Danke euch für die bisherigen Antworten. Ich habe den Hinweis von @wihz aufgegriffen und die verschiedenen Varianten jetzt mit dem PV-Tool hier aus dem Forum durchgerechnet.
Außerdem habe ich inzwischen konkrete Preise, sodass ich nicht mehr nur den möglichen Ertrag, sondern auch die Wirtschaftlichkeit vergleichen kann.
Die beiden Varianten sehen aktuell so aus:
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Variante A - nur Süd |
Variante B - Nord + Süd |
| PV-Leistung |
9,885 kWp |
16,555 kWp |
| Anlagenpreis ohne Speicher |
12.827 € |
18.900 € |
| Mehrpreis |
- |
6.073 € |
| zusätzliche PV-Leistung |
- |
6,67 kWp |
Mit den PVGIS-Ertragswerten habe ich für die beiden Varianten folgende Belegung im Akkudoktor PV-Tool angesetzt:
Variante A - 9,885 kWp:
- 7,893 kWp Süd, 40°
- 1,992 kWp Süd-Gaube, 15°
Variante B - 16,555 kWp:
- 7,893 kWp Süd, 40°
- 1,992 kWp Süd-Gaube, 15°
- 5,675 kWp Nord, 40°
- 0,995 kWp Nord-Gaube, 15°
Damit wären bei Variante B insgesamt 16,555 kWp auf dem Dach.
Für die Simulation habe ich mit folgenden Werten gerechnet:
- Strompreis: 27,92 ct/kWh
- Einspeisevergütung: 7,7 ct/kWh
- Speicherpreis im Tool: 308 €/kWh
- aktueller Stromverbrauch: ca. 3.100 kWh/Jahr
- zusätzlich habe ich 3.800 und 5.500 kWh/Jahr als mögliche zukünftige Verbrauchsszenarien gerechnet
Ergebnis bei aktuellem Verbrauch von 3.100 kWh
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A - 9,885 kWp |
B - 16,555 kWp |
| ohne Speicher: Ersparnis/Jahr |
ca. 967 € |
1.127,98 € |
| ohne Speicher: Amortisation |
13,26 Jahre |
16,76 Jahre |
| mit 4 kWh Speicher: Ersparnis/Jahr |
ca. 1.261 € |
1.436,53 € |
| mit 4 kWh Speicher: Autarkie |
82,58 % |
86,22 % |
| mit 4 kWh Speicher: Amortisation |
11,15 Jahre |
14,01 Jahre |
Interessant finde ich hier vor allem, dass die zusätzliche Nordbelegung die jährliche Ersparnis zwar erhöht, die Gesamtamortisation durch den Mehrpreis aber deutlich länger wird.
Bei 3.800 kWh/Jahr (+ 2 Daikin Perfera 2000 BTU für die Nachtkühlung)
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A - 9,885 kWp |
B - 16,555 kWp |
| wirtschaftlich interessanter Speicherbereich |
ca. 4 kWh |
ca. 4-6 kWh |
| Ersparnis/Jahr |
ca. 1.332 € |
ca. 1.568 € bei 6 kWh |
| Autarkie |
ca. 76,8 % |
ca. 87,6 % bei 6 kWh |
| Amortisation Anlage |
ca. 10,55 Jahre |
ca. 13,23 Jahre |
Bei 5.500 kWh/Jahr (+ Luft-Wasser-Wärmepumpe)
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A - 9,885 kWp |
B - 16,555 kWp |
| wirtschaftlich interessanter Speicherbereich |
ca. 4-8 kWh |
ca. 6-8 kWh |
| Ersparnis/Jahr |
bis ca. 1.597 € bei 8 kWh |
ca. 1.756-1.803 € bei 6-8 kWh |
| Autarkie |
ca. 77,1 % bei 8 kWh |
77,6-81,9 % bei 6-8 kWh |
| beste Amortisation in diesem Bereich |
ca. 9,57 Jahre |
ca. 11,82 Jahre |
Was mich jetzt etwas von der Nordseite wegbringt, ist der Mehrpreis von 6.073 €.
Dafür bekomme ich zwar weitere 6,67 kWp, aber der finanzielle Mehrertrag ist laut Simulation bei meinem Verbrauch relativ klein.
Wenn ich beispielsweise beide Varianten mit 4 kWh Speicher vergleiche:
| Verbrauch |
Ersparnis A |
Ersparnis B |
Mehrersparnis B |
| 3.100 kWh |
ca. 1.261 €/Jahr |
1.436,53 €/Jahr |
ca. +176 €/Jahr |
| 3.800 kWh |
ca. 1.332 €/Jahr |
1.513,74 €/Jahr |
ca. +182 €/Jahr |
| 5.500 kWh |
ca. 1.456 €/Jahr |
1.658,98 €/Jahr |
ca. +203 €/Jahr |
Wenn ich nur ganz simpel den Mehrpreis der Nordbelegung durch diese zusätzliche jährliche Ersparnis teile, lande ich bei ungefähr 30-35 Jahren, bis sich die zusätzlichen 6.073 € gerechnet hätten.
Damit verstehe ich jetzt auch besser den Einwand von @paddy72 bezüglich der Nordseite.
Andererseits verstehe ich auch den Ansatz von @PV757 , möglichst viel Dachfläche zu nutzen. Wenn der Stromverbrauch zukünftig beispielsweise durch E-Auto, Klima, Wärmepumpe etc. deutlich steigt, könnte die zusätzliche Erzeugung natürlich interessanter werden.
Was mich dabei aber noch beschäftigt, sind die Opportunitätskosten der Nordbelegung. Variante B kostet 6.073 € mehr. Laut PV-Tool bringt sie gegenüber Variante A, bei vergleichbarer Speichergröße, je nach Verbrauch aktuell nur etwa 176 bis 203 € zusätzliche Ersparnis pro Jahr.
Bezogen auf die 6.073 € Mehrinvestition sind das zunächst nur ungefähr 2,9 bis 3,3 % pro Jahr.
Wenn ich die Nordseite nicht belege und die gesparten 6.073 € stattdessen langfristig investiere, sieht die andere Seite der Rechnung beispielsweise so aus:
| Angenommene Rendite |
6.073 € nach 20 Jahren |
| 5 % p.a. |
ca. 16.100 € |
| 7 % p.a. |
ca. 23.500 € |
| 8 % p.a. |
ca. 28.300 € |
Mir ist natürlich klar, dass eine Rendite am Aktienmarkt nicht garantiert ist und das kein direkter 1:1-Vergleich ist. Die PV liefert dagegen relativ gut kalkulierbare Stromerträge, Eigenverbrauch und Einspeisevergütung.
Eigentlich müsste man für einen sauberen Vergleich deshalb die zusätzlichen Cashflows der Nordseite über 20 Jahre betrachten und diese der alternativen Anlage der 6.073 € gegenüberstellen. Also insbesondere Einspeisevergütung, zusätzlichen Eigenverbrauch, mögliche Strompreissteigerungen, Moduldegradation und eventuelle zusätzliche Kosten über die Laufzeit.
Beim Speicher finde ich die Ergebnisse ebenfalls interessant. Bei meinen aktuellen 3.100 kWh scheint etwa 4 kWh der wirtschaftliche Sweet Spot zu sein. Bei 3.800 kWh eher 4 bis 6 kWh, und bei 5.500 kWh wird 6 bis 8 kWh interessant. Darüber steigt die Autarkie zwar weiter, die zusätzliche finanzielle Ersparnis wird aber zunehmend klein.
Nach der Rechnung bin ich daher momentan nicht mehr sicher, ob "Dach vollmachen" automatisch die wirtschaftlich beste Entscheidung ist. Technisch kann ich den Ansatz gut nachvollziehen, finanziell sieht die zusätzliche Nordbelegung bei 6.073 € Mehrpreis für mich momentan aber eher schwach aus.
Daher wären meine Fragen an euch:
- Ist meine Betrachtung der Nordseite über die 6.073 € Mehrinvestition und deren zusätzliche jährliche Ersparnis grundsätzlich richtig, oder übersehe ich dabei etwas?
- Würdet ihr die Nordseite zu diesem Preis trotzdem belegen? Falls ja, was wäre für euch der ausschlaggebende Grund?
- Wie würdet ihr die 20 Jahre Einspeisevergütung gegenüber den Opportunitätskosten der 6.073 € sinnvoll vergleichen?
- Würdet ihr bei aktuell ca. 3.100 kWh/Jahr direkt einen Speicher einbauen? Wenn ja, erscheint euch anhand der Simulation ca. 4 kWh ebenfalls sinnvoll?
- Gibt es bei meiner Verwendung des PV-Tools bzw. der PVGIS-Werte noch einen Denkfehler?
Mein Ziel ist nicht maximale Autarkie, sondern die wirtschaftlich sinnvollste Lösung über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren. Wenn die Nordseite wirtschaftlich sinnvoll ist, würde ich sie natürlich jetzt direkt mitmachen. Wenn die zusätzlichen 6.073 € aber langfristig anders deutlich besser eingesetzt wären, würde ich lieber bei Süd inklusive Süd-Gaube bleiben.
Bin gespannt, wie ihr die Zahlen und insbesondere den Vergleich Nordbelegung vs. alternative Anlage der 6.073 € einschätzt.