Ford Taunus Elektroumbau

Hallo Zusammen,

ich möchte heute meinen Elektroumbau vorstellen.

2007 hatte ich einen Ford Taunus 3, 1,6l Vierzylinder, Baujahr 1980, vom Sohn eines erstorbenen Rentners erworben, und auf eigener Achse aus Passau nach Dortmund überführt. Ein sehr schönes Auto, in gutem Zustand, dass ich aber nach und nach über die Jahre immer weiter erneuert habe. Schließlich ließ ich mir einen größeren Motor, einen 2,3l V6 einbauen, mit Fächerkrümmer usw., ein top Auto. Um 2020 rum, mittlerweile Familienvater und arg eingespannt vom Leben, hatte ich keine Zeit mehr für das Auto und habe es verkauft. Und wie das so ist im Leben, habe ich ihn natürlich bald vermisst…man will tatsächlich irgendwie immer das, was man nicht hat…aber wenn schon wieder Oldie, dann bitte als Elektro Umbau. Und so habe ich mit dem Käufer Kontakt aufgenommen, wir kamen zusammen, und ich hatte mein Auto wieder.

Ich habe mich in die Umbau Thematik eingelesen und eigentlich kaum Punkte gefunden, die unüberwindbare Hürden darstellten. Also habe ich nach und nach Kontakte hergestellt und schließlich die Komponenten eingekauft:

Engiro Motor 205W 12013 Motor, etwa 200Nm und 70kW - das war sportlich, aber nicht zu stark für die Karosse

Curtis Controller 1239E

144V System aus 45 LiFePO4 Zellen a 280Ah, macht knapp 40kWh Akkukapazität

123electric BMS Gen 3 - bin zufrieden damit, aber es bereitet mir auch Probleme.

1phasiges Laden mit dann maximal ~3kW

Ich habe mich dafür entschieden, den Motor direkt, also starr und ohne Kupplung mit dem Getriebe zu verbinden. Das wurde über Adapterplatte und eine starre Kupplung realisiert. Das Auto lässt sich also nur im Stillstand schalten, aber das ist kein Problem, das Auto fährt auch im vierten Gang gut an.

Die Akkus sind aufgeteilt, 33 Akkus im Kofferraum (Kiste ist in den Boden eingelassen, ich habe weiterhin einen Kofferraum) und 12 Akkus vorne. In Summe ist der Wagen nun etwas leichter, aber hinten etwas schwerer als vorher. Die Gewichtsverteilung sollte gut sein.

Der Umbau habe ich zusammen mit einer Werkstatt in Dortmund gemacht. Ich durfte mich dort komplett austoben, und Arbeiten, die ich nicht konnte, wie Arbeiten an der Karosserie, wurden von den Profis gemacht. Dafür haben die Männer dort, wie auch ich, viel gelernt.

Letztes Jahr wurden die Karosseriearbeiten gemacht (Akkukiste hinten eingebaut, Akkukiste vorne eingebaut, neue Motorhalter eingebaut), dieses Jahr die Verkabelung und die Inbetriebnahme. Die hat deutlich länger gedauert als gedacht, auch, weil ich einmal durch einen blöden Unfall den Controller zerschossen habe. Da kam alles zusammen, aber es ist wirklich passiert.

Nun ist der Wagen eigentlich fertig. Probefahrten erfolgreich absolviert, kommende Woche steht der TÜV an. Aber, das muss man schon sagen, fertig ist so ein Auto nie. Es ist eine ewige Spielwiese. Wobei ich mir aktuell selbst sehr viel Stress mache. Durch den TÜV Termin, habe auch dadurch, dass der Wagen in der Werkstatt steht, dort Platz wegnimmt, und ich mir immer einen ganzen Tag Urlaub nehmen muss, von Arbeit und Familie, wenn ich am Auto arbeite.

Ich versuche mal Fotos hochzuladen, damit kann man sich das Ganze bestimmt etwas besser vorstellen.

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Und jetzt scheine ich mir durch kleine Fehler einzelne Akkus zerschossen zu haben. Eigentlich wollte ich nur noch das Wagen laden und kleine kosmetische Restarbeiten erledigen, aber beim Blick in die App habe ich gesehen, das einzelne Zellen Spannungen um 4V angezeigt haben. Ich schreibe hierzu am besten in einem eigenen Thread alles zusammen.

Der Wagen ist zu 25% geladen, vielleicht reicht es ja noch für den TÜV, und den Rest mache ich danach…

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:+1:

Hast du die ganze Adaptersache von Motor auf Kupplung irgendwo fertigen lassen? Da wird ja bestimmt einiges zu fräsen und zu drehen gewesen sein.

Was schätzt du, wie viel Mannstunden da bisher reingeflossen sind? Also nicht nur deine Zeit, sondern auch die aller Helfer?

Hab mal den Motor rausgesucht, falls es jemanden interessiert:

Der Motor hat aus dem Stand heraus genug Kraft, um im 4. Gang problemlos anfahren zu können? Interessant.

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Hoffentlich spielt der TÜV mit. Wünsche dir viel Erfolg und Respekt für das Projekt.

Das H Kennzeichen hat sich damit erledigt?

Nette Grüße

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Genau, die Adapterplatte und die Verbindung der Wellen habe ich fertigen lassen, die nötige Maßgenauigkeit erreicht man nur mit Profiwerkzeug.

Wie viele Mannstunden schon im Auto stecken…ich weiß es nicht, schätze aber auf 300.

Und das H Kennzeichen, sowie auch die vergünstigten Oldtimer Versicherung verliert man, man bekommt ein E Kennzeichen mit allen üblichen Gimmicks, also auch die befristete Steuerbefreiung.

Danke, habe schon jetzt Prüfungsangst. :sweat_smile:

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Das solltest du noch diskutieren, denn Anpassungen die der Sicherheit bzw. der Umweltverträglichkeit und das Erscheinungsbild nicht verändern sind zulässig.

Z.B der Umbau auf Zweikreisbremse oder der Einbau eines Kats.

Mit E-Antrieb bist du völlig emissionsfrei umweltverträglicher geht es nicht.

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Da bin ich voll bei dir, aber die Regeln sind da aktuell leider einfach so: Umbau auf Elektro bedeutet Verlust des H Kennzeichens. Es bedarf wohl einiges an Lobbyarbeit, hier die Regeln anzupassen.

Aber wünschenswert wäre es definitiv! Zumindest im meinen Augen, ganz viele Menschen sehen das anders. Du glaubst garnicht, wie kritisch mein Umbau in der Ford Oldtimer Szene gesehen wird.

Ich sehe das auch anders. Kein Oldtimer mehr, nur noch retro.
Ein Röhrenradio bei dem das Innenleben durch moderne Technik ersetzt wurde,
ist für mich auch kein Röhrenradio mehr, sondern ein Retroradio.

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Ja, das werden wohl viele Menschen wenig flexibel in ihren Ansichten sein. Ich finds jedenfalls super interessant, mal solche Wege zu gehen.

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Ich bin da sehr flexibel. Er bekommt ein E-Kennzeichen und in 30 Jahren ein H-Kennzeichen.
Ihr könnt Euch mit einer Petition für ein R wie Retro Kennzeichen einsetzen. Ich habe da nichts gegen.

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Ich finde das Projekt auch sehr spannend.

Allerdings würde ich, im Unterschied zu meinem Alltagsfahrzeug, jeden umbringen der in mein BMW2002ti ein Elektromotor einbauen wollte.:joy:

Na dann zeigt doch der Verlauf dieses Themas ganz gut, wie unterschiedlich die Ansichten zu solchen Umbauten sind! :slightly_smiling_face::victory_hand:t2:

Ich mag so Umbauten, zeigt was geht und die Menschen beschäftigen sich damit, denken "out of the box" und erhalten was altes.

Vor kurzen ist der umbau von einem T2 durchs Netz gegangen, (T2 Umbau , da wurde auch viel Kritik geäußert warum man denn ein so schönes Auto verschandelt, aber die jenigen die Kritik üben, wären selbst nicht in der Lage so ein Auto zu warten oder reparieren. Davon mal abgesehen wurde der T2 über 2,5 Mio mal gebaut. Ist damit also keine Rarität.

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Finde die Story des T2 auch toll.

Allerdings scheint der Artikel bei https://www.ingenieur.de/ stark zu übertreiben. Dort steht eine Akkukapazität von 92 kWh und eine Ladeleistung von 2 kW AC/70 kW DC. In dem Artikel Bulli Magazin Stories - T2 e-Bulli stehen realistischere Werte: 43,5 kWh (erweiterbar) und eine Ladeleistung von 8 bis 9 kW. Übertrieben wird auch die Leistung der Solarpanels von 30 kWh.

Nichts desto trotz sind auch die kleineren Werte gut.

Ansonsten bin ich gespannt wie es mit dem Ford Taunus weitergeht. Tolle Sache.

Wie die Steuerung des Akkus funktioniert, damit die Zellen keine zu hohe Spannung bekommen, habe ich noch nicht verstanden.

Die Platinen sehen eher aus wie Messpunkte und Balancer. Gibt es dazu eine darübergeordnete Steuerung inkl. Abschaltung per Relais oder MOSFETs, die das Laden komplett abschaltet, wenn eine Zelle aus dem Ruder läuft? So läuft das bei den mir bekannten BMS. Dann hätte aber nie eine Zelle auf 4 Volt gehen dürfen. Das Laden wäre unterbrochen worden und das Balancing hätte die Zellen wieder ausgeglichen. Wenn die Zellen jetzt länger auf 4 Volt bleiben, ist zu befürchten, dass sie größeren Schaden anrichten. Oder sind die Zellen wieder auf Normalwert?

Habt Ihr mal einen Link inkl. Hersteller/Typ zu dem eingesetzten Hochvolt BMS des Ford Taunus? Will die Funktionsweise näher verstehen.

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Für meinen Seat Terra wäre so ein Umbau ideal. Zumal es das Fahrzeug in den 1980ger 90ger Jahren tatsächlich mit Elektroantrieb gab !!! Das hätte dann auch ein H-Kennzeichen verdient.
Leider bekomme ich für meinen Diesel keines, weil der Zustand dem nicht würdig ist.
Ich besorge mir mal eine schwarze Feinstaubplakette dafür.

Habe mir gerade mal 123\SmartBMS gen3 - 123electric angesehen. Scheint wirklich nur ein Balancer und Überwachungssystem zu sein. Warum das BMS genannt wird, verstehe ich nicht. Zur Reaktion muss man wohl etwas selbst aufbauen. Man braucht also definitiv eine Überwachungssteuerung und entweder MOSFETS oder Relais zur Abschaltung damit nicht mehr geladen werden kann. Das ist aber nicht so einfach. Man will ja auch beim Rekuperieren (dabei wird geladen) noch entladen können und weiterfahren können, wenn die Zellen an den Grenzwert gehen. Bei den mir bekannten BMS, kann man Laden und Entladen getrennt steuern.

Finde auch nichts dazu, ob das System ein aktives Balancing oder passives macht und wie das gesteuert wird.

Mein erster Eindruck ist, dass das BMS für den Einsatz Hochvolt mit vielen Zellen in einer Reihe so nicht geeignet ist. Lassen mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

Sollen wir das mal in Technik und Diskussionen trennen?

Ich dachte es geht hier um Technik und dem Problem, dass der Umbau zur Zeit nicht richtig läuft. Was willst Du da trennen?

Und so weiter.

Das Thema ist toll. Und zündet viele Seitendiskussionen.

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