Frankenstein hat eine Wartung bekommen.
Was an sich schon ein bemerkenswertes Ereignis ist, denn wieviel Gebrechen muss ein Frankenstein haben, damit das nötig ist?
Es geht um das Thema Selbstentladung (der LiIonzelle, Block 4) über das ich schon zu Beginn des Fadens berichtet habe.
Mir war im Sommer aufgefallen, das der Balancer ununterbrochen an der Arbeit war, wenn der Akku, durch genug Solarleistung, vorwiegend voll war.
Nun heißt “ununterbrochen an der Arbeit” nicht sooo viel, wenn ein 30 mA Balancer 50 Ah Kapazität in Zaum halten soll.
(Wer den Zusammenhang nicht kennt: Normalerweise reichen 30 mA balancer für ordentliche LiFePo zellen aus. Hier arbeitet eine LiIonzelle in REIHE mit LiFepo zellen, und die verschiedene Chemie verursacht mehr Unterschiede in der Selbstentladung als bei gleichartiger Chemie üblich)
Aber um des lieben Friedens willen (genannt auch Sicherheit) habe ich ein paar Veränderungen vorgenommen. Wer an Details interessiert ist, kann nachfragen, hier nur die Highlights.
Zuerst mal habe ich die Abstimmung Ladespannung zu Balancerstart für eine gegebene Differenz genauer eingestellt. Das ist deswegen nötig, weil beim Entladen die 3 LiFePo Zellen in der Spannung um ca 50 mV einbrechen ( herunter auf 3,37 V, aus der steilen Kennlinie heraus), die LiIon nicht. Siehe Schaubild oben.
Dabei darf also die “normale” Ladespannung der LiIon nicht über der Balancerstart Spannung liegen. (Sonst wird “fälschlicherweise” balanciert).
Dann habe ich meine alte Schaltung zum Erhöhen des Balancerstroms eingebaut. Eine Platine lag noch rum. Jetzt werkelt der Balancer mit rund 0,5 A, was sich doch etwas robuster darstellt. (Die Platine kann an die meisten üblichen Smart BMS angebaut werden, wahrscheinlich auch an Daly). Der Aufwand ist entsetzlich, pro Akkuzelle ein bipolarer Transistor, ein Lastwiderstand 2 W und noch ein “halber” Widerstand…..
Als letztes habe ich mich entschieden, den LiIonblock des Frankenstein doch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Vom Aufbau eines 48 V Akkus habe ich noch einen “Testaufbau” eines 24 p Blocks 18650er herumliegen. Der liegt seit gut 3 Jahren und hat noch messbare 3,85 V. Anzunehmender Weise also nicht viel Selbstentladung. Die Zellen waren ja auch darauf getestet. Die Kapazität reichte aus, also eingebaut.
Und beim ausgebauten Block habe ich die Spannung gemessen und dann die Parallelschaltung getrennt. Es hat hier zwar jemand (gegen jede andere Meinung) mit einem empirischen Versuch (den er nie gemacht hat) “nachgewiesen”, dass es erhöhte Selbstentladung garnicht gibt.
Jetzt möchte ich doch zu gerne wissen, wass der Versuch ergibt, wenn man ihn macht. Aber über das Ergebnis bin ich gewiss.
So, und ein allerletztes Update ist drin, obwohl ich nicht weiss, ob es noch nötig ist.
Wer sich auskennt, weiss dass man auch aktiv balancieren kann: Laden einer Zelle mit zu kleiner Spannung. Das ist deswegen hochinteressant, weil es im “Normalfall” dem passiven Balancieren vorzuziehen ist:
Wegen einer Zelle, die durch Selbstentladung Energie verliert, muss ein passiver Balancer alle anderen Zellen um den gleichen Betrag des Energieverlust entladen. Ein aktiver lädt die eine Zelle und gut ist.
Dieses aktive Balancieren einer Einzelzelle kann man aber auch “continuous” machen: nicht nur wenn die Zelle (fast) voll ist, sondern kontinuierlich. (Weil die Selbstentladung ja auch ununterbrochen stattfindet). Der Betrag der Selbstentladung ist ja konstant.
Deswegen hatte ich schon lange vor, den LiIon block mit einem gezielten aktiven “continuous" Balancing zu unterstützen. Und dazu habe ich jetzt eine superspezielle (nur für diesen Fall) supereinfache (ein Platinchen von Alipress für 99 ct) Lösung gefunden. Gut, den Strom muss man von Hand einstellen. @Nimbus4 kann das besser.
Aber alleine der Versuch reizt mich.