Ich denke, hier ist die Unterscheidung zwischen Ruhespannung nach ausreichender Relaxation und aktiver Zellspannung während eines laufenden Ladevorgangs wichtig.
Dass eine LiFePO₄-Zelle nach längerer Ruhephase bei etwa 3,37 V bereits sehr voll bzw. nahe 100 % SOC sein kann, sehe ich grundsätzlich genauso. Während eines aktiven Ladevorgangs entspricht eine Zellspannung von 3,37 V aus meiner Sicht allerdings noch keinem vollständig geladenen Zustand.
Genau deshalb arbeiten passive Top-Balancer ja typischerweise erst im oberen Spannungsbereich sinnvoll bzw. laut Hersteller überhaupt erst ab etwa 3,4 V Zellspannung.
Und aus Interesse: Deine erwähnte Streitschrift bzw. technische Ausarbeitung zu dem Thema würde ich tatsächlich gerne einmal lesen, falls du die irgendwo veröffentlicht oder verlinkt hast. Mich würde generell auch interessieren, auf welche Quellen oder praktischen Erfahrungen du dich bei deinen Aussagen hauptsächlich beziehst. Du wirkst auf dem Gebiet jedenfalls deutlich tiefer im Thema als viele typische „YouTube-Meinungen“.
Mir geht es bei dem Thema auch gar nicht primär um die grundsätzliche Diskussion, ob 3,37 V nun „voll“ sind oder nicht. Der eigentliche Punkt für mich sind die deutlichen Zellunterschiede im oberen Ladebereich sowie das wiederkehrende Verhalten, dass einzelne Zellen regelmäßig zuerst das Spannungsmaximum erreichen und dadurch die Ladung durch das BMS begrenzt bzw. beendet wird, obwohl aus meiner Sicht kein ausreichend ausgeglichener Zustand des gesamten Packs erreicht wurde.
Beim Wechselrichter gibt es zwar grundsätzlich auch die Möglichkeit, statt der automatischen BMS-Kommunikation mit festen Spannungswerten bzw. benutzerdefinierten Ladeparametern zu arbeiten. Allerdings wurde vom Hersteller ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Betriebsart nicht für den regulären Dauerbetrieb vorgesehen ist und stattdessen die automatische Kommunikation zwischen Wechselrichter und Batterie genutzt werden soll.
Da die Balancierprobleme bei meinem System bereits sehr früh aufgefallen sind, habe ich bewusst darauf verzichtet, eigenmächtig an Ladeparametern oder Spannungsgrenzen herumzuspielen und damit möglicherweise Gewährleistungs- oder Garantieansprüche zu gefährden. Als Endkunde gehe ich zunächst einmal davon aus, dass die vom Hersteller vorgesehenen Lade- und Balancingstrategien im normalen Automatikbetrieb grundsätzlich funktionieren sollten.
Ich sehe am Ende nur das tatsächliche Verhalten des Systems im vorgesehenen Betrieb – insbesondere die wiederkehrenden hohen Zellabweichungen und die regelmäßige Ladebegrenzung durch einzelne führende Zellen – und genau daraus ist letztlich auch der laufende Gewährleistungsfall bzw. Rechtsstreit entstanden.
Vielleicht melden sich im Laufe der Diskussion ja auch noch andere Nutzer mit ähnlichen Erfahrungen zu Speichern von Deye.
PS: Deine Streitschrift lese ich trotzdem gerne durch. Vielen Dank für die Mühe
Die Kleine Spitze rechts ist der Spannungsanstieg, den du bei einzelnen Zellen siehst, die etwas voller sind als die anderen.
Und "etwas voller" beziffert man mit weniger als 0,5 % SOC zwischen 3,37 V und 3,65 V.
Diesen Unterschied in "voll" beseitigt man mit dem Balancieren, so dass die Zellen am Ende gleichzeitig hochlaufen.
Dem widerspreche ich .
3,37 V gleich voll stammt aus den chemischen Abläufen innerhalb der Zelle. Bei dieser Spannung sind 99,5 % der Chemie geladen. Und es gilt als Lebensdauerschädlich, die gesamte Chemie zu laden. Ob man nun bei 3,37 V oder bei 3,39 oder 3,41 Stoppt, mag nicht den großen Unterschied ausmachen, es ist ja immer noch Restchemie vorhanden. Die wissenschaft nennt aber 3,37 V voll.
Wie ich schon sagte: im Prinzip jein, weill der Einfluss der zur Verfügung stehenden Balancierzeit auch vom Betriebsverhalten abhängt.
Ich verstehe deinen Frust: Fertigsystem gekauft, gleiche Probleme wie die Selberbastler.
Ob du da rechtlich durchkommst: keine Ahnung.
Wenn du das Problem loswerden willst: musst du selbst was machen. Sorry.
Genau da liegt für mich auch der entscheidende Punkt. Ich verlange weder perfekte Zellgleichheit noch ein theoretisches Laborideal mit 0 mV Drift oder maximal optimierter Lebensdauer. Mir geht es schlicht um einen technisch stabilen und alltagstauglichen Betrieb innerhalb der vom Hersteller selbst vorgesehenen Parameter und Betriebsarten.
Wenn ich mir ein eigenes DIY-System aufgebaut hätte, würde ich vermutlich ebenfalls mit Ladegrenzen, zusätzlichen Balancern oder anderen Strategien experimentieren. In meinem Fall handelt es sich jedoch bewusst um ein geschlossenes Fertigsystem mit automatischer Kommunikation zwischen Wechselrichter und BMS, bei dem der Hersteller ausdrücklich empfiehlt, genau diesen vorgesehenen Automatikbetrieb zu verwenden und keine alternativen Ladeparameter für den Dauerbetrieb einzusetzen.
Genau deshalb habe ich bewusst darauf verzichtet, eigenmächtig an Spannungen, Ladegrenzen oder Balancingstrategien herumzuspielen, um weder Gewährleistung noch Garantieansprüche zu gefährden. Und genau deshalb akzeptiere ich für meinen konkreten Fall auch nur begrenzt das Argument, dass der Nutzer letztlich selbst durch zusätzliche Maßnahmen oder manuelle Eingriffe nachbessern müsse.
Natürlich kann man technisch vieles erklären oder durch Eigenmaßnahmen verbessern. Für mich bleibt aber die zentrale Frage, warum ein als geschlossenes Gesamtsystem verkauftes Produkt innerhalb seines vorgesehenen Betriebsverhaltens keinen aus meiner Sicht ausreichend stabilen und angeglichenen Ladeabschluss erreicht.
Und mir geht es hier ehrlich gesagt auch gar nicht darum, eine Grundsatzdiskussion darüber zu führen, ob DIY-Lösungen oder Fertigsysteme „besser“ sind.Ich wollte in erster Linie einfach eine technische Einordnung bzw. Einschätzung dazu haben, ob die von mir beobachteten Werte und Verläufe aus Sicht anderer Nutzer noch als normal angesehen werden oder ob sie meine eigene Einschätzung bestätigen, dass dieser Zustand so nicht in Ordnung bzw. zumindest nicht unauffällig ist.
Ratschläge zu möglichen Eigenumbauten, zusätzlichen Balancern oder alternativen Ladeparametern mögen technisch interessant sein, helfen mir innerhalb eines laufenden Gewährleistungs- und Garantiefalls aber nur sehr begrenzt weiter, weil ich bewusst vermeiden möchte, selbst tief in das vorgesehene Systemverhalten einzugreifen.
Hab ich verstanden.... Und ich sage voraus dass das viele Fallstricke haben kann. Muss aber nicht.
Aber ich wollte auch helfen aufzuzeigen, wo technische Diskussion möglich/sinnvoll sein könnte.
Wenn es mein System wäre, würde ich eingreifen. Da du das nicht willst, frag beim Lieferanten nach, ab welchen Differenzspannungen der Zellen die Lebensdauer bei diesem System beeinträchtigt wird.
Wenn eine Antwort kommt, wird diese in die Richtung gehen, dass das BMS schädliche Zustände verhindern wird. Dann entscheidest du, ob du dich mit dieser Antwort zufrieden gibst oder eventuell doch selbst Maßnahmen ergreifen willst.
Ich denke, dass 110mA (passives Balancing) hier viel zu wenig ist, insbes. dann, wenn die Zellen selten in einen aktiven Ladezustand oberhalb von 3,43V kommen (3,4 + 0,03 mind. Differenz).
Grundsätzlich sind die eingestellten Werte (ab 3,4V Start Balancing, mind. 30 mV Delta) gut und richtig vorgegeben, dagegen ist nichts zu sagen. Offensichtlich sind aber durch den längeren Betrieb im Non-Balancing Bereich die Zellen weit aus dem Ruder gelaufen. Ich würde nie höher gehen als max. 3,5V/Zelle - alles andere ist auf lange Sicht Stress und Quälerei für die Zellen!
Du kommst vermutlich nicht umhin, einzelne Zellen gezielt nachzuladen oder zu entladen um wieder auf ein vernünftiges Balancing zu kommen.
Alternativ könntest Du versuchen die Ladeschlußspannung auf 3,45V zu stellen und dann den Ladevorgang über 24+ h laufen lassen, in der Hoffnung, dass die 110mA an Balancestrom hier zu einer Angleichung führen. Da es aber nur ein passives Balancing ist, könnte es schwierig werden, wenn der Ladestrom höher als 110 mA ist - denn dann werden einige Zellen irgendwann überladen, wenn die anderen noch zu sehr hinterher hinken.
Kaufe dir ansonsten einen aktiven Balancer mit mind. 2A, dann sollte die Sache schnell wieder in Ordnung kommen.
Also damit würde ich mich auf keinen Fall zufrieden geben… ich bekomme schon ein Jucken in den Fingern, wenn die Zellen in meinem DIY-Akku mit Seplos BMS v3 mal mehr als 10mv auseinanderliegen
Ich würde mich definitv deutlich mit dem Hersteller / Lieferanten auseinandersetzen…
An der Stelle reden wir vermutlich weiterhin etwas aneinander vorbei. Ich verstehe die technischen Ansätze und Optimierungsmöglichkeiten durchaus, allerdings war genau das ursprünglich gar nicht die eigentliche Fragestellung meines Threads. Mir ging es in erster Linie um die grundsätzliche Einordnung bzw. Einschätzung der beobachteten Werte und Verläufe im vorgesehenen Herstellerbetrieb und nicht primär darum, wie man das System durch Eigenmaßnahmen technisch weiter optimieren könnte.
Gerade innerhalb eines laufenden Gewährleistungs- und Garantiefalls möchte ich bewusst vermeiden, tief in das System einzugreifen oder eigenmächtig Ladeparameter, Balancingstrategien oder Hardware zu verändern. Wenn es ein DIY-System außerhalb jeder Gewährleistung wäre, würde ich manche Dinge vermutlich ebenfalls anders angehen oder testen.
PS: bist du bitte so nett und änderst den Namen des Thema in “Problem mit Balancieren/Drift der DEYE RW-F10.2 bei Ladeschluss”. Ich habe leider nicht die Schaltfläche zum ändern. Vielen Dank
Danke dir für die ausführliche technische Einschätzung. Genau die Problematik mit den nur 110 mA passivem Balancing sehe ich mittlerweile ebenfalls als einen der zentralen Punkte.
Die Lösung über einen zusätzlichen aktiven Balancer wurde von mir tatsächlich bereits gegenüber Hersteller und Verkäufer angesprochen bzw. vorgeschlagen, letztlich aber mit dem Hinweis abgelehnt, dass die beobachteten Spannungsunterschiede aus deren Sicht „normal“ seien. Genau diese Einschätzung teile ich persönlich allerdings nicht.
Technisch wäre ein aktiver Balancer vermutlich tatsächlich die sinnvollste praktische Lösung. Nicht aus Sicht des Verkäufers und des Herstellers:-) Sie riskieren eher einen Rücktritt vom Vertrag mit dem Hinweis alles verhält sich normal, alles ist “Stand der Technik“
Hinzu kommt leider, dass die RW-F10.2 konstruktiv recht ungünstig aufgebaut ist. Die Zellkontakte liegen zur Rückseite hin, sodass ein Nachrüsten oder sauberes Nacharbeiten für mich einen enormen Zerlegeaufwand bedeuten würde. Genau deshalb habe ich das Thema trotz der grundsätzlichen technischen Sinnhaftigkeit letztlich nicht weiter verfolgt.
Die Lösung, die ich meine hatte Akkulader hier in einem anderen Thread vorgestellt..
Klar, von Herstellerseite ist ein Eingreifen von einem Laien nicht gewollt und wird nicht unterstützt. Wenn Du noch Gewährleistung hast, würde ich massiv reklamieren und evtl. darauf verweisen, dass das Thema in einem großen Webforum diskutiert wird.
M.E. baut Deye sonst eigentlich ganz gute Akkus, habe zumindest recht gute Reviews auch von Will Prowse (DIY Solar Power) gesehen, der i.d.R. sehr genau testet. Da kann es aber je nach Modellreihe Ausnahmen geben. Passives Balancing in dieser minimalen Größenordnung ist für große Zellen von 200Ah und mehr, definitiv sehr wenig. Es ist o.k. wenn die Zellen neu und in Ordnung sind, dann laufen sie auch über Jahre nicht auseinander. Aber eine Zelle wird immer irgendwann anfangen zu schwächeln und dann gehen die Probleme los. Mit 2A kommt man da deutlich weiter.
Und vor allem mit einem aktiven Balancer. Oder auch mit einem passiven, aber ohne die “nur bei aktivem Ladevorgang” Einstellung, damit er mit der Zeit die Zellen mit zu hoher Spannung wieder einfangen kann. Sonst paßt das Verhältnis zwischen Energiegehalt der Zellen, Balancierstrom und zum Balancieren vorhandener Zeit nicht. Ohne das müßte man die Akkus jetzt mit externem Netzteil und Strombegrenzung auf 200mA laden, damit der Balancer hinterherkommt und nicht vorzeitig wegen Zellüberspannung abschaltet.
Doch, hast du, sollte mich wundern wenn nicht. Du musst oben direkt hinter der Überschrift den Stift clicken. Oder den ersten Beitrag ändern. Stift darunter.
Leider habe ich bei diesem System überhaupt keine Möglichkeit, direkt auf die Arbeitsweise des Balancers Einfluss zu nehmen oder dessen Verhalten entsprechend anzupassen. Der passive Balancer arbeitet hier konstruktiv ausschließlich während eines aktiven Ladevorgangs, indem überschüssige Energie einzelner Zellen über Widerstände verheizt wird. Weitere Eingriffe oder zusätzliche Software-/Steuerlösungen möchte ich innerhalb eines laufenden Gewährleistungs- und Garantiefalls bewusst vermeiden.
Und genau das ist eigentlich auch nicht der eigentliche Gegenstand dieses Threads. Mir geht es hier in erster Linie um die grundsätzliche Bewertung bzw. Einordnung der beobachteten Werte und Verläufe. Vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung am Ende auch falsch – genau deshalb wollte ich die Meinungen und Erfahrungen anderer dazu hören.
Wie man das technisch verbessern oder umgehen könnte, wäre aus meiner Sicht eher ein eigenes separates Thema. Fakt ist aktuell schlicht: Das Verhalten tritt reproduzierbar auf, wurde von mir beanstandet, vom Hersteller und Verkäufer als „normal“ eingeordnet und befindet sich inzwischen in anwaltlicher Prüfung mit entsprechender weiterer Eskalation.
Genau diese Lösung über einen zusätzlichen aktiven Balancer hatte ich ursprünglich ebenfalls favorisiert bzw. gegenüber Hersteller und Verkäufer angesprochen – insbesondere nachdem @Akkulader ähnliche Probleme offenbar bereits bei der RW-M6.1 sowie vermutlich auch bei der RW-F16 beschrieben hatte. Letztlich wurde das seitens Hersteller und Verkäufer jedoch faktisch mit dem Hinweis abgelehnt, dass die beobachteten Zellabweichungen aus deren Sicht „normal“ seien und kein technischer Mangel vorliege.
Genau deshalb ist das Thema inzwischen überhaupt erst in den Gewährleistungsfall bzw. die anwaltliche und rechtliche Auseinandersetzung übergegangen.
Interessant finde ich dabei vor allem, dass ähnliche Verhaltensmuster offenbar nicht nur bei meiner RW-F10.2 auftreten, sondern wohl auch bei anderen Modellreihen beobachtet wurden. Das lässt zumindest vermuten, dass die verwendeten BMS- bzw. Balancingkonzepte konstruktiv sehr ähnlich aufgebaut sind.
Ich vermute ehrlich gesagt, dass vielen Nutzern dieses Verhalten im normalen Betrieb überhaupt nicht auffällt. Der Standard-Logger von Deye arbeitet meines Wissens nur mit einer recht groben Update-Rate von 5 Minuten und muss erst auf Anfrage feiner auf 1 Minute eingestellt werden. Gerade solche kurzen Peaks und Zellabweichungen rund um den Ladeabschluss bekommt man damit im Alltag vermutlich oft gar nicht sauber zu sehen.
Ich selbst habe das Thema allerdings bereits sehr früh angesprochen – die ersten Auffälligkeiten und Beanstandungen gab es bereits wenige Wochen nach dem Kauf der Batterien. Seitdem zieht sich die Auseinandersetzung mit Hersteller über etwa anderthalb Jahre, den Verkäufer habe ich inzwischen mit ins Boot geholt und der Fall ist mittlerweile entsprechend eskaliert.