Vielleicht ist das ja hilfreich, den Mythos "Kernkraft" ein wenig zu entzaubern.
Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn jemand eine andere Meinung hat, als ich. Wenn diese Meinung allerdings mit Wissen bzw. wissenschaftlichem Konsens kollidiert, dann findet kein Meinungsaustausch mehr statt. Dann sollte Lernen und Verstehen einsetzen und nicht Beharren auf der eigenen Meinung. Deshalb beende ich an der Stelle auch die Diskussion. Häufig akzeptiert das Gegenüber das, manchmal wird noch nachgetreten, um das letzte Wort zu haben, manchmal flüchtet sich der Diskutant noch schnell in die Opferrolle.
Ich glaube, es war @hger, der argumentiert hat, dass der Stromnetzausbau wegen des Vorhaltens der Kapazitäten zur Abdeckung von Spitzenlasten überproportional teuer wird, wenn es ansonsten nur zu 5% ausgelastet ist. Warum wird dieser Gedanke nicht auf das Gasnetz übertragen?
Wenn alle, die sich für den Einbau einer WP entscheiden, ihre alte Gasheizung als Backup behalten, muss das vorhandene Netz in vollem Umfang erhalten werden, während der über das Netz generierte Umsatz immer weiter schrumpft. Der Fixkostenanteil, der auf das Netz entfällt, macht dann den Löwenanteil der Gesamtkosten aus und kann auch nicht aus dem generierten Umsatz gegenfinanziert werden. Gasspeicher müssen, für den Fall, dass die alten Gasheizungen in Betrieb genommen werden, mehr als nötig erhalten und gefüllt werden. Totes Kapital.
Um das Ganze direkt für Ölheizungen weiter zu spinnen: Raffinerien müssen Kapazitäten zur Heizölproduktion und Lagerung vorhalten, für den Fall, dass Backup-Ölheizungen wieder in Betrieb gehen. Das wird auf den Preis durchschlagen. Das benötigte Heizöl in eigenen Tanks zu lagern, die wegen des Backup-Gedankens nicht mehr überprüft und gewartet werden, haben das Potenzial für lokal massive Umweltschäden. Was passiert mit den 3000l Ölvorrat, wenn die Backup-Heizung irreparabel den Geist aufgibt? Behauptet jemand, er würde dann den Tank abpumpen und entsorgen lassen? Oder darf sich der zukünftige Eigentümer (vielleicht sogar das eigene Kind) mit dem Problem befassen?
Sich hinter dem Begriff "Technologieoffenheit" zu verstecken, funktioniert auch nur, weil er falsch verstanden wird. Technologieoffen heißt nicht, jeder kann sich aus einem Pool von Technologien das aussuchen, was ihm am besten gefällt. Technologieoffen bedeutet, dass es eine favorisierte Technologie gibt, die es einzusetzen gilt, wo immer es möglich ist. Daneben gibt es andere Technologien, die den gleichen Zweck erfüllen können, aber nur dann eingesetzt werden sollten, wenn die äußeren Rahmenbedingungen den Einsatz der favorisierten Technologie nicht möglich machen. Jeder kann sich, weil wir in einem freien Land leben, gegen die favorisierte Technologie entscheiden. Das ist dann wie Zocken an der Börse. Vielleicht kann man kurzfristig einen Gewinn einfahren, vielleicht verzockt man sich aber auch und zahlt drauf. Langfristig hat man allerdings immer aufs falsche Pferd gesetzt. Man erlebt es vielleicht nur nicht mehr.
Ich kenne Leute, die sich während der Übergangsphase des Glühbirnenverbots noch bevorratet haben, weil die Alternativen zu teuer waren, ein "unschönes" Licht produzieren und sich sowieso nicht durchsetzen werden. Diese "Investition" in altbekannte und etablierte Technologie ist im Laufe der Jahre ungenutzt im Mülleimer gelandet. Verglichen mit einer Heizungsanlage wertmäßig eine zu vernachlässigende Größe. Es zeigt aber gut, dass es keine rationale Entscheidung ist, sich einem disruptiven Wandel zu verweigern. "Veränderung ist schlecht" ist eine tief verwurzelte "deutsche Tugend".