Was brauche ich, falls die dynamische Einspeisung kommt?

Hallo, ich habe ein Einfamilienhaus und möchte es nach und nach zukunftssicher gestalten. Das Haus stammt aus den 70ern und hat aktuell noch eine Gastherme. Es wurde aber bereits vor über 10 Jahren saniert (Fassade, Fenster, Dach).

Leider ist der Zählerkasten noch aus den 70ern. Das wird sich nächsten Monat ändern.

Ich möchte die Elektrik auf Batterie, PV, Wärmepumpe und Wallbox vorbereiten. Allerdings bin ich der Meinung, große PV Anlagen mit 10kWp lohnen sich bald nicht mehr wirklich. Eher kleine Anlagen mit 2kWp für den Grundverbrauch.

Mich interessiert eher ein Speicher, der geladen werden kann, wenn der Strompreis günstig ist. Der soll dann erst einmal den Eigenbedarf decken und, wenn es dann irgendwann mal dynamische Einspeisetarife gibt, den Strom auch ins Netz abgibt.

Ich möchte als erstes einen nicht zu kleinen Speicher einbauen und anschließend eine Wärmepumpe. Der Speicher soll auch im Winter dazu dienen, die Wärmepumpe mit günstigen Strom zu betreiben (wenn das Sinn ergibt).

Ich betreibe seit längerem Home Assistant, kann also von den Möglichkeiten profitieren und Dinge selbst steuern.

Ich bin selbst gelernter Elektriker und werde bei dem Umbau dabei sein und selbst aktiv mithelfen.

Der Zählerschrank hat drei Zählerfelder und ein Multimedia Feld.

Meine Frage ist: worauf muß ich bei dem Umbau des Zählerschranks achten? Was sollte für Batterie, Wärmepumpe usw schon alles vorgesehen werden, um später nicht doppelte Arbeit zu haben?

Was könnt ihr mir sonst noch für Tipps geben, damit der Ausbau keine Kostenfalle wird?

LG Markus

Ich würde einen dicken Wechselrichter benutzen mit 20KW und dann NV-Akkus. Das kleine Balkonkraftwerk an einen 48V Akku und denselben Akku an den 20KW Wechselrichter. Der Kleine kann also bei 230V nicht mehr als 800W, aber der Akku wird dann zum einen von der PV beladen, kann aber vom großen WR entladen werden.

20KW damit du auch auf allen Phasen genug ziehen kannst und insgesamt genug Leistung hast. Vielleicht sogar einen 30KW Wechselrichter.

An einen 3 Phasen Wechselrichter hab ich auch schon gedacht. Ich will aber erstmal nur die Vorbereitungen treffen, sofern sinnvoll.

Anfangen will ich erstmal mit einem kompakten Akku von Anker oder sowas. Wobei ich gern ein System hätte, was nicht auf eine externe Cloudanbindung angewiesen ist, aber sich gut in Home Assistant integriert. Könnt ihr da was empfehlen?

Moin @Rustasian

warum meinst du das? Nur weil es eventuell in Zunkunft für die dann neu angemeldeten Anlagen keine Einspeisevergütung mehr geben könnte? Da der Strompreis für den eingekauften Strom vermutlich nicht billiger werden wird, spart man mit jeder selbst erzeugten kWh aus PV den Preis des Einkaufs. Das rechnet sich dann immer noch, wenn du einen Akku mit ausreichender Kapazität hast.

48 V Akkus (Niedervolt, NV) sind zwar preiswerter als HV, doch 30 kW aus NV zu ziehen, erfordert dann 600 A und dafür braucht´s dann schon gewaltige Leitungen, Verteiler und Sicherungen.

Mit Wärmepumpe und BEV kann man eigentlich gar nicht genug PV haben. Im Winter wird auch eine 10 kWp Anlage nicht genug produzieren. Im Sommer kann man den Überschuss für Kühlzwecke einsetzen. Deutschland muss auch noch eine EU Richtlinie umsetzten, die dann “Erzeugergemeinschaften” ermöglicht. Wenn das kommt, kannst du den Strom an die Nachbarn verkaufen.

Bei den Preisen für die beliebten LFP Akkus gab es in den vergangenen Jahren nur die Tendenz: ständig fallend. Nun kommt in absehbarer Zeit noch der Natrium Ionen Akku, der wird im Laufe der Zeit noch günstiger, als LFP. Bis wir hier dynamische Preise bekommen - das wird noch lange dauern. Dafür würde ich nicht heute schon große Akkus kaufen. Und wenn die vielen Großakkus an die Netze angebunden werden, die geplant sind,dann wird der Preisunterschied zwischen morgens, mittags und abends nicht mehr so groß sein, wie er es heute ist. Dieses Geschäftsmodell verliert an Chancen, je mehr Teilnehmer/ Akku´s es geben wird.

L.G.

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Wo wir dann wieder da wären was ich schrieb. Um die Wallbox mit vielleicht 11KW zu versorgen benötigt es auch einen großen Wechselrichter. 3-phasig. Besser mit 2x12KW, dann kann man sogar mit 12KW pro Phase ins Haus. Reicht also für das E-Auto mit 11KW und zusätzlich noch was im Haus wie z.B. kochen.

Aber was nützt das, wenn man das E-Auto mit 50kWh belädt? Dann reich nen kleiner Akku sowieso nicht aus. Ferner benötigt man auch genügend Akkus. Beispiel:

https://www.nkon.nl/de/nkon-ess-pro-51-2v-32kwh-thuisbatterij.html

300A Entladeleistung. 2 Stück davon sind 64kWh mit 600A Entladestrom.

Der 12K Deye macht da sogar zu, weil nur max. 240A. 2 Stück = 480A und damit ca. 22KW. Sollte denke ich reichen. Es muss auch wieder der Akku geladen werden können mit genug Power wenn der Strompreis niedrig ist. Alles darunter für einen “dynamischen Speicher” halte ich für Spielerei. Da gleicht man gar nichts aus mit, vor allem nicht mit E-Auto laden mit günstigem Strom. Dann kommt noch der Verlust vom Netz → Akku → E-Auto bzw. Haus.

Deine Einschätzung könnte hinkommen. Habe ich gar nicht daran gedacht.

Dann ist die Frage, wie viel Speicher ist sinnvoll? Eine PV Anlage allein wird sich nicht mehr lohnen. Wenn es kaum bis keine Einspeisevergütung gibt und im Winter kaum PV Strom produziert wird, um auch nur Ansatzweise einen größeren Verbraucher zu betreiben, wie soll man dann eine Anlage auslegen? Am Ende lohnt sich dann doch nur ein BKW mit kleinem Speicher für den Grundverbrauch?

Von Hager gibt es ein Tool zu Auslegung von Zählerschränken gemäß den Forderungen deines Netzbetreibers, nennt sich ZPLAN.

Man muss sich ja nicht 1 zu 1 daran halten aber es hilft sich schlau zu machen . Das Tool kann auch PV, Wärmepumpe und Wallbox mit verwursten.

Das Tool hab ich auch gefunden, aber erst nachdem ich dem Angebot von einem Elektriker zugestimmt habe. Ich hab mit dem aber alles durchgesprochen und gehe davon aus, dass das berücksichtigt wurde.

Für die Speicher gibt es wunderbare tools hier:

Im Kernwinter (Mitte Nov. bis Mitte Feb.) ist i.d.R. sehr wenig PV Leistung zu erwarten, doch heizen muss ich länger. Daher würde ich bei der PV schauen, was auf´s Dach geht. Beim Speicher lohnt es sich, deinen künftigen Verbrauch zu kalkulieren. Ein Haushalt, wie ich ihn habe, kann kein Maßstab sein. Ich heize mit Pellets, die auch für das warme Wasser sorgen. Gekocht wird mit Gas. Hier werden auch nur Hybrid mit Plug- in geladen. Ich hab eine kleine Insel und ein BKW. PV zusammen ca 3,3 kWp, Akku DIY mit 20 kWh. Ich notiere nur den Verbrauch des selbst erzeugten PV Stromes und habe bisher 2,1 MWh des eigenen Stromes verbraucht. Der Akku war an 5 Tagen in diesem Jahr so voll, dass er den PV Strom nicht speichern konnte (Stagnation), denn einspeisen kann ich mit meiner Anlage nicht. Das BKW ist ein kleiner HMS 800 (ohne WLAN), der direkt mit dem Akku verbunden ist und mittels openDtu angesteuert wird. Die Verbrauchsmessung macht der Tarifzähler, der vom “Hichi” Lesekopf ausgelesen wird und die Daten ins Haus WLAN sendet. Das geht ohne Cloud recht gut. Doch das sind Daten, die dir nicht weiter helfen. Nimm die o.g. tools.

L.G.

Wenn man vom Verbrauch ausgeht und anhand dessen PV und Speicher kalkulieren möchte, müsste man zuerst alle Verbraucher (zb Wärmepumpe, E-Auto…) habe und mindestens ein Jahr den Verbrauch ermitteln, um daraus sinnvolle Rückschlüsse auf PV und Speichergrößen schließen zu können.

Ich schaffe jetzt erstmal weitere Grundlagen und Ermittle den Strom- und Wärmebedarf vom aktuellen Haus. Dh den Strombedarf kann ich anhand der Stromrechnung ermitteln. Wärmebedarf ist etwas schwieriger weil die Heizung nicht optimal eingestellt ist. Und wie ich jetzt feststellen musste war auch die Heizungspumpe schon länger defekt. Dh sowohl Strom als auch Gasverbrauch dürften diesen Winter etwas geringer sein (bei vergleichbarem Wetter)

Kann man so machen aber ich denke es ist nicht die effektiste Lösung.

Systeme mit NV-Akkus haben einen schlechteren Wirkungsgrad als HV-Akku-Systeme.

Ein Wechselrichter mit 20kW hat auch einen nicht unerheblichen Eigenverbrauch.

Auch bin ich der Meinung das, solange man am Netz ist, nicht für Worst-Case auslegen sollte sondern, je nach Wunsch, auf 70-90% der auftretenden Fälle. Alles vorzuhalten ist teuerer als ab und zu etwas zu beziehen.

Den Strombedarf für das E-Auto kalkuliert die HTW mit 20 kWh je 100 km. Wenn du jetzt einen Verbrenner hast und jährlich das Motoröl gewechselt wird, dann hängt im Motorraum ein Zettel mit Datum und km Stand - Zack hast du den Jahresverbrauch in kWh.

Die Heizungsrechnung sollte auch deinen Wärmebedarf in MWh ausweisen. Rechne konservativ mit 1:3 für die Wärmepumpe. Wenn du 12 MWh bisher benötigt hast, dann wird der Stromverbrauch bei 3,5 bis 4 MWh liegen.

Die Winter fallen unterschiedlich aus, mal wärmer mal kälter. Der letzte Winter war nicht sehr kalt in Norddeutschland. Die Heizungspumpe wird nicht den großen Unterschied machen, auch die Optimierung der Heizung ist immer richtig, bringt aber auch nicht “die Welt”. :grinning_face:

L.G.

Das dachte ich auch. Bald kommt hier in Österreich die Leistungsmessung für alle. In dem Moment zahlst du nicht nur für die entnommene kWh sondern nach der maximalen Leistung. Wenn du dann schon Peak Shaving im Wechselrichter hast, umso besser. Wenn du dann noch die passende Leistung hast um das Haus komplett zu versorgen und an anderen Zeiten wieder lädst, umso besser. Der Wirkungsgrad spielt im Sommer quasi keine Rolle weil du dort sowieso genug erzeugst.

Im Winter ist sein Ziel ja den Strom zu günstigen Zeiten zu kaufen und in teuren zu nutzen. Beispiel:

Das ist einen Tag vorher bekannt. Also morgen um 0:00 Speicher volladen für 7,5ct (+Gebühren für den Flextarif). Das spart dann am Tag 5ct die kWh ein. Dazu muss der Speicher groß genug sein und der WR genug können. Der Verlust von ca. 20% sind bei 60kWh = 12kWh. Man kauft 72kWh zu 5,40€ bei 7,5ct. Nutzt 60kWh also sind es 9ct die kWh. Spart also 3ct die kWh, sind 1,8€. Lädt man nun viel das E-Auto und hat das Haus auf Strom kommt da was zusammen.

interessant. Wenn das an 300 Tagen klappt und der Speicher auf 10 Jahre kalkuliert wird, macht das 5.400 €, richtig?

Es ist komplexer aber ich kenne nicht alle Gegebenheiten in Deutschland, das scheint auch ein Hickhack zu sein.

Im Sommer kann man seinen direkt erzeugten Strom selbst verbrauchen. Spart einem die PV und der Akku 1:1 die Kosten, die man hätte. Beispiel: Man hat einen Tagesverbrauch von 10kWh und abends/nachts/morgens 3kWh. Der Akku spart damit schonmal diese 3kWh ein, wieder 0,9€ gespart. Zudem kann man im Sommer, sofern das geht, Strom günstig kaufen und dann wenns teuer ist einspeisen. Man hätte also nicht nur den Bezug um 3ct günstiger, man könnte damit Geld machen.

Alles Theorie und Praxis. Aber wenn ich jetzt schon planen würde, würd ichs eben genau so planen. Keine Ahnung was der TE an Verbrauch hat, an km im Jahr mit Auto, an Verbrauch mit dem Haus, Haushalt, Heizung, Warmwasser, wie groß das Dach ist, etc. pp.

Die 5400€ wären demnach nur dann, wenn man am Tag auch nur 5ct Unterschied hätte und dann den Strom kaufen würde und selbst verbraucht. Netzgebühren etc. fallen ja dennoch an. Es geht nur um die Einsparung bei Kaufstrom. Was im Sommer usus ist, weil man durch PV und Akku höheren Eigenverbrauch erreicht und gar nicht erst kaufen muss.

Das wird bei uns durch die Bundesnetzagentur in den kommenden Jahren neu geregelt. Wie, das wissen wir nicht. Andreas versucht ja ein Anhörungsrecht für die privaten PV Betreiber durchzusetzen. Es bleibt spannend. Ebenso bleibt es spannend, ob der Spreat zukünfig noch so hoch ist, wie heute. Akku´s werden preiswerter und wenn es sich offensichtlich rechnet, werden es viele machen und dadurch werden die Preise sich angleichen, bis es sich nicht mehr rechnet.
Das ist wie Glaskugel schaun.
Ich denke, wie du @roterfuchs : der wahre Gewinn des Akkus ist der erhöhte Eigenverbrauch. Ob man mit Stromhandel einen kleinen Zusatzgewinn auch in Zukunft noch erzielen könnte, ist eher ungewiss.

L.G.

Das stimmt. Aber man hat eine doppelte Investition für Akku und PV. Früher hat sich eine PV Anlage durch die Einspeisevergütung selbst finanziert.

Wenn man sich jetzt eine PV Anlage auf das Dach setzt hat man nicht viel davon, weil es für eine Einspeisung nicht mehr viel gibt, oder, wenn es nach manchen Politikern geht, sogar dafür bezahlen soll. Der Eigenverbrauch ist auch nicht wirklich hoch.

Deshalb würde ich nach aktuellem Stand eher abwarten bis es einen dynamischen Einspeisetarife gibt und dann zuerst einen Akku anschaffen und später mit PV erweitern.

Als Übergangslösung vielleicht ein BKW mit 2kWp und 2-3kWh Akku.

Ich prognostiziere:

  1. Die Bedingungen für PV (Vergütung) werden sich weiter verschlechtern.

  2. Speicherpreise werden weiter fallen

Würde daher immer erst PV vor Speicher machen. Also wenn nur eine Sache geht. Die PV finanziert sich durch den Eigenverbrauch

Moin @maltes

ein kleiner Speicher hilft über die Nacht - dafür sollte die Anschluss Möglichkeit gleich vorgesehen werden.
Deine Prognose teile ich vollständig und ergänze: Speicher werden preiswerter.

L.G.

Also du meinst, dass bisschen Vergütung für eine PV Anlage noch mitzunehmen, so lange es die noch gibt?