Großspeicher

Hallo zusammen,

im Video " WELT, BILD & Co.: Wie ihr Energiewende-Narrativ uns TEUER zu stehen kommen wird!" von Anfang Februar 2025 habe ich eine Frage zu den Großspeichern. Es wurde gesagt, dass diese Speicher durch Firmen wirtschaftlich werden und genügend Speicher in Planung sind.
Ist denn bekannt, wer diese Speicher bezahlt?
Ein AFD-Politiker behauptet, dass die Speichertechnik für Deutschland 476 Milliarden kosten würde und man mit diesem Schwachsinn aufhören müsste.

Ich hoffe auf Antworten
MfG
Florian

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Ich denke das Problem löst sich teilweise von selbst.
E Zapfsäulen hätten ideale Voraussetzungen für dezentrale Speicher.
Keine Ahnung wie die wirklich funktionieren, da ich beim Diesel bleibe bis nur mehr ein Rosthaufen vor mir steht, und ob die Speiche Größe rentabel betrieben werden kann um an der Strombörse mitzumischen. Es müssten sich nur die richtigen Betreiber, wie Versorger, finden. Oder es bräuchte den berüchtigten Tritt.

Der Andreas hat es in seinem Video ja gesagt, dass Großspeicher geplant sind von Firmen, weil Großspeicher jetzt wirtschaftlich werden. Daher meine Frage, ob die Firmen die Dinger komplett bezahlen, oder wer die baut.

Das bedeutet eine Planungssicherheit auf 0,2 %. Angesichts von Unsicherheit in Zinssätze, Termineinhaltung, Angebotshöhen, Wektmarktpreisen, Inflationsraten und Inbetriebnahmezeiten ( um nur ein paar zu nennen) ist das so unfassbar genau, dass das selbst unter Berücksichtigung hellseherischer Fähigkeiten noch ziemlich anspruchsvoll wäre.

Vielen Dank. Daher meine Frage, wer diese Großspeicher baut und wer sie finanziert. Andreas sagte im Video, dass die Speicher jetzt wirtschaftlich betrieben werden können, weil die Speichertechnik so günstig geworden ist. Ich finde aber immer nur Preise von Hausspeichern und da sind die Preise wohl ganz anders.

Im großen Stil können solche Speicher natürlich viel günstiger gebaut werden, als vorgefertigte Haushaltsspeicher wo aktuell riesige Margen beim Verkauf draufgehauen werden. Deswegen bauen hier viele Leute ja ihre Speicher selbst (DIY) :wink: Du bekommst als Privatmann heute die kWh Speicher für etwa 50 Euro - von diesen Preisen konnte man vor wenigen Jahren nur träumen! Fertige Heimspeicher liegen gerne mal um das 10-fache darüber! Hinzu kommt natürlich noch ein BMS und div. Kleinteile, so dass man für einen DIY-Akku mit 16 Zellen und 48V heute keine 1000 Euro mehr zahlt! Das sind dann gut 15 kWh.
Wenn Du das in Großproduktion baust und Containerweise direkt ab Werk einkaufen kannst, kannst Du den Preis vermutlich nochmal dritteln!

Wenn dann die Preise an der Strombörse zwischen 3 und 60 ct/kWh schwanken, kannst Du mit einem großen Speicher durchaus schnell schwarze Zahlen schreiben. Allerdings sind solche extremen Schwankungen eher selten und niemand weiß wie sich das in der Zukunft gestaltet. Wenn wir uns aber immer abhängiger machen von Sonne und Wind, dann werden die Schwankungen vermutlich groß bleiben. Wenn mehr Grundlastkraftwerke gebaut würden, würden sie sich eher reduzieren.
Auf der anderen Seite locken die günstigen Preise immer mehr Privatleute eigene PV und Speicher zu installieren - die Welt wird autarker und Strompreisschwankungen möglicherweise geringer. Andererseits könnten die Ausreisser umso krasser werden (z.B. bei einer Woche Dunkelflaute...)

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"Preise" für Turnkey Großspeicher in 2024: 165 USD/kWh exklusive EPC (Engineering, Procurement and Construction) und Netzanschluß.

Quelle: BNEF finds 40% year-on-year drop in BESS costs- Energy-Storage.News

Eine andere Quelle (mit etwas höheren Kosten) beschreibt die Aufteilung (Zellen, BMS, Installation, Projekt Management):

Großspeicher für Handwerk/Industrie/Landwirtschaft
Ein Beispiel: 100tsd € für einen 261kWh Turm

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Ich mache mal eine volkswirtschaftliche Milchmädchenrechnung auf:

Also, lt. Energy-Charts benötigt Deutschland am Tag ca. 50 .. 60 GW Leistung, nachts weniger, sagen wir mal 40 GW.

Wenn sich ein Speicher betriebswirtschaftlich lohnen soll, dann wird er immer dann eingesetzt, wenn es nennenswerte Preisdifferenzen am Markt gibt - und - wenn auch der Bedarf da ist. Das scheint mir für ca. 4-5 Stunden am Tag für eine Leistung von 30 GW möglich zu sein. Der Preishub wird überschaubar sein, vielleicht 5 ct./kWh oder 50,- /MWh. Rechnen wir mal:

30.000 MW x 5h x 50,-/MWh = 7,5 Mio/Tag oder ca. 2,6 Mrd/Jahr

Wenn ich einen Betrieb führe, setze ich als Kapitalrendite 10% ein, mit etwas Wohlwollen vielleicht 8%. Wieviel Speicher kann ich mir (oder der Betrieb, oder Deutschland) dafür leisten:

2,6 Mrd/Jahr / 8% = 32,5 Mrd. Investitionskosten.

Jetzt kann jeder seinen DIY Speicherkosten oder Großspeicherkosten-Phantasien einsetzen. Ich gehe mal von 60,-/kWhS oder 60.000,-/MWhS aus.
Dann können für 32,5 Mrd. /60.000,-/MWhS = 540 GWhS gekauft werden. Reicht das für die 30 GW x 5h Speichbedarf pro Tag? Ja.

Die Grenzkosten in diesem Modell liegen bei 216,- pro kWhS. Wenn also der Speicher (all in) weniger kostet, dann rechnet sich die Sache.

Ich hab das jetzt auf die Schnelle hingeschrieben, so pi x Flaschenbier. Korrigiert mich, wenn ich die Nullen nicht alle richtig habe. Aber von einem Kostenloch von 476 Mrd. kann keine Rede sein. Just saying.

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Und das ganz ohne Förderung.

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Das sind, meines Wissens nach, private Investoren (größere Energiekonzerne und neue StartUps). Diese kaufen und bauen die Speicher.
(Förderung in der Größenordnung: Weiß ich nicht) und handeln dann am:
FCR (Primärregelleistung, wenn der Akku groß genug ist)
aFRR (Sekundärregeleistungsmarkt)
mFRR (Tertiärregelleistungsmarkt)
Außerdem am Intraday und Day Ahead Markt.

Die Gewinne aus diesen Märkten sind aktuell extrem hoch, werden sich aber über die Dauer teil kannibalisieren, so wie man es z.B. in Großbritannien gesehen hat.
Ich kenn jetzt die Aussage des Politikers nicht und auch nicht, wie er auf diese Zahlen gekommen ist, deswegen: Kann ich das jetzt nicht nachvollziehen.
Was die AfD oder fragwürdige Blackout Influencer gerne als Rechnung anbringen, ist sowas wie: Wir müssen die ganze Dunkelflaute komplett mit Speichern überbrücken + sehr merkwürdige Zahlen was Speicherkosten angeht, was natürlich absolut lächerlich ist.
In Phasen längerer Dunkelflaute ist es so: Speicher + Wind werden diese Phasen kürzer machen, aber das reicht natürlich nicht für mehrtägige Phasen. Am Ende werden Gaskraftwerke gebaut (passiert schon), die dann genau das übernehmen.
Vorteil bei Gas: Die Investitionen sind relativ niedrig und die Kosten stark von den Volllaststunden abhängig, hier sinken die Kosten also mit der Zeit eher. Ebenfalls ist der CO2 Preis hier weniger krass.
Zumal man für solche Kraftwerke (teils) auf einen Kapazitätsmarkt setzt. Außerdem setzt man auf die Hoffnung, die Gaskraftwerke auf H2 umzustellen, was ich persönlich aber für sehr fragwürdig halte. Am Ende wird es nur um 1-2% gehen und da kannst du eigentlich auch fossil bleiben oder CCS oder whatever. Das sollte am Ende der Preis entscheiden, wenn es dann soweit ist.

Kapazitätsmarkt: Das bedeutet, dass diese für die Bereitschaft bezahlt werden und nicht nur für die Lieferung. Das macht alles stabiler, kostet aber etwas mehr. Vermutlich wird aber kein Weg daran vorbeiführen, es sollte aber so gering wie möglich gehalten werden.

Kurzum: Das was da aktuell stattfindet ist eigentlich relativ sinnvoll und durchdacht. Die Kritik finde ich sehr merkwürdig. Aber ohne weitere Informationen, kann ich die auch nicht näher bewerten.

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Ich habe ja gewisse Vorurteile bzgl "Politiker und rechnen können". Und bei dieser einen Partei ist mein Vorurteil noch viel größer :wink:

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Großspeicher beim chinesischen Hersteller kosteten Stand Dezember etwa 120€/kWh als fixfertig anschließbarer Container mit 3,5-4MWh Kapazität. Um 130-140€/kWh mit 3-3,5MWh Kapazität incl Anschluss für Solarfelder.
Die Errichtungskosten werden aus Ankauf und Verkauf von Strom bezahlt ohne Subventionen. Noch kann man Strom theoretisch auch als Verbraucher teils extrem günstig bis zu negativen Preisen kaufen, das machen aber viel zu wenige. Nur deshalb rechnen sich die Großspeicher.
Strom wird dvon nicht wesentlich billiger, das könnte nur eine durchdachte Bürgerenergiewende. Die technischen und regulatorischen Voraussetzungen dafür haben aber gefühlt 20 Jahre zu lange gebraucht:
Es muss sich für jeden rechnen, einen Heimspeicher zu betreiben. Und es muss so einfach sein, daß es fast jeder hinbekommt. Das würde den größeren Teil der Netzausbaukosten ersparen.
Ich habe vor wenigstens 10 Jahren schon versucht, mit Politikern dazu in Kontakt zu kommen. Darauf gab es überhaupt keine Rückmeldung.

Sein Post war "Über 400 Milliarden für Batteriespeicher"

Geschrieben hat er dann:
"Die Zahlen dienen rein der beispielhaften Veranschaulichung. Die Kosten für Speicher sind zugunsten von Batteriespeichern niedrig angesetzt, ebenso die Dauer der Dunkelflaute auf nur 1% des Jahres.
Dunkelflauten dauern im Schnitt übrigens zwischen 2 und 8 Tagen laut einer Studie des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung Troposphärenforschung
Und trotzdem wäre ein solcher Speicher enorm teuer."
Seine Zahlen hat er begründet mit.

  1. Jährlicher Stromverbrauch 457 Terrawattstunden (TWh).
  2. 400€ pro kWh, obwohl er hätte 400 € nehmen können
  3. 1% Dunkelflaute = 3,6 Tage

Ich habe schon einige Zahlen relativieren können, auch das Dunkelflaute nicht bedeutet, dass produzierter Strom = 0

Naja, das war sein Ansatz. Ich fand das eher schwach.

H. W. Sinn hat mal ausgerechnet, wie viel Speicher man bräuchte, um den gesamten Überschussstrom zu speichern, der sonst abgeregelt würde.

War ne nette Rechnung - aber auch ne Themaverfehlung weil den Quatsch niemand gefordert hatte.

Oder wie viele Batterien man bräuchte um 6 Wochen Dunkelflaute abzudecken.

Aja dann stimmt meine These ja.

  1. 400€ / MWh sind fast 3x zu hoch (aktuell)
  2. Es wird angenommen, dass die gesamte Dunkelflaute mit Speichern überbrückt werden sollt und genau das ist natürlich völliger Unsinn. Gaskraftwerke werden das zum Großteil übernehmen (so wie jetzt auch, wobei aktuell noch viel Kohle dabei ist) und Speicher werden für kurze Schwankungen / Ausgleich genutzt.

Das ist eine Milchmädchenrechnung und scheint hier auch der üblichen Strategie zu dienen.

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Zu 1. Du meinst sicher 400€/kWh (nicht MWh)?
Letzteres wäre sehr günstig, aber 400€/kWh ist auch m.E. viel zu viel. Im DIY-Bereich kommt man schon auf 50€/kWh - warum soll das nicht nach oben skalieren?
Bei den 50€ ist natürlich nur der Materialpreis der Akkus gerechnet, mit Aufbau, Installation, BMS muß man den Wert wohl mind. mit 3 multiplizieren, also 150 €/kWh dürfte ein realistischer Wert für Großspeicher sein. Tendenz fallend!

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Ja klar, sorry. Ich war gedanklich noch bei Strompreisen ^^
Sonst würde ich jetzt auch starten :stuck_out_tongue_winking_eye:

Zum Thema erneuerbare Energien und Großspeicher gibt es ein sehr Prominentes Beispiel, welches den nutzen eines Großspeichers eindrucksvoll bewiesen hat: Südaustralien.

Hier ein Artikel von 2018: Teslas Riesenakku in Australien macht sich bezahlt | heise online

Hier werden auch einige Rechnungen (für Australien) angestellt.

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Danke für den Hinweis auf das HPR Projekt in Australien. Der heise online Artikel ist da etwas vage, was echte Zahlen angeht, aber ein Blick auf wiki:

zeigt, das man damit Geld verdienen kann.

Wenn ich es richtig verstehe, ist/war Südaustralien wohl sehr von Netzausfällen geplagt, Umspannstationen, Kraftwerksausfälle. Damit hat das HPR anscheinend das meiste Geld verdient.

Die Investition lag bei ca. 680,-/kWhS in 2017-2019. Verdiensterwartungen: ca. 70,-/kWhS, soweit ich aus dem wiki Aufsatz entnehmen konnte.

Mit heutigen Gestehungskosten sollten Batteriespeicher ein Selbstläufer sein, zumindest da, wo die Netzstabilität gefährdet ist. Sehen wir mal, denn was Theo in der ..rie kann, vermag Paul Praxis noch lange nicht.

Ich konnte vor Weihnachten den "Großspeicher" Varel besichtigen. Der Hybrid-Großspeicher in Varel - einfach erklärt - enera
Während der Li-Speicher wohl zuverlässig arbeitet, war der gesamte Natrium-Schwefel Speicher außer Betrieb, wohl Ersatzteilprobleme. Wie Hersteller und Netzbetreiber berichteten, wird die NaS Speicher Technologie nicht weiter verfolgt.

Mich würde noch mal interessieren, ob ich bei folgender Überlegung einen Denkfehler habe:

Oben wird die Rentabilität eines Großspeichers mit der Eingangsgröße "Schwankung des Strompreises an der Börse" berechnet. Also beispielsweise 5 Cent/kWh am zufälligen Tag.

Wenn aber nun der Speicherbesitzer gleichzeitig auch Besitzer einer großen Freiflächenanlage ist: dann bekommt er kein EEG (weil Freifläche), sondern ist in der Direktvermarktung, d.h. er hat irgendwelche Verträge mit einem Unternehmen, das ihm den Strom abkauft. Zu welchen Konditionen auch immer. Evtl. kann er dann mehr rausholen als die obigen 5 Cent Delta, wenn er statt mittags erst abends einspeist? Oder ist (bei einem echt funktionierenden Markt) das Delta des Börsenpreises die theoretische Grenze?