Zählerschrank umbauen – welche Qualifikation mindestens nötig?

Hallo zusammen,

ich habe eine ernstgemeinte Frage – ohne Polemik und mit großem Respekt gegenüber dem Beruf des Elektrikers:

:backhand_index_pointing_right: Was muss man als Privatperson mindestens vorweisen (z. B. Ausbildung, Schulung, Eintragung), um bei sich zu Hause rechtskonform Änderungen im Zählerschrank vornehmen zu dürfen?

Ich meine damit z. B.:

  • Umverdrahtung von Stromkreisen
  • Einbau von Umschaltern (Solar ↔ Netz) für Inselanlage

:electric_plug: Hintergrund (aktuelle Anlage & Planung):

Ich habe derzeit zwei Easun Hybridwechselrichter mit zusammen 11,2 kW, die mit einem 60 kWh LiFePO₄-Speicher verbunden sind. Die Anlage läuft aktuell noch im Inselbetrieb, zusätzlich betreibe ich eine Null-Einspeisung über "Balkonkraftwerke" mit Soyosource-Geräten, was bisher ganz gut funktioniert.

:chart_increasing: Geplant sind nun Änderungen im Zählerschrank, um einzelne Stromkreise bei Bedarf automatisch zwischen Insel und Netz umzuschalten – abhängig vom Ladezustand der Batterie oder je nach Verbrauchsprofil. Das soll gezielt und programmatisch geschehen.


:balance_scale: Mein Dilemma:

Ich möchte mich in diesem Bereich korrekt verhalten und weiß gleichzeitig, wie komplex die Themen rund um Strom, PV, Speicher und Netztrennung sind.

Manchmal ist es einfach so:
Wenn man sich als technisch versierter Mensch tage/jahre-lang in Normen einliest, Videos schaut, Foren studiert, Datenblätter vergleicht und Schaltbilder analysiert, hat man in manchen Teilbereichen (z. B. PV, Inselnetz, Smart Home) irgendwann das Gefühl, genauer im Thema zu sein als viele der „Allround“-Elektriker, mit denen man sprechen konnte.

Und dennoch ist klar: Für bestimmte Arbeiten – insbesondere im Bereich des Zählerschranks – gelten rechtliche und sicherheitsrelevante Vorgaben, und diese möchte ich einhalten bzw. korrekt umsetzen.


:shield: Was mich besonders beschäftigt:

Ich habe großen Respekt vor elektrischer Sicherheit – vor allem aber auch Sorge in Bezug auf die Versicherungsseite:

:right_arrow: Wenn bei mir zu Hause etwas passiert – selbst wenn es nicht durch mich verschuldet ist – habe ich Angst, dass Gebäudeversicherungen oder Hausratsversicherer gezielt nach formalen Fehlern suchen, um im Schadensfall nicht zahlen zu müssen, z. B. weil Arbeiten im Zählerschrank nicht offiziell dokumentiert oder abgenommen wurden.


:red_question_mark:Meine Frage also:

  • Welche Qualifikation oder Zertifizierung bräuchte man, um solche Arbeiten rechtlich selbst durchführen zu dürfen?
  • Gibt es z. B. Kurse, Seminare, IHK-Schulungen, durch die man offiziell bestimmte Arbeiten selbst machen darf?

Danke vorab für jeden, der fundierte Infos oder Erfahrungen teilen kann – auch gern per PN, falls es zu sensibel ist.

Viele Grüße

Wenn du das wirklich offiziell machen willst, gibt es keine Kurse, mit denen du dir die Qualifikation dafür holen kannst.

Was es gibt: Die Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten, die aber nur einfache Arbeiten erledigen darf, also z.B. eine Leuchte anschließen. Macht z.B. ein Tischler zusätzlich, damit er auch etwas Elektrik anschließen darf.

Wenn du aber im Zählerschrank oder Verteilerkasten was machen willst, benötigst du eine komplette Berufsausbildung und selbst damit darfst du noch nicht alles. Hinter dem Zähler darfst du dann aber in der Regel arbeiten.

So rein praktisch: Es gibt so vieles, was man falsch machen kann und was dann kritische Konsequenzen haben kann. Und es braucht Wissen, um dass alles auch richtig einschätzen zu können. Gerade der praktische Teil ist sehr wichtig und den kannst du dir ohne fundierte Ausbildung nur schwer selbst beibringen. Theoretisches Wissen ist da einfacher zu erlernen, wobei du auch da viele Fehlannahmen erlernen kannst, wenn du niemanden hast, der dein Wissen regelmäßig überprüft.

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Wie @win schon sagt, hinter dem Zähler darfst du alles machen, aber.....du musst es richtig machen. Es muss den Vorschriften entsprechen, sowohl das Ergebnis als auch die Durchführung. Das dient deiner Sicherheit, wie auch der Sicherheit deiner Bewohner, sowie der Sicherheit der Geräte und des Hauses (Brandschutz --> Versicherung)
Wenn du also das Wissen hast, und du es dir zutraust und es dein Haus ist in dem du lebst, sollte nichts dagegen sprechen

Das glaubt ihr leider auch nur. Du darfst zwar hinter dem Zähler machen was du willst, der Netzbetreiber kann dir das aber dennoch vorschreiben was da hingehört weil es "sein Netz" ist. Und entweder du lässt das so machen, oder du darfst nicht ans Netz. Und da dran darf dann nur ein Zertifizierter. Ende Gelände, selbst mit Ausbildung.

Was ich machen würde wenn ich das so alles wüsste: Einfach nen Schrank neben dem Alten aufbauen, alles mehr oder minder anschließen sodass nur der Elektriker zur Prüfung und Abnahme kommen muss. Der klemmt dann nur das Hauptkabel um und nimmt diese neue Anlage in Betrieb. Kostet dann aber wahrscheinlich genausoviel wie das von ihm machen zu lassen, nur dass er sich die Arbeit spart und man sich 20-50% Materialkosten spart.

Ich sehe hier einen Punkt der fehlt. Es reicht nicht ausschließlich die fachlichliche Qualifikation. Der Netzbetreiber legt fest wer an "seinem" Netz Elektroarbeiten durchführen darf. Das ist auch nicht der übliche Elektrikergeselle. Sondern der eigentlich verantwortlich durchführende ist derjenige der dafür beim Netzbetreiber eingetragen ist oder sich die Erlaubnis geholt hat zB wenn man bei einem anderen Netzbetreiber dafür registriert ist. Das ist üblicherweise ein Meister oder mit Fachnachweis ein Altgeselle oder Techniker, Ingenieur mit Fachnachweis (Zusatzprüfung).

Es gibt natürlich andere Nichenwege aber üblicherweise muß man dazu einen Elektrofachbetrieb führen (zB Meister) und damit entsprechende Versicherungen, Austattungen und Mitglied/Zugriff auf diverse Normungen sein/nachweisen.

Als Privatperson selbst mit entsprechender Fachqualifikation ist das mindestens ein großer Graubereich und es wird riesige Probleme geben, wenn hier Versicherungen und Sachverständige mal bzgl. eines Schadens aktiv werden müssen.

Kurzum, schau es Dir genau bei Deinem Netzbetreiber an was er fordert. Schaue dann was für Dich Möglichkeiten sind. Es gibt durchaus Elektriker (Meisterfachbetrieb mit Eintragung) die anbieten Teilarbeiten auch in Eigenleistung zu erledigen. Aber die Verantwortung/Unterschrift dafür haben sie dann zu leisten. Kann man sich ja mal ehrlich fragen wer da in Haftungsfragen wirklich Bock drauf hätte. Da darf man schon mit "Schmerzensgeldzahlungen" an den Elektriker rechnen damit er das tut.

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Ich würde das nur in Absprache mit dem Elektriker machen. Meine zwei sind sehr offen (einer wurde mir von einem anderen weitervermittelt, weil er selber keine PV Sachen macht), was Mitarbeit angeht und speziellere Komponenten hab ich auch selber besorgt. Ich sehe das einfach so, daß der Verteilerschrank deren Hoheitsgebiet ist. Bei einem kleineren Problem mit der alten Verteilung hat er gemeint, "Jens, das kannst Du auch selber machen", aber wir haben drüber gesprochen. So ein 1-0-2 Umschalter ist ja schon ne größere Sache, da würde ich es verstehen, wenn er Dir nen Vogel zeigt, wenn Du ihn das nächste Mal brauchst und er sieht, daß Du das selber gemacht hast oder jemand anders ohne ihn vorher gefragt zu haben.

Bis zum Übergabepunkt, üblicherweise der Zähler. Danach liegt alles in der Verantwortung des Anlagenbetreibers. Kein Netzbetreiber fordert einen eingetragenen Elektriker für den Einbau einer Steckdose.

Das, was man landläufig als "Elektriker" bezeichnet. Die Qualifikation erwirbt man durch eine Ausbildung (oder ein Studium...). Wenn du nicht weißt, ob du die hast, hast du die nicht.

Die Antwort in deinem Fall ist doch einfach: Lass einfach die Finger von allem, was mit Strom zu tun hat, und lass das von einem Elektriker ausführen. Der macht das zwar auch nicht unbedingt richtig und fehlerfrei, aber du hast den Nachweis auf Papier, das du nicht schuld bist. Mehr braucht es für die Versicherung nicht. Den Auftrag daher gut aufheben, am besten im feuerfesten Safe.

Oliver

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Genau und der scheppert voll gegen die Pumpe, wenn dort eine Privatperson ohne entsprechende Haftung einer Versicherung solche Arbeiten ausführt. Das ganz speziell wenn es zum Schaden kommt.

Zu diesem Verständnis die Formulierung der Energienetze Mittelrhein:
"Die Arbeiten dürfen außer durch den Netzbetreiber nur durch einen in ein Installate urverzeichnis eines
Netzbetreibers eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden. Dies gilt nicht für
Instandhaltungsarbeiten nach der Zähleinrichtung."

Und das es sich nicht um reine Instandhaltungsarbeiten sondern Umbauten handelt, das sollte doch offensichtlich sein.

Die einzige Voraussetzung für Arbeiten an Elektroanlagen ist die passende Qualifikation, sonst nix. Eine Versicherungspflicht gibt es da nicht. Alles weitere liegt in der Verantwortung des mündigen Bürgers. Das Konzept des mündigen Bürgers ist zwar für manche etwas verwirrend, ist aber zum Glück relativ alternativlos.

Nun ja, ich bin davon ausgegangen, daß jeder die Transferleistung hinbekommt, daß für bestimmte anmeldepflichtige Geräte und Anlagen, die in entsprechenden Verordnungen oder der TAB explizit genannt sind, die da explizit genannten Regeln gelten. Aber gut, daß du das extra noch einmal deutlich gemacht hast.

Oliver

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Bin da bei Dir. Etwas verwirrend dann meine bearbeitete Version mit dem Zitat eines Netzbetreibers.

Zusammenfasend darf man vielleicht vieles selbst entscheiden, sollte aber klar im Fokus haben welche Risiken er mit welcher Entscheidungrichtung einschlägt.

Recht unbekümmert am Zählerschrank eigenständig Veränderungen durchzuführen ist dabei eher eine Arbeit die mehr Risiko erwarten lässt.

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Da bin ich voll bei dir.
Man sollte sehr genau wissen, was man da tut. Tut man das nicht, dann macht man das nicht.

Oliver

Wie wär's einfach so:
Du machst Deine Verteilung parallel zu der bisherigen wie oben schon gesagt - baust das selbst auf - und holst Dir dann einen Elektriker-Meister, der das abnimmt (Messprotokoll, Fehler-Suche, Abnahmeprotokoll). Das kostet pro h ca. 100 EUR - sollten in ein paar Stunden durch sein. Wenn wesentliche Änderung meldet er das entsprechend der TAB noch an den NB und gut ist.
Aus meiner Sicht bist Du dann rechtlich sicher - hast ja eine Abnahme mit Unterschrift vom Meister. In der Praxis läuft sowas ja ähnlich - nur dass das dann ein Lehrling oder Geselle macht statt Dir - und der "darf" das auch nicht machen sondern muss seinen Meister drüberschauen lassen.
Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass Du alles "sauber" machst (Aderendhülsen, richtige Querschnitte, richtige Längen in den Klemmblöcken, keine blanken stellen sichtbar (Stichwort "Fingersicher"), Richtige Nullung - das kannst ja alles auch im Vorfeld mit dem Meister besprechen. Wenn Du einen "guten" hast, bei dem einen "guten" Eindruck hinterlässt, dann klappt das schon.
Wenn die Anlage in Betrieb ist, würde ich unter ordentlich Last zudem dann auch noch ein paar IR-Aufnahmen machen - da sieht man oft ganz gut, wenn irgendwo eine warme Stelle auf Grund fehlendem / unzureichendem Kontakt (Übergangswiderstand) ist.
Hatte schon Anlagen gesehen, wo die Klemmen nicht richtig zugezogen waren oder das Kabel viel zu Kurz im Klemmblock war.

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Mein Reden, WENN es solche Meister gäbe. Zuerst macht man sich selber so schlau wie möglich, zeichnet das grob auf was gemeint ist, bezahlt ihm eine "Beraterstunde" von 150€ und dann nimmt er das nachher abfür pffffft. Er muss drüber gucken, muss er was explizit ändern legt man nen 50er drauf. Anders sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels.

Wie geschrieben: Muss man erstmal finden so jemanden. Und wäre natürlich einfacher, sowas in nem Forum oder so erstmal selber grob vorzuschlagen (in einem Forum sind die Leute FREIWILLIG und keiner MUSS helfen) und zu fragen ob man jemand drübergucken kann. Dann evtl. für seinen Netzbetreiber Infos raussuchen die man eben ausführen MUSS und kein Std. sind. Tja und DANN vorlegen. Dann kommt man eben auch mit einer Gesprächsstunde aus vorher.

Soll der Autor halt mal seine Region einstellen - evtl. meldet sich ja einer hier im Forum (per PN?) - würde mir da (sprech da aus Erfahrung) im Vorfeld einen suchen.
Auch aus Erfahrung: Ältere Meister sind da oft "flexibler" :wink:

Die Qualifikation die man benötigt ist Gehirn und eine DIN lesen zu können.
Wenn man keine Ahnung hat und nicht weiß was man tut. FINGER WEG!!!!

Ein Bsp. Ich habe nicht KFZ Mechatroniker gelernt aber in einem Studium gelernt wie man sich Wissen vermittelt.
Meine Frau hatte Ihr Auto 3x in der Fachwerkstatt. Nach sporadischen Fehlern in der Motorelektronik. Da haben an 2 Terminen im Abstand von 2 Wochen 3 gelernte Gesellen und 2 Meister eine Fehler gesucht. Gefunden hat ihn keiner.
Nach Frust habe ich mich der Dinge angenommen. 2 Foren gelesen Oszilloskop genutzt und nach 4 Stunden den Fehler lokalisiert und behoben.
Wir haben als weiteres Beispiel eine 16 Ampere Steckdose am Haus meiner Frau setzen lassen da Wasserschaden und die Versicherung dies übernimmt zum Trocknen.
Steckdosen nicht fest in sandiger Wand. Kabel quer durch den Verteilerschrank gelegt. Das machte ein Geselle der seit 15 Jahren in dem Betrieb arbeitet und jetzt.

Erfahrung fragt den Meisterbetrieb! Der sieht schnell ob Pfuscher am Werk sind.
Sagt dann ganz schnell das könnt Ihr machen das möchte ich machen und zahlt ihn ordentlich dafür für die Erfahrung und die Kooperation.

ANSONSTEN FINGER WEG WER wenig Ahnung hat.

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Meine Facharbeiterprüfung legte ich 1974 ab. Diverse Schulungen und Qualifikationen schlossen sich an, wie z.B. Schaltberechtigung bis 110KV. Arbeitete auch einige Jahre in einem Kraftwerk und mußte da Schaltungen an Hochspannungsanlagen durchführen. Darf ab Hausanschlußkasten allles installieren. Hab im Laufe meines Lebens diverse tödliche Stromunfälle sehen müssen. Die meisten fanden im Haushalt statt. Auch in meinem Alter habe ich immer noch Respekt vor Strom.
Helfe eigentlich nur noch bei Freunden, Kleininstallatiinen und Notfällen aus. Letztes WE eine Klimaanlage bei einem Freund installiert.
Kann dir nur raten, daß von einer Firma machen zu lassen. Da bist du auf der sicheren Seite und versichert. Privatleute halten sich da meistens raus, ich eingeschlossen. Bei Freunden ist das natürlich was anderes.

Das hat sich in dem Moment, an dem die Fachfirma insolvent ist oder geschlossen hat. Dann verlierst du die Ansprüche und der macht in 1 Jahr eine neue Klitsche auf. Haften tut man dann selber für das, was man hat.

Erzähl doch mal, zumindest die technischen Ursachen. So rein interessehalber.

Oliver

Gewährleistungen fließen in das Insolvenzverfahren ein.

Also HOFFEN. Kann man machen.