TT-Netzanschluss, Meinung erfragt

Guten Abend,

ich bin weit davon entfernt ein Experte zu sein, daher möchte ich gerne die Meinung von den Experten hören.
Wir wohnen ländlich in einem älteren Haus (1959) und meiner bescheidenen Meinung nach haben wir hier einen TT-Netzanschluss.

Das Netz kommt im Keller im HAK an mit L1, L2, L3 und dem N und ist mit 3 x 63A abgesichert.
Dann führt ein dickes 4-adriges Kabel zum Zählerschrank/Unterverteiler, auch hier kein PE vorhanden, nur L1, L2, L3 und N.

Der Erdungsanschluss (Schiene) des Zählerschranks/Unterverteilers geht mittels eines dicken Drahtes zu einer "Ausgleichschiene" anderswo im Keller an der Außenwand.
An dieser Ausgleichschiene ist ein dicker Leiter befestigt, der durch die Außenwand geht.
Im Zählerschrank/Unterverteiler gibt es keine Verbindung zwischen PE und N.

Ich habe ein Schema der Wechselspannungsseite gezeichnet und würde gerne eure Meinung hören, ob die Gedanken richtig sind.
Letztendlich möchte ich zwei gleiche 12kW Hybrid-Wechselrichter parallel schalten, aber diese Zeichnung ist dazu gedacht, meine Gedanken aufs Papier zu bringen und ist die Grundlage.

Ich frage mich, ob ich das richtig verstanden habe und die Erdung wie gezeichnet in unserer Situation korrekt ist.
Ich gehe davon aus, dass wenn die Netzspannung ausfällt, ich das PE/N Relais nicht einschalten muss, also kein Häkchen bei "Inselbetrieb".
Außerdem frage ich mich, ob ich für die MCB's eine 63A Version wählen soll.

Nochmals, ich freue mich auf eure Kommentare... :wink:
Vielen Dank und schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Da bist du wirklich sicher? Hast du mal den Widerstand zwischen PE und N gemessen? Wie hoch ist der?

TT-Netze gibt es in Deutschland, sind aber eher selten.

Wie ist das mit FI/RCD - Schaltern bei dir umgesetzt?

Win, danke fürs Antworten... :wink:

Ich habe noch einmal genau geschaut und kann wirklich keine Verbindung zwischen N und PE finden.
Ich habe kurz die Spannung zwischen N und PE gemessen und die beträgt ca. 0,7V~

Den Widerstand habe ich gemessen, aber ich muss dazu sagen, dass ich das mit einem ganz normalen Multimeter gemacht habe (Fluke) und mich frage, wie zuverlässig das ist, wenn alles unter Spannung steht...

Aber der Widerstand beträgt ca. 1,3 MOhm, also nicht Null Ohm oder etwas in dieser Richtung.

Win, was meinst du mit "Wie ist das mit FI/RCD - Schaltern bei dir umgesetzt?"
Sorry, Deutsch ist nicht meine Muttersprache... :wink:
Aber es sind zwei FI-Schalter in der Unterverteilung eingebaut, 1 x 30mA und 1 x 0,5A.

Diese Optionen hast du. Kommt drauf an, ob deine Leitung vom HAK zum Zähler nen blauen oder gr/ge hat.
Gruß Dino

Hi Dino,

danke für deine Antwort... :wink:
Bei uns kommt ein 4-adriges Kabel vom HAK in den Unterverteiler, 1 x braun, 2 x schwarz und 1 x blau.

Falls du in D oder AT wohnst: einmal alles neu incl. HAK. Sonst wird das nix. HAK mit PE. Du hast IT-Netz, der 0,5A ist wirkungslos. PAS -> HAK + PAS -> Verteiler. 5adrig vom HAK zum Verteiler. Ab da hast dann TN-S und kannst anschließen wie üblich.
Red mim VNB, die haben entweder schwer was verbockt oder irgendwas ist weggefault.

Wie kommst du drauf? Hört sich doch erstmal alles recht schlüssig nach TT-Netz an, was zwar selten ist, aber vorkommt.

Ok, damit hast du wirklich keine Brücke zwischen PE und N. Das deutet dann wirklich auf TT hin.

Aber ein Widerstand von 1,3 MOhm ist nicht schlüssig. Check mal, ob euer Haus sauber geerdet ist. Kannst ja mal irgendwo in Hausnähe einen Metall-Stab in die Erde stecken und checken, wie der Widerstand zur Ausgleichsschiene ist. Vielleicht siehst du auch, ob irgendwo ein Tiefenerder eingeschlagen wurde oder ob ins Fundament eine Erdung geht.

Ja, genau, das meinte ich. Ist der 0,5 A zentral, wo alles drüber läuft? Und was hängt am 30mA FI? Ich vermute nur ein Stromkreis, z.B. Bad oder Außensteckdosen?

Ach ja: Löst der 30mA FI aus, wenn du die Testtaste drückst? Sollte der auslösen, kann etwas mit deinem 1,3 MOhm Wert nicht stimmen.

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nein, das wäre gefährlich, denn dann gäbe es im fehlerfall (gehäuse von einem gerät steht unter spannung) keinen rückweg/keinen stromkreis und der FI könnte nicht auslösen. daß PE und N bei dir nirgends verbunden sind, bedeutet ja nicht, daß es im netzbetrieb diesen stromkreis nicht gibt, er geht halt durch die erde bis zum trafo.

(genaugenommen hättest du dann ein IT-netz, das ganz anders funktioniert als ein TT oder TN und ganz andere schutzmaßnahmen braucht)

Moin,
ein IT Netz kann es nicht sein, da hätte er nur die 3 Phasen im HAK.

Da der TE nur ein 4 adriges Kabel mit blau zum Zähler hat, kommt nur Variante 3, von meinem oberen Post in Frage oder halt Kabel tauschen und ab dem HAK ein TN-S Netz bauen.

Ps. Bitte noch beim VNB nachfragen ! Nicht das du dann der einzige im Ort bist, der den N Leiter erdet und dadurch irgendwelche Ableitströme über deinen (Fundament)Erder fließen

Vielen Dank an alle für das aktive Mitdenken.
Ich hoffe, ihr bleibt weiterhin dabei, auch wenn meine Fragen für die Experten so klar oder sogar überflüssig erscheinen.
Ich habe einfach noch nicht ganz verstanden, wie alles genau funktioniert.

Zum Beispiel, wenn der Wechselrichter off-grid (Inselbetrieb) geht, kann in der Software ein Häkchen gesetzt werden, damit das interne Relais in diesem Moment aktiviert wird.
Dieses Relais verbindet N und PE miteinander, das verstehe ich.
Aber... warum passiert das oder warum ist das notwendig? Aus welchem Blickwinkel?

Ich denke wenn der Wechselrichter mit dem Netz verbunden ist, dann sind N und PE irgendwo miteinander verbunden, wahrscheinlich im Transformatorhäuschen?
Dann ist das Potenzial von N gegenüber PE bekannt.

Sobald der Wechselrichter das Netz trennt und sein eigenes Netz aufbaut, ist das Potenzial von N gegenüber PE nicht mehr bekannt.
Werden N und PE deshalb in diesem Moment intern miteinander verbunden?
Und dient dann der PE als Referenz für das vom Wechselrichter aufgebaute Netz?

Wenn N und PE nicht intern miteinander verbunden werden, dann "schwebt" das von WR hergestellte Netz?
Und kann eventuell eine zu hohe Spannung zwischen N und PE entstehen?

Ich würde das wirklich gerne besser verstehen und hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel, dass meine Fragen vielleicht etwas wirr oder sogar "dumm" klingen...
Ich bin jemand, der nicht einfach etwas tut, sondern es gerne versteht.
Habt also bitte ein wenig Geduld mit mir... :wink:

Danke nochmals... :wink:

IT-Netz sieht idR so aus

Der Schutzleiter ist ja eine Schutzmaßnahme. Es soll sichergestellt werden, dass nie Phase auf einem metallischen Gehäuse (oder auch z.B. Heizungsrohr) liegen kann. Und wenn doch, muss die Sicherung fliegen.

Damit das möglich ist, muss eine Verbindung zwischen N und PE vorhanden sein, weil nur so im Fehlerfall ein Strom fließen kann.

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Nicht ganz, wenn ein Körperschluss vorliegt, sollte die Sicherung abschalten, da das Gehäuse niederohmig Geerdet ist, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt ist, muss der FI SS durch das "fehlen" der 30mA auslösen.
Gruß Dino

Wenn Du sicher sein willst, ob Du ein Tn oder Tt-Netz hast, messe mit einem Installationstester die Fehlerschleifenimpedanz zwischen L und Pe und die Netzinnenimpedanz zwischen L und N. Im Tn sind beide Werte annähernd gleich groß. Im Tt ist die Netzinnenimpedanz deutlich kleiner als die Fehlerschleifenimpedanz. Beim Tt ist in der Regel ein Rcd erforderlich weil durch die hohe Fehlerschleifenimpedanz die Abschaltzeiten nach 0100-410 mit Überstromeinrichtungen nicht eingehalten werden können. Diese Fehlerschleifenimpedanz im Tt hängt vom Leitungswiderstand der Phase vom Trafo zum Betriebsmittel, dem Betriebserder des Trafos und des Anlagenerders in Deinem Haus ab. Der Netzbetreiber wählt gern ein Tt-Netz in ländlichen Gebieten in denen wenig Kundenanlagen sind. Jede Kundenanlage hat einen Anlagenerder. Damit der Vnb im Tn einen niedrigen Betriebserderwiderstand gewähleisten kann, braucht er viele Kundenanlagen mit Anlagenerdern. Die Parallelschaltung aus vielen Anlagenerdern und des Betriebserders des Trafos ergibt dann den gesamten Betriebserder. Hat er wenig Kundenanlagen und Anlagenerder, ist es geschickter ein TT Netz bereit zu stellen. Dazu kommt noch dass in ländlichen Gebieten oft Freileitungen verbaut werden. Würde ein Ast oder Baum den Pen Leiter durchbrechen, könnte im Fehlerfall keine automatische Abschaltung der Stromversorgung erfolgen.

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Wir haben auch nur ein 4adriges HAK bis zum ZS aber im ZS werden N und PE (über PAS) miteinander verbunden. Unser Haus ist von 1973. In den ganz alten Häusern hatte man oft nur 2 Adern zu den Steckdosen und hat später oft einfach bei den Schukodosen PE und N verbunden - ohne eine echte Erdung. Das ist natürlich gefährlich, weil es dann keinen wirklichen Schutzkontakt gibt. Wenn der N nun irgendwo getrennt ist, kann nach Einschalten eines Verbrauchers (Glühlampe etc.) das Gehäuse unter Netzspannung stehen!

Habt ihr denn Schukosteckdosen verbaut? Wenn Du zwischen N und PE dort den Widerstand mißt, müßte der klein sein (unter 1 Ohm oder wenige Ohm). Wenn er über 1 MOhm ist, dann hast Du keine Schutzerde und damit wohl ein TT-Netz. Da nimmt dir kein Elektriker eine PV-Anlage ab - das muß alles neu!