Deye RW-F10.2 – Zellspannungsdrift, BMS & Balancing: Analyse und Lösungsansätze

Gut gemeint, aber imho nicht gut. Gerade die, die den Zusammenhang nicht kennen, nehmen die einfache Formulierung wortlich und schimpfen auf BMS oder benutzen es falsch. Hab ich oft genug erlebt.

Siehst du wieder unterstellst du dem BMS funktionez, die es garnicht hat. Weder die Sollwerte noch der Steuerungsmechanismus ist im BMS.

Sehe ich genau... Anders. Solange du hohen Szrom hast, hast du garnicht die reinen Zellspannungsdifferenzen.

Der Strom verursacht Spannungsabfall auf den Balancerleitungen, die du massiv im BMS siehst, und welches dementsprechend falsche Schlüsse ziehen kann. Und das passiert beteits bei erschreckend niedrigem Balancerstrom. Deswegen die Extra draht Empfehlung.

@carolus Ich glaube, wir reden bei dem ersten Punkt ein Stück weit aneinander vorbei.

Ich behaupte nicht, dass das BMS selbst die 100 A physisch auf 60 A oder 30 A herunterregelt. Ich beschreibe das Verhalten meines konkreten Deye-Systems.

Bei mir läuft der Ladestrom am oberen Ende nicht einfach kontinuierlich peu à peu aus. Ich sehe reproduzierbar deutliche Stufen bzw. Sprünge im zulässigen bzw. tatsächlichen Ladestrom, z. B. von etwa 100 A auf 60 A und anschließend weiter herunter. Das ist genau der Vorgang, den ich verkürzt als vom BMS initiiertes Tapering bezeichne.

Ob die einzelnen Sollwerte dabei technisch im BMS hinterlegt bzw. berechnet werden oder an welcher Stelle der Deye-Regelung sie exakt entstehen, ist für meine Fragestellung zunächst zweitrangig. Entscheidend ist für mich das beobachtbare Ergebnis der Kommunikation zwischen Batterie/BMS und Wechselrichter: Der Ladestrom wird stufenweise begrenzt und genau diesem Zeitpunkt möchte ich mit meiner eigenen Reduzierung etwas zuvorkommen, um das Balancierfenster oben zu verlängern.

Beim aktiven Balancer ist mir der von dir angesprochene Spannungsabfall auf gemeinsam genutzten Leitungen durchaus bewusst. Genau deshalb habe ich geschrieben, dass zunächst überhaupt geprüft werden müsste, wie die vorhandenen Leitungen dimensioniert und verschaltet sind.

Wenn dieser Weg technisch möglich sein sollte, müsste man aus Leitungswiderstand und gewünschtem Balancierstrom den entstehenden Spannungsabfall betrachten und den maximalen Balancierstrom gegebenenfalls entsprechend klein wählen. Ich würde dort selbstverständlich nicht einfach mehrere Ampere durch vorhandene Sense-Leitungen schicken.

Genau dieser Ansatz wurde hier im Thread ja auch bereits praktisch beschrieben. Ein anderer User betreibt einen zusätzlichen Balancer über die vorhandenen Messleitungen und hat dabei genau die angesprochenen Punkte – insbesondere Spannungsabfall bzw. mögliche Beeinflussung der Spannungsmessung – berücksichtigt. Sein Workaround besteht unter anderem darin, die Balancierleistung entsprechend zu begrenzen.

Das heißt natürlich nicht automatisch, dass ich diesen Aufbau bei meinen Packs 1:1 übernehmen kann. Aber es zeigt zumindest, dass der Ansatz nicht grundsätzlich ausgeschlossen ist. Ob er bei meinen Packs technisch sauber funktioniert, müsste ich anhand der tatsächlichen Leitungen, deren Widerstand und des daraus bei einem bestimmten Balancierstrom resultierenden Spannungsabfalls prüfen.

Noch zu deiner Formulierung, dass man den Spannungsabfall durch den Balancierstrom „massiv im BMS sieht“:

Dass ein Balancierstrom auf einer gemeinsam genutzten Messleitung einen Spannungsabfall verursacht, ist natürlich richtig. Wie groß der dadurch entstehende Messfehler tatsächlich ist, lässt sich aber ohne Kenntnis von Leitungswiderstand und Balancierstrom nicht pauschal als „massiv“ bezeichnen.

Am Ende gilt schlicht U = R × I.

Nur als Rechenbeispiel: Angenommen, der für den jeweiligen Messpfad relevante Widerstand läge bei 20 mΩ, dann ergäben sich:

bei 0,2 A → 4 mV
bei 0,5 A → 10 mV
bei 1 A → 20 mV
bei 2 A → 40 mV

Genau deshalb spreche ich die ganze Zeit davon, zunächst die vorhandene Verkabelung zu prüfen und einen möglichen aktiven Balancer gegebenenfalls bewusst mit reduziertem Strom zu betreiben.

Außerdem muss man bei einer gemeinsam genutzten Verkabelung berücksichtigen, dass sich der daraus resultierende Fehler in der vom BMS berechneten Zellspannung je nach Verschaltung, Stromrichtung und Messpunkt nicht zwangsläufig einfach nur als „Spannungsabfall“ darstellen muss. Der zusätzliche Spannungsanteil kann sich bei der differentiellen Messung addieren oder subtrahieren. Das BMS kann eine betroffene Zellspannung also je nach konkretem Aufbau zu hoch oder zu niedrig erfassen.

Genau das müsste man bei einem solchen Workaround vorher prüfen und anschließend auch messtechnisch verifizieren.

Grundsätzlich ist dein Hinweis auf den Spannungsabfall also vollkommen richtig. Mir geht es lediglich darum, daraus nicht ohne Kenntnis der konkreten Leitungen und des tatsächlich verwendeten Balancierstroms automatisch einen massiven Messfehler abzuleiten.

Dass eine dadurch verursachte Messwertabweichung des BMS berücksichtigt werden muss, ist klar – insbesondere weil dessen Schutzfunktionen und Ladefreigaben weiterhin zuverlässig funktionieren müssen.

Und genau deshalb wäre mein Ansatz, falls ich diesen Weg überhaupt gehen muss: Leitungen und Verschaltung prüfen, Widerstand bzw. Spannungsabfall bestimmen, Balancierstrom entsprechend begrenzen und anschließend kontrollieren, wie stark die BMS-Messwerte während des aktiven Balancierens tatsächlich beeinflusst werden.

Das ist für mich ohnehin nur ein möglicher Workaround als letzte Option. Bevor ich den Speicher zerlege oder zusätzliche Hardware verbaue, versuche ich zunächst, mit den vorhandenen BMS-Parametern und den Ladeeinstellungen eine vernünftige Lösung zu erreichen.

Das ist eben nicht vom bms initiiert. Das bms liefert nur die gemessene Ist Spannung.

Für deine Fragestellung Vielleicht, aber für das Verständnis von anderen nicht. Da kommt das von YT gehypte "das bms regelt" herüber.

Du wirst dich noch wundern, wie klein.

@carolus Wie dem auch sei: Zwischen BMS und Wechselrichter findet ein Informationsaustausch statt, aufgrund dessen das Ladeverhalten entsprechend angepasst wird.

Für meine Beobachtung ist letztlich entscheidend, dass der Ladestrom bei meinem System eben nicht einfach kontinuierlich langsam ausläuft, wie du es beschrieben hast. Ich sehe reproduzierbar deutliche Stufen bzw. Sprünge im Ladestrom. Genau auf dieses Verhalten bezog sich meine Aussage.

Und zu „Du wirst dich noch wundern, wie klein“:

Ich habe dir anhand von U = R × I bereits vorgerechnet, von welchen Größenordnungen ich spreche. Genau deshalb möchte ich Leitungswiderstand und möglichen Balancierstrom vorher prüfen und entsprechend dimensionieren.

Ich kann dir von gefuhlten 10 Fällen berichten bei denen jemand sich über "wild springende BMS Messung" aufregte, und ein aktiver Balancer die Ursache war.

Ich habe hier in 4 Jahren 14500 Beiträge geschreiben. Da war schon einiges dabei.

Grundsätzlich schätze ich deine Beiträge und vor allem deine Erfahrungswerte hier sehr. Deine Hinweise verstehe ich daher durchaus als Warnung und würde sie bei einem möglichen Versuch entsprechend berücksichtigen.

Das von dir angesprochene Problem ist mir bekannt. Weiter oben in diesem Thread wurde allerdings auch ein konkreter Fall beschrieben, bei dem die Probleme durch eine Reduzierung des Balancierstroms deutlich reduziert bzw. auf ein vertretbares Maß gebracht werden konnten. Genau das war für mich überhaupt erst der Denkanstoß, diesen Workaround eventuell auch bei mir als mögliche Lösung in Betracht zu ziehen.

Deshalb nehme ich deine Warnung ernst, möchte diesen Lösungsweg aber nicht von vornherein ausschließen.

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Kurzes Update zu meinem zweiten Test – heute hat die Sonne endlich mitgespielt. :slightly_smiling_face:

Nachdem ich gestern das Verhalten im unteren Knie getestet hatte, wollte ich anschließend noch den Ladeverlauf am oberen Ende genauer beobachten. Dafür hat die PV-Leistung gestern leider nicht mehr gereicht. Heute konnte ich den Test nun mit hoher Ladeleistung durchführen.

Zusätzlich habe ich heute einen meiner RW-F10.2 geöffnet und mir den internen Aufbau genauer angesehen.

Blick in den geöffneten RW-F10.2

Nach dem Öffnen ist die Nachrüstung eines aktiven Balancers für mich erst einmal in weite Ferne gerückt und inzwischen eher sehr unwahrscheinlich.

Die einzelnen Zellpole bzw. Verbinder sind zur Rückwand gekehrt und damit ohne weiteres Zerlegen des Speichers praktisch nicht zugänglich. Der komplette Zellblock ist massiv verspannt und die einzelnen Zellen bzw. Verbindungen sind verschweißt. Diesen Zellblock werde ich definitiv nicht zerlegen, zumal ich nicht weiß, wie der Aufbau auf der Rückseite genau aussieht.

Vom Zellblock führen zwar mehrere Flachbandleitungen zum BMS. Ich weiß aber weder, welche Adern welchen Zellpotentialen zugeordnet sind, noch welche davon eventuell andere Aufgaben übernehmen.

Damit bliebe für einen aktiven Balancer derzeit nur ein erheblicher Workaround. Das ist mir für den möglichen Nutzen momentan zu viel Eingriff in den originalen Aufbau.

Interessant am Rande: Im Speicher befindet sich außerdem ein eigenes automatisches Aerosol-Feuerlöschsystem.

Ladeversuch am oberen Ende

Ich habe die drei Packs heute zunächst mit bis zu ca. 140 A Gesamtstrom geladen, also zeitweise rund 45–50 A je Pack.

Bis weit nach oben blieb der Zellspread relativ klein:

Bei ca. 67 % System-SOC und rund 3,37 V/Zelle lagen die Deltas trotz ~45–48 A je Pack bei etwa 3–7 mV.

Auch bei 95 % System-SOC, ca. 3,40 V Maximalzellspannung und weiterhin 140 A Gesamtladestrom lagen die drei Packs noch bei lediglich etwa 5–7 mV Delta.

Ab dort wurde es interessant:

13:41 Uhr
Pack 3 überschreitet erstmals 10 mV:
Max-Zelle ca. 3,413 V, Delta 11 mV, weiterhin ca. 47 A Ladestrom.

13:45 Uhr
Pack 3 bereits bei ca. 20–21 mV.

13:47 Uhr
Pack 3 erreicht 32 mV bei ca. 3,453 V Max-Zellspannung.
→ Balancer schaltet ein.

Damit lagen zwischen dem erstmaligen Überschreiten von 10 mV und dem derzeit eingestellten Balancerstart bei 30 mV ungefähr 6 Minuten.

13:49 Uhr
Auch bei Pack 1 und 2 schalten die Balancer ein.

Danach setzte das bereits von mir beobachtete stufenweise Tapering ein. Das Charge Current Limit wurde zunächst auf ca. 54 A gesamt reduziert, der tatsächliche Ladestrom folgte entsprechend auf etwa 52–55 A.

Anschließend erfolgte die nächste Stufe auf 36 A Charge Current Limit, worauf der reale Systemladestrom ebenfalls auf ungefähr 35 A sank.

Trotz des inzwischen laufenden Balancings stiegen die Deltas zunächst weiter deutlich an.

Pack 3 erreichte dabei zeitweise etwa 150–160 mV Spread, die höchste Zelle stieg kurzzeitig bis ungefähr 3,644 V. Anschließend wurde die Ladeleistung nochmals deutlich reduziert.

Mit dem weiter sinkenden Ladestrom gingen auch die Zellspannungen und Deltas wieder zurück. Gegen Ende wurden die Packs nur noch mit wenigen Ampere geladen.

Um 13:58 Uhr war die Ladung beendet. Zu diesem Zeitpunkt lagen alle drei Packs bei ungefähr 110 mV Zellspread.

Interessant war außerdem, dass Pack 1 und Pack 3 bereits 100 % SOC meldeten, während weiterhin einige Ampere Ladestrom flossen und der Balancer noch arbeitete.

Was nehme ich daraus mit?

Der große Spread entsteht bei meinen Packs tatsächlich erst im oberen Knie.

Bis ungefähr 3,40 V liegen die Zellen selbst bei hoher Ladeleistung von rund 45–50 A je Pack nur wenige Millivolt auseinander. Erst oberhalb davon beginnt der Spread sehr schnell anzusteigen.

Die gestern getestete Balancierung im unteren Knie möchte ich deshalb künftig komplett ausschließen. Die Balancer-Startspannung werde ich von 3,0 V auf 3,4 V anheben.

Zusätzlich möchte ich die Delta-Schwelle versuchsweise von derzeit 30 mV auf 10 mV reduzieren.

Der heutige Test zeigt ganz konkret, was das zunächst bringt: Bei Pack 3 wären es in diesem Ladezyklus ungefähr 6 Minuten zusätzliche Balancierzeit gewesen.

Das ist bei nur ca. 110 mA Balancierstrom natürlich keine riesige Energiemenge. Ich möchte aber trotzdem ausprobieren, wie sich das über mehrere vollständige Ladezyklen entwickelt.

Eine weitere Erkenntnis betrifft die Ladeleistung:

Ein einfaches starkes Reduzieren des Ladestroms beim ersten Erreichen von 10 mV wäre vermutlich ebenfalls nicht optimal. Dadurch könnten Zellspannung und Delta unmittelbar wieder so weit fallen, dass die Balancing-Bedingungen nicht mehr erfüllt sind und der Balancer wieder abschaltet.

Deshalb möchte ich bei einem weiteren Versuch die Ladeleistung im oberen Knie nur schrittweise und moderat reduzieren. Ziel wäre nicht, möglichst wenig zu laden, sondern die Zellen länger im sinnvollen Balancing-Fenster zu halten, ohne dass einzelne Zellen so schnell Richtung 3,6 V laufen.

Unterhalb dieses Bereichs werde ich weiterhin mit voller verfügbarer Leistung laden. Dort bringt eine Reduzierung nach den heutigen Messungen keinen erkennbaren Vorteil.

Unterm Strich hat der heutige Test für mich deshalb vor allem eines gebracht:

Der interessante Arbeitsbereich des Balancers liegt bei meinen Packs tatsächlich erst oberhalb von etwa 3,40 V. Genau dort werde ich jetzt versuchen, dem vorhandenen passiven Balancer mit angepassten Einstellungen und Ladebedingungen möglichst viel nutzbare Zeit zu verschaffen.

Die Nachrüstung eines aktiven Balancers ist nach dem heutigen Blick ins Innere für mich dagegen vorerst nahezu vom Tisch. Zunächst möchte ich sehen, was sich mit den vorhandenen Einstellmöglichkeiten des BMS und einer angepassten Ladestrategie erreichen lässt.

Gruß boldface

PS:

Noch ein Gedanke zur geplanten Anpassung der Ladeleistung:

Bevor ich dafür überhaupt eine Automation baue, werde ich zunächst beobachten, wie sich das Ganze im BAT-V-Modus verhält.

Ohne BMS-Kommunikation und damit ohne die stufenweisen CCL-Vorgaben sollte der Wechselrichter die Ladeleistung beim Annähern an die eingestellte Ladespannung ohnehin selbst reduzieren.

Möglicherweise ergibt sich dadurch genau das gewünschte Tapering ganz von alleine: volle Ladeleistung im flachen Bereich und eine zunehmende Stromreduzierung im oberen Knie.

Wenn sich damit ausreichend Zeit im Balancing-Fenster ergibt, wäre eine zusätzliche Automation dafür gar nicht notwendig. Das werde ich beim nächsten passenden Ladezyklus testen.

Noch eine Frage an die Runde zum nächsten Test im BAT-V-Modus:

Welche Spannungswerte würdet ihr für einen solchen Test sinnvollerweise einstellen?

Ich würde zunächst mit 56,0 V Ladeschlussspannung starten und beobachten, wie sich Ladestrom, Zellspannungen und Balancing beim Erreichen dieser Grenze verhalten. Falls der Ladestrom dort zu schnell absinkt, obwohl noch deutlicher Spread vorhanden ist, könnte ich mich testweise in kleinen Schritten weiter nach oben tasten.

Welche Werte würdet ihr dazu für Float und die übrigen relevanten BAT-V-Parameter einstellen?

Mir geht es ausdrücklich nur um einen kontrollierten Test. Für den späteren Dauerbetrieb möchte ich die Spannungen ohnehin niedriger wählen, um die Zellen nicht unnötig im oberen Spannungsbereich zu halten.

Für diesen Versuch möchte ich aber bewusst etwas näher an den Werkseinstellungen bleiben, damit der Balancer ausreichend Gelegenheit zum Arbeiten bekommt und ich gleichzeitig beobachten kann, wie der Wechselrichter im spannungsgeführten Betrieb den Ladestrom reduziert.

Wäre 56,0 V für euch ein sinnvoller Ausgangspunkt – und welche Float-/sonstigen Spannungswerte würdet ihr dazu wählen?

54,5 V. Dann brauchst du kein float.
Mach die 56 aber auch mal. Am besten zuerst, beuch bei OVP ab und probiere die 54,5 V.

:+1:

:-1:

Deswegen mindestens 30mV und vor allem proportional zu wie weit die Zelle gegen 3,65V geht!

Ein Schnelles absinken des Ladestromes ist kein Problem.
Die Zellen sind schon zu 99,9% voll, es macht keinen Sinn zu versuchen die letzten 0,1% mit Gewalt (hoher Spannung) reinzudrücken.

Zum Top Balancing wiederherstellen ja. Float ist da erstmal komplett irrelevant.

Bevor du hier was machst schalte einen Gang zurück und versuche das Große Ganze zu verstehen:

Aktuell wird anhand der BMS-Daten die Ladeleistung vom WR angepasst.
Diese Steuerung scheint nicht sauber zu funktionieren, zumindest nicht mit dem aktuellen Balancing Status der Batterien.

Einfach so auf BAT-V umstellen wird aber zu 1000% schiefgehen.
Da der Ladestrom nur anhand der Gesamtspannung des Packs und dem Wiederstand begrenzt wird. Im schlimmsten Fall wird das BMS hart trennen weil einzelne Zellen über 3,65V überladen werden.

Du scheinst die Akku aber ganz normal im Betrieb zu haben deswegen.

Was ich konkret empfehlen würde:

Dafür sorgen, dass wir Balance reinbekommen.
Also deine PV die Akkus vollmachen lassen.

Dann jeder Akku einzeln manuell mit einem Labornetzteil auf 56V Spannung und ~10A begrenzt laden und dabei die Einzelzellspannung aktiv beobachteten.

Wenn die anfangen auseinander zu gehen den Ladestrom runterdrehen.

Wenn der Balancer auf 4 Kanälen 110mA verbraten kann, dann sollte man mit 0,4A solange laden können bis die Spannungsdifferenz aller Zellen <30mV ist.

Dies kann pro Akku mehrere Tage dauern.

56 V und 10A?
ich würde meinetwegen 56V und 1 A oder 500 mA dranhängen und die Batterie mal eine Woche in Ruhe balancieren lassen...

Ich verstehe nicht ganz was du mit dem Kommentar genau sagen möchtest, bzw. was daran genau zu kritisieren ist.
Insbesondere unter Beachtung der danach folgenden Beschreibung die im Prinzip das gleich wie du vorschlägst sagen.

Kannst du das etwas konkreter werden?

@Ironmaster @auric

Danke euch beiden. Ich glaube, ich sollte an der Stelle noch einmal etwas genauer erklären, was ich mit den Tests eigentlich erreichen möchte.

@auric:

500 mA funktionieren bei meinem BMS leider nicht. Eine der Bedingungen für das Balancing ist, dass tatsächlich geladen wird und dabei ein Ladestrom von mindestens ca. 1 A anliegt. Unterhalb davon findet kein Balancing statt.

Das wäre in meinem Fall sogar eher kontraproduktiv: Ich würde weiterhin Energie in den Pack schieben, ohne dass der Balancer arbeitet. Die ohnehin vorlaufende Zelle könnte dadurch weiter Richtung OVP laufen und die Dysbalance im ungünstigsten Fall noch größer werden.

Ein externer Balancer bzw. ein direkter Zugriff auf die Zellen wäre natürlich eine andere Möglichkeit. Das Problem hatte ich weiter oben schon beschrieben: Beim RW-F10.2 komme ich an die entsprechenden Zellanschlüsse nicht ohne Weiteres heran. Ich kann dazu gerne noch ein paar Bilder einstellen, dann wird das vermutlich verständlicher.

@Ironmaster:

Deinem ersten Schritt – zunächst wieder Balance in die Packs zu bekommen – stimme ich vollkommen zu. Genau deshalb möchte ich jetzt zunächst mit 56,0 V arbeiten und beobachten, wie sich die drei Packs dabei verhalten. Ziel ist erst einmal, die vorhandene Dysbalance kontrolliert einzufangen.

Bei der anschließenden Betriebsstrategie unterscheiden sich unsere Überlegungen aber etwas.

Die BMS-Kommunikation führt bei meinem System gerade zu einem Verhalten, das ich langfristig vermeiden möchte. Der Wechselrichter lädt zunächst mit hoher Leistung und folgt dann den vom BMS vorgegebenen Ladestromgrenzen (CCL = Charge Current Limit). Das passiert nicht kontinuierlich, sondern in ziemlich groben Stufen. Heute ging es beispielsweise ungefähr von 140–150 A auf 50–60 A, anschließend auf 20 A und schließlich auf 10 A Gesamtladestrom.

Genau dieses harte stufenweise Herunterregeln möchte ich vermeiden.

Mein langfristiges Ziel ist deshalb tatsächlich der Betrieb ohne BMS-Kommunikation im BAT-V-Modus, damit ich Ladeschluss- und Floatspannung selbst sinnvoll festlegen kann und der Ladestrom beim Annähern an die eingestellte Batteriespannung möglichst kontinuierlich ausläuft. Also im Prinzip eine CC/CV-Ladung mit sanftem Tapering anstelle dieser groben CCL-Stufen.

Mit BMS-Kommunikation kann ich genau das nicht erreichen, weil mir das BMS u. a. die hohe Ladespannung von 58,4 V vorgibt und der Wechselrichter anschließend auf die genannten CCL-Stufen reagiert.

Deinen Einwand, dass im BAT-V-Betrieb eine einzelne Zelle 3,65 V erreichen und das BMS schließlich hart abschalten könnte, verstehe ich natürlich. Genau das ist aber gleichzeitig der Ausgangspunkt meiner ganzen Untersuchung: Dieses Verhalten habe ich bereits mit aktiver BMS-Kommunikation. Einzelne Zellen laufen am Ladeende bis 3,65 V und damit in den OVP-Bereich. Das war letztlich auch einer der wesentlichen Punkte meiner Reklamation.

BAT-V soll dieses Problem also nicht ignorieren. Im Gegenteil: Mein Ziel ist zunächst, die vorhandene Dysbalance zu reduzieren und anschließend durch eine niedrigere, selbst gewählte Ladeschlussspannung und ein sanftes Tapering möglichst zu verhindern, dass einzelne Zellen überhaupt wieder bis 3,65 V davonlaufen.

Deshalb würde ich die beiden Schritte klar voneinander trennen:

  1. Jetzt: Mit ca. 56,0 V die vorhandene Dysbalance möglichst weit einfangen und dabei Zellspannungen, Delta und Balancerverhalten genau beobachten.
  2. Danach: Mit einem wieder vernünftig balancierten Pack geeignete Spannungswerte für einen dauerhaft schonenden BAT-V-Betrieb ermitteln, bei dem der Ladestrom zum Ladeende kontinuierlich ausläuft.

Genau dafür mache ich momentan diese Tests. Ich möchte nicht einfach blind die BMS-Kommunikation abschalten, sondern vorher verstehen, unter welchen Bedingungen das System stabil funktioniert und welche Spannungen dafür sinnvoll sind.

:popcorn:

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@Ironmaster

Vielleicht habe ich meinen Gedanken mit den 10 mV nicht deutlich genug beschrieben.

Die 10 mV sollen ausschließlich die Startschwelle für den Balancer sein. Ich möchte bei 10 mV Cell-Spread noch überhaupt nicht den Ladestrom reduzieren.

Mein Gedanke ist vielmehr: Warum sollte ich den Balancer erst bei 30 mV anfangen lassen, wenn er bereits ab 10 mV arbeiten könnte? Selbst wenn mir das, wie du schreibst, zunächst nur fünf Minuten zusätzliche Balancing-Zeit bringt, sind es fünf Minuten mehr als vorher – ohne dass ich dadurch zunächst in die Ladung eingreife.

Gerade bei dem relativ schwachen passiven Balancer halte ich zusätzliche Zeit für wertvoll. Die ca. 110 mA stehen zwar je aktiv gebalancierter Zelle zur Verfügung, allerdings können maximal vier nicht benachbarte Zellen gleichzeitig balanciert werden. Müssen beispielsweise sehr viele Zellen gegenüber einer einzelnen zurückliegenden Zelle eingebremst werden, müssen diese letztlich nacheinander bzw. in Gruppen abgearbeitet werden. Umso wichtiger erscheint mir, möglichst früh mit dem Balancing zu beginnen.

Die Reduzierung des Ladestroms wäre für mich erst der zweite Schritt:

Solange der Balancer ab 10 mV arbeitet und das Delta nicht weiter wesentlich anwächst, würde ich den Ladestrom zunächst gar nicht reduzieren.

Erst wenn der Cell-Spread trotz laufendem Balancer weiter steigt – beispielsweise Richtung 30 mV –, würde ich anfangen, den Ladestrom moderat zu reduzieren. Steigt das Delta trotzdem weiter, könnte man zunehmend stärker reduzieren. Dabei würde ich zusätzlich die höchste Zellspannung berücksichtigen, weil beispielsweise 30 mV Spread bei 3,42 V Max-Zellspannung natürlich eine völlig andere Situation sind als 30 mV bei 3,60 V.

Das ließe sich über eine Automation entsprechend steuern.

Mein Ziel wäre also gerade keine harte Reaktion bei 10 mV, sondern:

früh balancieren → beobachten, ob der Balancer hinterherkommt → erst bei weiter zunehmendem Spread den Ladestrom zunehmend reduzieren.

Dabei müsste natürlich weiterhin genügend Ladestrom vorhanden sein, damit die Balancing-Bedingung von mindestens ca. 1 A erfüllt bleibt.

Deshalb sehe ich die 10 mV nicht wirklich im Widerspruch zu deinem Gedanken einer proportionalen Regelung. Im Gegenteil: Ich würde beides miteinander kombinieren. Die 10 mV verschaffen dem Balancer möglichst früh zusätzliche Arbeitszeit, und die proportionale Ladestromreduzierung greift erst dann ein, wenn diese Balancerleistung offensichtlich nicht mehr ausreicht.

Oder übersehe ich bei dieser Überlegung einen technischen Nachteil, der tatsächlich dagegen spricht, den Balancer bereits ab 10 mV arbeiten zu lassen?

Wenn das richtig ist sollte deine gedamte Stromsteuerung darauf ausgerichtet sein: sobald die erste zelle die 3,45V uberschreitet, geht der strom (in stufen) zurück auf 1,5 A. Und bleibt da bis Differenz unterschritten. Damit verlängerst du die balancerphase.

@carolus Danke dir. Ja, genau in diese Richtung möchte ich gehen. Das lässt sich über eine Home-Assistant-Automation entsprechend einrichten und die Ladestromsteuerung abhängig von Zellspannung und Delta anpassen.

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Das hängt ganz davon wie sich deine Zellen verhalten.
Ich verweise nochmal hierauf:

Es ist noch unbedingt das beste Beispiel, weil der Akku im Prinzip fast perfekt gebalancet war aber zeigt den folgeden Effekt:

Besonderes Augenmerk auf Zelle und 1 und 2 werfen.
Diese Zellen sind um 15:15 Uhr die niedrigsten mit 3,40V
Fangen aber an noch bevor der Balancer sich um 15:24 Uhr einschaltet schon die anderen Zellen einzuholen und sind dann um 15:28 Uhr die Zellen mit der fast höchsten Spannung.
Nur Zelle 3 ist höher und wird vom Balancer aktiven Balancer eingefangen.

Würde der Balancer schon früher arbeiten hätte man in die Zellen Ladung verschoben obwohl diese es eigentlich gar nicht nötig gehabt hätten.

Das ist erstmal sehr theoretisch und auch aufgrund passivem Balancer erstmal nicht relevant aber wichtig zu verstehen und um Blick zu haben.

Worauf ich final hinaus möchte: mit 30mV oder sogar 50mV ist die weitere Analyse deutlich einfacher zu beobachten, insbesondere wenn der Akku nicht am Labornetzteil, sondern an der richtigen PV hängt.

Genau so und nicht anders.

Und wenn der Akku wirklich nur balanciert wenn ein gewisser Mindeststrom fließt, dann könnte das mit eine Ursache der Probleme sein.
Das würde ich nochmal ganz genau verifizieren, weil das meiner Meinung nach ein Fehlverhalten ist.

Langsam sehen wir einen gemeinsamen Horizont....:grin:

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@Ironmaster

Den Einwand verstehe ich, aber das könnte grundsätzlich genauso bei 30 oder 50 mV passieren. Eine höhere Schwelle verschiebt dieses mögliche Problem letztlich nur nach hinten.

Bei meinen Packs kommt noch hinzu, dass es auffällig immer dieselben zwei oder drei Zellen sind, die vorlaufen bzw. sich an der Spitze abwechseln. Deshalb würde ich die 10 mV gerne ausprobieren – fällt das Delta wieder darunter, hört das Balancing ohnehin auf.

Die Mindestladestromgrenze von ca. 1 A ist dagegen sicher verifiziert. Das habe ich sowohl im unteren als auch im oberen Knie reproduzierbar beobachtet: Unterhalb davon findet kein Balancing statt. @akkulader hat dieses Verhalten ebenfalls berichtet.