Wir haben im Zuge unserer Kernsanierung 2015/16 alle alten Typ21 Heizkörper rausgeschmissen und ich hab die neuen Heizkörper (Typ33) um das 1,4 - 1,6fache im Bezug zur nötigen Heizlast der Einzelräume überdimensioniert. Angenommen habe ich dafür den Auslegungsfall nach NAT (-11°C bei uns) und damals einer 10er Spreizung (55/45°C).
Unsere Brennwerttherme ist eine Buderus GB162 mit 15kW - eigentlich viel zu groß für die 116m², sie muss aber noch ein Nachbargebäude das der Vorbesitzer bewohnbar ausgebaut hat mit beheizen. Sie kann von 20- bis 100% Modulieren d.h. in etlichen Zeiten benötigen wir weit weniger als die 3kW was zwangsläufig zum Takten führt.
Dem Takten bin ich aber sehr gut beigekommen indem ich mir aus den Niederlanden ein MQTT Gateway besorgt hab und damit kann ich alle, einfach alle und jeden erdenklichen Parameter des Brenners bzw. der Brennersteuerung beeinflussen.
Erste Maßnahme war die Totzeit (Zwangs AUS nach einem Takt) von 10min auf 45min zu erhöhen. Vorher taktete sie eben 6x die Stunde. Und, eine Brennwerttherme mit Alu-Wärmetauscher startet immer erst mit ca. 1/2 - 3/4 der Nennleistung um die Tauscherrohre in der Brennkammer kondensatfrei zu bekommen. D.h. in der Übergangszeit wird die Vorlauftemperatur mit jedem Takt massiv überschwingen da IMMER mit 7 - 11kW eingeschaltet wird. Jeder Überschwinger ist Verlust.
Zweite Maßnahme war die erlaubte Übertemperatur der Ist-Vorlauftemp von +5 auf +2K zu senken. Andernfalls kann es passieren, das 3kW zwar eigentlich zu viel sind, die Ist- Vorlauftemperatur aber bis zu 4,999K höher ist als die Sollvorlauftemp und dann die Räume entweder überheizt werden oder die Thermostate beginnen (ohne Fremdeinfluss/Störeinfluss) zu schließen (Prinzip Vollgas und Geschw. mit angezogener Handbremse einstellen) und die Raumverluste steigen was dann durch die Hintertür eine höhere Heizlast benötigt. Bisschen kompliziert zu erklären.
Erste Maßnahme auf der Hardwareseite: Hydraulischer Abgleich nach Einzelraumheizlast. Jeder Heizkörper bekommt nur soviel Massenstrom wie er benötigt. Nicht mehr und nicht weniger. Das Thermostat regelt dann nur noch Störgrößen aus die den Raum zusätzlich erwärmen (Personen, Beleuchtung, Elektrogeräte, Sonneneinstrahlung usw.).
Dritte Maßnahme war das anpassen der Heirzkurve. Die Anlage ist Außentemperaturgeführt. Innensensorgeführt macht bei uns keinen Sinn, da wenn der Kamin läuft und dadurch die Temperatur im Raum wo der Innensensor sitzt (Küche/Esszimmer 28m²) ansteigt, geht die natürlich Heizung irgendwann aus. Schlecht für Räume wie das 16,5m² Bad im OG, das wird dann kalt. Der Innensensor müsste eigentlich im sensibelsten Raum gesetzt werden.
Zweite Maßnahme auf der Hardwareseite war das Heizverhalten weg von ominöser Nachtabsenkung auf 24/7 konstant Heizen zu ändern. Verbrauchssenkung empirisch ermittelt und recht erfolgreich. Setzt aber dichte, also intakte Fenster voraus.
Eine energetische Sanierung gab es bis 2025 nicht. Alle Optimierungen kamen während der 60er Jahre Bau noch im Originalzustand war.
Damit sind wir von einem über 5 Jahre gemittelten Verbrauch von 23000kWh inkl. Warmwasser mittlerweile auf 19000kWh runter gekommen.
Seit der Heizperiode 2025 ist das Haus halbseitig energetisch saniert und kann und wurde halbseitig mit zwei Splitklimas bzw. drei IGs beheizt solange es die PV noch hergab und überhaupt Heizbedarf vorhanden war.
Verbrauch im Kalenderjahr 2025 ging auf 14500kWh runter, in diesem Jahr wird die zweite Haushälfte energetisch saniert.
Die Fenster sind immer noch ältere Holzfenster von 1991 also vermutlich mit dem schlechten U-Wert von 2,7. Wann die erneuert werden weiß ich noch nicht da selbst in DIY die Amortisationszeit irgendwas mit 60 Jahren betragen würde. Erst recht, wenn wir den PV Ausbau noch weiter in Richtung Maximalausbau treiben werden. Mein Hobyy ist da eher mehr PV bauen statt mit Fenstertausch Dreck zu verursachen 
Lange Rede kurzer Sinn: Wir fuhren in der letzten Woche bei ziemlich konstant -5°C Außentemperatur mit 41°C Vorlauf und es ergab sich eine Spreizung von 13K bei Wohnraumtemperaturen von 21,5°C und BadezimmerOG 20,5°C.
Die mittleren Heizkörpertemperaturen hab ich bisher noch nicht gemessen. Könnte ich mit der IR Kamera aber mal nachholen wenn Bedarf besteht.
PS: Die Heizkurve heißt unter Umständen nicht so in der Heizungssteuerung. Bei unserer Buderus wird sie auch nicht explizit so genannt. Dort verschiebst du die Punkte “Auslegung”, “max. Vorlauftemp.”, “minimalste Außentemp” usw. und eine Seite weiter wird dann graphisch die Heizkurve dargestellt. Aktuell bin ich mir nicht ganz sicher, kann grad nicht nachgucken, aber ich meine Auslegung steht bei uns derzeit auf 42°C minimalste Außentemp auf –11°C und max. Vorlauftemp auf 45°C. Unsere Heizkurve ist recht flach, wenn nicht sogar sehr flach. Das verhindert Überschwinger und erzeugt Gleichmäßigkeit macht das System aber ziemlich träge was bei 24/7 Betrieb aber nicht stört.
PPS: Die Heizungspumpe ist bei uns auf kleinster Stufe und auf deltaP konstant. D.h. schließen sich Thermostate moduliert die Pumpe runter. Öffnen sich Thermostate moduliert die Pumpe entsprechend hoch. Damit wird sichergestellt das die Volumenströme nach dem hydraulischen Abgleich immer passen.
edit: wir lagen im langjährigen Mittel bei 23.000kWh also rund 19% Ersparnis