Theorie vs Praxis in der Installation und der Reparatur von Klimaanlagen

Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren wie ihr zu Abweichungen zu Regeln der Technik steht.

Beispiele:

-Klimatechniker machen keine Dichtheitsprüfung mit Stickstoff sondern nur ein Vakuum bei Inbetriebnahme.

-Kältemittel nachfüllen anstatt absaugen und neu befüllen.

Warum die Frage? Oftmals verursacht der perfekte Weg höhere Kosten. Stehen diese noch in Relation zum Mehrwert?

Gerne auch praktische Erfahrungen aus eurem Alltag.

Bei mir gab es beispielsweise folgendes Thema:

Klimaanlage kühlt nicht mehr richtig, Kompressor schaltet ab.

Meine Vermutung: Kältemittelmangel.

Jedoch keine Leckage auffindbar.

Kältetechniker war unsicher wegen hoher Temperaturen des Kompressors und wollte wenn dann komplett das Kältemittel absaugen, wiegen, wieder auffüllen. Kosten natürlich mehrere Stunden und mehrere Hundert Euro für ein fünf Jahre altes Gerät.

Also was tun? Letzlich habe ich mit einem befreundeten Kältetechniker gesprochen und wir haben uns geeinigt erstmal einfach etwas Kältemittel nachzufüllen.

Ergebnis: Volltreffer, Anlage läuft wieder.

Da wir kein Werkzeug da hatten, haben wir das nachfüllen rein an der Ausblastemperatur vorgenommen und immer vorsichtig etwas nachgefüllt. Aktuell kühlt sie bei voller power auf 10-12 grad runter, stromaufnahme passt auch.

Lediglich beim Start der Anlage bildet sich noch etwas Eis auf der kleinen Leitung, welches aber schnell verschwindet. Eventuell fehlt also noch minimal Kältemittel. Für nächste Saison wird also eine Monteurhilfe bestellt und wie im Video von Ronnie gezeigt der Druck nochmal geprüft.

Parallel dazu haben wir einen Schnüffler bestellt, um zu schauen wo es vielleicht eine kleine Leckage gibt, die man mit lecksuchspray nicht finden konnte. Insgesamt hat die Anlage über fünf Jahre vermutlich 200 Gramm verloren, was ca. 40g pro Jahr wären.

Jetzt freue ich mich auf eure Erfahrungen.

Die Frage ist natürlich, wo ist das Kältemittel denn hin verschwunden?

Wo und wie wurde denn getestet? Neben den Bördeln gibt es noch einige weitere Stellen, wo eine Leckage auftreten kann.

Aber gut, vielleicht hast du Glück und es hält jetzt wieder ein paar Jahre. Drücke die Daumen.

Primär natürlich an allen Bördel und Anschlüssen geprüft. Da sie über die Jahre, langsam Kältemittel verloren hat, gehe ich halt stark von eine kleinen Leckage an den Bördeln aus. Ich habe irgendwo gelesen, lecksuchspray zeigt nur Leckagen über 150g/ Jahr an.

Daher nun nochmal den Schnüffler bestellt.

BigBlue zeigt Leckagen bis 20 Gramm pro Jahr an.

Mit Lupe und 30min Wartezeit kommt man noch deutlich tiefer. Hier hatte ich mal 1g pro Jahr ausgerechnet:

Ganz oft sind das ja nicht Regeln der Technik, sondern mischt sich mit teils abstrusen gesetzlichen Forderungen, die keine technischen Hintergründe haben.

Das dann Techniker gerne davon abweichen, weil sie keinen technischen Sinn darin sehen, ist nachvollziehbar.

Und dann kommt es auch sehr darauf an, wie routiniert Techniker so sind. Wenn von 100 installierten Anlagen nur eine mal leicht undicht ist und mit ein wenig nachziehen der Bördel behoben ist, stellt sich die Frage, warum man zuvor überhaupt noch eine Dichtheitsprüfung mit Stickstoff machen sollte. Und zwar technisch und betriebswirtschaftlich betrachtet. Rechtlich muss man es in Deutschland aber tun.

Wer DIY installiert, tut sich hingegen einen Gefallen, alles sehr gut zu prüfen, da ist die Lage wieder völlig anders.

Der Ansatz des Kältetechnikers ist aber komplett richtig.
Und die Temperaturen sind auch ein Weg wie ein Kältemittelmangel zu einem Fehler führt.

Ich würde da bei vermuteten Kältemittelmangel wirklich keine halben Sachen machen.
Auch mit 15-20% zu wenig Kältemittel kann die Anlage wieder korrekt und unauffällig laufen.
Das ist aber nicht mit gesund oder verschleißarm gleichzusetzen.

Und wenn man sich schon die Mühe macht nachzufüllen. Dann am Innengerät zu messen.
Weiter nachzufüllen. Wieder zu messen.
Da ist am Ende doch quasi irgendwann genauso viel Zeit weg wie wenn man 1x absaugt, wiegt und korrekt wieder befüllt.

Wie lange dauert es das mit gutem Equipment 1x richtig zu machen? 60-80 Minuten?
Länger war das hier bei der undichten Anlage auf keinen Fall.
Wenn man dann noch Anfahrtskosten/Zeit berechnet die ja sowieso anfallen wird das prozentual am Ende keine riesen Ersparnis mehr.

Also in Anbetracht der Kosten eines Split-Gerätes wenn es kaputt ist oder der Mehrkosten einer Anlage die 10-20% ineffizienter aber trotzdem noch gut läuft würde ich da lieber 30-45min mehr Arbeitszeit bezahlen und dafür eine korrekt statt unter oder (zu stark) überbefüllte Anlage haben. Das dürfte sich immer lohnen.

Das wiederum kann ich aus der Praxis bestätigen.

Das ist in den südlichen Ländern oft Standard. Da wird nicht abgesaugt, einfach über Monteurhilfe Kältemittel im Kühlbetrieb so lange einfüllen, bis der Druck wieder stimmt. Das ist für routinierte Techniker in 10-15 min erledigt. Geht sehr viel schneller, als komplett abzusaugen.

Aber klar, präziser wird das natürlich, wenn man absaugt und genau das Füllgewicht nach Hersteller wieder füllt. Könnte auch durchaus sein, dass man so ein paar % mehr Effizienz aus der Anlage holt.