Gibt es denn Aussagen in dem Artikel, zu denen Du selber etwas in die Diskussion werfen würdest?
Bezüglich der direkten Klimaeffekte (genauer: Reflektion, Albedo, Verdunstung, Schatten so Sachen) dürfte nur das lokale Mikroklima signifikant beeinflusst werden. Die betroffenen Flächen sind noch klein und meistens ist der Effekt nicht viel anders als ohne PV (das Dach ist auch ohne PV meist dunkel und das Wasser läuft ab).
Was die Systemintegration angeht: das ist ein wichtiges Thema, es ist aber lösbar ohne gigantische Kosten. Da könnte man auch mehr drüber diskutieren natürlich.
Typischer Haushalt, zwei Personen, ein Auto, 100 m2 Wohnfläche (das sind Werte nahe am Bundesdurchschnitt), für Deutschland mal 40 Millionen solcher Haushalte
1500 kWh Warmwasser => 60 TWh Warmwasser
10000 kWh Raumwärme => 400 TWh Raumwärme (Vergleich Erdgasverbrauch letztes Jahr für Deutschland etwa 850 TWh oder so ähnlich)
15000 km mit 20 kWh/100 km (ist beides etwas zu hoch) => 3000 kWh Strom => 120 TWh für Deutschland bei 100% Elektromobilität für PKW
3000 kWh Strom für anderes => 120 TWh für Deutschland (etwa ein Viertel des heutigen Gesamtstromverbrauchs)
Geheizt wird wie bei Andreas, also Hybridheizung, ich nehme 90% Strom zu 10% Erdgas/Propan an,
also 1150 kWh Restbedarf für Erdgas => 46 TWh für Deutschland
Exkurs Biomethan: Wir haben etwa 30 TWh Strom aus 75 TWh Biogas mit 40% Wirkungsgrad. Biogas besteht zu 50% aus Methan und 50% aus CO2. Nach Abtrennung des CO2 haben wir also 75 TWh Biomethan, wenn das Biogas zu Biomethan aufgearbeitet und nicht verstromt wird.
Exkurs synthetische Kraftstoffe auf Basis von Biomasse und Wasserstoff: Wir haben etwa 330 TWh Biomasse in Deutschland, neben Biogas und Holz / biogene Abfälle zur Stromerzeugung, auch noch zur Heizung von Wohnraum und Biodiesel/Ethanol für Fahrzeuge. Diese Biomasse lässt sich mit Wasserstoff veredeln. So kann man aus Biodiesel, mit relativ wenig Wasserstoff, Propan und synthetischen Diesel gewinnen. Man kann auch Holz und Wassersoff kombininieren, um Methanol zu gewinnen. Bei 330 TWh Biomasse könnte man 250 TWh Strom in der Form von 165 TWh Wasserstoff zugeben und stattliche 495 TWh synthetische Kohlenwasserstoffe (Diesel, Biomethan, Methanol, Plastik etc.) gewinnen.
Bei der Stromerzeugung nehme ich 1000 TWh an im Verhältnis 400 TWh PV (aus etwa 400 GW PV) zu 550 TWh Wind (z.B. 75 GW offshore Wind und 125 GW onshore Wind) und 50 TWh in der Dunkelflaute aus Biomethan.
Wir brauchen beim einzelnen Haushalt überraschend wenig PV, wenn wir nur 40% des Bedarfs damit decken wollen:
90% von 11500 kWh geteilt durch Arbeiszahl 4 = 2600 kWh für Raumwärme
Zusammen also 3000+3000+2600=8600 kWh, davon 40% = 3440 kWh, etwa 3,5 kWp (=> 140 GWp hochgerechnet auf ganz Deutschland von den 400 GW für Deutschland) tun es. Das ist überhaupt kein Problem für 100 m2 Wohnfläche, selbst in einem Mehrfamilienhaus. Das Mehrfamilienhaus in Brütten hat deutlich über 100 kWp für 1000 m2 Wohnfläche, also mehr als 10 kWp pro durchschnittlicher deutscher Wohnung.
Bei 3,5 kWp haben wir kein sonderliches Sommerüberschussproblem. In der Dunkelflaute kann man die Gasheizung anwerfen, den Rest des Winters die Klimaanlage und Brauchwasserwärmepumpe mit Windstrom betreiben.
Den Wasserstoff für das Aufarbeiten von Biomasse zu Kohlenwasserstoffen können wir gezielt im Sommer und bei viel Wind herstellen. Für die 250 TWh Strombedarf können wir grob etwas unter 30 GW bei 100% Auslastung ansetzten, machen wir da 2/3 draus, sind es 45 GW.
Oder anteilig für unseren Durchschnittshaushalt knapp über 1 kW an Elektrolyseurleistung.
Der internationale Ausgleich hilft auch bei der Systemintegration von PV und Wind. Weht viel Wind in Spanien oder England und wenig hier, können mehrere GW leicht nach Deuschland transportiert werden. Wenn in ganz Europa ein Überschuss an Wind da ist, kann man norwegische Speicherwasserkraftwerke runterfahren. Die werden aus Stauseen mit natürlichem Zufluss bedient und man muss da kein Wasser hochpumpen.
Den internationalen Ausgleich und die Bedeutung von Wasserkraft in Europa sieht man schön in dieser Graphik für die europäische Stromproduktion:
https://windeurope.org/about-wind/daily-wind/electricity-mix#
Wasserkraft deckt schön die Morgen und Abendspitze. In Zukunft könnte man da teilweise eher auf Batterien zugreifen. Speicherwasser in Europa hat ein Speichervolumen von über 250 TWh und da kann man ganz gut über längere Zeiträume ohne große Kosten lagern. Bei Biomethan (bzw. synthetischem Methan mit Biomasse und Elektrolysewasserstoffanteil) stimmt das noch mehr. Für Methan habe wir allein in Deutschland 250 TWh an Speicherkapazität. Da sollte das nicht im Sommer für Warmwasser oder zur Deckung der Abendspitze verbrannt werden. Das Warmwasser kann man mittags erzeugen und für den Abend lagern. Die Spitzenlast am Abend kann im Sommer leicht durch Batterien gedeckt werden, so dass man das Biomethan für den Winter aufheben kann.