Mal ein etwas ausführlicheres Zwischenfazit nach meinen Tests der letzten zwei Wochen:
Ich habe meinen Speicher inzwischen auf verschiedene Arten geladen und dabei insbesondere Ladeschlussspannung, Float-Verhalten, Balancing und die Zellspannungsdifferenzen beobachtet. Mittlerweile habe ich für mich eine Ladestrategie gefunden, mit der sich die Situation kontinuierlich verbessert.
Zuletzt habe ich bis 56,5 V geladen und den Speicher anschließend auf eine Float-Spannung von 53,9 V zurückfallen lassen.
Die Entwicklung der Zellspannungsdifferenzen sieht inzwischen deutlich besser aus. Im Bereich der Ladeschlussspannung sehe ich mittlerweile teilweise Deltas unter 50 mV, mit weiter sinkender Tendenz. Im Float hatte ich anfangs noch über 20 mV, mittlerweile liege ich dort bei ungefähr 10 mV.
Besonders interessant finde ich den mittleren SOC-Bereich, also den flachen Bereich der LiFePO4-Kennlinie. Dort hatte ich zuletzt teilweise noch 5–6 mV Delta. Heute habe ich erstmals wieder Werte zwischen 0 und 3 mV gesehen. Für mich ist das ein ziemlich deutliches Zeichen, dass sich die Packs wieder in die richtige Richtung entwickeln.
Meine Balancer-Einstellungen habe ich inzwischen ebenfalls angepasst:
Startspannung: 3,40 V/Zelle
Startdelta: 20 mV
Für die 20 mV habe ich mich ganz bewusst entschieden. Ein Delta dieser Größenordnung habe ich bei meinen Beobachtungen nie im flachen Bereich der Kennlinie gesehen, sondern nur in den beiden Knien.
Das untere Knie schließe ich durch die Startspannung von 3,40 V praktisch aus. Unterhalb von 3,40 V hatte ich beim Laden ohnehin keine Deltas über 20 mV. Erst wenn die ersten Zellen über ungefähr 3,40 V kommen, beginnt das Delta bei mir nennenswert anzuwachsen. Gleichzeitig wird die Kennlinie dort zunehmend steiler.
Damit soll der Balancer also nicht irgendwo im flachen Bereich oder im unteren Knie aufgrund kurzzeitiger Spannungsunterschiede eingreifen, sondern gezielt dann, wenn sich im oberen Bereich tatsächlich Zellen voneinander entfernen.
Inzwischen habe ich auch den Laderegler des Wechselrichters sehr stark im Verdacht, was hier im Thread ja schon einmal angesprochen wurde.
Das frühere Verhalten war bei mir folgendes: Der Wechselrichter versuchte, den Speicher bis 57,6 V zu laden. Dabei liefen einzelne Zellen deutlich voraus. Nach dem Ladeschluss fiel die Packspannung zwar wieder zurück, blieb aber bei ungefähr 55,5 V und damit deutlich oberhalb einer sinnvollen Float-Spannung.
In diesem Bereich kam es immer wieder zu kleinen Ladephasen bzw. einem Hin- und Herregeln. Gleichzeitig relaxieren die einzelnen Zellen nach dem Laden unterschiedlich stark. Meine derzeitige Vermutung ist deshalb, dass dadurch teilweise genau die falschen Zellen vom passiven Balancer bearbeitet wurden. Zellen, die zuvor beim Laden führend waren, konnten während der Relaxation stärker zurückfallen, während andere anschließend höher lagen. Setzt dann erneut Ladestrom ein und der Balancer arbeitet wieder, kann das die Balance im ungünstigen Fall eher verschlechtern als verbessern.
Das würde zumindest sehr gut zu meiner damaligen Beobachtung passen: Beim Zurückfallen nach dem Laden wurde das Delta zunächst kleiner, stieg anschließend teilweise wieder an und fiel später erneut – und über längere Zeit wurde das Gesamtproblem eher schlimmer als besser.
Kleines Intermezzo mit Deye zum Bat-V-Modus
Parallel dazu hatte ich noch eine interessante Auseinandersetzung mit Deye bezüglich „Use Batt V“.
Ich wollte Absorption und Float ganz normal getrennt einstellen. Dabei zeigte mein Wechselrichter zunächst ein merkwürdiges Verhalten: Bei niedriger eingestellter Float-Spannung wurde die Ladung dort praktisch begrenzt und die höher eingestellte Absorptionsspannung nicht erreicht.
Nach einigen Versuchen habe ich dann Equalization Days und Equalization Hours jeweils auf 0 gesetzt. Seitdem zeigt der Wechselrichter bei mir ein anderes Verhalten und lädt auch über die eingestellte Float-Spannung hinaus.
Ob 0 Tage / 0 Stunden tatsächlich der entscheidende Trigger dafür ist, möchte ich noch weiter reproduzieren. Es ist momentan meine naheliegendste Erklärung, weil dies die relevante Einstellung war, die ich gegenüber meinen vorherigen Versuchen verändert hatte.
Interessant war allerdings die Kommunikation mit Deye dazu.
Zunächst wurde mir sinngemäß erklärt, die dreistufige Ladung sei hauptsächlich für Bleibatterien vorgesehen und das von mir beobachtete Verhalten bei Lithium im Spannungsmodus sei normal. Das passt für mich schon deshalb nicht richtig zur Dokumentation, weil der Bat-V-Modus dort gerade auch für Batterien ohne kompatible BMS-Kommunikation beschrieben wird und Lithium ausdrücklich berücksichtigt wird.
Daraufhin habe ich eine ganz einfache technische Frage gestellt: Wie soll der Wechselrichter im Bat-V-Modus überhaupt erkennen, ob an seinen Batterieanschlüssen eine Blei- oder eine LiFePO4-Batterie hängt, wenn keine BMS-Kommunikation vorhanden ist?
Über die reine Batteriespannung lässt sich die Zellchemie schließlich nicht eindeutig feststellen. Eine konkrete Antwort auf diese Frage habe ich nicht bekommen.
Stattdessen wurden im Verlauf verschiedene andere Erklärungen genannt, unter anderem Batteriealterung bzw. Innenwiderstand, zu dünne oder lange Leitungen, Spannungsmessabweichungen und eine mögliche Abschaltung einzelner Zellen wegen mangelnder Balance. Das erklärte aber meine eigentliche Beobachtung nicht: dass sich das Ladeverhalten durch die entsprechenden Einstellungen des Wechselrichters veränderte.
Damit habe ich bei dieser Anfrage leider eine ähnliche Erfahrung mit dem Deye-Support gemacht wie bereits bei meinem Batterieproblem: Statt die sehr konkret beschriebene Beobachtung systematisch nachzuvollziehen, bekam ich zunächst eine Reihe von Erklärungen, die an meiner eigentlichen Fragestellung vorbeigingen.
Zusätzlich mischte sich in der öffentlichen Supportgruppe noch ein externer Geschäftspartner ein und brachte Details aus meinem völlig separaten Gewährleistungsvorgang mit den Batterien einschließlich finanzieller Einzelheiten in die Diskussion ein. Das fand ich, gelinde gesagt, ziemlich befremdlich und habe das entsprechend klargestellt.
Hier im Thread kam ja vor einiger Zeit die Frage auf, ob Deye aufgrund solcher Erfahrungen möglicherweise etwas ändern wird. Nach meinen bisherigen persönlichen Erfahrungen bin ich da leider wenig optimistisch. Ich habe eher den Eindruck gewonnen, dass zunächst sehr lange nach Gründen auf Kundenseite gesucht wird, anstatt ein konkret beschriebenes Verhalten des eigenen Produkts ergebnisoffen nachzuvollziehen.
Aber zurück zu den Batterien: Da bin ich inzwischen ausgesprochen zuversichtlich.
Nach den jetzigen Ergebnissen glaube ich nicht mehr, dass ich die Speicher umbauen oder zusätzliche aktive Balancer einbauen muss. Der vorhandene passive Balancer scheint durchaus in der Lage zu sein, die Packs wieder sauber zusammenzubringen. Entscheidend scheint vielmehr zu sein, ihm durch eine vernünftige Ladestrategie die richtigen Bedingungen zu geben.
Von ehemals sehr großen Abweichungen bin ich inzwischen bei unter 50 mV am oberen Ende, etwa 10 mV im Float und teilweise nur noch 0–3 mV im flachen Bereich angekommen.
Ich werde das jetzt erst einmal genauso weiterlaufen lassen und schauen, wie sich die Werte über die nächsten Ladezyklen entwickeln
VG Boldface