ich bin ganz neu hier im Forum und habe direkt eine Frage zum Thema Kabelquerschnitt, Brandschutz und Normen.
Mein Setup:
Speicher: Anker Solarbank 4 Pro im Keller (steht vor der Revisionsklappe eines stillgelegten Kaminzugs)
Module: 8x Aiko 500W Panels auf dem Dach (Imp: 13,21 A | Vmp: 37,9 V)
Verschaltung: Jeweils 2 Module über Y-Adapter parallel geschaltet
Kabellänge: Ca. 15 Meter vom Dach durch den Kaminschacht in den Keller
Aktuelle Verkabelung: 6 mm² Solarkabel
Mein Problem / Meine Frage:
Ein Kumpel wies mich darauf hin, dass 6 mm² bei 15 Metern Länge zu knapp bemessen sein könnten. Online-Kabelrechner spucken bei mir Werte von 10–12 mm² aus. Der Anker-Support wiederum meinte auf Nachfrage, dass 6 mm² völlig ausreichen.
Was stimmt denn nun? Brauche ich für einen sicheren und normgerechten Betrieb (Stichwort Brandschutz) zwingend 10 mm², oder sind die 6 mm² völlig unbedenklich?
Hinweis: Mir geht es in erster Linie um die Sicherheit und den Brandschutz, nicht um das allerletzte Prozent Effizienz oder Ertragsoptimierung.
Danke Oliver, für die schnelle Antwort. Die Kabel werden oben am Kamin noch Zugentlasten und in Flexrohr gesteckt. Warum kommen die Onlinerechner dann auf viel größere Querschnitte?
Wegen Sicherheit brauchst du dir keine Sorgen machen, da reichen die 6 mm² völlig aus. Da kannst du locker 30A drüber jagen. Vor allem wirst du die max. Leistung nur kurzfristig haben. Das Problem ist eher der Spannungsabfall. Da musst du schauen wie der MPPT Bereich in deiner Anker ist. Bedenke bei 60ºC Modul Temperatur sinkt die Spannung nochmals.
Naja, bei 30A sind das ca. 4Volt. Dass alleine sind schon 120 Watt. Wenn der MPPT dann nicht mehr arbeiten kann, weil ein Modul verschattet ist, dann fällt der String komplett weg.
Wenn das Modul verschattet ist, hat es eh keine Leistung mehr, dann fallen auch keine 4V mehr ab. Es ist auch wirklich schwer, ein Szenario zu finden, wo 4V für den MPPT ein Problem wären. Man ist doch weit weg von der unteren MPPT Grenze.
String ist es auch nicht, da sind keine Module in Reihe geschaltet, sondern parallel. String würde ich mal definieren als Reihenschaltung von Modulen.
In der Parallelschaltung ist die Verschattung eh unproblematisch. Das verschattete Modul liefert einfach keinen Strom mehr, wird aber nicht zum Kurzschluss.
danke für die ganzen Rückmeldungen. Anbei mal ein Screenshot von einem Kabelrechner.
Womit ich mir auch total unsicher bin ist der zulässige Spannungsanfall. Wenn ich es richtig verstehe, wird dieser ja im Ende zu wärme. Wenn ich den jetzt auf 4-5% hoch setze, dann komme ich zumindest auf die oben erwähnten 10mm².
Hi, und wie viel Volt/% - Spannungsabfall dürfen es maximal sein ? Ich habe irgendwo gelesen optimal wären 1% und maximal nicht über 5%. Da würde ich ja knapp am kritischen Bereich vorbei Schrammen.
Sorry, übersehen, dass Du ja 3%, nicht 3V angegeben hast … Mit 10mm2 wärst Du bei 3.8% statt 6.3%, für noch mehr gibts wohl keine MC4 Stecker. Preisfrage für 2.5% mehr Strom …
Ich glaub, das ist die falsche Frage. Maximal in welcher Hinsicht? Eine Solarpolizei, die einen maximalen Wert vorgibt? Ein physikalischer Zusammenhang, wo bei Überschreitung nichts mehr geht? Ein Kabel, was sich zu sehr erwärmt? Zu viel Verluste, die man aus ganz persönlicher Einschätzung nicht will? Oder was soll das sein?
Wie du geschrieben hast, wird alles, was am Kabel an Spannung abfällt, als Wärme umgesetzt. Und es gilt P = U * I, also die Verlustleistung, die 100% als Wärme wirksam wird, wäre über die gesamte Kabellänge dann z.B. P = 4 V * 26A = 104 W. Wenn also dein Module voll bestrahlt werden, heizt du übers Kabel mit 104W. Bei 15m Länge sind das 7W pro Meter. So bekommt man schonmal ein Gefühl dafür, worum es geht.
Bei "Maximal" geht es mir in erster Linie um Sicherheit und Norm. Ich möchte kein Brandrisiko entstehen lassen und soweit Normgerecht sein, dass die Wohngebäudeversicherung im Schadensfall nichts zum aussetzen hat. Die Effizienz ist erst zweitrangig. Für nur 2,5% Ertrag mehr würde sie die Investition in die 10mm²-Kabel nicht lohnen.
Da scheint es direkt für Solarkabel eine Norm zu geben. DIN EN 50618.
Danach sind die Maximalströme in der Verlegeart auf Oberfläche anliegend:
4mm² - 52A
6mm² - 67A
Deine 13 A sind also weit weg vom Limit. Und auch ab dem Punkt, wo du 2 parallel schaltest, bist du mit 26A noch weit weg. Allerdings: Achte auf gute Qualität bei den Y-Verbindern und check die auch mal auf Wärmeentwicklung, wenn die Module voll besonnt sind.
Von den Verlusten her sind bei deiner Länge denke ich die 6mm² sinnvoll.
Da steckt ein Denkfehler drin. Dein Kumpel meint, dass die Länge etwas mit dem Querschnitt zu tun hat, wenn es um Sicherheit geht. Das ist aber falsch. Die Länge spielt dabei überhaupt keine Rolle.
Wenn du hingegen fragst, welche Verluste du über die Leitung hast, spielt Länge direkt eine Rolle.
Der Wegfall des verschatteten Moduls hat aber genau nichts mit dem Querschnitt der verlegten Solarleitung zu tun. Egal wie groß ich den Querschnitt wähle, gegen Schattenwurf bleibt die dickste Leitung machtlos.
Ich habe die Kabel im Laufe der Woche regelmäßig überprüft: Bei einer Leistung von ca. 2 kW waren sie jeweils nur lauwarm. Die Solarbank und die MPPT-Eingänge haben da deutlich mehr Hitze abgestrahlt.
Zwei Punkte beschäftigen mich allerdings weiterhin:
Mangelnde Aufklärung: Das Thema Anlagensicherheit und Brandgefahr wird im Netz meiner Meinung nach viel zu stiefmütterlich behandelt.
Kabelquerschnitt in der Praxis: Kabelquerschnittsrechner spucken meist sehr große Querschnitte aus (vermutlich primär zur Effizienzsteigerung/Spannungsfallvermeidung). In der Praxis wird mir jedoch fast überall pauschal zu 6 mm² geraten.
Ich bin doch sicher kein Einzelfall, der eine Kabelstrecke von über 10 Metern mit mehr als 25 Ampere betreibt. Mich wundert es extrem, dass man zu dieser spezifischen Konstellation so wenig findet.
Wie sind da eure Erfahrungen oder Einschätzungen?