Warum man für Akkus ein BMS verwendet

Zum Thema BMS: warum verwendet man eins.

Der Text wurde in einem aktuellen Faden geschrieben, ich stelle ihn hierhin um Wiederholung zu vermeiden.

Vielleicht mal ein paar grundsätzliche Dinge dazu.

In Deutschland verwenden Dachdecker ab einer bestimmten Höhe Absturzsicherung. Im Auto fährt man mit Sicherheitsgurt. Als Kletterer verwendet man zwei Seile. Im Flugzeug haben viele technische Einrichtungen dreifache Redundanz. An einem PKW “darf” jeder die Bremse wechseln, beim Kleinflugzeug nichtmal die Zündkerzen. Und so weiter.

Das nennt man technischen Stand. Der kann in Normen beschrieben/festgelegt sein, oder auch durch gezielte Vorschriften oder sogar Gesetze (z.b. Arbeitsschutzgesetz).

(Man darf von diesem Technischen Stand durchaus abweichen, was ich in meinem Arbeitsleben im Bereich Arbeitsschutz viele Male gemacht habe. Es genügt dazu die nachvollziehbare Prüfung auf fachlicher Ebene, das die andere Ausführung bezüglich Sicherheit gleichwertig oder besser ist als die “normale” Lösung.)

Im Fall des BMS bewegen wir uns in einem nicht weiter festgeschriebenen technischen Stand. Mir ist nicht bekannt, das es dazu geschriebene Vorschrift zu Funktion oder Verwendung gibt. Aber es gibt immerhin einzelne Lithium(NMC) Akkus, die für den Betrieb ohne BMS ausdrücklich zugelassen sind. Das muss schon was besonderes sein, wenn es so betont wird.

Für unseren Fall des Selbstbaus von Akkus bedeutet das, dass wir uns im Bereich der Verantwortlichkeit für persönliches Handeln bewegen. Welches im Problemfall auch erst nachträglich (ggf. durch ein Gericht) bewertet wird: Stichwort (grobe) Fahrlässigkeit.

Solange also einem Akku nichts passiert, ist alles ok. Wenn der aber abraucht, und ggf. noch Menschen dadurch verletzt werden, steckt man möglicherweise in der Zwickmühle der Bewertung der Massnahmen durch Fachleute/Gutachter. (Da kann man natürlich auch mit BMS drinstecken, wenn man dem BMS unsinnige Parameter gegeben hat).

Und in der Folge z.B. für diesem Fall am ehesten Verlust von Versicherungsschutz bei festgestellter grober Fahrlässigkeit. Aber die Unwahrscheinlichkeit hält auch schlimmeres in Petto. Siehe Beispiele unten.

Meine Ratschlag ist damit klar. Ich halte ein BMS für eine gute Lösung.

Die Begründung dafür steht in diesem Text.

Das ganze zieht ja auch nur dann, wenn man kein Glück hat, und noch Pech dazu kommt, wie man so schön sagt. Das ist wie ein Lottogewinn, nur andersrum.

Beispiele:

Irgendwann in den 90ern ist ein Jumbo abgestürzt. Ich meine das war der Fall, wo nur ein Kind überlebt hat. Es hatte dem Jumbo hinten das gesamte Druckschott rausgeblasen, als Folge einer schiefgegangenen Reparatur an der Hülle. Man hatte die Verstärkung einer Nietung falsch aufgesetzt. (Ein Blechstreifen um ei oder mhrere Nietenreihen versetzt). Der Schaden an Steuerleitungen war trotz der Redundanzen so gross, das das Flugzeug letztendlich nicht mehr zum Flughafen zu bringen war. Aufgrund der Arbeitsweise in der Luftfahrt und der dabei üblichen Dokumentation wusste man genau, welche beiden Arbeiter den Fehler gemacht hatten.

Erst kürzlich im TV gesehen: zwei Arbeiter entfernen die Befestigungsschrauben eines Satelliten zur Montagegrundplatte, ohne das wie vorgeschrieben zu dokumentieren. Monate später wird die Platte zur Seite gekippt, und der Satellit kracht herunter. Schaden 12 Mio. Den Namen der Beiden kennt man auch.

Und um aktuelle Themen bezogene Fälle zu nennen:

Hier auf dem Board sind mehrere Fälle von hochgegangenen Akkus bekannt. In 2 Fällen war das Haus unbewohnbar. (In beiden Fällen kein DIY).

Im Falle eines abgerauchten Notstromspeichers eines Rechenzentrums hat man jede einzelne Zelle zerlegt und untersucht, um die Zündquelle zu finden. Und hat sie gefunden. Schaden war im Millionen Bereich, es ging darum festzustellen, wo der fehler lag.

Schon die bekannten Brände von Pedelec-Akkus sind dafür bekannt, dass sie weitergehende Brände auslösen können. Das sind Akkus mit 0,5 kWh. Enstpricht dem Energieinhalt eines Schnapsglases Benzin. Was ihr/wir an Akkus für Versorung Rumstehen habt/haben, 10 bis 100 kWh, entspricht 1 bis 10 Liter Benzin. Die nicht zu löschen sind, wenn sie einmal brennen.

Und damit soll es jetzt genug sein. Jeder, der das liest, soll sich nicht abschrecken lassen, etwas zu tun, sondern bestmögliche Arbeit machen.