DIY-Akku für Elektroboot

Hallo Forum,

ich bin neu im Akku-Game, also seid vielleicht etwas geduldig, wenn ich Dinge frage, die bei Euch unter "Allgemeinwissen" laufen. :slight_smile:

Mein Projekt: Ein elektrisch angetriebenes Boot. Der Motor ist bereits bestellt und läuft mit 72V Nennspannung, der Akku muss zwingend unter 84V bleiben. Der Motor zieht maximal ~160A = 11kW, ich möchte daher einen LFP-Akku mit 22s oder 23s und zwischen 100 und 150Ah verbauen, dessen Dauerstrom-Lieferfähigkeit sicherheitshalber bei 200A oder mehr liegt. Damit sind viele Solarspeicher-Zellen im Bereich <= 150Ah raus, da die nur bis 0.5 oder 1C Dauerstrom spezifiziert sind. Der Motorhersteller geht übrigens von einer 23s Konfiguration als "recommended" aus.

Es gibt auf Aliexpress einen fertigen 105Ah-Akku mit 22s1p Konfiguration und (unbekanntem) 200A BMS + unbekannten Zellen für ca. 1300 EUR zu kaufen, das wäre mein Mindest-Benchmark. Entweder werde ich per DIY billiger, besser oder größer. Mein Budget wäre bis ca. 1500 EUR.

Ich habe bislang verstanden: Zellen gibt's seriös in den Niederlanden bei NKON zu kaufen - da habe ich auch eine 150Ah Zelle (BAKCBBL150) gefunden, die für 2C Dauerstrom spezifiziert ist. Kostet pro Stück knapp 40 EUR, also im preislichen Rahmen. Habt ihr noch andere Empfehlungen für Zellen irgendwo zwischen 120 und 150 Ah, die mindestens 200A Dauerstrom liefern können?

Dann das BMS - hier hab ich (auch bei NKON) ein JK B2A24S30P bis 24s und 200A gefunden, das ich ganz passend finde. Was gäbs da zu beachten?

Was fehlt also noch: Case, Coulombmeter für die ANzeige des SOC, Lademöglichkeit (und so "Kleinigkeiten" wie die interne und externe Verkabelung des Akkus).

Fangen wir mit dem Case an: Was gibt's hier an empfehlenswerten Anbietern für stabile Metallcases, in dem 22-24 Lifepo4 Zellen + BMS + Shunt Platz finden?
Die BAK-Zellen haben die Abmessungen 220x117x60, ich denke, ich müsste das ganze zweireihig nebeneinander aufbauen. Häufig zu finden sind 16s-Cases - könnte man so ein Case für 16s Zellen der 300Ah-Klasse auch einfach mit 2x11 kleineren Zellen bestücken? Wo bekomme ich die Verbinder zwischen den Zellen (Busbars) her?

Fragen über Fragen,
Jan

Faustformel: Akkus nicht dauerhaft über 1C oder besser 0,5C belasten.

Selbst Tesla & Co machen so etwas nicht, nur als Spitzenlast oberhalb 1C.

Es bleibt also entweder größere Zellen - für 200A also größer 200Ah, oder Spezialzellen die natürlich auch “spezial” kosten.

Oder Du vergewaltigst die kleinen Zellen und hoffst auf ein langes Leben dieser. Könnte auch klappen.

150Ah und 160A max. nach Motor-Spec wäre für mich noch nah genug an 1C dran - nur sollte das BMS nicht gleich bei einem Peak “zumachen”, deswegen habe ich gern Luft nach oben. Und die Zellen die ich rausgesucht habe, sind angeblich für 2C ausgelegt. Gilt da die Regel “max. 1C” trotzdem? Ich muss keine 4000 Zyklen erreichen, realistisch sind vielleicht 50 Zyklen/Jahr, wenn überhaupt.

200Ah ist leider endgültig zu schwer. Ich muss den Akku zu zweit händeln können, und auch wegen der Fahreigenschaften sollte er so leicht sein wie möglich. 105Ah wiegen mit Case 65 Kilo, 150 schon in Richtung 90 Kilo, das ist dann schon echt schwer und das absolute Maximum.

Daher dann die Frage “Spezialzellen” - gibt’s da Empfehlungen? “EV grade” soll das Zauberwort sein, und damit finde ich auch die eine oder andere 2C/3C-Zelle. Nur ist dann der Bezug schwierig, grade bei Lieferanten aus DE/Europa.

Da ich auch seit frühester Kindheit verschiedenste Motorboote fahre, irritieren mich die 11 kW als Dauerlast.

Um mit kleine Sportbooten schnell zu fahren zu wenig und bei größeren Booten ist mit der kleinen Leistung alles oberhalb der Rumpfgeschwindigkeit rausgeschmissene Energie.

Is es was spezielles? Katamaran?

Speziell? Glaube nicht wirklich. Aber es soll in der Tat ein e-angetriebener Gleiter werden - bislang war aber die Motorenauswahl dazu sehr begrenzt.

Ich habe hier ein altes 4,50m Aluboot mit einem Leergewicht von 115kg (das ist ziemlich leicht), das mit 20PS Verbrenner und drei Personen sehr locker ins Gleiten kommt, damit fährt das Teil knapp 24kn. Gleiten tut’s ab ca. 13-14kn, und in den Bereich um die 15-20kn möchte ich mit dem Elektroantrieb hin. Mit 15 PS Verbrenner geht das, also sollte es mit 11kW Elektro auch gehen. Es steht und fällt aber alles mit dem Leistungsgewicht, weswegen der Akku möglichst leicht sein sollte. Man kommt schnell an eine Grenze, wo eben die Leistung grade so NICHT mehr ausreicht, um die Bugwelle zu “überholen”, dann kann man auch gleich mit 1kW und 6kn Rumpfgeschwindigkeit rumtuckern.

Am Ende soll das ein günstig zu betreibendes und leises Pendelboot zu unserem Inselhäuschen in Finnland werden… :wink: Und natürlich dem Erkenntnisgewinn dienen.

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Leicht, wasserdicht, genug Leistungsabgabe, ganz schöner Spagat! Gibt es pouch Fertigbatterien? Bei 50 Zyklen im Jahr eher Li-Ion? 4 x 72V 60Ah Scooterbatterien?

Dann such mal nach NMC Zellen.

Die haben ein deutlich hóheres Leistungsgewicht als LFP und eine hóhere Spannung pro Zelle.

Ich hab die früher in City ELs eingebaut, weil es da auch aufs Gewicht ankam.

Eine höhere C Rate vertragen die auch besser.

Hmm, ich rechne mal durch, wie viel Gewicht das ausmacht. Vielleicht ist die Idee nicht so schlecht. Auf dem Wasser braucht man halt nervigerweise die Leistung dauerhaft, nicht nur für ein paar Sekunden.

Nur grade im DIY-Bereich hab ich vor NMCs ganz schön Respekt - LFP sind halt inhärent etwas sicherer (und ich hab Lust auf Hands-on Erfahrung damit). Und zumindest in meinem Auto sind die NMC überraschend schnell gealtert. Aber Respekt, wer City EL noch kennt - das nenn ich mal nen alten Hasen! :slight_smile:

Zurück aber zum Case - wo krieg ich denn sowas verlässlich her? Am besten fertig mit Griffen, Ausschnitten usw, so dass man nur noch die Zellen einbaut, verpresst und los geht’s. Gut wäre natürlich auch, wenn das einigermaßen spritzwasserfest (zu bekommen) wäre.

Die BAKCBBL150 kann keine 2C Discharge dauerhaft, das ist das absolute Maximum und auch nur kurzzeitig. Die Empfehlung ist nicht über 0,5C zu gehen.

https:// www.bakpower.com/uploads/cpxl_table2/LITHIUM-ION%20RECHARGEABLE%20BATTERY-BAKCBBL150.pdf

Wenn du was Leistungsfähigeres möchtest brauchst du LTO wie zb.:
https:// LTO 155 Ah / 2,3V
https:// ecs-online.org/media/products/155AH_LTO.pdf

Die aber natürlich auch entsprechend kostet.... Winston Thundersky ginge auch.

Ich würde versuchen bei LFP zu bleiben, vom Preis-Leistungsverhältnis vermutlich nicht zu schlagen und deutlich mehr Zyklen als bei NMC typischerweise. Wenn es dir aber absolut auf Leistungsdichte ankommt, führt wohl keine Weg an NMC vorbei. Weiß nicht, ob es die in großen prismatischen Zellen gibt - vermutlich schon. Mit den 200A Dauerstrom und max. 150 Ah wird es fast unmöglich, es sei denn, Du überlastest die Zellen. Wenn das BMS die 200A packt, machen die Zellen das schon mit, nur die Frage wie lange? Bei 105Ah sehe ich das aber als äußerst kritisch an, zumindest bei LFP.

Alternative wäre vielleicht ausgebaute Module aus div. e-Autos, da gibts einiges am Markt, teils recht günstig. Setzt aber etwas Fachkenntnis und Frickelei voraus und ggf. Herumärgern mit CanBus-Protokollen etc. wenn man das verbaute BMS verwenden möchte. Ich meine vom Tesla-S gab es solche Module mit 25V, 3 davon in Serie sollte passen. Das sind dann leistungsdichte NMC-Zellen (soweit ich weiß) und ein Modul wiegt etwa 25 kg und fasst 5,3 kWh.