ich habe den 30kW Hochvolt SG01HP3 und habe erneut eine Überspannung feststellen müssen. Die Platine vom Garagentorantrieb ist dabei eindeutig kaputt gegangen und einen Shelly hat es auch gekostet (Varistoren sind dabei defekt gegangen). Hintergrund war ein Ab/Umschalten des Wechselrichter nach einer Einstellungsänderung (ich habe den Haken bei Parallel Bat1 & Bat2 probeweise einmal entfernt). Der Wechselrichter schaltet dabei dann wegen dieser Änderung kurz ab was ich auch schon nicht schön finde.
Ich vermute das er intern das Relais vom Neutralleiter nicht in der korrekten Reihenfolge schaltet wie es sein soll und es dadurch zu einer Sternpunktverschiebung kommt. Von den Einstellungen habe ich normalerweise alles betrachtet und da dürfte der Fehler eigentlich nicht liegen. Signal Island Mode Haken ist gesetzt. Netznorm ist die VDE4105 und das Spannungsniveau ist 230V LN und 400V LL.
Meine Frage an euch wäre: Gab es bei euch auch schonmal Ungereimtheiten bei den Schaltvorgängen im Deye (speziell die Hochvolt Variante)? Normalerweise müsste ja sichergestellt sein das er das Relais vom N zeitverzögert zu den anderen ansteuert oder irre ich mich hier?
Sternpunktverschiebung kann sein, dass der Deye falsch schaltet sicher nicht, das hätte schon längst zu Diskussionnen im Forum geführt.
Ich vermute eher eine falsche Installation.
Da gibt es vorher einige Fragen.
Deine Installation ist vom Fachbetrieb oder selbst erledigt ?
Wie genau ist der Wechselrichter in die Hausinstallation integriert ?
Hängen die defekten Teile parallel zum Wechselrichter oder am Load ?
Dir ist klar wofür der Island Mode Modus ist und was der macht ?
Solltest Du alles an Load haben, darf es nirgends eine Verbindung von Neutral zum Neutral des Netzbetreibers geben. Leider wurde früher in Installationen gerne mal in Unterverteilungen eine Brücke auf PE gesetzt und ein neuer Neutralleiter erzeugt, sowas darf man am Load nicht machen/drin lassen. Daher die Frage, hat das ein Fachbetrieb gemacht und das geprüft ?
Deine Installation ist vom Fachbetrieb oder selbst erledigt ?
Verdrahtung wurde selbst gemacht nach dem Schaltplan aus der Bedienungsanleitung; Fachbetrieb hat aber selbstverständlich alles bestätigt bzgl. der Neutralleiterverbindungen (keine Verbindung vom LOAD Neutral zu GRID Neutral vorhanden)
Wie genau ist der Wechselrichter in die Hausinstallation integriert ?
das gesamte Haus hängt am Load
Hängen die defekten Teile parallel zum Wechselrichter oder am Load ?
die defekten Geräte hängen am Load, da das gesamte Haus am Load hängt
Dir ist klar wofür der Island Mode Modus ist und was der macht ?
PE-N Brücke im Offgrid Mode; ja mir ist bewusst warum diese im Offgrid notwendig ist. Es darf keinen Potentialunterschied zwischen PE und N geben wenn der Wechselrichter als 'Inselgenerator' aktiv ist
Relais sind ja prinzipiell alle die gleichen verbaut (keine vor/nacheilenden Kontakte sichtbar: https://www.churodamericas.com/wp-content/uploads/2021/07/char-a200efbc8cchar-a150h-series.pdf); die verzögerte Ansteuerung des Neutralleiter muss deshalb über SW Ansteuerung oder Verzögerungsglieder auf dem PCB erfolgen;
Ich bin mir sicher das es in der SW spätestens umgesetzt sein müsste (wobei es sicherer wäre auf dem PCB über Diodenstrecken das Ein/Auschalten der Neutralleiter Relais entsprechend umzusetzen), allerdings ist die Firmware für die Hochvoltserie wirklich mit großen Problemen behaftet und deshalb ist meine Vermutung, dass es durchaus zu so einer kurzzeitigen Verschiebung kommen kann.
Ich werde das ganze mal mit einem Oszilloskop anschauen (N, L1-3 werden alle gegen PE gemessen) Dann sollte bei egal welcher Umschaltung die Potentialdifferenz von PE-N nicht groß von 0V abweichen.
Zur Sicherheit würde ich bei den Tests das restliche Haus abklemmen und nur eine Last anhängen die nicht gleich in Jenseits geht wenn die Spannung etwas zu hoch ist. Oder mindestens bei den empfindlichen Sachen die Sicherung raus machen.
Ich habe nur einen 12k mit 48V aber auch hier sind identische Relais an der Umschaltung verbaut. Wenn ich mal dazukomme versuche ich auch mit dem Oszi mal zu schauen wie die angesteuert sind.
Korrekt, das hatte ich vergessen zu erwähnen. Das Haus wird selbstverständlich während dem Versuch nicht am LOAD hängen.
Wenn du es auch irgendwann mal testen könntest wäre das natürlich super
Wie soll das gehen? Im OnGrid-Modus ist Grid intern im Wechselrichter mit Load verbunden. Im Off-Grid-Modus ist der Neutralleiter vom Load über das PE-N Relais und über den PE-Leiter mit dem Neutralleiter des Netzbetreibers verbunden.
Es geht um die zeitliche Koordinierung dieser Relaisschaltungen. Mir ist bewusst das es dieses PE-N Relais gibt (es ist ja nicht dauerhaft gedrückt wie bei dir eingezeichnet). Zudem gibt es diese Umschaltungen sowohl wenn das Grid wegfällt, als auch wenn Systemeinstellungen geändert werden. Hier fallen alle Relais ab und ich vermute das es hier zu Sternpunktverschiebungen kommen kann weil durch das Relais selbst nicht sicher gestellt ist das der Neutralleiter zuletzt trennt. Wenn es rein über die SW gesteuert wird, dann kann ich mir gut vorstellen das bei der Deye Hochvoltvariante noch einige Bugs vorhanden sein könnten wenn man dort mal so die Foren durchstöbert.
Ich werde versuchen diesen Sonntag so eine Oszilloskop Messung zu machen. @autoschrauberix hat gesagt das er diese auch für die Niedervoltvariante bei Bedarf auch einmal testen wird.
Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt, ich meinte eine Brücke hinter dem RCD, war ja auch in der weiteren Beschreibung so dargestellt. Stichwort Unterverteilung. Ist so eigentlich nicht erlaubt wurde aber scheinbar früher benutzt, zumindest habe ich hier zwei Häuse aus den 70ern wo das so gemacht war und das löst dann komische Sachen aus u.a. auch den RCD
also das halte ich auch für die schlechteste Lösung; da wird das Neutralleiter überbrücken von GRID N auf LOAD N noch das sinnvollste sein; wobei man dann natürlich die allpolige Trennung nicht mehr realisieren kann
Wenn vor dem Umbau gar kein RCD da war oder nur für einen Teil, wie z.B. Bad ,hinter der Brücke, dann war das alles auch kein Problem. Pakt man jetzt die Standardinstallation vor das Ganze, geht die Sucherei los. Fieserweise löst der RCD auch nicht sofort sondern irgendwann aus.
Ob sowas überhaupt eine Sternpunktverschiebung erzeugen kann wäre dann auch noch die Frage? Ich vermute mal nein.
Klassisch wäre für mich eher eine nicht saubere Kontaktstelle z.B. durch eine nicht richtig angezogene Klemme. Schon mal alles nachgezogen ?
Ich bin mir sicher das alle Kontaktstellen angezogen sind, werde es aber noch einmal überprüfen. Letztendlich kann ich ja die Potentialdifferenz zwischen PE und N messen und schauen ob Ausschläge oder ähnliches auftreten.
Hast du recht, keine allpolige Trennung. Aber so wie du deinen WR installiert hast, hat die Anlage auch keine allpolige Trennung im OffGrid Mode (nach dem das Relais PE mit N von Load verbunden hat), habe doch in rot die Verbindung dargestellt. In der Betriebsanleitung bei der Schema, nach der du deine Anlage installiert hat, ist ein Hinweis vorhanden. This diagram is an example for an applicaon in which neutral is separated from the PE in the distribuon box. Ich würde sagen, dass diese Schema ist für ein TT-Netz ist.
Dein Problem ist meiner Meinung nach nicht das Island Mode Relais. Dein WR hat nach der Änderung der Einstellungen den Load-Port für ca. 1 Minute vom Gen-Port getrennt und dann wieder verbunden, ohne in den OffGrid Modus zu wechseln, was bei einem Stromausfall passieren würde. Oder lief deine Anlage im OffGrid Modus?
Ich weiß nicht genau was er bei einer Einstellungsänderung macht. Da aber das ganze Haus weggeschalten wurde und dunkel war gehe ich davon aus das er einfach alle Relais ausschaltet (ohne vermutlich irgendeine Reihenfolge einzuhalten bei dieser Softwareversion). Er zeigt dann natürlich OffGrid an, allerdings ist der LOAD ebenfalls unversorgt/getrennt.
ich habe eine Messung gemacht mit dem Oszillskop. Interessierte können sich die PDF für Details anschauen. Videos vom Setup und den beiden Messungen (Off-Grid und Einstellungsänderung) sind ebenfalls verlinkt. Das Ergebnis für den SG01HP3 mit aktuellster Software ist nicht gut. Die allopolige Trennung wird nicht sauber durchgeführt. Es gibt Zeitpunkte bei denen der Neutralleiter für bis zu 1.5 Sekunden keinen Bezugspunkt hat weil weder der Grid N, noch das PE-N Relais geschlossen ist. Der Load N verschiebt sich dann um etwas mehr als 250V und die Load Phasen werden ebenfalls um diesen Wert gebenüber Erde erhöht (weil die Leistungselektronik zu diesem Zeitpunkt ja auch nur den Load N als Bezugspunkt hat).
Puh,
sehr gut aufbereitet. Auf den ersten Blick ist das wirklich ein Bock von Deye. Mal sehen was die dazu sagen.
Ich habe zwar die 48V Ausführung, aber ich werde wohl in Zukunft nicht mehr so locker im laufenden Betrieb hin und her schalten.