Deye RW-F10.2 – Zellspannungsdrift, BMS & Balancing: Analyse und Lösungsansätze

@Ironmaster
Bei den von dir genannten möglichen Ursachen bin ich grundsätzlich bei dir: Entweder hat ab Werk kein ausreichendes Top-Balancing stattgefunden bzw. die Packs waren von Anfang an nicht sauber topbalanciert, oder der passive Balancer schafft es schlicht nicht, die vorhandene Differenz wieder einzufangen.

Gerade Letzteres halte ich weiterhin für durchaus plausibel. Bei 200-Ah-Zellen, nur 110 mA Balancierstrom und maximal vier gleichzeitig balancierten Zellen ist die zur Verfügung stehende Balancierleistung sehr gering. Wenn sich erst im oberen Spannungsbereich ein größerer Spread zeigt, bleibt entsprechend wenig Zeit, diesen wieder abzubauen.

Die 3,0-V-Freigabeschwelle sehe ich dagegen nach meinen bisherigen Beobachtungen nicht als nachgewiesene Ursache des Problems.

@Carlos
Noch als zusätzliche Info zu meiner Überlegung mit den 10 mV: Ich habe den Gesamtladestrom aktuell auf 80 A für alle drei Packs begrenzt, also rund 26,7 A pro Pack. Damit ist der maximale Zellspread gegen Ladeschluss inzwischen auf knapp 100 mV zurückgegangen.

Das ist für mich im Sommer eine brauchbare Zwischenlösung, weil genügend PV-Energie und Zeit vorhanden sind, um die Speicher trotzdem voll zu bekommen. Im Winter möchte ich den Ladestrom dagegen nicht über den gesamten Ladebereich begrenzen, weil ich kurze PV-Fenster möglichst vollständig nutzen möchte.

Langfristig werde ich deshalb wahrscheinlich über Home Assistant den Ladestrom vorsorglich erst im oberen SOC-Bereich reduzieren, z. B. ab 95 %. Die 95 % bedeuten ausdrücklich nicht, dass dort bereits ein relevanter Cell-Spread auftritt – ich möchte lediglich rechtzeitig vor dem Bereich reduzieren, in dem die Zellspannungen tatsächlich stärker auseinanderlaufen.

Die Sorge, dass eine 10-mV-Schwelle bei meinen Packs bereits im flachen Bereich aufgrund von Innenwiderstandsunterschieden ständig Balancing auslösen würde, teile ich nach meinen bisherigen Beobachtungen nicht. Bis in den hohen 3,4-V-Bereich liegen die Zellspannungen sehr eng zusammen. Ich werde morgen aber noch einmal gezielt beobachten und dokumentieren, ab welcher Zellspannung erstmals 10, 20 und 30 mV Spread auftreten.

Es gibt keinen einzigen guten Grund, auf 10 mV Zu balancieren.
Es gibt gute Gründe - mehrere - die Differenz größer zu stellen.
Selbst deine 100 mV wären akzeptabel, wenn die niedrigste Spannung dabei 3,4 V wäre.

Damit wäre der Ladungsunterschied unter 0,2 %, und das ist der grund für balancierung: alle Zellen gleichzeitig voll zu haben. Die 0,2 % Unterschied sind kein grund, nicht alle "voll" zu nennen. Man entlädt eh nicht unter 1 % SOC.

Wenn diese 100 mV allerdings vom Strom verursacht werden: dann brennt im Sinne einer vernünftigen Balancierung die Hütte.
Und dein Text hirt sich schon so an, dass du bei 26 A sorgenlos zu balancieren anfängst.

Wenn ein Bottom-Balancing nicht die Ursache war.
Dann macht diese Änderung nichts schlimmer oder besser.

Wenn der Balancer, und zumindest der Verdacht liegt sehr nahe, schon ab 3V aktiv sein sollte.
Dann stoppen wir damit ein Bottom Balancing.

Es bricht sich niemand ein Zacken aus der Krone, wenn man dies auf 3.4 Volt stellt.

Das ist so gesehen vollkommen richtig. Wenn du die Situation aber dadurch verschärfst, dass du bei hohem Szrom aber schon mit kleiner Differenz rumbalancierst, verschlimmerst du die Situation noch. Und dafür ist bestimmt kein Platz.

Ich bin der Meinung, dass die 3,00 V selbst mit 30 mV Differenz Ursache für alle Probleme sind.

Hallo,
mir kommen einige Einstellungen recht "spanisch" vor. So wird bei einigen Parametern der Alarm erst ausgelöst, wenn die "Protection" Schwelle über- bzw. unterschritten wird. Beispiele

  1. Charge Over Current: Alarm bei 225 A doch Protection schaltet schon bei 220 A ab.
  2. Temperature Charge Low: Alarm bei 0 Grad, Protection aber schon bei 2 Grad

Wenn "Protection" bedeutet, dass das BMS dann öffnet und den Vorgang unterbricht, dann kommt es nicht zum Alarm. Das macht m.A. keinen Sinn. Aber vielleicht hat "Protection" hier eine andere Bedeutung?

Ciao

Dann schau einfach ins Bild der Kurven, die ich gepostet habe. Und schau das nicht nur oberhalb von 3,3 V an, sondern unterhalb von 3,1V da sind die Zellen leer, und Kapazitätsunterschiede würden schon leicht zu 30 mV führen. Wenn der Strom mithilft noch eher.

Ein tip noch. Ich habe mir diese Thematik sehr lange und sehr detailliert angesehen. Extra einen Akku gebaut. Kannst du unter "Frankenstein" Nachlesen.

Das ist die Aktuelle Situation:

Dieser Akku ist tatsächlich balanciert.

Und fahre den mal mit Balancerstart 3,0 V.

@deff Ja, ein paar der Werte sind mir tatsächlich auch schon aufgefallen. Das sind allerdings die Werkseinstellungen, an diesen Grenzwerten habe ich nichts verändert.

Bei drei parallel betriebenen Packs wird ein einzelnes Pack diese hohen Ströme im normalen Betrieb ohnehin nicht erreichen, solange alle drei Packs aktiv sind und sich den Strom entsprechend teilen. Kritisch könnte das eigentlich nur in einem Fehlerfall werden, z. B. wenn unter hoher Last plötzlich ein oder mehrere Packs aussteigen und der Strom von den verbleibenden Packs übernommen werden muss, oder natürlich bei einem Kurzschluss.

Aber danke für den Hinweis! :+1:

Das ist der falsche Ansatz, insbesondere weil der SoC bei LiFePo4 nur ne etwas bessere Glaskugel ist.

Um hier keinen Aufsatz schreiben zu müssen:
Ganz grob sollte man die Ladespannung und den Ladestrom begrenzt basierend auf der Einzelzellüberwachung.

Es gibt hier schon ein Projekt wo man sich die Logik abschauen könnte:

Das gibt es extreme viele Einstellung basierend auf Zell Einzel Spannung, diverser Temperaturen etc.

Bei dir und vermutlich 99% der Solaranlagen wo die Batterien deutlich weniger als 1c sehen, würde es sehr sehr wahrscheinlich schon reichen die Ladespannung auf 56V zu limitieren und den Ladestrom zu limitieren solange es Zellen gibt die über 3.5V haben.

Ziel sollte es sein, dass beim Ladevorgang keine Zelle jemals mehr als ~3,55 V abbekommt.

PS: Es macht auch generell keinen Sinn mit mehr als 56V Ladespannung zu konfiguerieren.
Die Zellen sind bei 3,5V schon zu 99.9% voll.

Und wenn die 56V am Packlevel erreicht werden, weil einzelne Zellen schon bei 3.6V sind hätte man ehh schon lange mit dem Laden mit viel A aufhören sollen.

@carolus Was genau möchtest du mit dem Screenshot deines Frankenstein-Akkus eigentlich zeigen?

Ich habe deinen Beitrag dazu gelesen und verstehe, dass du sagst, der Akku sei sauber topbalanciert. Der Screenshot allein zeigt aber zunächst nur, dass die vier Zellen an diesem Betriebspunkt über 100 mV auseinanderliegen. Ohne Ladestrom/Entladestrom bzw. Ruhebedingungen lässt sich daraus meiner Meinung nach weder die Ursache ableiten noch, dass ein solcher Spread im mittleren Spannungsbereich grundsätzlich normal wäre.

Wenn die Zellen oben tatsächlich sauber topbalanciert sind, muss es trotzdem einen Grund geben, warum sie in diesem Betriebspunkt so weit auseinanderliegen – z. B. Unterschiede bei Kapazität, Innenwiderstand oder Zellcharakteristik.

Bei meinen Packs ist das Verhalten gerade umgekehrt: Im mittleren Spannungsbereich liegen die Zellspannungen relativ dicht zusammen und erst gegen Ladeende beginnen sie deutlich auseinanderzulaufen.

Falls du mit deinem Screenshot zeigen möchtest, dass ein sauber topbalancierter Akku im mittleren Bereich durchaus >100 mV Spread haben kann: Das kann ich nachvollziehen. Aber daraus würde ich nicht ableiten, dass ein solcher Spread dort grundsätzlich normal sein muss.

@carolus Ah, jetzt erinnere ich mich wieder. Ich habe gerade noch einmal in deinen Frankenstein-Thread reingeschaut – ja, stimmt. Jetzt verstehe ich auch, worauf du mit dem Screenshot hinauswillst.

Dein Akku ist trotz der großen Spannungsunterschiede topbalanciert, weil für das Top-Balancing entscheidend ist, dass die Zellen am oberen definierten Punkt wieder zusammenkommen. Dass sie dazwischen auseinanderlaufen, ist bei deinem Aufbau mit den bewusst extrem unterschiedlichen Kapazitäten und sogar unterschiedlichen Zellchemien natürlich zu erwarten. Insofern verstehe ich deinen Punkt: Ein großer Cell-Spread im mittleren Bereich bedeutet für sich genommen nicht, dass ein Akku schlecht topbalanciert ist.

Der Unterschied zu meinen Packs ist allerdings, dass ich dieses Verhalten dort gerade nicht beobachte. Meine nominell gleichen 200-Ah-Zellen liegen über weite Bereiche relativ dicht zusammen und beginnen erst im oberen Spannungsbereich stärker auseinanderzulaufen. Sicher sagen kann ich bereits, dass die 10 mV erst oberhalb von 3,4 V überschritten werden.

Deshalb möchte ich morgen den kompletten Verlauf noch einmal gezielt dokumentieren – unten, im flachen Bereich und oben, jeweils zusammen mit Strom und Balancerstatus. Dann können wir anhand der tatsächlichen Werte meines Akkus beurteilen, ob eine 10-mV-Schwelle bei mir überhaupt zu unerwünschtem Balancing im flachen Bereich führen würde.

Falls du mit dem Screenshot etwas anderes ausdrücken wolltest, korrigiere mich gerne.

@Ironmaster Ja, da bin ich grundsätzlich bei dir. Die 95 % waren von mir nur ein fiktives Beispiel, damit ich nicht ständig danebenstehen und den richtigen Zeitpunkt zum Reduzieren des Ladestroms abpassen muss.

Das BMS reduziert den zulässigen Ladestrom gegen Ladeende bereits selbst stufenweise, abhängig von den Zellspannungen. Genau dieses Verhalten möchte ich morgen noch einmal sauber dokumentieren: Bei welcher Max-Zellspannung erfolgt die erste Reduzierung, wie groß ist zu diesem Zeitpunkt der Cell-Spread und wann setzt das Balancing ein?

Mein eigentliches Ziel wäre dann, mit Home Assistant dieser ersten BMS-Reduzierung etwas zuvorzukommen. Bis dahin soll mit möglichst hoher Leistung geladen werden, damit ich insbesondere im Winter jedes kurze PV-Fenster vollständig ausnutzen kann. Erst kurz vor dem Bereich, in dem das BMS selbst mit dem Tapering beginnt, soll HA den Ladestrom kontrolliert reduzieren.

Ob der Trigger am Ende bei 3,48 V, 3,50 V oder woanders liegt, möchte ich deshalb gar nicht vorwegnehmen. Das werde ich anhand der Messwerte festlegen. SOC wäre dafür höchstens eine zusätzliche Information, die eigentliche Regelgröße sollte die Zellspannung sein.

Was ich zusätzlich noch klären muss: Inwieweit ich die eigentliche Ladeschlussspannung im normalen BMS-/Lithium-Betrieb überhaupt beeinflussen kann oder ob ich dafür über die Batt-V-Einstellungen gehen müsste.

Dazu hatte ich ganz am Anfang, als ich das Problem erstmals beim Hersteller angesprochen habe, von Deye die Aussage bekommen, dass der Speicher nicht dauerhaft im Batt-V-Modus betrieben werden sollte. Eine wirkliche technische Begründung dafür habe ich damals allerdings nicht bekommen.

Falls jemand weiß, was Deye damit konkret meint bzw. welche Nachteile oder Einschränkungen der dauerhafte Batt-V-Betrieb beim RW-F10.2 hat, würde mich das interessieren. Bevor ich so etwas als dauerhafte Lösung nutze, möchte ich verstehen, ob dadurch Funktionen des BMS, Schutzmechanismen oder die Lade-/Stromvorgaben anders behandelt werden.

@boldface

Hallo boldface, ja du kannst die Werte beschreiben und rückgängig machen (Vorher auslesen, notieren, dann beschreiben), ich meine jegliche Änderung wird in der Batterie Protokolliert, gespeichert für Service Zwecke denke ich. Deshalb gibt’s keine Garantie nach „Write“.

Mit 5-10mV habe ich auch schon probiert hat aber nicht wirklich geholfen da die Zeit nicht ausreichend ist weil der Strom für andere Zellen zum Schluss doch zu hoch ist und die voreilen. Du kannste aber gerne mit Spannungsteuerung probieren ob das hilft. Ich habe mich für Aktive Balancer entschieden, was bislang recht gut funktioniert. Mal sehen wie es im Winter wird.

Nach langem probieren habe mich entschieden von BMS Steuerung bei Wechselrichter auf Spannung Steuerung umzustellen und zwar auf 55,4 V. Ladestrom wird zum Schluss automatisch kleiner und die Batterie SOC bleibt bei 99% stehen. Aktive Balancer arbeiten falls nötig dann weiter bis +- 3,45 V jede Zelle hat.

Da ich schon zu diesem Thema davor schon viel geschrieben habe möchte ich mich nicht noch mehr wiederholen. Im Prinzip alles was du mit Deye Batterien vorhast bzw. erfahren wirst habe ich schon gemacht.

PS: habe jetzt alle 3 RW-M6.1+RW-F16+ 2 SE-F16 Spannungsgesteuert angeschlossen an 12K (20K wartet zum tauschen) und mit LVESS Monitor überwacht .

Grüße Akkulader

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@Akkulader Danke dir nochmal für deine Rückmeldung und insbesondere für die Info, dass Änderungen der BMS-Parameter tatsächlich übernommen werden und Auswirkungen haben. Ebenfalls danke für den Hinweis, dass der Betrieb über Batt-V grundsätzlich möglich ist. Das eröffnet mir für die weiteren Versuche noch eine zusätzliche Möglichkeit.

Ich habe heute Morgen einmal gezielt das Verhalten meiner drei Packs im unteren Bereich getestet. Dabei sind ein paar interessante Dinge herausgekommen.

@Ironmaster @carolus

Ihr hattet mit einem Punkt tatsächlich recht: Die 3,0-V-Freigabe kann dazu führen, dass im unteren Knie balanciert wird. Das konnte ich heute praktisch nachvollziehen.

Ich habe zunächst alle drei Packs mit etwa 60–65 A pro Pack entladen. Im normalen bzw. flacheren Bereich lagen die Zellspannungen dabei trotz dieses relativ hohen Entladestroms sehr eng zusammen.

Ein paar Messpunkte:

Bei ca. 15 % SOC und ungefähr 3,15 V/Zelle lagen die Spreads der drei Packs bei nur etwa 4 / 6 / 10 mV.

Bei etwa 13 % SOC und ca. 3,13 V/Zelle praktisch unverändert bei etwa 4 / 6 / 10 mV.

Erst unterhalb von etwa 10 % SOC begann sich das Bild deutlich zu verändern. Bei rund 64–65 A Entladestrom pro Pack lagen die Spreads zunächst bei etwa 11 / 26 / 23 mV und stiegen beim weiteren Entladen im unteren Knie schließlich auf ungefähr 50–80 mV an.

Und hier wurde es interessant:

Während der Entladung blieben die Balancer bei allen drei Packs trotz 50–80 mV Spread komplett aus.

Damit hat sich auch die Aussage von @Akkulader praktisch bestätigt: Zellspannung oberhalb der eingestellten 3,0 V und >30 mV Spread reichen alleine nicht aus. Der Balancer arbeitet nur während des Ladevorgangs bzw. bei entsprechend positivem Ladestrom.

Anschließend habe ich direkt wieder geladen, zunächst mit etwa 22 A pro Pack und später mit etwa 31–32 A pro Pack.

Bei weiterhin >30 mV Spread sind die Balancer unmittelbar angesprungen.

Damit ist zumindest bei meinen Packs ziemlich eindeutig nachgewiesen:

Zellspannung oberhalb der Freigabeschwelle + entsprechender Cell-Spread + vorhandener Ladestrom = Balancing.

Beim Herausladen aus dem unteren Knie liefen die Zellspannungen dann kontinuierlich wieder zusammen. Die Balancer blieben jeweils so lange aktiv, bis der Spread unter die eingestellten 30 mV gefallen ist.

Die aufgezeichneten Balancierzeiten lagen ungefähr bei:

Pack 1: 648 Sekunden
Pack 2: 846 Sekunden
Pack 3: 557 Sekunden

Besonders interessant fand ich, dass der Spread nach dem Abschalten der Balancer trotzdem weiter deutlich gefallen ist.

Bei ungefähr 10 % System-SOC und 51,9 V Packspannung lagen die Spreads trotz weiterhin 31–32 A Ladestrom pro Pack anschließend nur noch bei:

Pack 1: 7 mV
Pack 2: 10 mV
Pack 3: 6 mV

Für mich zeigt der Verlauf ziemlich deutlich, dass die 50–80 mV Spread unten tatsächlich erst im unteren Knie entstehen und beim Verlassen dieses Bereichs weitgehend von selbst wieder verschwinden. Der 110-mA-Balancer kann diese Veränderung in der kurzen Zeit schon rein von der Größenordnung her nicht verursacht haben.

@Ironmaster Damit ist dein grundsätzlicher Einwand gegen die 3,0-V-Freigabe also durchaus berechtigt: Ja, bei ausreichend großem Spread wird beim anschließenden Laden tatsächlich im unteren Knie balanciert.

Was wir allerdings nicht wissen: Ob dabei überhaupt dieselben Zellen balanciert werden, die später am oberen Knie voreilen. Wir können deshalb momentan weder qualitativ sagen, ob dieses Balancing unten die spätere Top-Balance verbessert oder verschlechtert, noch erscheint mir die dabei umgesetzte Ladungsmenge bei 110 mA und den gemessenen Laufzeiten quantitativ besonders relevant.

Bei meinen Packs tritt dieser Zustand außerdem erst unterhalb meiner normalerweise verwendeten 10-%-SOC-Grenze auf. Diesen Bereich habe ich im normalen Betrieb nicht genutzt. Als Ursache für meine bestehende Disbalance am oberen Ende halte ich diesen Effekt deshalb weiterhin für sehr unwahrscheinlich.

Eine Konsequenz ziehe ich aus dem Test aber trotzdem:

Die Balancer-Startspannung werde ich von 3,0 V auf 3,4 V anheben.

Nicht weil damit bewiesen wäre, dass das Balancing unten schädlich ist, sondern gerade weil wir das nicht wissen. Ich kann momentan nicht sagen, ob unten dieselben Zellen gebremst werden, die später oben voreilen. Im ungünstigsten Fall könnten die Balanciervorgänge im unteren und oberen Knie also sogar gegeneinander arbeiten.

Mit 3,4 V als Freigabeschwelle schließe ich dieses mögliche Gegeneinander aus und beschränke das Balancing auf den oberen Bereich, in dem es für das eigentliche Top-Balancing relevant ist.

Und damit komme ich zur eigentlichen Fragestellung dieses Threads: Wie bekomme ich die bestehende Disbalance am oberen Ende besser in den Griff?

Dafür wird für mich jetzt die zweite Einstellung interessant: die derzeitigen 30 mV Balancing-Differenz.

Mein ursprünglicher Gedanke war, diese auf 10 mV zu reduzieren, um dem mit nur 110 mA und maximal vier gleichzeitig balancierten Zellen ohnehin sehr schwachen Balancer oben mehr Arbeitszeit zu geben.

Die Einwände gegen die 10 mV habe ich verstanden. Es wurde ja bereits darauf hingewiesen, dass eine Absenkung von 30 auf 10 mV das tatsächlich nutzbare Balancierfenster möglicherweise nur geringfügig erweitert und 10 mV deshalb als zu niedrig angesehen werden.

Ich möchte es trotzdem nicht unversucht lassen.

Der Hauptgrund dafür ist, dass sich die Nachrüstung eines aktiven Balancers bei diesen Packs eben nicht mal schnell erledigen lässt. Nach dem bisherigen Stand wäre dafür ein Workaround mit einer zusätzlichen Platine notwendig. Selbst bei den vorhandenen Flachbandkabeln ist noch nicht geklärt, welche Signale dort überhaupt nach vorne geführt werden und ob sie sich dafür sinnvoll nutzen lassen.

Bevor ich also anfange, zusätzliche Hardware in die Packs einzubauen, möchte ich zunächst die Möglichkeiten des vorhandenen BMS ausschöpfen.

Und genau dafür finde ich die Kombination aus einer höheren Startspannung und einer niedrigeren Delta-Schwelle interessant:

Mit 3,4 V Balancer-Start schließe ich den unteren Bereich aus. Dadurch kann ich anschließend eine niedrigere Delta-Schwelle ausprobieren, ohne dass der Balancer aufgrund der großen Spannungsunterschiede im unteren Knie dort ebenfalls aktiv wird.

Bevor ich etwas ändere, lasse ich den aktuellen Ladevorgang allerdings zunächst mit den unveränderten 30 mV weiterlaufen. Dabei dokumentiere ich jetzt genau, ab welcher Zellspannung der Spread oben erstmals 10, 20 und 30 mV überschreitet, wann das Balancing einsetzt und wann das BMS mit dem Tapering des Ladestroms beginnt.

Danach entscheide ich anhand dieser Messwerte, mit welcher Delta-Schwelle ich den nächsten Versuch starte.

Wenn sich meine bisherigen Beobachtungen bestätigen und die 10 mV tatsächlich erst oberhalb von 3,4 V auftreten, möchte ich auch die 10 mV zumindest einmal gezielt ausprobieren. Ob das nutzbare Balancierfenster dadurch am Ende tatsächlich ausreichend größer wird oder beispielsweise 15 bzw. 20 mV die sinnvollere Einstellung sind, wird sich anhand der Messungen zeigen.

Ich möchte die 10 mV jedenfalls nicht allein deshalb verwerfen, weil der zusätzliche Zeitgewinn möglicherweise klein ist. Bei einem Balancer mit nur 110 mA und maximal vier gleichzeitig balancierten Zellen kann für mich auch zusätzliche Balancierzeit interessant sein.

Den restlichen Ansatz möchte ich anschließend über die Ladeparameter bzw. Spannungen im Batt-V-Modus verfolgen. Ziel wäre dabei, dem passiven Balancer am oberen Ende möglichst viel sinnvolle Arbeitszeit zu geben und gegebenenfalls über die Ladeparameter dafür zu sorgen, dass einzelne Zellen nicht so schnell nach oben weglaufen.

Erst wenn sich zeigt, dass sich die Disbalance mit den vorhandenen Möglichkeiten des BMS und entsprechenden Ladeparametern nicht ausreichend in den Griff bekommen lässt, würde ich mich ernsthaft mit dem deutlich aufwendigeren Weg einer Nachrüstung eines aktiven Balancers beschäftigen.

Jetzt dokumentiere ich aber zunächst den weiteren Ladevorgang bis zum oberen Knie. Dann habe ich einmal den kompletten Verlauf von unten bis oben und kann auf dieser Grundlage entscheiden, welche Einstellungen ich als Nächstes teste.

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Das BMS reduziert garnichts.
Es misst die Spannungen. Wenn du die uber Busverbindung an die Ladestromquelle weitergibts, dann KANN diese Strom (bzw . Spannung) reduzieren.

Hast du keine busverbindung, dann liefert das Ladegerät Spannung, und der Akku zieht strom daraus .der Strom fallt von alleine, und wird null wenn der Akku voll ist.

Damit verkleinerst du das Zeitfenster für Balancierung. Denn bei hohem strom kannst du nicht balancieren.

Das ist eine sehr gute nachricht!!

Dann geht nachrüsten garnicht: du kannst balancerstrom nicht uber vorhandene kabel anschließen, ein zusatzbalancer brauch eigene Drähte direkt auf die Pole.

@carolus Ich fasse meine Antworten auf deine letzten Beiträge mal zusammen:

Natürlich reduziert das BMS den Ladestrom nicht physisch selbst. Das BMS gibt dem Wechselrichter über die Kommunikation entsprechend vor, den zulässigen Ladestrom zu reduzieren, und der Wechselrichter setzt das um.

Wenn ich hier verkürzt schreibe, dass „das BMS den Ladestrom reduziert“, ist genau dieser Vorgang gemeint. Ich versuche die Zusammenhänge hier bewusst so zu beschreiben, dass sie auch für User verständlich bleiben, die nicht jedes Detail der Kommunikation zwischen BMS und Wechselrichter kennen. Man kann natürlich jeden Vorgang noch technisch präziser beschreiben, aber ich glaube nicht, dass es der Diskussion hilft, sich an solchen verkürzten Formulierungen aufzuhängen, solange klar ist, welcher Vorgang gemeint ist.

Bei meinem System beobachte ich beim Tapering übrigens keine ausschließlich kontinuierliche Abnahme des Ladestroms. Es gibt deutlich erkennbare Strom- bzw. Leistungssprünge. Das sieht für mich danach aus, dass das BMS dem Wechselrichter stufenweise niedrigere Stromlimits vorgibt und dieser sie entsprechend umsetzt. Genau diesen Verlauf werde ich beim heutigen Ladevorgang ebenfalls dokumentieren.

Deinen Einwand bezüglich des hohen Ladestroms verstehe ich grundsätzlich. Genau deshalb möchte ich dem vom BMS initiierten Tapering aber gezielt etwas zuvorkommen.

Solange die Zell-Deltas ohnehin so gering sind, dass der Balancer gar nicht anspringt, sehe ich keinen Grund, vorher schon Ladeleistung zu verschenken. In diesem Bereich möchte ich die zur Verfügung stehende Leistung möglichst vollständig zum Laden nutzen.

Erst wenn ich mich dem oberen Bereich nähere, in dem die Zell-Deltas ansteigen und der Balancer tatsächlich aktiv werden kann, möchte ich den Ladestrom gezielt reduzieren. Dadurch soll dieser Bereich langsamer durchlaufen werden und der Balancer mehr Zeit zum Arbeiten bekommen, bevor das BMS selbst aufgrund der steigenden Zellspannungen die nächste stärkere Reduzierung des Ladestroms anfordert.

Insofern verstehe ich deinen Einwand grundsätzlich, auf den von mir geplanten Ablauf trifft er aus meiner Sicht aber nicht zu. Ich möchte gerade nicht mit hoher Ladeleistung durch das eigentliche Balancierfenster fahren, sondern die volle Ladeleistung nur so lange nutzen, wie aufgrund der geringen Zell-Deltas ohnehin nicht balanciert wird.

Zu deinem Hinweis bezüglich eines möglichen aktiven Balancers:

Ja, dass ich über irgendwelche dünnen Sense-Leitungen einfach mehrere Ampere Balancierstrom schicken kann, meine ich natürlich nicht.

Mein Gedanke geht eher in Richtung Workaround. Wenn ich irgendwann tatsächlich einen aktiven Balancer nachrüsten müsste, komme ich bei diesem Pack konstruktiv nur sehr schlecht direkt an alle Zellpole heran, weil die Anschlüsse auf der Rückseite sitzen und ich mir einen kompletten Zerlegevorgang ehrlich gesagt nicht zutraue.

Deshalb wäre für mich die Frage, ob man die vorhandenen Zellabgriffe über eine zusätzliche Platine sauber herausführen bzw. parallel abgreifen könnte und einen aktiven Balancer bewusst mit begrenztem Maximalstrom betreibt.

Also beispielsweise nicht mit mehreren Ampere, sondern deutlich reduziert, sodass die vorhandenen Leitungen bzw. Abgriffe nicht unnötig belastet werden und gleichzeitig die Zellspannungsmessung des BMS möglichst wenig verfälscht wird.

Ob das bei diesem Pack überhaupt technisch sauber machbar ist, hängt natürlich davon ab, wie die vorhandenen Flachbandleitungen verschaltet und dimensioniert sind. Genau das weiß ich bisher noch nicht.

Deshalb versuche ich zunächst, die Möglichkeiten des vorhandenen BMS und die Ladeparameter auszuschöpfen. Ein zusätzlicher aktiver Balancer wäre für mich wirklich die letzte Option.