Leitung zu fest angezogen - Nippel gestaucht!?

Aus Daikin Handbuch

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ich hab es bei meiner Daikin tatsächlich auch so nach der Anleitung gemacht, ohne Nylog auf der Bördel-Rückseite - weil es halt dort so stand. Würde ich aber nicht nochmal so machen, die KM-Leitung dreht sich halt ein wenig mit und wird "verdreht".

Ich vermute, dass sie das empfehlen um sicherzustellen dass kein Öl ins Gewinde kommt - und in der Folge dann der Dremo nicht mehr stimmt und überdreht wird...

Man sollte es halt mit der Menge nicht übertreiben. So werde ich es beim nächsten Mal jedenfalls wieder machen.

So der SAE Flare ist drauf. Die Stützhülse reinzubekommen war wirklich sau passgenau, aber hat dann nach viel Geduld gepasst. 1,5 Umdrehungen anziehen und fertig.

Wenn man googelt findet man auch diese „Entspannen“ und mit 1/4 Umdrehung wieder festziehen Aussagen… in der offiziellen Armacell Anleitung ist das aber nicht enthalten. Daher lass ich es.

Ja, ich erinnere mich, dass mich das auch mal verblüfft hat. Es ist eigentlich gängige Praxis und Daikin schreibt explizit, man soll das nicht machen. Ist auf jeden Fall etwas, was man weiter reflektieren könnte, warum die das schreiben. Danke für den Hinweis.

Was mir dazu noch einfällt: Gibt man hinten kein Öl/Nylog auf, dreht sich teils der Bördel beim Anziehen der Mutter mit. In der Regel nur so 10-30 Grad. Klar könnte man sagen, lass die Kupferleitung tordieren oder bieg die zum Schluss nochmal nach. Das kann die weiche Kupferleitung problemlos ab. Aber was passiert am Bördel selbst? Der soll sich ja an den Stutzen anformen und übernimmt die Obeflächenstruktur des Stutzens. Ist im Stutzen z.B. ein Mikrokratzer, formt der sich im Kupfer als Gegenstück ab. Das Kupfer wandert sozusagen in den Kratzer. Diese Abformung wird aber gestört, wenn der Bördel sich mitdreht.

Das wäre zumindest eine These, die man weiter erforschen könnte.

Wo hast du gekauft?

Fuck hab den gerade neu gekauft

Ich hab 2 Stück davon, die funktionieren einwandfrei seit Jahren. Ist aber jetzt kein außergewöhnliches Qualitätsprodukt, das ist einfache China-Ware, die aber deutlich besser qualitätsgesichert ist, wird z.B. einzeln getestet und hat ein Zertifikat mit den gemessenen Werten.

Das gleiche Set gibts auch von anderen Herstellern etwas billiger, weiß aber nicht, wie es da mit Qualitätssicherung assieht.

Beispiel:

Zum "ohne Öl"
Die leichte Drehung bewirkt vielleicht aber auch ein Feintuning der Bördelung, Kratzer sind der Feind.
Ein Drehmoment Abschlag wäre ja grob auszutesten. Das wäre also nicht so ein Problem für jemanden der ständig damit arbeitet.

Ich denke das Problem liegt zusätzlich bei einer leichteren Lösbarkeit der Mutter.
Manche Verbindungen lösen sich wie von Geisterhand bei leichten Vibrationen.
Ohne Öl ist hier beim weichen Kupfer doch eine natürliche Hemmung vorhanden.

Hier in der hvac School wird empfohlen, Nylog auf der Vorder- und Rückseite zu verwenden:

Zitat: " When making the flare, use a bit of refrigerant oil. It's even better to use a bit of Nylog. You only need a drop or two; you can put one drop on the flare while making it to prevent binding and create a smoother flare surface. Put a bit on the back of the flare as well. That way, you can allow the nut to slide easily. I also like one small drop on the threads and spread it to the mating surfaces. It's worth noting, however, that some manufacturers disagree with this due to the effect it has on torque specs. So, I always suggest following their recommendations when in doubt. In my experience, a bit of assembly lubricant really helps."

Übersetzung mit deepl.com: "Verwenden Sie beim Anbringen der Bördelung etwas Kältemittelöl. Noch besser ist es, etwas Nylog zu verwenden. Sie benötigen nur ein oder zwei Tropfen; Sie können einen Tropfen auf die Bördelung geben, während Sie sie anbringen, um ein Verklemmen zu verhindern und eine glattere Oberfläche zu erzielen. Geben Sie auch etwas auf die Rückseite der Bördelung. Auf diese Weise kann die Mutter leicht gleiten. Ich gebe auch gerne einen kleinen Tropfen auf das Gewinde und verteile ihn auf den Passflächen. Es ist jedoch anzumerken, dass einige Hersteller dies aufgrund der Auswirkungen auf die Drehmomentwerte ablehnen. Daher empfehle ich, im Zweifelsfall immer deren Empfehlungen zu befolgen. Meiner Erfahrung nach hilft ein wenig Montageschmiermittel wirklich."

Da wird also sogar aufs Gewinde Öl/Nylog gegeben. Persönlich würde ich das nicht machen, genau was du @hopfen schreibst: Hätte Sorge, dass sich das mal lösen könnte bei Vibrationen. Und ich sehe den Sinn auch nicht wirklich. Was soll das helfen?

Sinn hinterfragen....

Genau - was soll das insgesamt überhaupt ?

Genau.

Die explizite Anweisung von Daikin ist echt interessant, da es im ersten Moment nicht logisch erscheint, eventuell hat Daikin herausgefunden, dass das Fließen an der Dichtstelle unter Zugabe von Öl zuverlässiger funktioniert und eine Rotation an der Dichtfläche gewollt ist (ähnlich vorstellbar vom Nassschleifverfahren um die Oberfläche unter Druck zu glätten)?

Ich erinnere mich noch an meine Kälteschein Ausbildung, da gab's auch eine rege Diskussion über eingeölte Dichtflächen und hier bringe ich sofort ein Gegenargument zu obigem:

Vereinfachte Kurzzusammenfassung: Dichtflächen, die nur durch Öleintrag abdichten sind nicht zu empfehlen und ich meine mich zu erinnern auch nicht zulässig, da keine dauerhafte Abdichtung gewährleistet ist, denn wenn das Öl wegen vieler möglichen Gründe nicht mehr an dieser Stelle ist, dann ist das System nicht mehr dicht.

Folgende Artikel dazu sind sehr interessant und stehen im enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Ausbilder:

Die Bundesfachschule beantwortet viele Fragen aus der Praxis die teils extrem interessant sind, wer Zeit hat einfach mal die "Fragen aus der Praxis" durchlesen.

Es gibt jedoch auch Dichtsystem in der Kältetechnik bspw. offene Kompressoren mit sog. Wellensiegeln die nur ölbenetzt funktionieren, sobald kein Öl mehr anhaftet ist dieses System nicht mehr dicht.

Dichtsysteme sind sehr komplexe Themen und gerade bei hohen Dichtheitsanforderungen ist das Thema sehr vielschichtig.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich auf ordentliche Hartlotverbindungen sehr verlassen kann.

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Das finde ich auf jeden Fall eine interessante Theorie und hatte ich mir so auch schon durchdacht. Bleibt die Diskrepanz, dass z.B Nylog weltweit recht viel eingesetzt wird und auch von einigen Klimaanlagenherstellern freigegeben ist. Wenn es gar nichts bringen würde, würden da so viele Praktiker es nutzen? Gibt immer mal wieder reine Placebos, aber kann ich mir hier nicht vorstellen, zumal das schon über mehrere Jahrzehnte eingesetzt wird. Auch Kälteöl wurde schon viel länger gerne standardmäßig verwendet und wird ja auch von zahlreichen Herstellern empfohlen. Da könnte man auch fragen, wozu, wenn es nichts bringen würde.

Den genauen Wirkmechanismus kann ich mir aber auch noch nicht so richtig eklären. Denn wie du sagst, wenn das Öl irgendwie an der Abdichtung beteiligt wäre, würde es ja mit der Zeit durch Kältemittelkontakt auch ausgewaschen werden und wäre dann nicht mehr wirksam.

Fakt ist, dass durch den sehr großen Druck durch das recht hohe Drehmoment nahezu alles Öl/Nylog von der Bördelfläche rausgedrückt ist. Wenn überhaupt, bleibt da nur noch irgendwas im Nanometerbereich übrig.

Ich kenne auch Abdichtungen aus meiner Praxis, das sind Feingewinde mit ca. 40mm Durchmesser die letztlich über eine Schneidkante das Kältesystem abdichten.

Ohne Öl eingesetzt sind 9 von 10 Verschraubungen undicht, mit Öl auf Anhieb dicht und das für immer. Wenn nach Jahren das Bauteil ausgebaut wird ist zumindest mit dem Auge kein Öl mehr zu erkennen.

Ich kann mir nur vorstellen, dass das Öl beim Anzug im metallischen Fließprozess eine förderliche Wirkung hat.

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Entweder Fliessen oder auch Kapillarwirkung ?