasse mich aber gerne anders überzeugen...

Du meinst: Wer misst, misst Mist.

Joa, damit muss man Leben.

Erfreulicherweise wird man bei der Vierleitermessung prinzipbedingt fast unabhängig von den Kontaktwiderständen der Messleitungen.

Trotzdem bei diesen extrem niedrigen Werten ist auch mit dem YR1035 Vorsicht angesagt, da

kommen dann schon die realen Abweichungen von der idealen Theory ins Spiel.

Man muss die Kontakte vorsichtig hinwackeln bis ein möglichst niedriger und stabil stehender Messwert entsteht.

...und die Messung ein paar Mal wiederholen, um die Reproduzierbarkeit sicherzustellen.

Die letzten 0.01...0.02 mOhm darf/sollte man beim YR1035 immer anzweifeln.

Die Reproduzierbarkeit ist aber sehr gut, bei mir wirklich nur 0.01mOhm zwischen verschiedenen Messungen am selben Prüfling.

Auch bei meinen Plausibilitätstests hat sich das YR1035 wacker geschlagen.

Sicherlich macht es keinen Sinn den Unterschied zu diskutieren wenn ich mit meinem YR1035 0.06 mOhm messe

und ein Anderer mit einem anderen YR1035 findet z.B. 0.04mOhm.

Wenn man aber am selben Tag mit demselben YR1035 an einem ersten Prüfling 0.1mOhm vorfindet

und an einem zweiten Prüfling 0.05mOhm, dann kann durchaus darauf vertrauen, dass der zweite

Prüfling deutlich niederohmiger ist.

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Kann ich auch bestätigen, Litze messen ist etwas fummelig,
die Messungen sind aber immer reproduzierbar.
Ich hab mir 10 Stück 5-Cent-kupferlinge gesucht und über die gegenüberliegende Zylinderseiten gemessen. 7 davon haben 0,15 mOhm,
2 haben 0,14 m und eine zappelt zwischen 0,14 und 0,15. Die Farbe der Kupferlinge steht nicht im Zusammenhang mit den Messungen.
Wenn ich die Messungen wiederhole, kommt dasselbe raus. Die 2,3 niederohmigen kann man damit wieder finden.

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Sehr schön :slight_smile:

Weil die Messung auf der Litze etwas fummelig ist, habe ich noch einen verbesserten Messaufbau ausprobiert.

Als Prüfling dienen nun kurze Kabelsstücke mit zwei Kabelschuhen.

Der Abstand zwichen den Crimpbereichen beträgt 22mm.

Der Vorteil einer Anordnung mit zwei Kabelschuhen hat zwei Vorteile:

a) Die Kontaktierung der Prüfspitzen an den Kabelschuhen liefert weniger Messwertschwankungen als wenn die Prüfspitzen auf die Kupferlitze aufgesetzt werden.

b) Der Messwert erfasst zwei Übergänge in Serie, das Messgerät arbeitet mit Messwerten, die nicht ganz so nah an der Messgrenze liegen.

Die neuen Ergebnisse sind recht artverwandt zu den früheren.

Ausserdem greife ich den Hinweis von "und mehr" auf, dass der Kupferwiderstand der Kupferleitung nicht komplett vernachlässigbar ist.

Bei 6qmm und 22mm Länge ergeben sich also theoretisch mindestens 0.066mΩ Widerstand, die als reiner Leitungswiderstand sogar ohne Übergangswiderstände zu erwarten sind. Die gelöteten Prüflinge erreichen ziemlich treffend diese theoretische Grenze. D.h. die eigentlichen Übergangswiderstände erscheinen im Rahmen der Messgenauigkeit vernachlässigbar. Der Übergangswiderstand an einem Kabelschuh (einschließlich der kurzen Strecke im Kabelschuh) ergibt sich zu: R_Übergang = (R_Messwert - 0.066mΩ) / 2.

Und dann habe ich die Messungen zusätzlich zum YR1035 auch noch mit einer klassischen manuellen 4-Leiter-Messung durchgeführt.

Mit Hilfe eines Labornetzgerätes wurden die Prüflinge mit 1A DC bestromt. Messung des Spannungsabfalls mit Keithley 2015 THD Multimeter.

Die Ergebnisse sind nahezu identisch wie die vom YR1035.

Regelrecht gespenstisch gut ist, dass man im Messwertunterschied den NullungsOffset des YR1035 treffend wiederfindet!!

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Das scheint ein etwas besseres Multimeter zu sein, bei Ebay legt man gebraucht um 700 Euro hin. Was ist der kleinste Messbereich?

Mit meinem Multimeter hätte ich bei 1A keine Chance. Kleinster Messbereich 200mV. Allerdings 4,5 Stellig. Mein Labornetzteil kann auch nur 2 A. Hohe Ströme brauche ich so selten.

Der kleinste Messbereich meines Keithley ist leider auch nur 200mV, aber immerhin ist es 6 1/2 - stellig.

Und es scheint als würden die ersten 3 Nachkommastellen weitgehend Sinn machen, auch wenn das natürlich

mal wieder so ein Rumgegurke nahe der unteren Messgrenze ist.

Bislang komme ich mit der 1A-Bestromung aber recht gut klar.

Das YR1035 habe ich mir insbesondere aus Komfortgründen gekauft.

...ne 10A-Quelle könnte ich schon irgendwie auch noch improvisieren.

Bzw. wenn mein DIY-Akkukapazitätsmessgerät fertig ist, dann kann ich nen Akku nehmen und den

Entladestrom auf 10A stellen.

Im PV-Bereich vermeide ich eigentlich lieber solche billig-crimp-Verbindungen.

Da kommen für mich eigentlich nur hydraulisch verpresste Rohr-Kabelschuhe in Frage.

Oder AderEndhülsen mit geeigneter Zange.

Hatte auch mal XT90 Stecker verlötet, hatte dabei aber nicht so das gute Gefühl (vermutlich mangels Löt-Erfahrung) und bin auf ANDERSON umgestiegen. Auch wenn ich die auf 10, auf 8, und dann auf 6mm² pressen musste. Aber dann hält das.

Die gecrimpten Prüflinge von Win sind eingetroffen.

Und wieder gibt es was zu lernen. Zum ersten Mal kommt das YR1035 eindeutig an seine Grenzen.

Gleichzeitig stimmten die Messergebnisse nicht mehr mit der Vierleitermessung überein.

Deshalb habe ich die Bestromung bei der Vierleitermessung auf 10A aufgegpeppt, was aber nur geringe

Unterschiede zur Messung mit 1A zeigte.

...und es scheint als liessen sich Litzen mit etwas kräftigeren Einzeladern besser/niederohmiger crimpen als

besonders feinadrige Litzen.

Details:

Crimpung von Win mit Klauke K02 auf mittelgrober Litze:

Messung mit YR1035 ==> 0.03mOhm

Messung mit manueller 4-Leiter-Methode bei 10A Bestromung ==> 0.04mOhm... 0.08mOhm

Die Messung des YR1035 kann man kaum noch als Messwert gelten lassen, weil schon der

Nullungsfehler meines YR1035 bei 0.01-0.02mOhm liegt.

Die Werte bei der 4-Leitermessung sind abhängig von der Position entlang des Umfanges.

Weil ich genau das auch bei 1A Bestromung beobachtet hatte, hatte ich zunächst an der Messung

mit 1A gezweifelt und die Bestromung auf 10A DC erhöht.

Fazit: Im Nahbereich der Crimpung sind nicht alle Einzeladern gleichgut angebunden.

Insgesamt ist die Crimpung aber erfreulich niederohmig.

...kleines Zuckerl zum Schluss:

Um das Kabelstück anständig anschließen zu können und unproblematisch mit 10A betreiben zu können,

habe ich am anderen Ende eine zweite Ringöse angebracht, natürlich mittels Dilletantencrimpung mit der Bastlerzange.

Und aus Neugier auch gemessen.

DilletantenCrimpung auf mittelgrober Litze:

Messung mit YR1035 ==> 0.04mOhm..0.05mOhm

Messung mit manueller 4-Leiter-Methode bei 10A Bestromung ==> 0.05mOhm... 0.09mOhm

Diese Messwerte sind gravierend besser als bei meinen Crimpungen auf Feinstlitze.

Das erscheint mir eine interessante Erkenntnis. Müsste man mal drauf herumdenken, warum das so ist.

Schön zu hören, das meine Zange ganz gut funktioniert. Eigentlich ist sie ja für massive Drähte gedacht.

Hi,

ließe sich das nicht folgendermaßen erklären:

Beim Crimpen ändert sich die Form des Anschlusses, nicht aber der Umfang. Bspw hat ein Quadrat mit 4cm Außenumfang einen Flächeninhalt von 1cm², ein Rechteck 0,5cmx1,5cm (ebenfalls 4cm Aussenumfang) nur 0,75cm². D.h. beim Crimpen wird die Form verändert und so die vorhandene Fläche verkleinert -> die Litze wird gequetscht. Daher bin ich persönlich auch von so einem Kabelhammer überzeugt.

(Bild: Test mit 2 10mm²-Kabeln in einem 25mm² Kabelschuh, aufgesägt)

Damit ist die Form der Fläche nicht auf die Form/Größe des Einsatzes limitiert. Der Schuh (die Wandstärke) muß immer zur Zange passen, sonst vergibt man "Flächenverkleinerung".

Feine Litzen haben dann vielleicht noch die leichtere Möglichkeit, sich in eine winzige Lücke zu drücken. Gröbere Litze sind nicht ganz so flexibel und die einzelnen Äderchen blockieren sich gegenseitig. Löten hat dann noch den Vorteil, daß das Lötzinn die kleinsten Ritzen noch ausfüllt (heiß machen vielleicht mit einem Gasbrenner?) und die somit als Leiter zur Verfügung stehen.

Gruß

Jürgen

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Bei so einem Kabelhammer ist evtl. die Dosierbarkeit schwieriger.

Zu wenig Wumms - laue Quetschung. Zuviel Wumms - ein paar Adern abgeschert.

Theoretisch erscheinen mir die Zangen, die sauber definiert auf eine bestimmte Geometrie und Querschnittsfläche hinpressen,

am vielversprechendsten.

Z.B. die Sechskantpressungen. Ich organisiere mir gerade sowas und poste dann wieder Ergebnisse.

Kann aber noch etwas dauern. Zuviele Baustellen gleichzeitig.

Und a bisserl schuften muss ich ja auch noch, um mir weiterhin meine Basteleien leisten zu können...

Die AndersonSteckverbinder sind bei mir auch eingeplant.

Die 50A-Version. Mit gemessenen 0.18mOhm Kontaktwiderstand sind die Dinger für

50A zwar doch recht knapp und in unmittelbarer Nähe kommen dann noch die Crimpungsübergänge dazu.

Trotzdem ist die 50A-Spec immerhin noch im glaubhaften Bereich.

Stecker scheinen irgendwie immer recht grenzwertig an der Tropfgrenze spezifiziert zu sein.

Für meine BatterieAuslegung mit 30A Nennstrom und 40A Absicherung sollten die 50A-Andersons aber halbwegs passen.

Und bei Bedarf gibt es die Andersons auch in sehr stattlichen Größen :slight_smile:

Ich finde die halt praktisch, weil verpolungssicher, und man hat auch was in der Hand, wenn man trennen oder umstecken will.

Kleinere Stecker wären mir lieber, aber unter 50A scheint es da nichts zu geben.

Wie gesagt: muss ich halt runterpressen bis auf die 6mm² für meine String-Kabel.

Meine Kritik hinsichtlich grenzwertiger Spec trifft die Andersons weniger als manch andere Steckverbinder.

Die Andersons sind da schon im glaubhaften Bereich. Und mir gefallen die Andersons wirklich gut.

Mutiger spezifizert sind da schon andere Stecker die ich durchaus auch gerne verwende, z.B. EC5 im Modellbau.

Der EC5 wird oft mit einer Dauerbelastbarkeit von 80A beworben, naja bei nem Übergangswiderstand der typischerweise etwas höher liegt

als der 50A-Anderson... Zudem gibt es die EC5 mit Käfigkontakt (nochmals höhere Übergangswiderstände dafür geeignet für hohe

Steckhäufigkeit), oder mit Fächerkontakt (anfangs etwas niederohmiger, leiert aber schneller aus).

Trotzdem ist der EC5 ein schöner kompakter Hochstromsteckverbinder, wie auch der EC90 (EC90 kenne ich nur mit Fächerkontakt).

Und wenn ich nur mal mein Modellboot für ein paar Sekunden über den See huschen lasse, dann gehen

die 80A schon auch mit nem EC5 mit Käfigkontakt - aber auf Dauer IMHO bitte nicht.

Wie muting der EC90 spezifiziert ist habe ich noch nicht angeschaut.

...ein Werbevideo mit brauchbaren Fachinfos und nicht nur "Kauf das".

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Wenn das passt, dann geht das bestimmt. Aber in "Energie&Hobby" (youtube) wurde mal davon berichtet, daß passende Kabel/Kabelschuhe/Presszange keine vernünftige Pressung zustande brachten. Erst mit Kabelschuhen eines anderen Herstellers hat das dann fünktioniert. Das hat mich ein wenig nachdenklich gemacht. Beim Kabelhammer gibt's halt noch einen Sicherheitsschlag obendrauf. Abscheren von Äderchen sehe ich nicht.

Ich will noch ausprobieren, ob nach dem Hämmern zusätzliches Löten noch etwas bringt.

Aber das soll hier keine Grundsatzdiskussion werden. Das Sechseck sieht auf jeden Fall schöner aus ?

Gruß

Jürgen

PS: Ich habe schnell mal nachgerechnet: Die Fläche vom Kreis zum Sechseck bei gleichem Umfang reduziert sich auf gut 90%. Mehr geht nicht.

Meinst du XT90?

Hier eine schöne und aktuell gehaltene Übersicht vonn Gerd Giese inkl. mOhm Angabe falls du noch nicht kennst:

https://www.elektromodellflug.de/hochstrom-st.-bu..html

Ich denke, das Material wird auch etwas gestaucht. Dann gehts auch unter 90%.

Kabelhammer klingt interessant, kannte ich noch nicht.