Es ist zwar häufig so, dass Parteien am rechten Rand für Volksabstimmungen sind. Das muss aber nicht so sein, bei der Piratenpartei waren zwar viele Mitglieder und Wähler rechts (konnte man damals schön an den Stimmzetteln sehen, Erstimme Piratenpartei zusammen mit Zweitstimme irgendeine rechte Splitterpartei war eine sehr häufige Kombination), insgesamt war sie aber eigentlich links grün.
Volksabstimmungen für jedes und alles funktioniert schonmal überhaupt gar nicht und gibt es nirgendwo. Bei der Piratenpartei wurde das versucht, es war aber ein klägliches Scheitern. Leute wollen gar nicht über jeden Mist abstimmen, der sie nicht interessiert. Das ist für die nur lästige Arbeit, kein Privileg. Beim innerparteilichen System ist die Beteiligung dann auch schnell ins Nichts abgestürzt. Für eine Zeit haben sich da ein paar Leute in der Partei selber angelogen, in dem sie meinten, das würde besser, wenn die Entscheidungen verbindlich wären. Das ist leider aber nicht so. Neueres Beispiel, die Volksabstimmung in Paris https://www.zeit.de/mobilitaet/2023-04/paris-einwohner-leih-escooter-verbot-abstimmung
"Fast 90 Prozent der Abstimmungsteilnehmer sprachen sich dafür aus, ...Allerdings beteiligten sich nur 7,46 Prozent"
Die wurde dann trotz Beteiligung von 7,46 Prozent wie angekündigt umgesetzt.
Überhaupt vage denkbar ist das Instrument nur bei ganz wenigen Entscheidungen, wenn man einen breiten Konsens hat bezüglich der Fragestellung mit einer einfachen Ja / Nein Antwort.
Beim Tempolimit z.B. ist das aber kaum zu erreichen. Wer gegen das Tempolimit ist, hat ein Interesse daran, eine möglichst extreme Version zu präsentieren mit Ja/Nein (also z.B. 80 auf der Landstraße und 100 auf der Autobahn) in der Hoffnung, dass das zur Ablehnung führt und damit jegliches Tempolimit vom Tisch ist. Wer entscheidet in so einem Fall über die Frage?
Ein weiteres ernstes Problem ist die Polarisierung und das fehlende Element der Verhandlung. Klar, gibt es da auch heute Probleme, aber:
Man wählt ein Bündel an Positionen, wenn man eine Partei wählt. Das mag viele Nachteile haben, es hat aber auch einen unglaublichen Vorteil (neben dem bekannten des Abwählens, wenn eine Partei mit ihren Versprechen scheitert, gibt eine Volksabstimmung Mist ist niemand so richtig verantwortlich für das Scheitern oder die Umsetzung)
Leute können priorisieren, gewichten, welche Positionen ihnen besonders wichtig sind. Das führt zu einem Verhandlungselement und bei Einzelfragen dazu, dass die Position der besonders Betroffenen, so wie es auch sein sollte, besonders hoch gewichtet wird, und die, die es nur peripher interessiert, auch entsprechend weniger Einfluss auf Entscheidungen nehmen.
Bei Volksabstimmungen kann eine Mehrheit von kaum Betroffenen, über vitale Interessen der am meisten Betroffenen viel leichter hinweg entscheiden.
Beim Brexit Referendum war es sogar so, dass die am meisten Betroffenenen gar nicht direkt abstimmen konnten, also Briten, die schon länger im Ausland wohnen und EU Bürger in GB.