Also, auch wenn ich kein Physiker bin, bin ich auch der Meinung, dass Fenster immer bauphysikalisch zu dem Wandaufbau indem sie montiert sind passen müssen.
Wir haben noch Holzfenster von 91 und im Winter heißt es jeden Morgen ordentlich Wasser von den Fenstern wischen. Ich bin halt auch der Meinung, alles Wasser das ich vom Fenster abwische kann defakto nicht im Mauerwerk (1961, zweischalig mit 65mm Luftspalt) gelandet sein.
Dabei ist m.E. weniger entscheidend wie hoch die absolute Menge ist die man vom Fenster gewischt hat. Denn, ob sich Schimmel bildet oder nicht hängt am Ende auch davon ab wo der Taupunkt liegt. Das muss ja nicht auf der inneren Oberfläche einer Wandecke sein, das kann auch in der Tiefe der Wand sein. Wenn es “tief genug” ist, dann wird die Feuchte möglicherweise schon wieder an die Außenluft abgegeben (Stichwort Dampfdruckgefälle und Trocknungszeit ) bevor sie zum Schimmeln führen kann. In Abhängigkeit von der Sorbtionsfähigkeit der Einzematerialien und der anstehenden Feuchtemenge führt das dann mehr oder weniger oder gar nicht zu Kondensation. Wobei, wie gesagt, die Kondensation ist nur dann ein Problem wenn die Trocknungszeit zu hoch ist oder die Feuchtigkeit dauerhaft ansteht (unendliche Trocknungszeit).
Wenn ich jetzt aber ein modernes Fenster mit meinetwegen U-Wert 0,8 in eine U-Wert 1,6 Wand einsetze, dann entfällt der bekannte Effekt des kalten Windes in Fensternähe. Folglich wird der Raum weniger beheizt (die meisten Thermostate sitzen direkt unter dem Fenster oder sehr nahe an der Leibung und öffnen durch Integration des kalten Windes mehr als nötig) und die Oberflächentemperaturen in den Raumecken sinken. Dadurch wandert der Taupunkt weiter ins Rauminnere und der Wasserdampf kondensiert nicht mehr im Stein sondern u.U. auf dem Innnenputz/Tapete. Um die Oberflächentemperatur der Innenwände also zu erhöhen muss der U-Wert der Wände im Idealfall niedriger sein als der der Fenster. Was bekanntlich durch Dämmung erreicht wird.
Also ist bei uns aktuell auch der erste Schritt, Fassade dämmen und dann erst die Fenster erneuern.
Und dann gibt es bei neuem Fenster im Altbau ja auch noch den Schimmel an der Leibung. Der entweder, wie oben schon genannt, dadurch entsteht das durch Undichtigkeiten kalter Luftzug die Leibung auskühlt (Taupunkt nach innen verschiebt) oder das neue 3fach Fenster wesentlich tiefer in der inneren Leibung steht, die Außenleibung nicht nachgedämmt wurde und die Thermobaren die von äußerer zu innerer Leibung verlaufen keine Baukörpertemperatur > 12°C mehr zu lassen.
Grundsätzlich kann man das aber meiner Meinung nach nicht so richtig pauschalisieren. Ob Kondensation vorliegt und wie lange sie vorliegt hängt von sehr vielen Parametern ab. Auch eine Aussage wie “wir haben aber vor drei Jahren neue Fenster in die alte Wand gebaut, keine Probleme” sind mit Vorsicht zu genießen denn: Gab es in den drei Jahren denn Winter mit so niedrigen Außentemperaturen dass der Taupunkt überhaupt weit genug ins Innere wandern konnte? Anders sieht das in Gegenden aus die beinahe jedes Jahr die NAT erreichen.
Aber ich halte es nicht für falsch als Faustformel zu sagen “Fenster sollten einen höheren U-Wert haben als Wände”.