[quote data-userid="19882" data-postid="151068"]Wasserstoff? Da erinnere mich auch an eine Talkshow, wo eine Grünenpolitikerin behauptete, dass man Gas völlig problemlos mit Wasserstoff austauschen könne. Wasserstoff ist schließlich auch nur Gas.[/quote] In der Industrie gibt es zu dem Austausch oft keine Alternative. So ganz problemlos ist das aber nicht, weil Wasserstoff über einige Jahrzehnte hinweg erst einmal knapp und teuer bleiben dürfte. Das ist auch der Grund, warum man Wasserstoff nicht sinnlos verschwenden soll. Wasserstoffheizungen waren aber in Gesetz auch nie ausgeschlossen. Das Heizen mit Wasserstoff ist dann nur von der FDP noch einmal explizit favorisiert worden. Wasserstoff hat neben seiner Umweltverträglichkeit auch noch ein paar ziemlich unangenehme Eigenschaften. Wasserstoff diffundiert durch so ziemlich alles hindurch. Deshalb sind zum Transport speziell aufgebaute Netze notwendig. Es gibt in den Wohngebieten bei uns überhaupt kein Zugangsnetz für Wasserstoff. Und das alte Erdgaszugangsnetz lässt sich nicht für Wasserstoff nutzen. Und selbst wenn man es für Wasserstoff nutzbar machen könnte, wäre erst dann eine Einleitung möglich, wenn auch das letzte Hausnetz Wasserstoff vertragen würde und keine einzige Erdgasheizung mehr an dem Netz hängt. Die Fernnetze sind auch nur teilweise für Wasserstoff tauglich.
Dazu kommt dann noch die schlechte Energiebilanz. Um Wärme aus Wasserstoff zu erzeugen, braucht man mehr als das Doppelte an elektrischer Energie, als man an thermischer Energie aus dem Wasserstoff wieder herausbekommt. Die Nutzenergie wird, über den Daumen, halbiert. Bei der Wärmepumpe ist es genau umgekehrt. Dort wird sie, über den Daumen, verdoppelt. Direktheizungen mit Wasserstoff sind reine Verschwendung. Das dürften sich auch nur wenige leisten können. Und wenn man den Wasserstoff halbwegs effizient über eine Brennstoffzelle nutzen will, dann muss man zum Heizen noch eine Wärmepumpe nachschalten. Das wird immer teurer als eine reine Wärmepumpenlösung.
So richtig interessant wird es noch mit den von der FDP ständig ins Spiel geworfenen so genannten H2-Ready-Heizungen. Die können in der Regel aber nur 20 bis 30 Prozent Wasserstoff verkraften. Robert Habeck hat im Juni bei der Befragung im Bundestag noch einmal klar gestellt, dass die Art von Gasheizungen ab 2045 mit reinem Wasserstoff betrieben werden müssen. Theoretisch bei einigen Heizungen möglich, wenn man den Brenner wechselt, die Leitungen im Haus wasserstofftauglich macht und vom Versorger einen Wasserstoffanschluss bekommt.
Am 03.07.2023 gab es noch die Anhörung zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes. U.A. Prof. Fritz Söllner hat sich zum Einbau von Gasheizungen geäußert. Gasheizungen können in der Übergangsfrist eingebaut werden, müssen aber u.U. wieder ausgebaut werden, wenn sie nicht mit der erforderlichen stufenweise erhöhten Menge an erneuerbarer Energie betrieben werden können.
Besonders interessant ist, was er zu den echten H2-Heizungen noch gesagt hat: [Quote] https://www.phoenix.de/sendungen/ereignisse/phoenix-vor-ort/ua-pressekonferenz-die-li-a-3158953.html Prof. Fritz Söllner 55:54: Ähnliches gilt auch für Heizungen, die nach der Übergangsfrist eingebaut werden können, wenn sie mit 100% Wasserstoff betrieben werden können und die Versorgung mit Wasserstoff bis 2044 sichergestellt ist. Wenn die Versorgung bis 2044 nicht funktioniert oder sich im Vorfeld abzeichnet, dass sie nicht funktionieren wird, muss diese Heizung natürlich auch wieder entfernt werden. [/Quote]"
Ich denke einmal, Heizen mit Gas/Wasserstoff wird mittel und langfristig mit Abstand die teuerste und die mit den größten Risiken behaftete Heizvariante werden. Trotzdem sieht es so aus, dass die meisten Leute tatsächlich davon ausgehen, dass sie irgendwann ihre neue eingebaute Gasheizung mit vertretbaren Kosten auf Erneuerbare umstellen können.
https://ibb.co/4m9ycrq
[ img]https://i.ibb.co/f1BRbwg/heizsys1.gif[/img]
https://www.mdr.de/nachrichten/mitmachen/mdrfragt/mdrfragt-umfrage-ergebnis-heizungsgesetz-100-downloadFile.pdf
FDP und CDU/CSU haben hier offensichtlich ziemlich erfolgreiche Überzeugungsarbeit geleistet. Anders kann ich mir so ein Ergebnis nicht erklären. Das kann für viele der direkte Weg in die Kostenfalle werden. Das ergibt dann irgendwann weiteres Futter für die AFD.