Zählerschrank umbauen – welche Qualifikation mindestens nötig?

Ist schon etwas länger her. 1992 wurde ein neues Werk von Heidelberger Druckmaschinen gebaut. Diese Hallen sind ja voll automatisiert. Jeder Arbeitsplatz hat eine Notstromversorgung. Bei Sonne fahren die Markisen automatisch runter, bei Wind automatisch hoch. Die zentrale Stromversorgung befand sich ganz oben im Gebäude. Eines morgens rannten einige Leute aufgeregt durch die Halle. Ich fragte was los sei. "Ein Kollege von euch hängt in der Leitung, einer mit Vollbart." Aus unserem Team aus der Stadt hatte niemand einen Bart, aber von der Heidelberger Crew, die ja auch mit vor Ort war, da gab es einen Barträger. Mit dem hatte ich vor ca einer halben Stunde noch gesprochen. Als man ihn fand, hing er schon länger als 5 Minuten in der Stromleitung. Jede Hilfe kam zu spät. Er hatte einen Hauptschalter ausgeschalten und als alter Hase natürlich mit dem Stromprüfer danach kontrolliert, aber scheinbar nur 2 anstatt 3 Phasen. Der Hauptschalter hatte einen defekt und schaltete nur 2 polig ab. Das ergab die Untersuchung danach. Wir haben an dem Tag die Arbeit niedergelegt und sind alle nach Hause gegangen. Am nächsten Tag erschien seine Frau und seine Kinder in schwarz auf der Baustelle.

Bei Unfällen in Hochspannungsanlagen durch nicht vorschriftsmäßige Bedienungen, kommt es dann zu Lichtbögen, Leitungstrenner unter Last getrennt z.B. Da bleibt von einem Menschen nicht viel übrig, sieht oftmals nur noch wie ein Putzlappen aus.
Strom sieht man nicht und das ist das Gefährliche daran.

War also kein Privathaushalt, auch wenn die Fehlerursache da auch hätte passieren können.

Oliver

  1. Sicherheitsregel: Erden und kurzschließen

Da hätte es ja dann auch einen Kurzschluß gegeben. Prüfen ist bei Strom das A und O. Bei Brückenkränen habe ich nur mit Kurzschlußbrücken gearbeitet.

In Haushalten waren es meistens Isolationsschäden. FI Schalter verhindern ja heutzutage größere Verletzungen, vorrausgestzt, sie wurden fachgerecht installiert.

Das ist traurig aber bei sogenannten Doppelfehlern wird es immer kritisch

  1. Schalter defekt
  2. Nicht geprüft

Selbst die Maßnahme "kurzschließen" wäre wahrscheinlich lebensgefährlich gewesen.

Nee, kritisch wirds, wenn die grundlegenden Sicherheitsregeln nicht befolgt werden. Und auch wenn der Fall tragisch ist, gibt's dazu wenig anderes zu sagen.

Oliver

Als Elektriker oberfläch zu arbeiten oder unkonzentriert zu sein, kann immer tödlich enden. Gas hat man einen Geruch beigemischt, um es wahrnehmen zu können. Bei Strom gibt es da leider noch keine Lösung.

Gehört zum Menschsein, nicht in jeder Sekunde 100% konzentriert und achtsam zu sein. Und manchmal schleicht sich auch Schlamperei ein, ging ja oft genug gut. Auch menschlich nachvollziehbar, blöd nur, wenn irgendwann die harte Konsequenz folgt.