Vielen Dank für die Erfahrungswerte zum "open-loop Betrieb" der SOC-Schätzung.
Mein Fazit:
Das REC scheint ja insbesondere im Hinblick auf den realitiv kleinen 100 mOhm Shunt ziemlich anständige Ergebnisse zu liefern.
Weiß jemand, ob das REC rein übers Coulomb-Counting arbeitet oder auch über die Spannung nachkorrigiert?
Der Victron Shunt scheint mir nach euren Erfahrungen mindestens brauchbar zu sein.
Daly, Seplos und JK sind durch ihre große Totzone prinzipiell nicht wirklich für den "open-loop Betrieb" geeignet.
Mein Interesse an solchen Erfahrungswerten kommt daher, dass ich seit ~ 15 Monaten ein selbst entwickeltes BMS betreibe, bei dem eines der Ziele eine möglichst genaue SOC Schätzung im "open-loop Betrieb" war.
Inzwischen betreibe ich das BMS an vier 16s 280 Ah Packs verteilt auf 2 Anlagen und habe somit relativ belastbare Erfahrungswerte zur Genauigkeit.
Zunächst aber noch einige Infos zum besseren Verständnis:
Mein Stromshunt ist auch eine Art Eigenentwicklung:
Ich nutze 5 parallele 3W 0.002Ω ±50ppm/℃ ±1% SMD shunts, also 400 µOhm.
Das ganze wird bei mir kopfüber direkt auf den Zellpol verschraubt und die Auswertelektronik sitzt auf einer weiteren Platine direkt darüber.
Ein signifikanter Unterschied zu euren Anlagen dürfte allerdings sein, dass die Packs hier nur selten Ströme über +-20A sehen.
Dementsprechend erfahren die Zellen und die Elektronik hier über den Tag praktisch keinen nennenswerten Temperaturzyklus.
Über das Jahr habe ich zwar einen Temperaturzyklus von ~ 18° - 28°.
Dieser hat über den Temperaturkoeffizieten der Shunts und der Strommessverstärkung aber praktisch keinen Einfluß aufs Couloumb-Counting, da der Fehler sich praktisch identisch auf Laden und Entladen auswirkt und dadurch also im wesentlichen nur die Genauigkeit der insgesamt geladen/entladenen Ladungsmenge leicht beeinflußt wird.
Der dominierende Restfehler hier dürfte also der Temperaturkoeffizient ( und möglicherweise auch Alterungskoeffizient ) der Offset-Spannung des Strommessverstärkers sein.
Die Auswertelektronik wird hier im Moment aber nur für wenige Stunden im Jahr warm ( bis ~ 80° ) wenn das Balancing aktiv ist.
Die Strommessverstärkung und das Coulomb-Counting übernimmt bei mir ein BMS IC von TI
Die Auflösung der Strommessung ist so fein, dass selbst die 2.5 mA Eigenstromaufnahme des BMS im Coloulomb-Counting sichtbar wird.
Nun zu den bisherigen Ergebnissen:
Nov 2022 bis Feb 2023 habe ich mit zwei Packs den ersten Langzeit "open-loop Test" durchgeführt.
Nach ~ 3 Monaten und jeweils gut 2000 Ah waren knappe bzw. gute 2 Ah mehr notwendig um SOC100 zu erreichen, als das Coulomb Counting geschätzt hat.
Der zweite Test lief von Feb 2023 bis August 2023 an den selben Packs aber mit anderer Auswertelektronik ( neue HW Revision mit Bluetooth ... ).
Nach ~ 6,5 Monaten und ~ 2200 bzw. 2800 Ah waren jeweils ~ 2.5 Ah mehr notwendig als das Coulomb Counting geschätzt hat.
Die nächste Auswertung steht in ein paar Wochen an. Zwei der vier Packs liefen dann 12 Monate open loop.
Mir ist bewußt, dass die Rahmenbedingungen für diese Tests nicht representativ für das Nutzungsverhalten von vielen hier sein dürfte.
Dass die Batteriekapazität hier gemessen an der aktuellen Nutzung obszön groß ist, ist mir ebenso bewußt.
Dennoch hoffe ich, dass meine Erfahrungen aufzeigen, welche Genauigkeit unter nahezu idealen Bedingungen möglich ist, wenn man dies bei der Auslegung des BMS berücksichtigt.


