Welche Strategie bei der Wahl des Stromtarifs?

Hallo zusammen!

Mit meiner Anlagenplanung bin ich durch - keine weitere Diskussion nötig!

Ich werde August / September

  • eine 12 kWp PV-Anlage samt E3/DC PRO COMPACT 19,5 Hauskraftwerk
  • eine Viessmann Vitocal 250-A Wärmepumpe samt Brauchwasserpufferspeicher
    bekommen.

Nun hadere ich (in meinen vorbereitenden Gedanken) etwas mit der Überlegung welcher Stromtarif denn am sinnvollsten ist.

Tatsächlich würde ich gerne zu Ostrom gehen. Dynamischer Stromtarif und bestenfalls auch dynamische Netzentgelte. E3/DC verbaut ein hochwertiges Energiemanagement und bietet zudem das neue AI 360° an. Ergo bin ich damit dann eigentlich sogar sehr gut aufgestellt.

Verbrauchsdaten sind recht "normal". BJ '60, nicht energetisch saniertes Reihenmittelhaus mit 120 m². 2 Personen und Katze. 1 Person im Homeoffice. Kein! E-Auto (auch nicht geplant). Auch sonst keine weiteren Großverbraucher. Zu berücksichtigen ist im Altbau mit normalen Heizkörpern natürlich die höhere Vorlauftemperatur und damit einhergehend eine Effizienzminderung der WP = leicht erhöhter Stromverbrauch.

Aber das ist eigentlich auch gar nicht so relevant.

Worum es mir geht ist der dann zu wählende Stromtarif.

Ich gehe grob davon aus, dass wir uns von ~ Mitte April bis ~ Mitte Oktober durch die PV-Anlage und dem großen Speicher annähernd selbst versorgen können. Da spielen die Tarife ohnehin nur eine untergeordnete Rolle - abgesehen von sich unterscheidenden Grund- und Bereitstellungsgebühren.

Spannend wird die Übergangszeit und der Winter, weil da der Stromverbrauch durch den Heizbedarf extrem steigen, und gleichzeitig PV-Erzeugung kaum ins Gewicht fallen wird. Ergo, werden wir deshalb auf jeden Fall Netzbezug haben werden.

Nun frage ich mich, was für uns am sinnvollsten ist:

  1. Normaler Stromtarif der Stadtwerke München
  2. Zusätzlich zu 1) einen extra Wärmepumpentarif mit HT / NT samt Zähler-Kaskadenanschluss
  3. Einen HT / NT Tarif der SWM für alles
  4. Dynamischer Stromtarif

Soll heißen, es geht eigentlich nur um die Heizperiode. Die WP muss da ja annähernd durchgehend arbeiten, da wir keinen Heizwasserpufferspeicher bekommen werden. Allerdings kann ich ein paar Stunden via EMS aus dem Akku bedienen um im dynamischen Tarif die Spitzen abflachen zu können. Akku deshalb, weil das EMS den auch aus dem Netz beladen kann. In Kombi mit einem dynamischen Tarif natürlich spannend.

Problem ist eben auch, dass wir noch keine Erfahrungsdaten haben, wie viel Strom wir dann tatsächlich für die WP zusätzlich benötigen, bzw. zu welchen Tageszeiten wir welchen Strombedarf haben.

Auf den Kopf gefallen bin ich nicht, Mathe und Excel beherrsche ich auch. Aber mir fehlen eben ne ganze Menge reale Daten zum vergleichsrechnen. Zudem sind die Tarifstrukturen so derart komplex und nicht vergleichbar, dass es ohnehin ein riesen Aufwand ist das alles zu berücksichtigen, wenn man es korrekt rechnen will.

Wie würdet ihr euch dem Thema annähern um eine Entscheidung für einen Anbieter samt Produkt treffen zu können?

Tarife und Stromversorgung kann ich dir direkt nicht empfehlen,
einige Überlegungen, wie man die Auswahl und Berechnuing gestaltet schon.

  • Zwei Tarife heißt zweimal Grundpreis, also berechne wieviel kWh du allein durch den eingesparten Grundpreis in dem Normaltarif oder HT/NT-Tarif kaufen kannst.
  • Wenn du einen WP-Tarif hast, kannst du die WP auch mit Solarstrom füttern oder nur mit Netzstrom?
  • Ein WP-Tarif enthält immer auch mögliche Abschaltzeiten. Ist deine WP groß genug dimensioniert, dass sie in den erlaubten Laufzeiten das Haus auch bei NAT warm halten kann?
  • Den Stromverbrauch der WP kannst du grob nach oben abschätzen mit deinem bisherigen Öl-/Gas-Verbrauch in kWh geteilt durch 4 bei einem Brennwertkessel, bei einem älteren Kessel kannst du ggf. auch durch 5 teilen.
  • Mein Stromverbrauch der WP hat sich folgendermaßen auf die Heizmonate verteilt
    Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr
    5,77% 13,08% 21,87% 25,06% 19,42% 10,61% 4,20%
    Der Verbrauch meiner WP lag inkl Warmwasser bei um 4000kWh von Oktober bis April.
    Wobei ich im Oktober und April mit 18kWp PV außer den Regelungsverlusten keinen Strom zukaufen musste.

Bei meinen Berechnungen zum Tarifwechsel aus dem Grundversorgungstarif nur mit den Tarifen meines lokalen Versorgers kam folgendes raus:

  • Zweiter Tarif für WP lohnt nicht Einsparung pro Jahr kleiner 5€, außerdem noch Umbaukosten für Hausnetz, zweiter Zähler etc.
  • HT/NT Tarif in der Grundversorgung Einsparung, je nach Laufzeit der WP (mehr tags, mehr nachts) zwischen 30 und 100€ pro Jahr.
  • Tarif mit Preisgarantie für ein Jahr und erhöhtem Grundpreis Einsparung 100€ pro Jahr.

Zu dynamischen Tarifen habe ich noch nicht abschließend gerechnet, weil ich dazu mehr Batterie benötige, um den zu günstigen Zeiten geladenen Strom zu speichern.
Ohne Speichermöglichkeit kann ein dynamischer Tarif im Winter auch deutlich teurer werden als ein Festpreistarif, da gerade dann, wenn deine WP läuft, auch die Strompreise höher sind als in den Festpreistarifen.

Hoffe es hilft.

Herzliche Grüße
Eclipse

Ich stehe vor der gleichen Fragestellung wie du. Auch die Rahmenbedingungen sind ähnlich, Reihenmittelhaus Baujahr 1963, Dach neu gedämmt, 130m² beheizt, 14kWp PV, 32kWh DIY Akku, LWWP und demnächst FBH im ganzen Haus. 2 Personen, 3 Katzen, 2 AT HomeOffice, kein Auto, Warmwasser mit eDLH.

Meine Taktik ist erst mal einen günstigen Stromanbieter -> OStrom, mit normalen Tarif zu benutzen und 1-2 Jahre Daten zu erfassen. Erledigt.
Auf Grund der instabilen politischen Lage bei der Frage der Netzentgelte, der dynamischen Stromtarife, der Kosten für Zähler, den Entwicklungen bei den Grundgebühren und der Berücksichtigung dieser Risiken bei meinen Berechnungen komme ich immer zum gleichen Ergebnis:

Alle DIY-Maßnahmen wie PV, LWWP, FBH, neues Dach mit Dämmung und Abmeldung Gasanschluß bewirken eine beachtliche Kostenreduktion beim Energiebedarf. Jede weitere Optimierung führt entweder zu höheren Kosten, bei zB. zwei Stromtarifen mit dann zwei Zählern, oder aber ich spare laut meinen Simulationen mit einem dynamischen Stromtarif im besten Fall 100 - 200 €/a das sind ca. 5-10% der bisherigen zu erwartenden Einsparungen.

Also ist die Entscheidung: keine weitere Optimierung und erst mal 2 Jahre abwarten um zu sehen wo es denn real, mit dann belastbaren Zahlen, Optimierungsmöglichkeiten gibt. Aus diesem Grund investiere ich (da ich Elekrtik ebenfalls umbaue) in Datenerfassung -> Stromzähler (ModBus/RS485) für alle relevanten Bereiche wie LWWP, IT, Warmwasser-DLH, Ersatz-/Netzstromverbrauch des Hauses, Akkuverbräuche, Heishamon für WP. Alles angebunden an HomeAssistant + externer Datenbank MariaDB + InfluxDB. Somit bereite ich für die nächsten zwei Jahre eine umfassende Datenerfassung vor um eben in 2 Jahren fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Ich vermute das wir mit Änderungen unseres Verbrauchsverhaltens mehr einsparen könnten bzw. sich ein Mehrverbrauch zu vorher ergeben wird. Oft berichten PV/LWWP-Betrieber davon das ihr Bedarf sich erhöht hat.

Da wir mit eDLH duschen wollte ich einen Abwasserwärmetauscher verbauen. Aber schon dieses Projekt, obwohl sehr kostengünstig (ca. 250€ in DIY), spart uns im Zusammenhang mit nun vorhandener PV nur noch 70€ im Jahr. Obwohl wir mit dieser "einfachen" Maßnahmen den Energiebedarf um 50% reduzieren könnten. Amortisation wäre ca. in 5-6 Jahren. Über meine restliche Lebenszeit sparen wir so vielleicht 50€/a.
Schon an diesem Projekt erkennt man das sich ändernde Grundgebühren oder doppelte Grundgebühren für NT/WP Tarife wenig lohnen.

Je mehr Einsparungen auf grundsätzlichem Niveau man gemacht hat desto weniger gute Optimierungspotentiale verbleiben.

Mir geht es also wie dir: viele gleichzeitige Maßnahmen durchgeführt die sich gegenseitig positiv beeinflussen können, damit schlechte Rechenbarkeit auf Grund der alten Verbrauchsdaten. Und gleichzeitig schlechte Planbarkeit auf Grund der Lobbyarbeit der großen Konzerne, zeigt sich ja schon am Beispiel unserer Wirtschaftsministerin Katherina Reiche – Wikipedia und den geplanten Änderungen mit Agnes.

Eine super "Einsparmaßnahme" ohne Kosten könnte folgendes für dich sein :wink:

Ich habe einen Altbau mit 19kWp Modulleistung (Ost-West) und 29kWh Speicher.
Ansonsten auch neues Dach, Fenster etc. sowie WP seit Oktober. 125m² Wohnfläche. BEV.
Die ersten Tage im Oktober waren noch Autark, von November bis Anfang März habe ich 2300kWh aus dem Netz bezogen.
Ich habe mich für einen günstigen Feststromtarif (Grüüün 21,5 Cent die kWh) entschieden, habe aber auch die flexiblen Preise über Winter beobachtet - Fazit der jetzige Tarif ist der günstigste.
Allerdings scheint es bei uns in der Wurster Nordseeküste momentan recht günstig zu sein was den Strom angeht.

Der letzte Winter war außergewöhnlich windarm. Gleichzeitig war der Winter kälter als der vorherige und durch Ukraine-Pipelines kommt kein russisches Gas mehr nach Europa, was zeitweise für höhere Gaspreise gesorgt hat, was dann beim Strompreis in Wind- und sonnenarmen Zeiten durchschlägt. Wenn wir jetzt einen Winter mit normalem Wind bekommen, was statistisch wahrscheinlich ist, sollte das Strompreisniveau an der Börse deutlich niedriger sein, als im letzten Winter.

Ihr könnte Eure Konstellationen hier durchrechnen und dabei mit verschiedenen Werten "spielen"

Gerade weil ihr recht große Speicher habt, wäre zu prüfen, wie das Modell für zeitvariable Netzentgelte bei Eurem Verteilnetzbetreiber aussieht. Mein Verteilnetzbetreiber hat in den beiden Winterquartalen jede Nacht jeweils 7 Stunden (21 bis 4 Uhr) den Niedrigtarif und das können je nach Netzbetreiber 10 Cent/kWh sein, die man da spart.

Kleines Rechenbeispiel: Wenn ich jetzt neu abschließen würde, läge der günstigste Stromtarif mit festem Preis bei 28 Cent/kWh. Im Januar 2024 lag der Börsenstrompreis zwischen 1 und 5 Uhr im Durchschnitt bei 5,69 Cent/kWh. Zu den 5,69 Cent kommen insgesamt 6,05 Cent/kWh für Stromsteuer, Konzessionsabgabe, Umlagen, etc. und bei zeitvariablen Netzentgelt in den 7 Stunden 0,88 Cent/Netzentgelt für den VNB. Ergibt inkl. MwSt. 15,22 Cent/kWh als Endverbraucherpreis. Und weil die zeitvariablen Netzentgelte immer für ein Kalenderjahr feststehen, kann man damit auch für 1 Jahr fest planen.

Ihr müsste aber prüfen, wie das Modell für zeitvariable Netzentgelte bei Eurem Verteilnetzbetreiber aussieht. Wir haben 866 Verteilnetzbetreiber in Deutschland und jeder kocht sein eigenes Süppchen. Einige gewähren auch nur in beiden Sommerquartalen um die Mittagszeit den Niedrigtarif, was mit PV dann maximal unattraktiv ist.

Ich stehe genau auch vor der Frage, nachdem wir nun eine 12 KW Anlage mit einem 35 KW Speicher haben. Demnächst kommt eine Wärmepumpe dazu und ein e-Auto ist schon vorhanden, ggf. kommt noch ein zweites.
Ich will auf jeden Fall Modul 3 nutzen da wir in Frankfurt eine Ersparnis von ca 6ct in der NT Zeit haben, welche von 0:45-6:15 Uhr ist. Dann möchte ich in der dunklen Jahreszeit den Akku laden und den Strom daraus nutzen (trotz Lade-/Entladeverluste).
Die Frage die ich mir stelle, ob ich dazu noch einen dynamischen Tarif nehme. Und wenn ja, bei wem?

Ist von vielen Faktoren abhängig.

Hast Du bereits ein Smartmeter-Gateway für den dynamischen Tarif?

Wenn nein, was kostet Dich ein Smartmeter-Gateway? Wenn Du es selbst beantragst, gilt nicht die gesetzliche Regelung für die Höchstgrenze, soweit ich das verstanden habe.

Welchen Verteilnetzbetreiber hast Du? Die Regelungen für die Netzentgelte sind unterschiedlich.