Anlagenplanung - eure Meinung

Moin liebe Community!

Wir haben gerade ein Haus (Bj 1958) in Osnabrück gekauft, planen eine PV-Anlage und haben ein erstes Angebot dafür. Bevor wir irgendwas unterschreiben würde ich gern eure Meinung hören.

Vorab: Dies ist leider kein DIY-Projekt - ich bastel zwar selbst gerne und würde lieber alles selbst machen, allerdings hat das Dach ca. 51° Neigung und verschmierte/vermörtelte Dachziegel, da fehlt es mir dann doch leider an Zeit, Muße und vor allem Mut und ich überlasse die Umsetzung lieber den Profis.

Aber erstmal ein paar Infos:
Das Einfamilienhaus ist wie gesagt von 1958, hat ca. 140qm und soll kernsaniert werden. Es sollen PV-Anlage mit Batteriespeicher und Notstromfähigkeit, Wärmepumpe, Wallbox für ein eAuto und eine Klimaanlage (für das 1.OG und ggf. auch für EG) installiert werden; dazu gibt es noch einen Kaminofen im Wohn-/Ess-Bereich, der die WP unterstützen kann.
Da die Energieberatung noch fleißig am rechnen ist, wissen wir noch nicht wirklich, wie hoch der Energiebedarf des Hauses am Ende ausfällt; wir gehen daher erst einmal von folgenden Jahresverbräuchen aus

  • Haushalt: 3.000kWh
  • Wärmepumpe: 4.500kWh
  • Klimaanlage: 1.500kWh
  • WallBox: 3.000kWh
  • Summe: ca. 12.000kWh

Haus und Dach

  • frei stehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1958, Osnabrück
  • Satteldach mit Ziegeleindeckung (vermörtelt)
  • Dachneigung ca. 51°
  • Ausrichtung Nord/Süd, ca.2-3% Abweichung nach NO/SW
  • Südseite: durch eine Gaube in drei Teilflächen geteilt
    • links 2,79 × 7,90m
    • Gaube 2,92 × 3,90m + die Fläche oberhalb (Gaubendach flacher, ca. 39°)
    • rechts 4,65 × 7,90m
  • Nordseite: durchgehende Fläche ca. 7,9 × 11m, nur ein Dachfenster

Der Verkäufer sieht Platz für 29 Module Süd und 31 Module Nord, in Summe also 60 Module.Warum die Nord-Seite belegen? Dei der Dachneigung ergibt sich wahrscheinlich ein eher schlechter Wirkungsgrad von ~40%; da aber die Stadt derzeit 400€/kWp (oberhalb von 8kWp) fördert, wird das Ganze wieder sinnvoller.

Das vorliegende Angebot besteht folgenden Positionen:

Pos. Komponente Preis/Stk. Menge Preis
1 Sunpro Power BC SPDG 480 W (BC-Zelle, bifazial, Full Black, 30 J. Produkt-/Leistungsgarantie) 115 € 60 6.900 €
2 Unterkonstruktion SL-Rack (inkl. Haken, Schienen, Klemmen, Kabel) 99 € 60 5.940 €
3 Dachmontage inkl. Aufbrechen/Neuverschließen der Vermörtelung 159 € 60 9.540 €
4 EcoFlow PowerOcean Plus 20 kW Hybrid-WR (3 MPPT, 2/1/1) 3.245 € 1 3.245 €
5 EcoFlow Ocean 2 Speicher 8 kWh (800 V, 4,1/6,4 kW) 2.995 € 2 5.990 €
6 EcoFlow Junction Box (Ocean 2 an PowerOcean Plus) 595 € 1 595 €
7 Gerüst bis 3m 1 599 €
8 Elektroinstallation 1 2.450 €
9 Anmeldung (Netzbetreiber, MaStR), Zählerwechsel, Monitoring 1 399 €

Das ergibt insgesamt 35.658€(netto) für 28,8kWp DC-seitig bei 20kW AC-Leistung und 16kWh Speicher, wo noch 8.320€ Förderung abgezogen werden.
Anbieter ist ein regionaler Meisterbetrieb (Dachdecker und Elektro, EcoFlow-Partner).
Offen ist, ob eine Inbetriebnahme noch 2026 klappt (Umsetzung laut Angebot in 3 bis 4 Monaten, Hintergrund ist die geplante EEG-Änderung 2027).

Meine Fragen an euch:

  • Nordseite bei 51°: Lohnt es sich, 31 Module auf die Nordseite zu setzen? Das wären ca. 14.880Wp; bei einem Wirkungsgrad von 40% wären das immerhin rund 6000kWh im Jahr, die rechnerisch (bei 30Ct/kW) 1800€ wert wären. Die Kosten dafür würden sich auf 11.563€ belaufen, abzüglich der anteiligen Förderung (iHv. 5.952€) blieben noch 5.611€ übrig. Je nach Eigenverbrauchsquote hätten wir eine Amortisation von geschätzt rund 6 bis 7 Jahren allein für die Nordmodule. Seht ihr das ähnlich?
  • Dimensionierung: 20kW AC bei 28,8kWp DC (Verhältnis 1,44) und 16kWh Speicher: passt das (mit der Nordseite) oder würdet ihr anders auslegen?
  • Preis: Ist der Gesamtpreis für diesen Umfang angemessen? Besonders die Dachmontage mit 159 €/Modul auf einem Dach mit alter Vermörtelung würde mich interessieren.
  • EcoFlow-Ökosystem: Wie offen/erweiterbar ist das System? Gibt es eine lokale API/Modbus-Anbindung für Home Assistant o.ä., oder hängt alles an der EcoFlow-Cloud und dem eingebauten Energiemanagement? Gerade in Bezug auf spätere Akku-Erweiterung oder weiterer PV auf Garage/Gartenhaus interessant.
  • Kombination PowerOcean Plus + Ocean 2 (8kWh): Funktioniert das mit der Junction Box zuverlässig? Hat das jemand im Einsatz?
  • Wie wichtig ist eurer Meinung nach eine Umsetzung noch in 2026? Für wie realistisch haltet ihr das und wo würde man eine Firma findet, die das noch schafft?

Danke vorab für eure Meinungen und Hilfe!
Tim

Unter 1000 Euro/kWp mit Speicher wären woanders, wo es keine so generöse Förderung gibt, schon ein sehr guter Preis.

Ob man Ecoflow haben will, keine Ahnung.

Wenn ihr das Geld für die Nordseite übrig habt, und die Überschreitung von 25kWp keine sonstigen Aufwände nach sich zieht, machen.

Oliver

EcoFlow kann ich auch nicht einschätzen, ich habe bislang nur Erfahrung mit einem Hoymiles-Microwechselrichter :man_shrugging:

Spielst Du auf die Fernsteuerbarkeit ab 25kWp an? Wäre dies durch die geplante Reform des EEG 2027 und die damit verbundene Direktvermarktungspflicht nicht so oder so notwendig?

Ich bin dann mal der Spielverderber.

Du rechnest falsch.

Die meisten der 6000 KWh sind im Sommer nichts wert. Nur im Winter, zählt jede KWh. Kannst du mehr als 1000 KWh davon nutzen?

Was bringt das Norddach da? Schon mal mit PVGis gespielt?

Danke für den Tipp mit dem PVGIS-Tool!

Ich liste das hier alles auf, falls sich jemand ähnliche Fragen stellt..

Nord-Seite:

Süd-Seite:

Hier die Monatswerte und ein Vergleich, wie viel Strom das Süddach liefert und wie viel das Haus braucht. Nur was danach noch an Bedarf übrig bleibt, kann der Nordstrom decken.

Die Jahreswerte von oben (Haushalt 3.000, Wärmepumpe 4.500, Klima 1.500, Wallbox 3.000 kWh); angenommene Monatsverteilung: Wärmepumpe überwiegend Nov–Mär, Klima Mai–Sep, Haushalt und Wallbox gleichmäßig.

Monat Nord Süd Verbrauch (Annahme) Nord nutzbar
Jan 105,69 454,84 1265 106
Feb 176,27 724,43 1130 176
Mar 356,66 1207,62 1040 0
Apr 574 1551,77 890 0
Mai 943,02 1592,46 710 0
Jun 1137,56 1561,63 920 0
Jul 1044,64 1557,73 1040 0
Aug 701,54 1501,86 965 0
Sep 417,28 1312,12 830 0
Oct 251,36 988,5 860 0
Nov 127,95 568,47 1085 128
Dec 80,52 398,69 1265 81
Summe 13.420 5.916 12.000 490

Von 5.916 kWh sind ca. 490kWh nutzbar; nur in vier Monaten reicht das Süddach allein nicht für den Bedarf, in allen anderen Monaten ist der Nordstrom Überschuss.

490 kWh × 30 ct/kWh, der Rest (5.426 kWh) wäre Überschusseinspeisung - bei 5–8ct/kWh wären das insgesamt ca. 420–580 €; amortisieren würde sich die Nordseite also nach ca. 10–13 Jahren.

Ich glaube dass Du etwas anders herangehen kannst. Die 16kWh Speicher sind eher knapp. Ich würde vielleicht Paneele von Süd nach Nord umlegen und das Geld in den Speicher stecken. Der wird im Winter zwar nicht voll, aber Feb/März und Sep/Okt hast Du auch mehr als 50% vom Verbrauch (Kochen/WP) wenn die Sonne nicht (ausreichend) scheint. Da geht auch nur bedingt was mit Überschuss wegheizen, eher zählt jede Stunde Verschiebung/Verlängerung. Den Speicher nachzurüsten ist eher aufwändig. Lieber 6kWh gleich drauf gepackt. Ich habe 18kWh bei 11kW Peak und war ab KW10 dieses Jahr fast autark, hab im März 600kWh eingespeist und 240 bezogen - da wäre noch Potential für 2-4kWh, aber der Turm ist bauseits erst mal voll. Den Mittagspeak kriegst Du so oder so nicht genutzt. Im Sommer hat die Nordausrichtung vielleicht auch noch etwas Streckung morgens/abends. Unser Dach ist auch genau Nord Süd, und ich würde heute glaube ich auch 1-2 Reihen auf Nord-Ost legen, im Westen sind Bäume.

Kannst du so nicht rechnen, stell dir vor, im Dezember ist es 10 Tage so düster, dass du kaum was vom Dach bekommst und dann hast du 2 Tage Sonnenschein, wo mehr kommt, als du brauchst.

So, wie du es gerechnet hast, bräuchtest du einen sehr großen Speicher, um Erzeugung und Verbauch lange verschieben zu können. So ein großer Speicher lohnt aber nicht.

Tatsächlich nicht? Das sehe ich (mal wieder und wie immer :wink: ) anders weil es extrem darauf ankommt, wann das E-Auto zur Verfügung steht zum laden. Was nützt es wenn der Wagen erst nachmittag da steht, mit 16kWh der Akku voll ist, und der Wagen dann geladen wird? Dann geht die Sonne ggf. schon unter und man muss den einen Akku mit dem anderen Akku laden.

In dem Falle würde ich es wirklich nicht mit der Nordseite machen, die Südseite erzeugt im Sommer sowieso schon mehr als nötig, die 400kWh und dafür knapp 50% mehr belegen. Was natürlich wieder ein Argument sein kann ist, dass wenn man nur 50% einspeisen darf, und die Nordseite dient als "Argument". Sprich, man installiert 25kwp um mit einem 25KW Wechselrichter 12,5KW einspeisen zu dürfen. Würde man nur Südseite mit 13kwp machen und einen 15KW Wechselrichter einsetzen darf man nur 7,5KW (bei 50%, ich bin mir nicht sicher ob das in Deutschland nach Wechselrichter oder Modulen berechnet wird, daher bitte nachkorrigieren) einspeisen im Sommer.

In jedem Fall aber ist der Akku zu teuer. Da würde ich wirklich lieber auf Niedervolt gehen. Nur als Vergleich, aber das ist ohne Installation:

Da bekämst du ungefähr für 5300€ 64kWh Speicher... Damit kann man dann im Sommer auch das E-Auto nachts laden. Mit einem großen Wechselrichter der überdimensioniert gegenüber der PV-Anlage ist, der beispielsweise 20 oder 25KW 3-phasig kann, kann man dann sogar sein Haus mit betreiben und das E-Auto mit 22KW laden. Oder runter auf 11KW und es bleibt fürs Haus noch 14KW. Mit den 64kWh Speicher klappt es auch viel besser mit Eigenverbrauch im knackigen Winter. Wenn dann mal ein paar Tage Sonnenschein sind, kann das anstatt verkauft zu werden eingelagert werden, mit Verlusten natürlich, aber das ist besser als wenn man verkauft und dann den Strom wieder kaufen muss.

Wichtig ist immer das Zusammenspiel und was man davon hat.

Ja. Aber ob es eine gute Idee ist, das Auto bei Speicherverlusten auf den Round Trip zu schicken muss auch gut überlegt sein - und ins Konzept passen. 22kW@home ist schon eine Nummer.

Geh mal von 10% Verlust aus, bei mir ist es weniger, es ist aber auch nur das, was mir der Deye Wechselrichter ausspuckt. Dann würden 60kWh eingespeichert werden und 6kWh sind weg.
54kWh müssen nicht mehr gekauft werden. Ist doch ein guter Schnitt. Weniger Einspeisung sind 10ct = 6€. Und weniger kaufen zu 25ct sind 13,50€. 7,5€ gespart minus einem Vollzyklus des Akkus. 22KW ist ne rote CEE32 Dose in der Garage. Es ging nur ums können, nicht ums brauchen. Wenn es ums brauchen geht brauchen die meisten nur mit ner Steckdose nachladen. Bei ca. 3000kWh fürs E-Auto die im Eingangsbeitrag berechnet wurden sind das um die 15 000 - 20 000km p.a Wohl so 70-100km am Tag. Also so um die 20kWh am Tag.

Deswegen ja: Je nach Bedarf. Ich sehe nur keinen wirklichen Sinn darin einen Akku zu 6000€ zu kaufen mit 16kWh gegenüber ca. 64kWh für dasselbe Geld. Dann äquivalent nen 16kWh zu ca. 2000€ oder eben mehr kWh und auch mehr mögliche Leistung.

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Moin Tim,
zu der Modulfrage kann ich leider wenig beitragen, aber eine Frage kam mir bei deinem Eingangspost in den Sinn: Ist denn das Dach (noch) nicht sanierungsbedürftig? Daran dene ich, da ich eine ähnliche Situation habe: Haus von 1965 mit vermörtelten Betondachsteinen - ohne Dämmung und auch ohne Dachüberstand.

So gerne ich da auf die Südseite (keine Gauben, nur drei Dachflächenfenster) PV drauf hätte, ich sage mir immer, dass zunächst das Dach neu muss (Dachüberstand, Aufdachdeckung und neue Eindeckung). Wie sieht das bei dir aus?

Gruß,

Gorden

Neulich mit einem RMH Nachbar gesprochen, der das Dach letztes Jahr auch neu gemacht hat (Baujahr 1967): Inbesondere die Teile oben am First waren doch schon richtig am bröseln. Einige haben noch die Original Betondachsteine ohne sichtbare Schäden, eine ältere Nachbarin mußte was flicken lassen, aber ne PV drüber machen würde ich nicht empfehlen.

P.S. Bei Ziegeln mag es mit der Lebensdauer anders aussehen.

Unsere liegen auch schon 56 Jahre ohne Probleme und Aussandungen. Jeder wie er will. :wink:

Ja, die 10% sehe ich hier auch in etwa vom FEMS. Isso.

Für den einen sind 10% akzeptabel, andere schalten die WP aus dem Standby in den Tiefschlaf um jede Nacht 200Wh zu sparen und zu verkaufen. Wichtig ist, dass man sich bewusst ist was da passiert, und entscheidet. Ich hab mich von den Solateuren bequatschen lassen, mein Speicher wäre ineffizient (finanziell) groß, hab dann 1Jahr später auf den Wert nachgerüstet den ich vorher im Auge hatte, und bin trotzdem marginal zu kurz gesprungen. Zum Glück hat der angepasste Modulpreis den Mehraufwand überkompensiert :wink: