Dynamischer Stromtarif mit Speicher (ohne PV)

Hallo ihr lieben,

und entschuldigt die späte Antwort. Ich bin Dr. Konrad Schade und Geschäftsführer von Rabot Energy und habe vor 2 Jahren angefangen, die Rabot Flow Lösung zu konzipieren und marktreif zu entwickeln.

Ich versuche mal ein paar der Fragen hier zu beantworten und stehe für weitere gerne zur Verfügung.

1. „Ist man dann an den Stromvertrag der Firma gebunden?" (@JensDecker)

JEIN. Der Speicher funktioniert natürlich auch so und du kannst dir individuelle Lade- und Entladeslots definieren und der Speicher fährt die ab. Wenn du dich aber über die Marstek API mit Rabot Flow verbindest (wird im Onboarding bei uns ganz genau erklärt) und du auch einen Tarif von uns hast (dynamischer Tarif, monatlich kündbar zum Beispiel) passieren 2 wesentliche Dinge:

  1. Unsere automatisierte Optimierung übernimmt. Siehe Live screen aus unserer App. Das ist natürlich manuell nicht einstellbar (ändert sich jeden Tag); und das ist auch nur der DayAhead Teil. Wir bereiten gerade die IntraDay Optimierung vor, die nochmal mehr Spaß bringt. Mehr dazu später.
  2. Und das ist das mit Abstand wichtigste. Wenn der Speicher abends entlädt, dann wird in der Regel auch zurück ins Netz gespeist. Bei jedem Energieversorger kann diese Menge zwar wieder am Energiemarkt verkauft werden (ist ja nicht Teil des EEG) und der Spread ist gerne auch mal bei 10 ct/kWh oder mehr, aber da ihr gleichzeitig beim initialen Bezug Netzentgelte und Abgabe zahlen müsst, wird der Case negativ. Wir - bei Rabot Energy - kriegen diese alle erstattet und reichen sie an euch weiter, sodass ihr nicht nur durch die Lautverschiebung von abends auf mittags, sondern auch durch die Rückeinspeisung Geld verdient. Damit wird der Case eben so gut mit 120 - 150 EUR pro Jahr Ersparnis.

2. Zur vermuteten „10-Jahre-Bindung" (@Ilka Lange, @JensDecker) Bei dem Speicher von Rabot Energy gibt es eine 10 Jahres Batteriegarantie von Marstek, aber den Stromtarif könnt ihr wie gewohnt nach 1 Monat kündigen.

3. §14a / variable Netzentgelte „für Dummys" (@Ilka Lange) Wir bewegen uns mit dem 2,1 kWh, 800 W Speicher komplett außerhalb von 14a und somit auch Modul 3 (dyn. Netzentgelte). Das ist beabsichtigt, da wir sonst eine Verbindung zwischen Speicher und Smart Meter herstellen müssten und damit müsste jeder Mieter ein Kabel vom Zählerschrank im Keller zu seinem Speicher in der Wohnung legen und das Produkt ist tot. Wir brauchen das nicht und man schließt den Speicher direkt an die Steckdose Zuhause an.

4. „Meist eher schöngerechnet?" Beworben sind ca. 120 € Ersparnis pro Jahr bei 400 € Anschaffung, also Amortisation nach 3–4 Jahren. Stand heute sehen wir aus den ersten Monats-Hochrechnungen im Realbetrieb und unseren Simulationen 120–140 € pro Jahr — rein Day-Ahead-basiert; inkl. Speicherverlusten. Mit Intraday-Optimierung, an der wir arbeiten, kommen unsere Berechnungen auf rund 170 € pro Jahr, bei der aktuellen (eher zunehmenden) Volatilität der Märkte. Das sind unsere Zahlen — nehmt sie gern kritisch auseinander. Und um fair zu bleiben: Die Skepsis weiter oben im Thread (z. B. Post #44 — DIY-Speicher ohne PV rechnet sich kaum) ist für Selbstbau-Setups mit 2.500 €+ Invest berechtigt. Unsere Rechnung geht auf, weil die Hardware klein und günstig ist, Steuerung und Tarif aus einem Guss kommen und die Einspeisung vergütet wird. Schaut gerne auf das nachfolgende Bild von meinem Speicher Zuhause im Juni. Hier vergleiche ich meinen effektiven Brutto Arbeitspreis ohne Speicher, mit Speicher aber nur Lastverschiebung und mit Speicher und Lastverschiebung und Gewinne durch die Rückeinspeisung.

5. Simulationstool (@JensDecker) Ich mag die Idee mit dem Simulationstool. Und ich gebe das mal ins Team, dass wir sowas veröffentlichen. Wir haben das intern schon anhand von 100en Lastgängen aus 2024 und 2025 durchgerechnet. Egal ob 2 oder 4 Personenhaushalt. Die Ersparnis ist real. Ich kann bei Interesse mal einen Post hierzu verfassen und warum es gar nicht so wichtig ist, wie viel Verbrauch man normalerweise hat und was das Profil ist, um auf die 120 EUR zu kommen.

Hoffe, dass hilft schon einmal.

lieben Gruß,

Konrad (GF & CCO Rabot Energy)

Hier noch ein Snapshot aus unserer App direkt von meinem Zähler vor und nach Rabot Flow. Funktioniert schon ganz gut :slight_smile:

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Hallo Konrad. Ich bin seit 2023 bei Rabot Energy und überlege auch mir einen Speicher + dynamischen Tarif bei Euch zuzulegen. Bisher habe ich noch keinen Smartmeter und damit keinen dynamischen Tarif. Ich habe gerade nochmal mehrere Abrechnungen von Euch an mich angeschaut. In den letzten Monaten war der Preis meist bei GROB 23,5 Cent/kWh netto, also ca. 28 Cent/kWh brutto. Du hast oben den Screenshot mit dem Vergleich der Kosten mit 34,3 ; 30,5 und 26,4 Cent/kWh. Wenn ich die 26,4 Cent von meinen 28 Cent abziehe, komme ich auf eine Ersparnis von 1,6 Cent pro kWh. Mein Jahresverbrauch ist 2700 kWh, also Einsparung 43,2 Euro im Jahr. Das ist nicht viel. Oben schreibst Du:

Sehe ich das richtig, dass dann die restlichen grob 80 bis 110 Euro aus den Netzentgelten kommen?

Hi @Gnomie , eine sehr gute Frage. Die 34 ct/kWh sind bei mir in Berlin PLZ 10999 (darum hatte ich das explizit dazugeschrieben). Das hat erst einmal nichts mit deinem Arbeitspreis zu tun. Berlin ist so teuer, weil wir sehr hohe Netzentgelte haben. Entscheidend ist, dass die Absprungbasis ein dynamischer Tarif im SLP ist. Das wird bei dir auch so sein, wenn du bei uns in Belieferung bist und noch kein Smart Meter hast. Wenn du ähnlich viel verbrauchst im Jahr wie wir (ca. 2000 kWh), dann kannst du die 7-8 ct direkt auf deinen Arbeitspreis anwenden.

Die ca. 120 EUR kommen in jedem Fall immer on top und haben nichts mit deiner Ausgangslage zu tun. Das ist das spannende.

2 wichtige Punkte zu denen ich auch mal bei Interesse etwas schreiben kann:

  1. Dynamische Tarife gehen auch ohne Smart Meter, aber man kann natürlich nicht individuell seinen Verbrauch steuern, da man nach dem Standardlastprofil abgerechnet wird, aber der Punkt, dass wir direkt an der Börse einkaufen und die Preise weitergeben ohne einen Risikoaufschlag zu berechnen wie Fixpreistarife, bleibt natürlich. Aber hier sage ich auch immer, dass man natürlich auch das Risiko der Preisschwankungen auf sich nimmt. Das nimmt man aber über den Speicher dann wieder fast komplett raus.

  2. Die Ersparnis kommt ausschließlich aus dem Spread zwischen günstigen Energiepreisen Mittags/Nachts und hohen Energiepreisen abends/morgens. Die Netzentgelte haben hier keinen Einfluss (da wir ja außerhalb 14a sind und nicht auf die dynamischen Netzentgelte abzielen). Ich kann dazu auch nochmal mehr schreiben, wenn mehr Infos interessant sind.

Ich hoffe, dass hat erst einmal wieder etwas geholfen.

Lieben Gruß, Konrad

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Habe mal kurz über den Daumen nachgerechnet (aber vielleicht habe ich auch nicht alles richtig verstanden): die 120 €/Jahr sollen rein aus den Day-Ahead-Spread via laden/entladen kommen, und weil ihr die Netzentgelte erstattet bekommt, kann ich direkt den Preisunterschied zwischen z.B. mittags und abends verwenden. Richtig? Mal angenommen, der Spread ist 10 Cent/kWh, dann müsste ich für die 120 € also 1200 kWh laden und entladen, plus Verluste. Also pro Tag 3,3 kWh. Weil der Akku nur 2,2 kWh hat, müsste ich also mehr als 1x pro Tag laden und entladen, damit das aufgeht. Oder ich müsste mit mehr Spread als 10 Cent kalkulieren.
Jetzt im Sommer hat es ja meistens nur ein Tagesminimum (mittags), ein Tagesmaximum (abends), ein niedrigeres Maximum morgens, und nachts liegt der Preis meist mittendrin. Also eigentlich habe ich dann pro Tag nur einmal einen großen Spread (zwischen Mittag und Abend), und dann noch einen kleinen (zwischen Nacht und Morgen).

Und an drei zufällig ausgewählten Wintertagen im Februar war der Spread eher kleiner als jetzt im Sommer.

Also so ganz leicht ist das nicht, auf die 120€ zu kommen. Aber nicht unmöglich.

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Hi @lars72 ,

du rechnest im Grunde richtig. Habe anbei einmal den täglichen Epex Spot DayAhead Energiepreis Spread für die beiden Fenster (nachts zu morgens und mittags zu abends) aus unserem Data Warehouse gezogen von 2025 bis Juli 2026.

Wir fahren die Speicher in der Regel - wie du auch sagst - in 2 Zyklen am Tag. Da wir nicht komplett entleeren und Speicherverluste berücksichtigen, nehme ich hier effektiv 2 kWh pro Zyklus. Damit ergibt sich:

0,048 EUR/kWh x 2 kWh x 365 Tage + 0,131 EUR/kWh x 2 kWh x 365 Tage = 130 EUR pro Jahr.

Lieben Gruß,

Konrad

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Mich interessiert eher folgendes:
Für die bezogenen kWh zahlt man doch Netzgebühren pro kWh. Man muss also bei bezogenen kWh die in den Speicher kommen +xy ct Netzgebühren rechnen und dann beim Verkauf gibt es die Netzgebühren doch nicht wieder zurück.

Wenn ich meinen Speicher zu hause beispielsweise laden wollte aus dem Netz, dann würde ich ungefähr 10ct Netzgebühr bezahlen. Wenn ich also dann zu 0ct den Strom kaufe, zahle ich für meinen 2kWh Akku 0,20€ beim entnehmen, dann ist der Wirkungsgrad annähernd 85-90% also kommen nur 1,8kWh wieder raus. Wenn ich den Strom verkaufe muss ich nun mindestens 11,1ct einnehmen + ein bisschen für den Akku selbst.

Guck ich mir jetzt die Rechnung dort an, mittag zu abend sind es 13,1ct im Durchschnitt Unterschied. Also würde ich in der Zeit für den Akku noch ca. 2ct bekommen. Da bin ich unsicher ob sich das Konzept hier in Österreich lohnen würde.

@RoterFuchs das hier ist der Schlüssel:

Interessant wäre nun, wie "groß" man sein muß und wie aufwendig die Bürokratie ist, bis man sich auch als Privatmensch die Netzentgelte erstatten lassen kann.

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Also eine Umgehung der Netzgebühren.

Klar, das würde gehen. Dann würde ich hier 100kWh hinstellen und selbiges machen, muss dann aber sicher wieder Gewinnsteuer abgeben.

Hallo @roterfuchs, @lars72 ,

sehr spannende Frage und wir sind noch nicht in Österreich live, darum kann ich jetzt nicht exakt für die Rechtsprechung in Österreich eine Aussage treffen.

Als Privatperson kann man das nicht machen. Das können nur wir als Lieferant und wir können das dann an unsere Kunden weitergeben. Und es ist komplizierter als man so denkt und auch der Grund, warum wir jetzt 2 Jahre daran getüftelt haben. Man sagt immer Netzentgelte, aber was steckt eigentlich dahinter?

Besteht im Grund aus folgendem:

  1. Eigentliche Netzentgelte: Die kriegen wir genau in unserem Konstrukt tatsächlich gemäß §118 Abs. 6 EnWG erstattet. Da der Teil des Stroms, den wir wieder einspeisen als Teil des Verteilnetzes gewertet wird. Das funktioniert aber nur, wenn der Speicher keinen anderen Kontakt zur Außenwelt hat (e.g. da hängt noch ein Solaranlage oder ein EV dran). Um die Cases erweitern wir Stück für Stück. Da passiert auch gerade viel in der Rechtsprechung (gerade zum Thema EEG Vergütung bei kleineren PV Anlagen, aber das ist ein eigenes Thema für sich)
  2. Dann hast du noch Stromsteuer, die wir an das Hauptzollamt zahlen müssen. Kriegen wir auch zurück. Ist aber auch nicht einfach
  3. Dan hast du noch EnFG Umlagen nach §21 Abs 1 EnFG. Kriegen wir auch zurück

Und damit wir das zurückkriegen, muss der Netzbetreiber auch die Daten vorliegen haben. Wir müssen also die Einspeisung als eigene einspeisende Messlokation beim VNB anmelden und dann natürlich noch beim Marktstammdatenregister.

Vieles davon automatisieren wir aktuell, aber bei 800+ VNBs in Deutschland bei dem jeder einen anderen Prozess hat, ist das schon auch ein kleiner Albtraum.

Davon soll der Kunde natürlich nichts mitkriegen, aber zeigt einmal ein bisschen, was wir im Hintergrund auf die Kette kriegen müssen, damit wir die 10 EUR im Monat Ersparnis auch effektiv auszahlen können :slight_smile: .

Lieben Gruß,

Konrad

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Und noch der Punkt, warum wir nicht einfach gleich 5 oder 10 kWh Speicher hinstellen.

Die Spreads sind ja nicht beliebig lang (meist nur 1 max. 2 h). D.h. du brauchst eine viel höhere Anschlussleistung um einen 10 kWh Speicher in 2h leer zu kriegen. Das muss man dann wieder beantragen, ein Elektriker muss kommen und mit den normalen Haushaltssteckdosen funktioniert das dann ja schon gar nicht mehr.

Wir haben uns für 2 kWh entschieden, weil du das bei einer erlaubten max. Ausspeiseleistung von 800W in Deutschland gemütlich in 2,5h leer kriegst (Laden geht schneller). Viel wichtiger ist aber, dass diese Speichergrößen <30 kg sind und daher Small Parcel. Kommt also bequem mit DHL oder DPD und nicht per Spedition zwischen 08 - 20 Uhr. Und man kann den Speicher auch mal mit auf ein Grillfest oder Camping nehmen.

Und 2 kWh ist auch eine gute Größe für Eigenverbrauch einer Familie am Abend und morgen.

Lieben Gruß,

Konrad

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Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Um das zusammenzufassen: Ihr könnt die Netzentgelte und Steuern die der private Endkunde bezahlen müsste zu eurem Unternehmen zuschreiben und daher wird durch jene Netzentgeltbefreiung und Steuerbefreiung ein Plus generiert. Das Geld wird nicht durch die Preisschwankungen per se erzeugt.

Das bedeutet, dieses System kippt genau dann, wenn die Gesetze angepasst werden um diese, ich nenne es mal Lücke, zu schließen. Dann könntet ihr nur mit reinem Einkauf-/Verkauf keine positive Bilanz mehr erzielen und dem Kunden das nicht mehr erlassen, der Kunde würde dann einen 2kWh Akku besitzen den er privat nutzen kann, aber der Ankauf/Verkauf von Strom wäre nicht mehr lukrativ und ggf. +/- 0. Der Kunde "verliert" dann also nur Amortisationszeit bis sich der Akku ausgezahlt hat (je nach Nutzungsverhalten) während er jetzt momentan noch durch dieses System alleine sich in 3-4 Jahren amortisiert.

@roterfuchs , danke dir für deinen Post.

Hier handelt sich aber um keine Lücke, sondern um die grundsätzliche Funktionsweise im deutschen Recht für Speicher. Gilt ja genauso auch für B2B Speicher. Darum ist das keine Lücke.

Und die Bundesregierung geht ja noch mehr in die Richtung durch die sukzessive Abschaffung der EEG Vergütung (blinde Vergütung bei eingespeister Solarenergie) hin zur Direktvermarktung wie wir es schon bei den Heimspeichern betreiben.

Um unser Energienetz in Deutschland weiter zu stabilisieren, müssen wir ja mehr und mehr Anreize schaffen, um Peak Produktion Mittags in Deckung zu bringen mit dem Peak Verbrauch abends. Das wird ja durch die weitere Verbreitung von EVs und Wärmepumpen nur noch spannender.

Darum werden die Anreize nur noch größer (siehe dyn. Netzentgelte).

Und noch eine wichtige Ergänzung. Die Netzentgelt-Thematik gilt ja nur für den Teil des Stroms, der zurückgespeist wird ins Netz. Für deinen Eigenverbrauch zahlst du ja eh die Netzentgelte und profitierst hier voll von dem Spread aus den Energiepreisen.

Wir werten gerade aus, wie die Verteilung zwischen Einspeisung und Eigenverbrauch ist. Bei mir Zuhause ist es in der Regel 60% Eigenverbrauch und 40% Einspeisung. Also eine Ersparnis gibt es immer egal, was regulatorisch passiert. Und wir haben uns jetzt auch noch nicht den IntraDay Markt angeschaut.

Lieben Gruß,

Konrad

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Doch, nur durch die Preisschwankungen (wenn ich Konrad richtig verstanden habe). Und dank des geschickten Konstruktes fallen keine Netzentgelte für den Anteil an, der aus dem Netz geladen und wieder ins Netz eingespeist wird.
Ich vermute, ihr habt euch in den beiden letzten Beiträgen missverstanden?

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@roterfuchs deine Zusammenfassung greift einen wichtigen Punkt auf, dreht dabei aber Erlösquelle und Kostenblock um.

Der Erlös entsteht ausschließlich aus dem Spread, also aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis beim Laden und dem beim Entladen. Netzentgelte und Abgaben erzeugen keinen einzigen Cent Gewinn. Bei einem völlig flachen Preisprofil wäre die Ersparnis exakt null, egal welche Befreiung greift.

Was stimmt: Wenn dieselbe Kilowattstunde beim Bezug voll mit Entgelten und Abgaben belastet wird, beim Rückverkauf aber nur den Börsenpreis erlöst, ist der Case negativ. Konrad hat das weiter oben genau so beschrieben. Die Befreiung ist damit notwendige Bedingung, aber sie ist nicht die Quelle. Sie verhindert nur, dass der Spread aufgefressen wird.

Und es ist keine Lücke. Netzentgelte, Umlagen, Stromsteuer und Konzessionsabgabe knüpfen am Letztverbrauch an. Strom, der zwischengespeichert und wieder ins Netz zurückgegeben wird, wird nicht letztverbraucht, sondern nur zeitlich verschoben, und beim tatsächlichen Verbraucher später ganz normal belastet. Beides zu belasten wäre eine Doppelbelastung derselben Kilowattstunde. Das ist bewusstes Regulierungsdesign und im Grunde genau das, wofür hier im Forum die Kleinspeicherpetition geworben hat.

Zum Szenario "dann ist es plus minus null": Selbst wenn man die Rückeinspeisung komplett wegstreicht, bleibt die reine Lastverschiebung übrig. In Konrads Berliner Beispiel sind das 34,3 gegen 30,5 ct/kWh, also rund 4 ct. Dabei fallen die Netzentgelte in beiden Fällen auf dieselbe Menge an und kürzen sich raus. Dieser Teil hängt an keiner Befreiung, sondern nur am Spread.

Dazu kommt die Richtung der Entwicklung. Laut einer Auswertung, die das pv magazine im Juli veröffentlicht hat, lagen teuerste und günstigste Viertelstunde eines Tages im zweiten Quartal 2026 im Schnitt 21,8 ct/kWh auseinander, zweithöchster Quartalswert seit 2020. Ursache ist, dass der Zubau von PV und Wind schneller läuft als der Zubau von Flexibilität. Solange das gilt, wird der Spread größer und nicht kleiner.

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Dann sage ich mal danke an euch beide. Verstehe ich das demnach richtig, nochmal in ganz kurz (wofür ich nicht bekannt bin). Wenn man eine kWh bezieht zahlt man als Endnutzer die Steuern und Netzgebühren und die kWh ist daher "freigekauft". Daher dürfen diese Gebühren nicht zweimal erhoben werden. Wenn man die kWh wieder verkauft und sie daher vom nächsten gekauft wird, dann werden die Netzkosten und Steuern auf denjenigen übertragen, weil der der Endnutzer ist.

Also ist man dann nur der Zwischenhändler dieses Stroms.

Quasi wie beim Großhandel wenn mit MWSt. gekauft wurde und dann wird einzeln weiter verkauft, dass die MWSt. nicht zweimal erhoben wird.

Ja verstehe, Nachts fehlt noch viel Strom, muss dann evtl. noch teuer erzeugt werden mit fossilen Kraftwerken, die dann auch noch aufschlagen weil sie am Tag für sehr niedrige Preise verkaufen. Solange es also an Speichern fehlt ist der Preis nachts wohl noch länger hoch.

Schön erklärt! Mit der Analogie "Zwischenhändler" und "Endnutzer" ist das Entgelt-Steuerthema viel besser zu begreifen.

Die Preisspitzen sind meist morgens und abends. Nachts ist es meist irgendwo auf mittlerem Niveau.

Beim doppelten Netzentgeld für Speicher droht aber auch ein Rückschritt? BVES kritisiert Plan für doppelte Netzentgelte für Speicher

Analogie ist gut. Genauso kann man sich das vorstellen.

@jensdecker danke für den Link. Der Artikel ist von März, da hat sich schon wieder einiges bewegt:

1. Erst im Dezember 2025 wurde der §118 Abs. 6 EnWG geändert und hat unseren hier betrachteten Fall gestärkt: Die Freistellung gilt seitdem ausdrücklich auch für Speicher, die nur einen Teil des ausgespeicherten Stroms wieder ins selbe Netz einspeisen. Genau was wir hier machen.

2. Seit dem 06.08. liegt der vollständige AgNes-Festlegungsentwurf vor, der auch nach 2029 die Netzentgeltbefreiung regelt. Für Heimspeicher liest er sich recht gut:

  1. Der Kapazitätspreis gilt nur für netzgekoppelte Großspeicher (direkt und alleine am Zähler). Geräte hinter dem Haushaltszähler fallen hier raus; zahlen also keine Pauschale für jede kW Anschlussleistung.
  2. Einziger spannender Punkt ist, dass die eingespeisten Mengen messtechnisch möglich zu erfassen sind. Das ist mit PV schwieriger, da man ja nicht weiß, welcher Strom im Speicher aus der PV Anlage oder mal aus dem Netz kommt. Das versucht die MiSpel mit der Pauschaloption zu regeln (finde ich sehr kompliziert). Ohne PV sollte der Smart Meter ausreichen, da der ja ein Zweirichtungs-Zähler ist.

Zu dem 2. Punkt machen wir sogar bei der Konsultation für diese Festlegung mit (Einreichung noch bis 18.09.), damit hier keiner auf den Gedanken kommt, noch einen zusätzlichen Zähler an einem kleinen Heimspeicher anbringen zu wollen.
Mehr Messtechnik braucht es nicht. Kurioserweise rechnet der Formelsatz aus der parallelen MiSpeL-Festlegung genau das schon aus, wenn man die Solarleistung auf null setzt — er darf nur bisher nicht auf diesen Fall angewendet werden. Das ist unser Vorschlag an die BNetzA.

Alles nicht ganz trivial, aber idealerweise haben wir am Ende nicht nur eine Lösung für Heimspeicher ohne PV (wie jetzt schon), sondern auch eine Lösung für Heimspeicher mit Balkonkraftwerken.

Lieben Gruß,

Konrad

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Ich glaube, man muss hier zwei Geschäftsmodelle sauber voneinander trennen:
A) günstig aus dem Netz laden und später eigenen teuren Netzbezug vermeiden
B) günstig aus dem Netz laden und später wieder ins Netz verkaufen

Bei A kann man den Break-even relativ einfach betrachten:
Wenn der Speicher z.B. 85 % Roundtrip-Wirkungsgrad hat und die geladene kWh vollständig 20 Cent kostet, dann kostet eine später wieder nutzbare kWh alleine durch den Wirkungsgrad schon:
20 ct / 0,85 = ca. 23,5 ct

Dazu kommen noch die anteiligen Zykluskosten des Speichers. Der spätere vermiedene Strompreis muss also oberhalb dieses Werts liegen.Deshalb würde ich auch nicht einfach Börsenpreis morgens gegen Börsenpreis abends vergleichen, sondern jeweils den vollständigen marginalen Bezugspreis.

Bei B wird es komplizierter, weil man dann nicht einfach davon ausgehen kann, dass sämtliche beim Bezug bezahlten Netzentgelte, Abgaben usw. beim späteren Einspeisen wieder zurückkommen. Das muss für das konkrete Tarif-/Vermarktungsmodell separat betrachtet werden.Für mich wäre deshalb die interessanteste Kennzahl nicht der reine EPEX-Spread, sondern:
Erlös bzw. vermiedener Bezugspreis
minus
vollständiger Ladepreis / Roundtrip-Wirkungsgrad
minus
Zyklusverschleiß

Erst was danach übrig bleibt, ist der tatsächliche wirtschaftliche Spread.