SOC-Problem mit einer Jikong-Batterie - Erbauer der Anlage nach Schlaganfall nicht ansprechbar

Hallo Leute,

Ich habe den Auftrag bekommen mich um eine Batterieanlage zu kümmern, deren Besitzer / Erbauer leider einen schweren Schlaganfall hatte, und der deshalb derzeit kaum noch Auskunft zu dem System geben kann.
Es handelt sich um ein LiFePo4-48V-System, das aus 4 parallelgeschalteten Batterieblöcken besteht, die an einem 3-phasigen Victron-System aus 3x Multiplus II arbeitet. An einem der Multiplus hängt noch die PV-Anlage, über einen Victron MPPT 250 I 85.
Die Batterien sind 2x selbstgebaute Blöcke (jeweils 16S) mit unterschiedlichen BMS sowie 2x - scheinbar noch recht neu dazugekauften - Jikong-Batterieblöcken.
Wie oben bereits erwähnt, hängen alle Batterien parallel - und gehen dann über 2x Lynx auf die WR.
Das Hauptproblem ist jetzt, daß die beiden Jikong-Batterien einen extrem unterschiedlichen SOC haben (und das, obwohl sie direkt parallel verschaltet sind). Bei der gestrigen Prüfung zeigte eine Batterie einen SOC von 99%, die Andere 10 bzw. 11% an... Beides sind recht neue und definitiv gleich alte Batterien, die seit der IBN parallel laufen.
Hier folgen ein paar Fotos:

Hier das Display des vollen Blockes

...und hier der leere Block...

Dies sind die Jikong-Batterien, um die es hier geht.

Ich habe jetzt im Wesentlichen 2 Fragen:

  • Kennt jemand den genauen Typ dieser Batterien, und hat evtl. sogar ein Manual von den Dingern? Ich habe auf den Blöcken kein Typenschild finden können (konnte allerdings auf der Ober- und Unterseite nicht nachschauen, da das System gestackt und die Anlage in Betrieb ist). Die geladene Batterie zeigt auf dem Display 310,8Ah an, bei einem SOC von 99% (die Entladene 35,1Ah bei SOC=11). Also könnte die Batterie 315Ah bzw. ca. 15kWh Kapazität besitzen.
  • Wie ist das möglich, daß die Batterien trotz Parallelschaltung einen so massiv abweichenden SOC besitzen? Ist das das BMS in dem leeren Block, das diese Batterie abgeschaltet hat? Kann da intern eine Sicherung durch sein?
    Die Einzelspannungen der Zellen sehen durchaus okay aus,
    Hier die Zellspannungen des voll geladenen Blockes
    Und hier die Zellspannungen des "leeren" Blockes
    Der "leere Block" hat also offensichtlich Zellspannungen von rund 3,415V - was bei einer LiFePo4-Zelle doch eigentlich voll geladen bedeutet, oder???
    Aber warum dann die SOC Warnung auf dem Display??
    Ich habe morgen vormittag wieder einen Termin vor Ort - und bin für Tips äußerst dankbar!!!

Sonnige Grüße, Sascha

Hallo @Salossi

den Akku Typ kenne ich nicht. Abweichungen beim SoC sind die Regel. Die Anzeige geht oft "nach dem Mond". Da der vermeintlich leere Akku nicht gesperrt ist, sollte allein der fehlerhafte SoC noch kein Problem bedeuten.

Die beiden parallel geschalteten Akku´s haben 0,5 V Unterschied in der Gesamtspannung. Da könnte ein Nachziehen der Verbindungen helfen. Einige mV dürfen schon sein und mit Messungenauigkeiten zu erklären sein, doch 0,5 V ohne Last ist m.A. deutlich zu viel. Im Zweifel mal lieber nachmessen und unter Last beobachten. Denn unter Last müsste das Delta V steigen.

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Ja, aber ein Delta U von 0,5V macht bei einer LiFePo4 Batterie mit 48V Nennspannung nicht den Unterschied zwischen 10 und 99 % SOC aus - deshalb wäre es interessant, WAS genau da auf dem Display angezeigt wird...
Ein gewisser Spannungsfall unter Last ist in dem System hier nicht unwahrscheinlich, zumal eine der Leitungen recht dünn aussieht (ich vermute, das ist 16 oder 25mm2)... Allerdings betrifft das nicht die Verschaltung der beiden Jikong-Batterien.
Die Terminals nachziehen ist sicherlich eine gute Idee, ich glaube aber nicht, daß dies das Problem hier beseitigt.
Wenn man sich die Einzelspannungen der Zellen betrachtet, scheint die "leere" Batterie ja auch geladen zu sein und ist nur geringfügig leerer als die volle Batterie.
Ich mißtraue da eher der Anzeige - und da bleibt die Frage, ob da evtl. das System mal kalibriert werden muß o.Ä. - und hier wäre dann wohl echt ein Manual hilfreich.
Danke!!

Jikong ist nur der Hersteller des Batteriemanagementsystems. JK-BMS. Die Spannungen sehen gut aus, die SOC-Anzeige stimmt nicht. Eventuell sind da im BMS Parameter falsch eingestellt (Kapazität, Akkutyp).

Da müßte man per Bluetooth oder PC-Software reinschauen und ggf. korrigieren und dann einmal komplett voll laden, dann gibt sich das. Das JK-BMS schaltet allerdings auch bei 0% SOC nicht ab, sondern erst bei Unterschreiten der Mindestspannung einer Zelle. Von daher kann man das System auch einfach weiterlaufen lassen.

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Das Minus Kabel auf dem Bild würde ich auf mindestens 25 mm2 schätzen. Doch ohne Last spielt es keine Rolle. Das Delta V ist bedenklich, die unterschiedlichen SoC Anzeigen eher nicht (ich hab 5 Akku´s parallel und die SoC Anzeigen differieren ständig um große Beträge. Mit Kalibrieren hält es auch nicht länger als einen Tag.

Denkbar ist ein schadhafter Mosfet im BMS. Wenn der defekt ist, dann zeigt die Anzeige on, doch es geht kein Strom mehr rein. Wenn du eine Messzange hast, dann prüfe den Stromfluss am Kabel direkt vor jedem Akku.

Stand jetzt müssten Ausgleichsströme fließen. Doch das geschieht ja derzeit nicht - trotz 0,5 V.

Hoffentlich ist nicht das BMS defekt. Daumen sind gedrückt.

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Moin @Salossi

mit parallel geschalteten Blöcken hab ich zwar keine Erfahrung.

Das Problem ist aber doch sicher, das der "leerere" Block keinen Reset auf 100% SoC mehr bekommt, weil er mit der Spannung hinterherhinkt und nicht mehr voll wird.

Ich würde den erstmal allein bis zum Reset vollladen und die anderen dann auch gleich hinterher, sodass sie angeglichen sind.

Aber wie gesagt, das wäre nur eine theoretische Herangehensweise, sollte hier noch darüber gesprochen werden.

Nachziehen der Verbindungen, wie von @deff vorgeschlagen, ist nie verkehrt, aber vorsichtig, es sind an den Zellen, nur wenige Nm, bevor es reißen kann.

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Wie die Vorredner schon sagten: Die SoC-Anzeige beim JK-BMS (und bei fast allen BMSen) ist für die Tonne, wenn einige Tage nicht zu 100% vollgeladen wurde. Die 100% sind auch nur eine Schätzung, da hier eine im BMS hinterlegte Mindestspannung erreicht werden muß. Eine LFP-Zelle ist bei 3,4V Ruhespannung zu 100% geladen und beide Akkus zeigen eine Durchschnittsspannung über 3,4V (3,41 und 3,45).

Kritischer ist der Spannungsunterschied von 0,5V bei parallel geschalteten Batterien - das kann und darf eigentlich nicht sein. Tatsächlich mal alle Kontakte gründlich prüfen und die Schrauben nachziehen, auf evtl. Korrosion prüfen und reinigen.

Kannst Du auf die Einstellungen im BMS zugreifen? Wenn ja, kontrolliere mal, ob die 100% SoC-Spannungen bei beiden genau gleich eingestellt ist, die gleiche Balancing-Startspannung und -Strom. Wenn nicht: angleichen! Die 'falsche' SoC-Anzeige selbst ist völlig unkritisch.

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Super!! Dank Dir!
Das ergibt alles Sinn!
Wir werden morgen mal versuchen, daß wir Zugang auf das BMS bekommen!

Danke, auch das sind gute Tips!
Ja, habe eine DC-fähige Strommeßzange und werde das morgen mal überprüfen!
Ggfs werden wir die Anlage mal außer Betrieb nehmen, und dann könnte ich das BMS auch mal im Labor auf defekte Halbleiter untersuchen.
Blöde Frage: Ein defekter Mosfet legiert doch üblicherweise durch, und macht dann einen Kurzen, oder? Dann müßte die BAT doch eher dauerhaft eingeschaltet sein, oder irre ich mich da?
Danke!!

Mosfet kann durchlegieren, muß aber nicht. Bei hohem Strom (OC) ist die Gefahr des Durchlegierens wohl groß. Bei hoher Spannung (D-S, G-S) auch gerne mal o.c. (open contact).

Und es gibt wohl auch Zwischenzustände... (eher selten)

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Auch das sind sehr gute Tips!
Die zweite Jikong Batterie kann ich ja sicherlich über den eingebauten Lasttrennschalter deaktivieren - die DIY-Blöcke müßte ich dann ggfs händisch aus dem System nehmen (also einpolig abtrennen).
Ja, das wäre logisch, daß die Batterie einmal komplett vollgeladen muß, um neu zu kalibrieren.
Wir werden aber morgen zunächst mal versuchen, uns auf die Batterien einzuloggen - ich hoffe, daß es da nicht einen geänderten Zugangscode o.Ä. gibt, den nur der Erbauer der Anlage kennt :wink:

Super, danke! Das hilft mir weiter!

Ein durchlegierter Mosfet würde dazu führen, daß das BMS keine Abschaltung mehr durchführen kann. Halte ich aber für unwahrscheinlich. Spannung an den Batteriekontakten messen und mit der Anzeige vergleichen. Wenn da eine Abweichung besteht, kann der Wert im BMS auch kalibriert werden. Kann auch ein Kontaktproblem am Leitungsschutzschalter sein, aber nicht bei dem geringen Strom. Und wenn man sich die Spannungen der Zellen anschaut, dann sind die innerhalb eines Blocks alle gleich. Also paßt eindeutig die Spannungskalibrierung im BMS nicht.

Anschauen kann man die Werte mit der Jikong-App immer (Bluetooth-Passwort 1234), nur für Änderungen braucht es ein änderbares längeres Paßwort. Wenn Zugriff auf das Handy des Anlagenerbauers besteht, einfach das verwenden.

Ich sehe keine Kommunikationskabel an den beiden Kaufakkus. Also sind sie entweder gar nicht oder nur per Bluetooth in die Steuerung eingebunden. Die DIP-Schalter stehen auf Adresse "1" für den oberen Block und "2" für den unteren Block.

Wenn das ein ESS ist, muß es ein GX-Gerät geben. Entweder in einem der Multiplus integriert, ein externer Cerbo GX oder Ekrano oder ein Raspberry Pi mit Venus Os.

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Die Akkugehäuse könnten Yixiang sein, sehen jedenfalls so ähnlich aus: YIXIANG 48v 16s Diy Lifepo4 Battery Box JK 200A BMS Case

Yixiang V2 paßt besser: YIXIANG V2 BOX – 48V DIY Batteriegehäuse für 16 LiFePO4 Zellen mit 20, 499,00 €

Die PV-Anlage hängt am 48V Bus, egal wo sie angeschlossen ist. Der MPPT 250/85 ist ein Laderegler mit max. 250V Stringspannung (1 String) und max. 85A Ladestrom für 48V Systeme, üblicherweise 15s oder 16s Lithium-Eisenphosphat.

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Meine Vermutung ist das die Sicherung der unteren Batterie nicht eingeschaltet ist. Das ist die grosse weiße Sicherung links. Wenn die aus ist bleibt der Hebel auf "an" stehen. Der muss dann nach unten gedrückt und wieder nach oben gezogen werden. Geht recht schwer. Ich habe auch eine Yixiang Batt und gedacht das die Sicherung kaputt ist.

Du kannst auch die Sicherung erst mal manuell über den kleinen Druckknopf mit dem Schraubenzieher auslösen. Vermutlich passiert da nix weil die Sicherung schon offen ist

WICHTIG: im jetzigen Ladezustand darf man die Batterien nicht Zusammenschalten / Sicherung einschalten. Dazu auf jeden Fall erst mal einen Pol abschrauben. Zusammenschluss nur bei ähnlichen Spannungen beider blocks

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Hallo Sascha,

das kann man sich anschauen, oder auch erstmal nicht. Diese JK-BMS sind, was den Betrieb angeht, sehr stabil. Da wird voraussichtlich mit dem BMS selbst, nichts passiert sein.

Wenn die Anlage nach Reset der 4 Packs danach läuft und das Problem erstmal nicht wiederkommt, ist es doch gut und der Patient kann erst mal seine Reha und Therapie in Ruhe machen. Und Du hast auch Ruhe.

An dem, was Du geschrieben hat, erkenne ich, dass Du nicht selbst täglich mit diesen Dingen zu tun hast, wie als wenn Du selbst Betreiber eines Victron Systems mit JK-BMS wärst und Dich mit diesen komplizierten Zusammenhängen und Abhängigkeiten auskennst. Von daher kann ich Dir nicht Raten, BMS Settings zu verstellen.

Dann dürfte aber kein Strom fließen. Tut er aber, wie man in mindestens zwei Photos sehen kann:

Auf demselben Bild ist auch zu erahnen, daß die beiden Blöcke parallel geschaltet sind und vermutlich mitten im Strang sitzen, da jeweils alle vier Anschlüsse belegt sind. Die Verbindungskabel der beiden Blöcke sind innen, vom oberen Block geht es vermutlich weiter zu einem darüber befindlichen älteren DIY Block (die blauen Zellen im Originalbild, hier ist nur ein Ausschnitt eingebunden).

Und dass vielleicht einfach nur die Spannungskalibrierungen nicht stimmen?

Einfach mal Voltmeter dran und mit App vergleichen/einstellen (falls Pin bekannt).

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Guter punkt

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Genau, was da angezeigt wird ist einfach nur Mist. 2 parallel geschaltete Batterien haben die gleiche Spannung. Mit Vielfachmessgerät nachmessen. Und wenn die Spannungen wirklich gleich sind, dann würde ich das Display von dem BMS mit der Anzeige SOC 0 zukleben. Das ist fpr garnichts nutz. Das andere zeigt die Spannung für beide an. SOC Anzeigen sind immer Unsinn.

Fertig