Nach meinem Kenntnisstand nutzen viele BMS sogar eher bewußt eine lange Totzeit für die Überstromabschaltung, weil oft keine vernünftige Precharge-Funktion vorhanden ist und man verhindern möchte, dass beim unkontrollierten Precharge großer Elkos sofort die Abschaltung greift.
Fatal ist das aber, wenn ein richtig harter Kurzschluss ( z.B. Kurzschluss der MOSFET am Batterieport im WR ) vorliegt. Dann steigt der Strom nämlich mit ~ 25 A/µs an, so dass man nach 40 µs bereits die 1000A reißt.
Das ist schon deshalb sehr schwierig, weil das JK nur im Minuspfad sitzt, während mein BMS sowohl im Minuspfad ( Strommessung ) als auch im Pluspfad ( MOSFET-Schalter ).
Dass die Ansteuerung eines zusätzlichen fernauslösbarer Leitungsschutzschalter (LSS/MCB) in der neusten Version eine neue Standardfunktion ist hat weniger technische Gründe ( im Zweifelsfall würde ich mich bei einer Kurzschlussabschaltung auf den MOSFET-Schalter verlassen und der hat typischweise auch bereits abgeschaltet bevor ein magnetische Abschalter überhaupt merkt, dass es ein Problem gibt ) sondern rechtliche: Für einen Batteriepack benötigt man faktisch die IEC61629. Diese fordert bzgl. des BMS die Erfüllung von “funktionaler Sicherheit”. Insbesondere darf es bei einem einfachen Fehler ( MOSFET-Defekt ) nicht zu einem fatalen Ausfall des Gesamtsystems kommen bzw. man muss nachweisen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür akzeptabel gering ist. Ein solcher Nachweis für einen MOSFET-Schalter ist sehr auswändig. Mit der Redundanz von MOSFET-Schalter und elektromechanischem Schalter macht man sich das Leben da viel einfacher und hat natürlich auch ganz objektiv eine höhere Zuverlässigkeit und zudem noch einen bequemen manuellen Schalter.
Bei Strömen < 100 A ist das im Zweifelfall ein DC-LSS im “Hutschienenformat” mit einem solchen Fernauslöser:
Wenn es dafür eine entsprechende Nachfrage gäbe, würde ich das bei nächster Gelegenheit ergänzen.
Ich denke allerdings, dass mehr als die aktuellen 4 Sensoren nur einen marginalen Zusatznutzen bringen würden. Wenn eine Zelle soviel elektrische Energie in Wärme umsetzt, dass ein TR droht, sieht man das auch in der Zellspannung, selbst bei der flachen Spannunsgkurve von LFP.
