ich plane die Umstellung unseres Zweifamilienhauses von Ölheizung auf eine Luft/Wasser-Wärmepumpe und würde mich über eure Einschätzung zur Auslegung und Gerätewahl freuen.
Gebäude:
Zweifamilienhaus
Baujahr: 1957
Wohnfläche: ca. 220 m²
Heizkörper / Radiatoren (keine Fußbodenheizung)
Bisheriger Verbrauch:
ca. 2.500 Liter Heizöl pro Jahr
inklusive Warmwasserbereitung
Heizdaten:
Vorlauf bei NAT (-12 °C): ca. 47 °C
Vorlauf bei +15 °C Außentemperatur: ca. 25 °C
Geplante Wärmepumpe:
Luft/Wasser-Wärmepumpe als Monoblock
Kältemittel: R290 (Propan)
angedachte Leistung: ca. 8 kW
Umsetzung:
Einbau weitgehend in Eigenleistung
Unterstützung durch einen befreundeten Heizungsbauer
finale Abnahme durch den Heizungsbauer
Förderung:
8.000 € Förderung vom Landkreis bereits zugesagt
zusätzlich plane ich die 55 % staatliche Förderung
Meine Fragen:
Passt eine 8-kW-Wärmepumpe zu meinem Verbrauch bzw. zur zu erwartenden Heizlast?
Sind meine Vorlauftemperaturen aus eurer Sicht gut für einen wirtschaftlichen Betrieb mit Radiatoren?
Macht es in meinem Fall Sinn, die Wärmepumpe primär anhand des bisherigen Ölverbrauchs auszulegen?
Ich frage mich, ob eine klassische Heizlastberechnung bei einem Haus von 1957 trotz der relativ niedrigen Vorlauftemperaturen eventuell zu konservative oder unrealistische Ergebnisse liefern könnte. Wie seht ihr das?
Welche R290-Monoblock-Geräte könnt ihr für diesen Anwendungsfall empfehlen?
Worauf sollte ich bei der Eigenmontage besonders achten (Hydraulik, Volumenstrom, Regelung)?
Mir ist wichtig, die Anlage technisch sauber und wirtschaftlich sinnvoll auszulegen. Gerade bei der Dimensionierung möchte ich lieber praxisnah als rein theoretisch vorgehen.
Ich habe, bei 12.000 kWh Heizverbrauch mit Gas, auf einen 5 kW Monoblock an Heizkörpern mit Zusatzlüftern umgebaut. Das ist ohne Warmwasser und reicht gerade so bei NAT.
Auch wenn ich Deine 47° VL bei NAT erstaunlich gut finde, fehlt die Möglichkeit, mit Zusatzlüftern etwas rauszuholen.
Ok, es fehlen noch einige Angaben ohne die Empfehlungen schwer werden.
Wie hoch ist die Warmwassertemperatur? Wieviel Warmwasser wurde verbraucht? Wieviel Warmwasser soll in etwa verbraucht werden (Personen, Verhalten, Badewanne, Dusche, 1,2 Duschen?) Gibt es eine Zirkulationsleitung?
Die jetzige Heizungsanlage besitzt einen Pufferspeicher? Wie groß? Was für ein Modell? (sind innen Wärmetauscher oder nur ein nackter Tank?)
Die Heizkörper sind welche? 33er? Überall? Gibt es die Möglichkeit für größere Heizkörper? 47°C wurde getestet? Wenn 45°C eingestellt wird, welcher Raum wird dann zu kalt? Kann man da ggf. Heizkörper nachrüsten? Wieviele Heizkörper gibt es und wie ist die Anbindung (Rohrdurchmesser)? Welche Pumpe wird für den Heizkreis verwendet?
Ich sehe 12 KW als Untergrenze an. Das ist allein wegen deines Jahresverbrauchs, aus dem man schließen kann, dass es nicht besonders gedämmt ist. Wenn häufig geduscht und gebadet wird, dann gern auch 15KW.
Es wohnen insgesamt drei Erwachsene und ein Baby in dem Haus. Warmwasserverbrauch kann ich leider nicht genau beziffern. Wir haben eine Warmwassertemperatur von 45 Grad. Bitte keine Legionellen-Diskussion starten
Zirkulationsleitung ist vorhanden, allerdings nur die ersten Meter bis es in das Erdgeschoss geht.
Pufferspeicher ist nicht vorhanden.
Die meisten Heizkörper sind Typ 22. Im Dachgeschoss sind noch zwei Gussheizkörper vorhanden. Alles austauschbar. Ich frage mich wie lange sowas dauert bis es sich amortisiert. Kann jetzt leider bei diesen Temperaturen schwierig die Vorlauftemperatur absenken und testen, hätte ich früher machen müssen …
ich kann ja trotzdem eine Heizlastbrechnung mit Heizreport machen um die Förderung zu beantragen. Ich frage mich nur ob da was sinnvolles rauskommt, weil mein Haus zwar alt ist, aber mit einer sehr niedrigen Vorlauftemperatur warm wird. Dämmung kann ja also im Prinzip nicht soo schlecht sein.
Ich glaube die oberste Geschossdecke ist ausreichend gedämmt. Der Dachboden ist nicht ausgebaut. Müsste ich die Tage nochmal genau schauen.
Bei dem Wärmepumpenrechner komme ich mit der Vaillant aroTherm plus VWL75/8.1 ganz gut hin. Wundert mich eigentlich auch. Andere Wärmepumpen bei denen was brauchbares rauskommt wie die Lambda oder die Viessmann Vitocal haben viel mehr KW.
Vorher 25 000kWh. Ich gehe davon aus, dass das ein Öl-Brennwertkessel ist. Also fast 1:1 Verbrauch und deswegen könnten 8KW zu wenig sein. Kann sein dass er die VWL75/8.1 annimmt aber dann sind die letzten Grad nur mit Heizstab möglich. Auch das kostet Effizienz.
Aber nehmen wir an das geht alles mit der WP. VL ist 47°C bei NAT, bei +15°C muss sie schon heizen mit +25°C VL. Das bedeutet, die 25 000kWh laufen für die Wärmepumpe auch in einem sehr guten COP-Bereich, weil es viele Tage gibt die +15°C bis ca. +10°C haben. Zudem auch nur Warmwassertemperaturen von 45°C. Also rechne ich mit einer JAZ von 4. Das wären 6250kWh.
Wegen der relativ hohen Anfangsschwelle beim heizen (schon bei +15°C AT) wird wahrscheinlich auch nur eine 8KW Wärmepumpe vorgeschlagen, deine meisten Stunden zum heizen sind nicht bei NAT oder tiefen Minustemperaturen. Sondern schon viel eher. Daher fallen dann so 100, 200 Stunden bei tiefen Temperaturen nicht so sehr ins Gewicht.
1°C VL = ca. 2,5% Effizienz. Meist muss man gar nicht alle Heizkörper tauschen. Das wäre auch viel zu teuer. Da du alles selber machst jedoch kein Problem. Ansich wäre es besser gewesen vorher zu wissen, welcher Raum als erstes zu kühl wird, also hydraulischer und thermischer Abgleich. Manchmal sind das vor allem kleine Räume, dann ist aber egal ob die mal nen Grad kühler sind. Oder es sind sehr große Räume wo es nicht mehr reicht, da reicht dann nen dicken 33er hinstellen und man kann so vielleicht die gesamte Heizung um 4°C VL absenken. Aber: Das kannst du später auch noch machen. Wenn abgeglichen wird siehst du das und kannst selektiv jene Heizkörper tauschen, bei denen der Raum als erstes zu kühl wird, wenn nicht mehr Durchfluss und wenig VL ausreicht.
Der Rest ist… persönlich. Ich halte persönlich nichts von Viessmann, Vaillant und Konsorten. Die Ersatzteile sind teuer, der Handwerker will auch was verdienen, für sowas bin ich zu geizig. Eher würde ich eine günstigere WP kaufen und dann die Hydraulik verbessern, als sowas zu kaufen. Wie geschrieben, jeder hat da eine andere Meinung.
Das ist erstaunlich gut und wahrscheinlich darauf zurück zu führen, dass die Heizkörper total überdimensioniert sind aufgrund verschiedener Maßnahmen seit 1957.
Vielleicht ist, warum auch immer, der Fußpunkt einfach so eingestellt. Ggf. “muss” sie das gar nicht. Bei 25°C VL und Heizkörpern wird ja quasi fast keine Wärme übertragen.
Da könnte schon ein erheblicher Teil auf die TWW Bereitung draufgehen. Vielleicht testest Du mal das neue Tool und rechnest mit 2.000 bis 2.100 l Öl nur für Heizung ohne TWW.
Hier wurde meines Wissens nach nicht großartig gedämmt. Liegt glaube ich an den rund 33cm dicken Hohlsteinwänden.
Wie kann ich das verstehen? Was denkt ihr wann sie anfangen sollte zu heizen und mit wieviel Grad Vorlauf?
Neues Tool? Wo gibt es das?
Kann gut sein, dass das einfach so eingestellt war. Was denkt ihr denn was vernünftige Werte für den Anfang des Heizens und die Temperatur an dem Punkt wären?
Denke so werde ich es machen.
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Das hilft mir sehr weiter bei der Planung.
Sollte ich mich also nicht zu sehr auf die Werte aus dem Wärmepumpentool versteifen? Dort werden nämlich unterschiedliche Modelle mit ähnlichen Werten total unterschiedlich gewertet …
Nehmen wir an, du gibst an: 25 000kWh bei +15°C muss geheizt werden. Dann teilen sich deine 25 000kWh auf eine Anzahl an Stunden auf. Das Tool nutzt dann die Standortdaten und erfasst wieviele Stunden es bei welchen Außentemperaturen gibt. Nehmen wir an bei +15°C bis +10°C sind das 500 Stunden im Jahr. Und die Stunden von +10°C bis 0°C sind 1500 Stunden. Und von 0°C bis -10°C sind es 200 Stunden.
Dann teilen sich die 25 000kWh auf 2200Stunden auf.
Hast du aber im Tool +10°C eingestellt, sind es nur noch 1700 Stunden. Und weil, je kälter es draußen ist, desto mehr Leistung benötigst du.
Ergo sagt er dir dann bei schon +15°C Heizgrenze beispielsweise 8KW reichen.
Bei +10°C Heizgrenze könnten 12KW reichen.
Dazu kommt dann der Anteil am Takten und Vereisen, der sich dann verschiebt. Wann nun deine Heizung anspringt, das weisst nur du.
Wenn du weiter so heizen willst, und das Tool spuckt 8KW aus, dann würde ich eine 9KW nehmen weil die meisten Geräte in jener Größenordnung noch weit genug herunter modulieren können.
Denn es nützt dir nichts, wenn du nun überdimensionierst, du hast einen sehr langen Zeitraum (eben bei Plusgraden) in denen eine große Wärmepumpe viel takten müsste weil sie mehr Wärme bereitstellst, als du brauchst. Deren Kompressor kann aber nicht weniger.
Dann würde ich gucken, wieviele Tage du wirklich kalt hast. Sind das wenige Tage oder Stunden, wäre eine 9KW Wärmepumpe immer noch passend, zur Not kann man einen Heizstab einsetzen. Sind es jedoch sehr viele Stunden, und das dann über 9KW Heizleistung, DANN könnte man überlegen eine Nummer größer.
Und zu guter Letzt: Was bin ich bereit auszugeben? Will ich was sparen und kaufe mir deswegen ein teures Gerät um einen höheren Wirkungsgrad zu haben. Oder spare ich da vielleicht etwas und mache dafür noch etwas Anderes. Vielleicht das Gesparte in die Dämmung einer Wand, oder vielleicht noch eine Klimasplit zum kühlen und heizen im Übergang. Oder… Eine Klimasplit würde die Effizienz im Übergang und Heizperiode noch einmal erheblich steigern, da sie höhere COPs wie eine LWWP hat, zudem kannst du dann evtl. die Heizung leicht unterversorgt betreiben und beispielsweise Wohnzimmer niedriger temperieren, dafür dann wenn du dort bist mit der Klimasplit nachheizen. So laufen beide Wärmepumpen mit höherer Effizienz und es gibt noch Spiel nach oben falls die 9KW doch nicht mehr reichen….
Hatte eigentlich gedacht, dass man die LWWP eher zu klein dimensioniert, damit sie nicht takten. Sie sollte aber natürlich auch nicht viel zu klein sein.
Ich wüsste nicht so richtig, wo ich bei meinem Haus in den nächsten Jahren anfangen sollte zu dämmen, so dass es wirtschaftlich interessant bleibt. Fenster würde Sinn machen, ist aber ein riesen Kostenfaktor und den möchte ich aktuell einfach nicht leisten.
Zusätzlich noch eine LLWP wäre für mich eher ein Notfallplan, falls es gar nicht klappt. Habe ja auch noch einen Holzofen, dann muss der halt mehr laufen.
Ich bin bei den Wärmepumpen an meinen Kumpel gebunden. Der vertreibt Bosch, Kermi, Daikin, Stibel Eltron.