Praxisansatz: Wärmepumpen-Lasten aus realen Verbrauchsdaten ableiten
Hallo zusammen,
ich habe mich in letzter Zeit intensiver damit beschäftigt, wie man aus realen Verbrauchsdaten (z. B. Stunden- oder 15-Minutenwerte) die tatsächliche Anlagenlast von Gebäuden ableiten kann.
Die Idee dahinter:
Statt Heizlast nur theoretisch zu berechnen, nutzt man vorhandene Verbrauchsdaten (Gas, Strom, Fernwärme) und kombiniert diese mit Heizgradtagen. Daraus lassen sich temperaturabhängige Lastprofile ableiten – inklusive Effekten wie Aufheizvorgängen, Nutzerverhalten oder thermischer Trägheit.
Spannend finde ich dabei, dass die Datenerfassung oft gar nicht so aufwendig ist bzw. an kalten Wintertagen durchaus auch händisch möglich ist.
Es gibt inzwischen relativ einfache nachrüstbare Leseköpfe für bestehende Zähler (Gas, Strom, Wasser), die z. B. Impulse oder Zählerstände auslesen. Diese arbeiten im Prinzip wie ein Fahrradtacho – sie erfassen Zählimpulse und erzeugen daraus eine Zeitreihe des Verbrauchs.
Damit lassen sich ohne Eingriff in die bestehende Messtechnik stunden- oder sogar minutengenaue Verbrauchsdaten erfassen.
Preislich liegt man je nach System oft im Bereich von grob 50–150 € pro Zähler.
Beispiel (ohne eigene Anwendungserfahrung):
unter Suchwort energieleser
Damit bekommt man relativ einfach eine Zeitreihe, mit der sich solche Auswertungen gut durchführen lassen.
Vereinfachte Beispielrechnung:
Nehmen wir mal einen konkreten (kalten) Wintertag:
• Tagesverbrauch: 100 kWh (z. B. ca. 9 m³ Erdgas)
• Außentemperatur im Schnitt: −7 °C
• Raumtemperatur: 20 °C
→ mittlere Leistung:
100 kWh / 24 h ≈ 4,2 kW
Das ist die mittlere abgegebene Anlagenleistung an diesem Tag (näherungsweise Heizleistung).
Jetzt kann man das – unter Annahme eines näherungsweise linearen Zusammenhangs – auf einen kälteren „Normtag“ hochrechnen (z. B. −11,3 °C):
Temperaturdifferenz an dem Tag:
20 − (−7) = 27 K
Temperaturdifferenz Norm:
20 − (−11,3) ≈ 31 K
→ Verhältnis:
31 / 27 ≈ 1,15
→ hochgerechnete Leistung:
4,2 kW × 1,15 ≈ 4,8 kW
Das wäre dann grob die Anlagenleistung bei Norm-Außentemperatur.
Wichtig:
Das ist nur eine Einzelabschätzung – sinnvoll wird es erst, wenn man mehrere Tage und Nutzungsrandbedingungen sowie Anlagenrandbedingungen auswertet.
Das könnte z. B. interessant sein für:
• realistischere Auslegung von Wärmepumpen bzw. Prüfung bestehender Auslegungen
• Bewertung von Taktverhalten / Aufheizspitzen
• Einschätzung von Lastverschiebungspotenzialen
Mich würde interessieren, wie ihr diesen datenbasierten Ansatz einschätzt.
Gerade im Hinblick auf Wärmepumpen und variable Strompreise könnte das aus meiner Sicht spannend sein.
Falls Interesse besteht, kann ich das Konzept bzw. ein ausgearbeitetes Papier dazu gern teilen.
Viele Grüße
Bernd