[quote data-userid="9855" data-postid="83827"]jetzt bliebe noch die Klärung der Frage nach dem richtigen Überspannungsschutz. Hat da jemand für mich eine Herangehensweise oder gar einen guten(!) Link?[/quote]Oha! Überspannungsschutz und Blitzschutz sind keine fertigen Lösungen, sondern Konzepte, in die man sich mühsam einfuchsen muß. Beides hängt immer von der jeweiligen Örtlichkeit, also Haus und Geographie ab.
Blitzschutz
Fangstangen, Blitzableiter und alles zugehörige, was im Erdreich ist, läßt Du nur von einer speziellen Blitzschutzbaufirma einbauen oder beim ersten Schadensfall hält sich Deine Gebäudeversicherung den Bauch vor Lachen. Falls das Haus keinen Blitzschutz hat, wird es für Dich als PV-Bastler definitiv billiger und problemloser. Falls aber doch, darf die PV-Anlage (und jede andere Elektroinstallation natürlich ebenfalls) nie nicht auf gar keinen Fall irgendwie mit der Blitzschutzanlage in Kontakt kommen, ja nicht mal in deren unmittelbare Nähe. Ansonsten würdest Du Dir bei einem Sechser im Lotto die Energie des Blitzes noch direkt ins Haus hinein holen und das willst Du ganz gewiß nicht.
Überspannungsschutz
Ein Blitz oder ähnliches EMP-Ereignis, wenn er in einer gewissen Entfernung einschlägt, erzeugt ein starkes elektromagnetisches Feld, welches in einem Leiter eine (mitunter recht hohe) Spannung induziert. Hoch genug, um Dir empfindliche Elektronik zu zerstören. Um diese Überspannung auf ein ungefährliches Maß abzubauen, benötigt man ein Überspannungsschutzkonzept. Dies besteht aus einem ÜSS/SPD Typ-1 für Häuser mit Blitzschutz oder für solche, für die aus örtlichen Gründen ein ÜSS/SPD Typ-1 als Grobschutz vorgeschrieben ist, aus einem ÜSS/SPD Typ-2 als Mittelschutz und aus einem solchen Typ-3 als Feinschutz. Die Materie ist leider sehr komplex, es gibt nicht immer alles für jede Spannung fertig mit Zertifikat zu kaufen und ein ESD-Ereignis kann, wenn noch Licht auf die PV-Module fällt, zudem noch einen Störlichtbogen zünden, der, solange die PV-Module Licht haben und Strom liefern, nicht mehr von alleine erlischt und einen Brand verursachen kann. Aber zu diesem Thema gibt es schon einen eigenen Thread hier im Forum.
Berechnung der richtigen Sicherungseinsätze
Zu diesem Thema gibt es eine wunderschöne PDF-Datei von SIBA, die sich der Berechnung annimmt. Ich habe die Formeln mal in eine OpenDocument-Tabelle gepackt, zu öffnen mit OpenOffice oder LibreOffice:
Sicherungsberechnung.ods (18.9 KB)
Alle Felder mit grünem Hintergrund müssen entweder mithilfe von Datenblättern aus der eigenen Anlage ausgefüllt werden oder ergeben sich aus Zwischenergebnissen und der Rest steht in der o.g. PDF-Datei von SIBA drin. Stehen einem Daten nicht zu Verfügung (z.B. irgendwelche Temperaturen im GAK), muß man halt schätzen. Bitte denkt daran: Eine Sicherung soll bei Überlast thermisch durchbrennen. Damit sie das kann, wird sie vorher bereits warm. Dadurch wird die Wärme auch außerhalb des Glaskolbens frei, die sich dann im GAK stauen kann und die wegen des Widerstands der Sicherung (PTC) natürlich als kleiner Leistungsverlust der PV-Anlage "bezahlt" werden muß. Das ist Physik und leider unvermeidlich.
Das nächste Problem ist, was passiert, wenn eine Sicherung durchbrennt, die Module aber noch fleißig Strom liefern: Dann bildet sich ein brennender Lichtbogen, dessen heißes Plasma einen Brand verursachen kann. Deswegen bei DC-Anwendungen immer Sicherungseinsätze nehmen, die für DC auch ausdrücklich zugelassen sind und die deswegen oft auch ein Löschmittel (Quarzsand) enthalten. Daß die DC-Sicherungen auch für die Spannung der eigenen Anlage geeignet sein müssen (Datenblatt!), versteht sich von selbst.
Daniel