Moin,
ich habe mir im Herbst 2023 einen BPV zugelegt (DEYE 600Watt) und ordnungsgemäß angemeldet. Aufgrund von verschiedenen Vorbereitungsarbeiten fand sie dann erst im Sommer 2024 ihren Platz auf der Pergola in direkter Südausrichtung (30° Winkel). Ich habe jetzt also Werte für gut 1 1/2 Jahre gesammelt und bin ziemlich begeistert - und gleichzeitig entgeistert.
Mein Deye hat gut 2/3 des Jahres die Ernte bei 600W abgeregelt - und letztes Jahr war der Sommer eher mau. Es sind zwei Panels verbaut mit je 550W Peak! Ja, nennt mich sonnenhungrig - aber da ist doch viel mehr drin. Schon seit letztem Jahr denke ich darüber nach die Anlage zu erweitern und schaue regelmäßig YT-Kanäle wie den Akku-Doktor.
Das bisherige Ergebnis meiner Planungsarbeit war ernüchternd: der lange Arm der Energieriesen macht seinen Einfluß auf die Politik massiv geltend und schmeißt der Dezentralisierung und Demokratisierung der Energieerzeugung jeden möglichen Knüppel zwischen die Beine dessen er habhaft werden kann. Wasauchimmer mir vorschwebt: das Gesetz spricht dagegen. Ich könnte
und
vor Wut!
(P.S.: eine Dachanlage kommt aktuell nicht in Frage!)
Deshalb habe ich mich entschlossen die Anlage zu einer Inselanlage umzubauen. Da pfuscht mir kein EEG rein und dank eines befreundeten Elektrikers wird das ganze gemäß der guten handwerklichen Praxis umgesetzt!
Mit der Inselanlage will ich selektiv einige "systemrelevante" Verbraucher autonom betreiben (2 Kühl-/Gefriergeräte zur Bevorratung, Thermosolar, Kommunikation etc.). Sprich: anstatt den geernteten Strom mit der Gießkanne im Hausnetz zu verteilen werden einzelne Geräte komplett autonom betrieben. Zusätzlich werden ich an verschiedenen Stellen im Haus spezielle PV-Steckdosen anbringen, die Zugriff auf das PV-Netz ermöglichen (für kurzzeitige Einzelverbraucher wenn genügend Sonne im Tank ist - Staubsauger, Föhn, Tassimo, Fahrradakku laden).
Ich habe seit Weihnachten mehrere Tage und Nächte damit verbracht, zusammen mit der DeutschlandGPT eine Inselanlage zu entwickeln, die sehr einfach zu installieren ist - und hier ist das Ergebnis (einfache Lösungen sind manchmal kompliziert). Jeder der schonmal eine Steckdose eingebaut hat kann das. Man muss keine Sicherungen, Busbars oder ganze Schaltschränke installieren. Dadurch ist der Aufwand sehr gering und auch der Geldbeutel wird es danken.
Diese Anlage ist aktuell noch Theorie und ich würde mir wünschen, dass die Experten hier im Forum mal einen kritischen Blick darauf werfen. Vor allem die rechtlichen Fragen interessieren mich, aber dazu am Ende mehr. Hier erstmal eine grafische Darstellung wie es aussehen soll - ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte:
Erläuterung:
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Ich benötige aufgrund der Lage 4 MPPTs, deshalb werden die geplanten 4 Panels mit 4 Hoymiles HMS-500 abgenommen. Das hat viele Vorteile: Die Wechselrichter (WR) können über OpenDTU gesteuert werden und nachrangig arbeitet man mit Netzstrom. Man kann also das Inselnetz über ein gut dimensioniertes Kabel direkt zu den WR legen und dort einspeisen. Das vereinfacht natürlich den Kabelsalat ungemein:
PV-Kabel,
4 Netzkabel,
1 Netzkabel 2,5mm2 muss verlegt werden - mit 4 Steckdosen! -
Ein Victron Multiplus II GX baut den Inselstromkreis auf, lädt die Batterie bzw. holt von dort den Strom.
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Für die Steuerung der Hoymiles braucht es natürlich OpenDTU-onBattery mit VE.direkt zum Anschluss an den Victron
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Als Batterie schwebt mir eine EEL vor. Die 16kWh sind sicher extrem üppig dimensioniert, aber für das Geld bekommt man anderswo 5kWh! Ausserdem möchte ich nicht dass der große rote Drache meine Anlage checkt - die EEL hat so ein Schweinkram nicht. Dadurch schaffe ich mir eine üppige Notstromversorgung. Und vor allem ist das ein DIY-Kit! Ich bekomme die Komponenten in mehreren Paketen zugesandt und kann die Batterie im Keller zusammenbauen wo sie auch ihren Standort hat. Um das zu entscheiden muss ich aber mit den Hoymiles zunächst testen wieviel Ertrag die Panels wirklich bringen - 2000W zusammen wäre natürlich ein Träumchen …
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Heißes Diskussionsthema: kann ich die Batterie über den ACIN des Victron aufladen ohne die Gesetze zu übertreten? Der eine sagt so, der andere sagt so. Ich habe die Information bekommen, dass der ACIN wirklich nur ein IN ist und keinen Stromfluß in Richtung Grid zulässt. Was meint ihr dazu? Wenn das nicht erlaubt ist muss ich 6. nutzen, die Batterie abklemmen und mit einem separaten Ladegerät laden (das kann mir kein Gesetz verwehren) … oder den Stromkreis am Victron galvanisch trennen und ohne Stromkreis laden.
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Der Knüller kommt noch: Ich möchte eine Möglichkeit schaffen dass meine Verbraucher ins Hausnetz wechseln können - z.B. wenn wegen irgendwelcher Arbeiten das Inselnetz abgeschaltet wird oder es einfach zu wenig Strom in der Batterie gibt. Dazu folgende Idee: Ein automatischer Notstromschalter (ATS) wechselt einen Verbraucher bzw. in der Regel ein ganzes Stromnetz zwischen zwei Versorgern (A und B) hin und her. Zumeist das Hausnetz (A) und einen Notstromgenerator (B) - wobei in meinem Fall B=Inselnetz ist. Der Verbraucher wird mit demjenigen Netz verbunden das Strom führt - führen beide Netze Strom priorisiert er A. Die beiden Netze sind dabei vollkommen galvanisch getrennt. Das heißt, ich kann mit dem Schalter manuell zwischen den Netzen umstellen (ca. 4 Sekunden Nullstellung) - ich kann aber auch das Hausnetz z.B. mit einem Shelly direkt vor dem ATS smart abschalten. Dann bekommt er keinen Strom vom Hausnetz und schaltet automatisch auf das Inselnetz. Solch ein Notstromschalter kommt vor jeden Verbraucher! Im Grunde ist das dann wie automatisiertes umstecken von Steckdose A nach Steckdose B - die Netze bleiben getrennt, nur der Verbraucher wechselt den Versorger. Bis auf die Server und Router macht das keinem Gerät etwas aus - und die Kommunikation hat eine USV! Mit den smart geschalteten ATS, der Lademöglichkeit über den Victron und der WR-Steuerung über OpenDTU hat man viele Möglichkeiten das Inselnetz komfortabel und automatisiert zu regulieren (GX-Version des Victron mit Venus OS Large und NodeRed). Was meint ihr: könnte sich irgend ein böse meinender Mensch ein Argument aus den Fingern saugen dass das eine versteckte Netzkopplung ist? Ich finde keine Stelle, an der Strom vom Inselnetz ins Hausnetz fließt. Und der ACIN des Victron ändert daran nichts - die Insel bleibt eine Insel, selbst wenn eine Frischwasserleitung hinführt!
Noch ist es nur eine Idee: lobet und preiset mich, überhäuft mich mit fundierter Kritik oder verwerft die Idee - alles ist erwünscht solange es keine dummen Sprüche sind.

