Ist R32 wirklich so schlimm? - ein Gedankenexperiment

Auch wenn es keiner hören möchte, die Zusammenhänge versteht man besser wenn man sich anschaut, welche Parteien mit Spenden von den Unternehmen beglückt werden und wie die Politiker von den Lobbyisten umgarnt werden.

Der einleitende Beitrag zeigt doch mehr als deutlich das es bei den gesetzgebenden Verordnungen nicht um Vernunft geht. Die Kosten für Hardware und Montage sind in Deutschland maßlos aus dem Ruder gelaufen, die Ersparnisse durch Förderung vorher auf die Preise geschlagen. Wer es haben will, muss halt zahlen. Um nicht auf dumme Gedanken zu kommen, wird ein Bußgeld von bis zu 50.000 € angedroht. Steht das alles noch im Verhältnis? Die Industrie macht die Politik.

Kann man hören wollen. Aber wie können wir nun was tun?

Wie geschrieben, es gibt für einzelne Räume bei denen der Wärmebedarf nicht so hoch ist auch die Möglichkeit von Mono-Geräten. Da arbeitet man nicht mit dem Gas, also gibt es kein Problem. Muss dann aber 160er Löcher bohren. Braucht nur ne Steckdose. Ist dann aber legal.

Es gibt auch diese Splitgeräte zum hinhängen in Fenster. Jetzt brauchen wir irgendwie noch was dazwischen.

R290 Anlagen verbauen?

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Genau das wäre meines Erachtens der Ansatz, den wir hier am leichtesten in die Tat umsetzen können. Versuche, auf politischer Ebene etwas zu erreichen, sind träge und oft wenig aussichtsreich. Wenn wir hier ein paar Leute mit Kälteschein hätten, die flächendeckend über das Land verteilt sind und DIYern zur Seite stehen, wenn es gilt, Leitungen zu bördeln, mit Drehmoment richtig anzuschrauben, die Dichtheit zu prüfen, das System zu evakuieren und dann die beiden Ventile fürs Kältemittel aufzudrehen, dann wäre ein vollständig legaler DIY-Ansatz zu vernünftigem Preis für alle machbar. In einem Diskussions-Thread über den Kälteschein in Polen hatten wir hier mal jemanden, der auf dieses Geschäftskonzept abzielte und ggf. zu einer "Deutschland-Tournee" zu den DIYern eingeladen worden wäre, aber anscheinend wurde dieses Vorhaben nicht realisiert. Schade.
Vielleicht sollte man einen neuen Anlauf versuchen?

Kleine "Manöverkritik" an Deiner Rechnung:
Den CO2-Ausstoß der Stromerzeugung muss man in der Tat gegenrechnen. Laut Umweltbundesamt lagen wir in Deutschland im Jahr 2024 bei der Stromerzeugung im Mittel bei 363 g CO2/kWh. Für Deine 10 kWh elektrisch müsstest Du also im Jahresmittel 3,63 kg CO2-Emissionen gegenrechnen.
Das Dumme ist jetzt nur, dass Deine Split-Klima den Strom nicht gleichmäßig über das Jahr hinweg verbraucht, sondern stark gepeaked im Winter, und da gerade an den kältesten Tagen. Du müsstest also den Stromverbrauch Deiner Split-Klima tagesaufgelöst aufzeichnen und für jeden dieser Tage dann den Erzeugungsmix recherchieren. Nachdem PV den Hauptertrag im Sommer liefert, wird der Strom im Winter leider Fossilien-lastiger sein als im Jahresmittel. Es steht daher zu befürchten, dass der von der Split-Klima verbrauchte Strom deutlich mehr CO2-Footprint als die jahresgemittelten 363 g/kWh hat. Kennt zufällig jemand eine Studie, in der das mal durchgerechnet wurde? Im dümmsten Fall kommt man bei COP=3 den 7,5 kg CO2/Tag der Gasheizung doch wieder recht nahe.

Meiner Meinung nach ist das sehr schwer aufzudröseln. Denn da kann man auch argumentieren, dass ein GUD mit Kraft-Wärmekopplung noch zusätzlich zum Wirkungsgrad durch z.B. Gas-Stromerzeugung noch 20% Wärmeerzeugung macht. Womit wieder weniger Wärme durch Fossiles benötigt wird. Usw.

Oder bei Stromerzeugung für den Strom für E-Autos. Ich finde das viel spannender, dass man das dann irgendwo erzeugen kann, wo man die Wärme noch nutzen kann. Während beim Auto die ganze Abwärme in die Umwelt geht.

Genauso wie eben bei Wärmepumpen. Nur plakativ: Vorher 20 000kWh, davon gehen 20 000kWh letztlich in die Umwelt. Wärmepumpe mit JAZ3 bedeutet nur 6700kWh, davon gehen 6700kWh in die Umwelt. Die restlichen 13300kWh wurden der Umwelt entzogen, gehen wieder zurück.

Nein. Bzw. wie kommst du darauf? Für Arbeiten an Kfz Klima brauchst du auch einen Schein.

bei welchen Mono Geräten ist der COP weswegen schlechter als bei welchen anderen Geräten?

Mono-Klimageräte bei denen alles in einer Inneneinheit verbaut ist (ohne Abluftschläuche mit 2 Mauerdurchführungen) gegenüber einem Split-Klimagerät mit einem Außengerät.

Man kann die fluorierten Kältemittel und den Umgang mit denen aus mehreren Blickwinkeln betrachten. In diesem Diskussionsfaden wird ja schon gezeigt, dass Splitklimageräte aus Klimaschutzgründen schnell rechnen, selbst wenn alles Kältemittel freigesetzt wird. Die Sinnhaftigkeit des Kältescheins wird ja auch schon diskutiert. Ich möchte einen Aspekt hinzufügen: Was passiert mit dem Kältemittel, wenn es in die Luft freigesetzt wird. Und da zeigt sich ein Nachteil der fluorierten Kältemittel im Vergleich zu R290: Die fluorierten Kältemittel werden in der Luft langsam aber sicher abgebaut. Leider bilden sich zum Teil dort Chemikalien, die zu der Gruppe der sogenannten PFAS gehören. Viele werden davon schon gehört haben. Das sind Substanzen, die sich nicht weiter abbauen und im z.B. Trinkwasser finden lassen, und im Verdacht stehen krebserregend zu sein und Fehlbildungen bei Babys auszulösen. R32 ist da noch relativ harmlos, weil es sich langfristig zu natürlichen Substanzen abbaut. Aber auf dem Weg dorthin bilden sich extrem schadliche Zwischenstufen wie Carbonylfluorid, was schädlicher ist als Flusssäure. Meiner Meinung nach schlimmer sind aber die Kältemittel, die im Auto verwendet werden, also R1234 und auch das früher verwendete R134a: Die werden letztlich zu TFA (Trifluoressigsäure) abgebaut, was keine natürliche Substanz ist und sich nicht mehr weiter abbaut. Wer mehr dazu lesen will:

Und wer richtig tief einsteigen will, kann diese mehr also 200 Seiten Studie lesen:

Ich habe noch keine Splitklimaanlage, aber aus den genannten Gründen werde ich mir keine R32 sondern einen R290 Anlage kaufen, wenn es soweit ist. Das Argument des Explosionsrisikos durch R290 halte ich für übertrieben: Fast jeder hat in Deospray, Haarspray im Haus. Bei 3 Spraydosen hat man ähnlich viel Propan im Haus wie ein einer Splitklimaanlage.

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Spraydosen sind ein Beispiel, wie ein extrem billiges Massenprodukt auch extrem sicher ist. Das hier ungewollt die komplette Menge Treibmittel entweicht, ist sehr unwahrscheinlich.

Bei einer Split-Klima hat man nicht dieses hohe Sicherheitsniveau. Das könnte man aber sicherlich durch einfache Technik erreichen. Also z.B. eine sofortige Abschottung des Kältekreislaufes am AG, sobald eine Undichtigkeit im Innenraum festgestellt wird. Da hat man nur wenige Gramm innen, was harmlos sein dürfte. Ähnlich harmlos, wie einmal die Haare mit Haarspray einzusprühen.

Ich hab ja eine R290 Klimaanlage von MIDEA: Läuft super!

Es gibt bei R290 halt nur Einschränkungen hinsichtlich der Leitungslänge. Mehr als 5m sind wohl nicht drin bzw. nicht zulässig.
Das hängt dann mit einer Höchstmengen-Grenze an R290 zusammen. Vielleicht wieder eine EU-Verordnung?
Damit geht dann auch Multisplit nicht.
Das sind schon deutliche Einschränkungen und damit ist die Positionierung von Innen und Außengerät schwierig.
Damit scheiden dann manchmal Split-Geräte als mögliche Heizung aus.

Und vielleicht ist das ja auch wieder gewollt!
Mit den Split-Geräten könnte ja im Sommer auch gekühlt werden und damit dann wertvoller Solarstrom "verplempert" werden. Klimaanlagen werden ja bei uns als Teufelszeug angesehen.

Und so ist das dann häufig mit unserer "Technologieoffenheit".
Durch kleinteilige Regelungen werden "erlaubte" Lösungen unmöglich gemacht.
Das betrifft auch das GEG und beispielsweise Regelungen zu Hybrid-Technik.
Immer ein "Ja, aber". Damit wird solche sinnvolle Technik einfach nur teuer.

Also, es ist, wie es ist. R290 ist wohl die Zukunft mit den Einschränkungen.
Und auch in China wird wohl von R32 auf R290 umgestellt.
Und dann fallen die Preise von R290 Geräte deutlich.
Und vielleicht gibt es dann auch "explosionssichere" Rohrleitungen für lange Längen.

Nach wie vor suche ich noch DIYler im Raum Rhein-Neckar für den persönlichen Austausch und "gemeinsames Basteln".
Wer hier Interesse hat ... bitte melden.

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Braucht man das wirklich? Im überwiegenden Teil der Länder in denen ich war, gibt es keine festen Gasanschlüsse, wie z. B. in Deutschland. Sondern große Gasflaschen, die zum kochen benutzt werden. Ich habe nie gehört das dass irgendwelche größeren Probleme verursacht hat. Im Campingbereich ist das auch Standard. Außerdem könnte das Gas auch im Aussenbereich austreten. Und ein Gas-Sensor kostet ca. 10 €.

Die Gefahr ist ja real vorhanden und wenn es passiert, ist der Schaden extrem hoch. Da können auch Menschen sterben. Insofern sind mir dann die 10 Euro in der Fertigung und 50 Euro im Verkauf völlig egal, wenn ich da mehr Sicherheit bekommen kann.

Gasunfälle gibt es immer wieder mal, aber klar, ist insgesamt noch recht selten.

das ist nicht ein Problem der Leitung, dass die ab x m plötzlich explodieren.

Da hatte ich irgendwas nicht richtig gelesen, Gassensor und einfache Technik meinen wohl eher das gleiche. Sorry. :grin: Klar macht das Sinn.

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Die maximale Leitungslänge hatte wohl nur mit der Beschränkung der Gesamtmenge R290 auf 340g zu tun.

Dieses Jahr wurde die entsprechende Norm IEC 60335-2-40 aktualisiert und die erlaubte Menge auf 988g erhöht. Bei neuen Anlagen sollte das also kein Problem mehr sein, wahrscheinlich sehen wir dann demnächst auch Multisplits.

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Das ist ja interessante Information und ein Lichtblick:

Übersicht mit KI

Die IEC 60335-2-40 legt die maximale Füllmenge von Propan (R 290) in Geräten wie Wärmepumpen und Klimaanlagen fest, die von mehreren Faktoren abhängt, darunter ergänzende Sicherheitsmaßnahmen. Die Norm erlaubt bei Einhaltung spezifischer Sicherheitsvorkehrungen eine Erhöhung der Füllmenge, die im Vergleich zur vorherigen Version auf bis zu 1 kg (1000g) steigen kann. Die genaue Grenze hängt vom spezifischen Gerät ab und wird durch eine Risikobeurteilung ermittelt, die in den Herstellerunterlagen dokumentiert ist.

Erhöhung der maximalen Füllmenge

  • Die Neufassung der Norm hat die erlaubte Propan-Füllmenge erheblich erhöht.
  • Früher lag die maximale Menge bei 334 g, heute kann sie bis zu 988 g (fast 1 kg) betragen, wenn entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.
  • Diese Erhöhung ermöglicht größere Kühl- und Heizleistungen und damit eine breitere Anwendungspalette für die Geräte.

Abhängigkeit von Sicherheitsmaßnahmen

  • Die exakte, zulässige Füllmenge wird nicht pauschal festgelegt, sondern hängt von den spezifischen Sicherheitsvorkehrungen ab, die der Hersteller implementiert.
  • Die Norm fordert, dass Geräte mit brennbaren Kältemitteln so konstruiert sind, dass der Austritt von Propan in den Sekundärkreis (z.B. Heizwasserkreis) verhindert wird.
  • Die notwendigen Maßnahmen werden in einer Risikobeurteilung ermittelt und in der Installations- und Planungsanleitung des Herstellers beschrieben.

Bedeutung für die Praxis

  • Installateure müssen die Herstelleranleitungen genau befolgen, um die korrekten Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten.
  • Geräte, die nach der neuesten Norm gefertigt sind, können durch die größere Füllmenge eine höhere Effizienz und Leistung bieten.

Die bisherigen R290 Geräte beinhalten dann wohl nur die kleine Menge an Propan (0,38kg) und können nur mit 5m Leitung betrieben werden.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie derzeit so günstig zu haben sind (Abverkauf?).

Die "neuen Modelle" werden dann wohl auch längere Leitungslängen zulassen und haben eine größere Kältemittelvorfüllmenge?
Mitsubishi gibt für das R290 Modell an: 0,39 kg bis max. 0,70 kg. Das vorgefüllte Kältemittel reicht für 10m.
MIDEA gibt an 0,38 kg und "bis 5 Meter vorgefüllt".
MIDEA gibt aber auch die Nachfüllmenge an: 10 g/m (Gilt ab 6 Meter, da Außengerät bis 5 Meter vorgefüllt)

Mit 988g könnten dann also theoretisch 65m Leitungslänge realisiert werden.

Problem ist zukünftig also weniger die Länge der Kältemittelleitung sondern die Raumgröße.
Je größer die Vorfüllmenge ist, desto größer muss auch der Raum sein.

Und damit fängt es schon wieder an für DIY kompliziert zu werden. Wird es verschiedene Ausführungen geben mit verschiedener Vorfüllmenge? Oder wird es R290-Nachfüll-Sets geben?

Mal schauen, welche "Technischen Lösungen" in den vielen Übersee-Containern stecken, die zukünftig aus China bei uns ankommen.

FCKW war ein Nischenproblem und hat nicht unsere ganze Lebensweise in Frage gestellt. Daher war eine Lösung relativ einfach. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind nach der nächsten Wahl zu spüren. Und was nach der nächsten Wahl passiert, ist vielen Politikern egal. Und mit Problemlösung als aktuelles Beispiel nenne ich nur mal die Rentenreform.

Zum Thema Klimawandel oder Treibhauseffekt: Schau Dir mal die mittlere Temperatur von Merkur und Venus an. Die sonnenfernere Venus ist heißer als der sonnennähere Merkur. Warum? Weil das CO2 die Abstrahlung der Wärme auf der Venus deutlich bremst. Und das passiert auf der Erde auch, aber in geringerem Maße. Aber diese Diskussion sollten wir unter diesem Thread mal schnell abkoppeln. Trotzdem möchte ich Falschaussagen nicht unwidersprochen stehen lassen.

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Mir fällt gerade noch ein Nachteil von R32 ein: Gedankenexperiment “Zimmerbrand”. Auswirkung: Innengerät wird heiß oder brennt. Folge: Freisetzung R32, was dann verbrennt. Brandgase: CO2, Wasser (beide harmlos) und Flusssäure. Wer das einatmet hat ein richtiges Problem. Diese Diskussion gab es bei der Umstellung auf R1234 im Auto auch. Mit R290 würden nur CO2 und Wasser entstehen.

Beim Szenario “Innengerät wird schlagartig undicht und setzt alles Kältemittel ins Gebäude frei” hat R290 definitiv das höhere Explosionsrisiko. Aber R32 kann auch eine explosionsfähige Mischung bilden, aber da sind höherer Konzentrationen nötig.