ich habe vor Kurzem eine Immobilie (Baujahr 1980) erworben und stehe vor einer dringenden Heizungsfrage für den kommenden Winter. Die verborgene Gasheizung ist defekt und lässt sich nicht mehr nutzen. Mein Plan ist es, das Haus künftig ausschließlich über Split-Klimaanlagen (Luft-Luft-Wärmepumpen) zu heizen.
Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen, Empfehlungen und eine Einschätzung zur besten Vorgehensweise freuen!
1. Die Rahmendaten zur Immobilie & Nutzung:
Wohnfläche: ca. 80 m² gesamt (BJ 1980).
Hauptzone (ca. 45 m²): Wohnzimmer, Esszimmer, Küche (hier kommen jetzt neue Fenster rein).
Nebenzone (ca. 25 m²): Flur und Schlafzimmer.
Rest (Bad & WC): Ergänzung durch Infrarot-Paneele.
Standort / Klima: Kreis Bad Wurzach (Allgäu). Hier kann es im Winter an extremen Tagen durchaus -20 °C bis -25 °C kalt werden!
2. Meine Fragen an die Community:
Frage 1: Modellwahl für extreme Kälte (Nordic-Modelle)
Da die Anlage als vollwertige Hauptheizung dienen soll, muss sie auch bei extremen Minustemperaturen zuverlässig liefern. Ich schaue mir aktuell Nordic- / Cold-Region-Geräte an (bis -30 °C ausgelegt), wie z.B.:
Daikin Nepura Cold Region / Nordic
Gree Amber Nordic
Bosch Climate 7000i / Nordic-Varianten
Mıdea Oasis plus
Habt ihr Erfahrungen mit dem Heizen bei -20 °C bis -25 °C mit diesen Modellen? Wie sieht es mit dem Abtauverhalten (Defrost), der Lautstärke und dem tatsächlichen Stromverbrauch/COP bei solchen Temperaturen aus? Reicht eine Multi-Split oder fahre ich mit mehreren Single-Splits besser?
Frage 2: Umsetzung – Fachbetrieb mit KfW-Förderung vs. Selbstkauf + Techniker (Eigenleistung)?
Preis-Leistung ist mir extrem wichtig. Ich schwanke aktuell zwischen zwei Wegen:
Weg A (Fachbetrieb / Daikin-Partner): Offizieller Einbau mit Komplettservice und Beantragung der Heizungsförderung (BEG/KfW).
Weg B (Eigenleistung / Selbstkauf): Geräte selbst günstig online kaufen, Vorarbeiten (Kernbohrung, Kabel legen, Montage der Innen-/Außengeräte) in Eigenleistung erledigen und die Inbetriebnahme/Kälteleitung durch einen Klimatechniker machen lassen.
Was rechnet sich eurer Erfahrung nach unterm Strich mehr? Lohnt sich der Förderaufwand/Aufpreis bei Fachbetrieben bei einer ca. 80 m² Immobilie, oder fährt man mit der „Halb-DIY“-Lösung finanziell deutlich günstiger?
Vielen Dank schonmal für eure Tipps, Tipps zur Geräteauslegung und eure Einschätzungen!
Warmwasser läuft bei mir über eine Brauchwasserwärmepumpe im Keller – das entfeuchtet den Raum auch direkt praktisch mit.
Werkzeug ist komplett vorhanden, handwerklich bin ich fit.
Eine Wärmepumpe für die Heizung kommt nicht in Frage: Ich müsste alle Heizkörper tauschen und die Leitungen sind kompletter Pfusch der Vorbesitzer. Das ist heute unbrauchbar. Alles neu zu verlegen plus Wärmepumpe sprengt schlichtweg mein Budget.
Das Objekt besteht aus zwei Doppelhaushälften, bei denen Heizungsleitungen und Elektrik damals durchgehend verlegt wurden. Da ich einen Teil vermieten will, muss ich das nun sauber trennen.
Habe ein Bild hochgeladen, die rot markierte Striche sollten die Innengeräte montiert werden, Küche und Esszimmer wird eins und dann zum Wohnzimmer wird eine größere Öffnung gemacht
Für das Außengerät habe ich gute Orte wo Windgeschützt sind
Ich hatte vor Kauf meiner Geräte auch lange und sehr intensiv überlegt, ob ich Nordic Geräte kaufen soll (wie zb. Daikin Nepura) oder "normale".
Letztlich ist es meiner Ansicht nach so:
Die "Nordic" Geräte sind dahingehend optimiert, bei identischer Anlagengröße mehr Heizleistung zu ermöglichen und haben i.d.R. eine Wannenheizung im Aussengerät schon original eingebaut.
Diesen "Luxus" muss aber auch teuer bezahlen, sie sind i.d.R. auch deutlich teurer.
Die Wannenheizung ist zweifellos eine praktische Sache, kann man aber bei Bedarf auch selber nachrüsten. Ob man wirklich Bedarf hat, zeigt sich dann oft erst in der Praxis.
Was die höhere maximale Heizleistung angeht, so sehe ich es als sinnvoller an, wenn man zb. für´s selbe Geld 2 Monosplit Anlagen kauft. Damit kommt man dann auf die selbe maximale Leistung - ggfs. laufen die aber in der Praxis dann leiser, weil sie nicht jeweils auf "volle Pulle" laufen wie dann ggfs. die Nordic als "Solo" Anlage.
Der größte Vorteil ist meiner Ansicht nach aber, dass man damit in der Praxis i.d.R. eine deutlich bessere Temperaturverteilung und Regulierbarkeit / Steuerbarkeit erreicht.
Es geht ja nicht nur darum die Wärme zu erzeugen, sondern auch und insbesondere darum, sie möglichst leise und zugfrei in die Räume einzubringen.
Zusätzlich hat man noch den Vorteil, dass man mit zb. 2 Anlagen fürs ca. selbe Geld 100% redundant ist. Wenn da eine Probleme machen sollte irgendwann (und passieren kann das ja jederzeit) - dann läuft eben die andere. Und wenn die dann wirklich mal im Extrem(st) fall bei zufällig gleichzeitig extrem tiefen Temperaturen die max. Wohlfühltemperatur alleine nicht schafft - dann ist das immer noch besser als wenn man nur eine Nordic hat die ausfällt und dann gar keine mehr läuft;)
Bzgl. Effizienz sind 2 separate auch fast immer besser, weil sie zusammen meistens sehr viel größere Wärmetauscherflächen haben wie 1x Nordic im Vergleich. Außerdem laufen sie dann meistens zusammen in tendenziell effizienteren Leistungsbereichen und bei Bedarf schaltet man eine ab und heizt zb. wenn es nicht so kalt ist nur mit einer.
"Besser" ist aus meiner Sicht immer mehrere Mono Split. Wenn man dann zb. anstatt 1xNordic 2x"normal Mono" verbaut, dann wäre es quasi das extreme Gegenteil von Multisplit - weil man nat. mehrere Aussengeräte hat.
Multisplit haben aber eben den Vorteil, nur 1 Aussengerät zu haben, installieren zu müssen etc. Manchen usern ist das wichtiger, als die Vorteile einzelner Anlagen - die aber meiner Ansicht nach klar überwiegen.
Wenn man also (wieso auch immer) unbedingt nur 1 AG haben will (ich schreibe absichtlich nicht kann, denn ich glaube das ist so gut wie nie der Fall...) - dann Multisplit.
Wenn man dann sogar auch nur innen ein Innengerät haben will - was meiner Ansicht nach noch weniger Sinn ergibt - dann sollte man Nordic wählen (wenn die heizen soll).
Aber in den allermeisten Fällen wird man in fast allen Belangen aus meiner Sicht mit strategisch gut plazierten zb. Daikin Perfera aus it (zb. dagimarket) am besten bedient sein. Diese Anlagen sind 2025 neu auf den Markt gekommen (in aktueller Ausführung) und werden als "All Season" bezeichnet - sind also auch auf Heizung hin optimiert. A+++ bei heizen in mittlerer Klimazone. SCOP 5,1 oder 5,2
Die 3,5 kW Ausführungen gibt es ab ca. € 1100.- als Mono Split - viel billiger denke ich bekommt man sowas in der Art nicht. Das wären dann bei 2 Stück € 2200.- (+Versand) - ungefähr da werden auch die Nordic liegen denke ich.
Dann würde ich mir diese Anlagen gut ansehen, ev. auch noch die Daikin ATX-D aus it - die sind nochmal einige hundert € günstiger und ebenso sehr effizient. Würde ich aber an deiner Stelle nicht kaufen, weil die häufiger abtauen - was nerven kann.
Aber ein weiterer Vorteil wenn du statt 1 Nordic 2 zb. Perfera nimmst: Die tauen dann gewöhnlich nicht gleichzeitig ab - also heizt dann eine weiter, wenn die andere abtaut.
Musst du ausrechnen, aber sehr wahrscheinlich wird das sehr viel günstiger sein. Selbst ohne Förderung - die aber ggfs. dennoch möglich wäre wenn die Inbetriebnahme eine Firma macht?
Ein Grund mehr meiner Ansicht nach auf einzelne "All Season" Mono zu gehen.
Ins Bad würde ich direkt auch ein IG bauen oder wenigstens in den Flur und dann über die Tür "reinheizen" - denn der Raum soll doch im Winter eig. der wärmste sein... IR Paneele sind extreme Energiefresser und benötigen dann ggfs. mehr Energie als die LLWP zusammen...
Dein Grundriss scheint die Plazierung echt schwierig zu machen, was mir dabei auffällt: Da kommt auf die Art aus meiner Sicht zu wenig bei Essen / Küche an:
Bad ist echt schwierig, wegen der Leitungen. Aus den anderen Räumen mitheizen wird aussichtslos sein. 1. ist da wohl eine offene Treppe, 2. sind die Abstände zu groß und 3. geht es ums Eck... Das funktioniert nicht. Da müssten die Räume extrem überheizt werden. Ich würde da im Bad ein extra Innengerät einbauen - auch wenn es echt "blöd" ist wg. Leitungsführung usw. Aber hinterher ärgert man sich, wenn man gerade im Bad dann alles kalt hat im Winter. Das rein elektrisch heizen ist nicht sinnvoll. Alternative wäre starker Heizlüfter nur bei Nutzung - aber dann ist dennoch alles kalt. Da der Raum aber mitten im Haus liegt ohne Aussenwand - wäre das ggfs. eine Option.
Ich würde die nicht auf die niedrigste je zu erwartende Temperatur auslegen sondern auf NAT. Die liegt bei -13,8°C lt. Bundesverband Wärmepumpe->Klimakarte
Ich finde deine Skizze echt gut. Dafür bräuchte ich zwar 3 Anlagen, aber das wäre für mich völlig in Ordnung.
Wären für meinen Fall nicht die Nordic-Modelle besser geeignet? Die sind ja für bis zu -30 °C ausgelegt. Meine Vermutung wäre, dass sie bei z. B. -10 bis -15 °C effizienter laufen als eine normale Perfera, deren Limit bei -20 °C liegt, oder?
Danke dir auf jeden Fall für deine Infos, die Vorschläge und den Link!
Eine Frage noch: Würdest du allgemein nur Daikin empfehlen? Ich bin seit ein paar Tagen auch auf Gree aufmerksam geworden – wie siehst du die im Vergleich?
So wie Du die beiden Innengeräte eingezeichnet hast, glaube ich nicht dass du ohne Zusatzheizung (Direktstrom ?) in Bad, Küche und Esszimmer auskommst.
Ich würde eine leistungsfähige Anlage (ggf. Nordic) in den Flur setzen mit Richtung Essen. Dann im Wohnzimmer und Schlafzimmer jewils ein günstiges Gerät.
Alternativ um auf der Spur von von @redhot zu bleiben 3 gleiche Daikin Perferas (Flur, Wohnzimmer und Schlafen)
Ich selber würde aber vermutlich eine Nordic in den Flur und je ein billiges Gerät in Wohn- und Schlafzimmer.
Wie ich schon geschrieben habe... Insbesondere wenn du 2 nutzt für WZ/Esszimmer/Küche nicht nötig.
Ich weiß nicht ob das Sinn ergibt. Denn man will es im Flur ja meistens kühler haben - dort wo das Innengerät ist wird es aber am wärmsten. Und das Bad wird damit wohl dennoch nicht warm genug - ausser man überheizt den Flur extrem. Davon abgesehen wird dann über die Treppe sehr viel Wärme "abhauen". Man heizt dann eigentlich dort am meisten, wo man es nicht braucht.
Die können sicher auch interessant sein, ich habe aber keinerlei Erfahrung damit. Den Daikin sagt man aber nach, dass sie die beste Regelung haben speziell beim heizen. Außerdem Bedarfsregelung - um takten zu verhindern - sollte es denn auftreten.
Du wirst kaum Wärme durch eine Türe in den Raum bringen. Im übrigen müsste die Türe dann praktisch dauerhaft offen stehen. Im Bad? Beim Duschen? Beim ......?
Unsere Erfahrungen Wärme durch Türen zu bekommen sind, sehr gut. Ich werde zum Herbst hin mal ein Messgerät kaufen um die Lüftströme in den Türöffnungen zu messen. Dann kann mit etwas mehr Substanz beitragen.
Wir sind nur sehr, sehr wenig im Bad. Die Tür steht eigentlich immer offen, es sein denn es ist jemand drin. Ich würde denken 5x 15min am Tag und nicht am Stück.
Die Nordic-Modelle werden allgemein überbewertet. Tatsächlich sind diese Geräte nicht wirklich besser oder gar grundsätzlich effizienter. Denn an der Physik ändern diese Geräte auch nichts. Carnot ist knallhart, doch auch bei - 20°C verdampfen unsere gängigen Kältemittel noch problemlos. Das eigentliche Problem normaler R32-Anlagen ist gar nicht mal die Effizienz, wenn es richtig kalt wird. Es ändern sich durch die tiefe Temperatur einfach die Druckverhältnisse in der Kälteanlagen. Kompressoren fördern mit jeder Umdrehung ein definiertes Volumen und darin ist einfach immer weniger Gas, wenn die Temperatur sinkt. Die Anlagen sind praktisch in einem Kältemittelmangel, obwohl die absolute Menge stimmt. Dadurch liefert eine gute Anlage ohne Nordic-Tricks bei -20°C vll. noch die Hälfte der Wärmeleistung. Nordic-Varianten spritzen z.B. zusätzliches Kältemittel in den Kompressor ein. Dadurch wird dieser aber nicht deutlich effizienter, weil man dafür sehr viel Strom braucht. Nur die Heizleistung steigt damit deutlich. Man kann auf die Nordics auch verzichten, wenn man gut normale Anlagen etwas großzügiger dimensioniert.
Was soll das bedeuten, hab ich noch nichts von gehört. Überhaupt die Begrifflichkeit "spritzen ein". Wer spritzt da etwas in den Kompressor ein? Einspritzen hört sich nach flüssigem Kältemittel und Einspritzdüsen an, sowas kenne ich aber nicht von Kälteanlagen.
das hätte ich auch gesagt, bzw. noch spezifischer die realen Temperaturen am standort erfragen. wir wohnen auch am Alpenrand, und ein Dorf weiter in der Senke wird es viel kälter (können nochmal -5 sein)
in halbwegs günstiger Lage sind -15 selten und -20 extrem selten. das ist vielleicht mal ein tag.. es sei denn du planst schon mal für den Abriss des AMOC
Ich sehe da bei der "2 zb. All Season vs. 1 Nordic" Variante eben folgende Vorteile:
viel bessere Luftverteilung
damit dann auch bessere Regelbarkeit
vermutlich höhere Effizienz - auch weil mal eine ausbleiben kann usw.
mehr Geräuschkomfort, die laufen dann als 2 vermutlich leiser
Mehr Behaglichkeit: Wenn eine abtaut heizt die andere weiter
Redundanz: Wenn eine ausfällt, läuft immer noch die andere
Man könnte auch alles als Nordic kaufen, aber wozu?
Bei mir im Grunde auch, aber es kann niemals ein Gerät direkt im Raum in vollem Umfang ersetzen
keine getrennte Regelmöglichkeit
Türen müssen immer offen sein
Je nach Entfernung und Winkel (!) muss ein Temperaturunterschied vorhanden sein
wenn ein IG mehrere Räume heizt, ist ein Ausfall dann ggfs. noch dramatischer
usw.
Aber speziell der Ansatz "Vorraum heizen " (den ich bei mir selber ja auch im OG habe) macht denke ich nur in speziellen Fällen Sinn. Hier sehe ich das irgendwie nicht.
ich denke das erst einmal geklärt werden sollte wie die Temperaturen tatsächlich sind .
Wenn der Nat-Wert bei ca . -15 Grad ist , ist es nicht notwendig komplett auf Nordic - Geräte zu setzen .
Die Überlegung 1 Nordic und 1-2 normale Geräte zu nehmen, würde bei der Effizienz günstiger werden.
Bei insgesamt 3 Geräten ist ein bessere Anpassung an den Tatsächlichen Bedarf an Wärme / Kälte möglich. Wahrscheinlich ist die Effizienz dann am höchsten. Geräte sind genannt worden . Wenn es Mal tatsächlich -25 Grad werden sollte könnte ein Heizlüfter helfen . ZB wenn das 10 Tage im Jahr oder weniger wären.
Also : Wie ist der Nat-Wert bzw. die Temperatur tatsächlich und wäre es möglich 3 Einzelgeräte zu
verbauen ? Werkzeug und Fähigkeiten sind gegeben dann selber bauen .
Zwei Innengeräte und ausschließliche Heizung darüber halte ich für sehr dürftig. Du hast dann eine sehr ungleiche Wärmeverteilung. Das ist so, als wenn du in einem 80m2-Objekt nur zwei Heizkörper installieren würdest.